Lasst uns Deutsch lernen!

Zwei Jungs sitzen in der Schule und lernen mithilfe eines Buchs Deutsch.
Lehrbücher erstellen, Deutsch im Ausland unterrichten oder sich für den kulturellen Austausch einsetzen - Fachkräfte für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sind vielseitig einsetzbar.
Foto: Martin Rehm

Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Lasst uns Deutsch lernen!

Deutsche Sprache, schwere Sprache - das denkt sich wohl so mancher Nicht-Muttersprachler beim Lernen. Deshalb braucht es Fachkräfte für Deutsch als Fremdsprache (DaF) und für Deutsch als Zweitsprache (DaZ), die Schülern nicht nur Grammatik und Vokabeln, sondern auch die deutsche Kultur und Literatur näherbringen.

Die beiden Fächer Deutsch als Fremd- sowie Deutsch als Zweitsprache haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber in der Zielgruppe. „Bei Deutsch als Fremdsprache wird dem Lernenden die deutsche Sprache als eine Fremdsprache vermittelt“, erklärt Ralf Hoffmeister, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Leipzig. „Unterrichtet wird in dem jeweiligen Heimatland des Lernenden, entweder an Schulen oder in Sprachkursen, wie denen an Goethe-Instituten.“ In Deutschland gehören zu dieser Zielgruppe meist Studierende oder Berufstätige, die danach wieder in ihr Heimatland zurückkehren.

Deutsch als Zweitsprache findet im Unterricht in Deutschland statt und ist für Menschen, die im Land arbeiten und leben möchten. Die Lernenden haben durch alltägliche Situationen erste deutsche Sprachkenntnisse erworben, die sie verbessern wollen. DaZ kommt gerade in den vergangenen Jahren eine große Bedeutung zu, um etwa anerkannte Geflüchtete, aber auch emigrierte Fachkräfte in Deutschland zu integrieren und den kulturellen Austausch zu ermöglichen.

Wie ist die deutsche Sprache aufgebaut?

Porträtbild von Ralf Hoffmeister

Ralf Hoffmeister

Foto: privat

Abiturienten, die sich für das Studium in diesen nahe beieinander liegenden Disziplinen entscheiden, sollten nicht nur Spaß an der deutschen Sprache haben, sondern in der Schule auch gut mit Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck klargekommen sein. Denn DaZ und DaF zielen in erster Linie auf eine Lehrtätigkeit ab. „Wer testen will, ob ein sprachwissenschaftlicher Studiengang in Frage kommt, sollte einen studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) im Bereich Philologie bei der örtlichen Agentur für Arbeit machen“, empfiehlt Ralf Hoffmeister.

Zu den Inhalten des Bachelorstudiums zählen zum Beispiel Linguistik, also die Sprachwissenschaft mit Blick auf die deutsche Sprache und den Vergleich zu anderen Sprachfamilien, sowie die Phonetik, die Sprachlaute wissenschaftlich untersucht. Auch die Didaktik, also die Lehre, sowie interkulturelle Kommunikation und Literaturwissenschaft spielen eine Rolle. Je nach Angebot der jeweiligen Hochschule, können Studierende ihr Studium durch Wahlfächer ergänzen.

Darauf aufbauend kann der Master angeschlossen werden, bei dem man sich weiter spezialisieren kann. „Die Durchlässigkeit für Absolventen zwischen den Fachrichtungen ist unproblematisch“, sagt Berufsberater Ralf Hoffmeister. Wer allerdings an einer staatlichen Schule in Deutschland als Lehrer tätig sein möchte, benötigt ein erfolgreich absolviertes Lehramtsstudium samt Staatsexamen.

Als Deutschlehrer im In- und Ausland tätig

Absolventen bietet das Studium verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Hierzu gehören Bildungseinrichtungen wie Sprachen- oder Volkshochschulen, Organisationen für Kulturaustausch, die öffentliche Verwaltung und Verlage für Lernmedien. Absolventen der Fachrichtung Deutsch als Fremdsprache sind zudem häufig an Sprachschulen im Ausland beschäftigt. Führungspositionen oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist ein Masterstudium, gegebenenfalls auch die Promotion oder Habilitation.

„Aufgrund der aktuellen Situation im Flüchtlingsbereich, suchen viele Bildungsträger und Sprachschulen Personal“, weiß Ralf Hoffmeister. „Einen guten Überblick gibt die Jobbörse der Agentur für Arbeit.“ Wer Deutsch als Fremdsprache studiert, darf nicht vergessen, dass die Lehrtätigkeit in der Regel im Ausland stattfindet. Man sollte also bereit sein, Deutschland zu verlassen.

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Deutsch als Zweit-/Fremdsprache, Lehrer/in – Deutsch als Fremdsprache)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: z. B. Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache)

www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du im Teilberufsfeld „Sprach- und Literaturwissenschaften“.

www.berufsfeld-info.de/abi

Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte

www.dafdaz-lehrkraefte.de

Goethe-Institut

Der gemeinnützige Verein fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, bietet unter anderem Sprachkurse an und ist daher wichtiger Arbeitgeber für Lehrer für Deutsch als Fremdsprache.

www.goethe.de

Bundesamt für Migration und Flüchtige (Bamf)

Wichtiger Arbeitgeber für Lehrer für Deutsch als Zweitsprache. Integrationskurseorte lassen sich per Suchmaske finden.

www.bamf.de/SiteGlobals/Functions/WebGIS/DE/WebGIS_Integrationskursort.html?nn=1368284

 

Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Begeisterung für die deutsche Sprache wecken

Stephan Schulz (30) studiert an der Universität Leipzig Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Er ist im ersten Semester seines Masterstudiums und träumt davon, im Anschluss Studierende an Hochschulen im Ausland zu unterrichten.

Nach einer Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement arbeitete Stephan Schulz zunächst mehrere Jahre in verschiedenen Unternehmen. Dabei wurde ihm aber mehr und mehr klar, dass eine Tätigkeit im Büro für ihn auf Dauer nicht infrage kommt. So entschied er sich, sein Abitur an einem Abendgymnasium nachzuholen, um studieren zu können.

„Ich wollte den Bachelor Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Uni Leipzig machen, weil ich dem Fach eine wichtige Bedeutung für die Zukunft der Integration beimesse. Und spätestens nach zwei Semestern wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte“, sagt der Student heute.

Wie lebt es sich in Deutschland?

Ein Porträtbild von Stephan Schulz

Stephan Schulz

Foto: privat

Ein Schlüsselerlebnis hatte er während seines Pflichtpraktikums, für das er an einer Universität in Finnland Sprachkurse organisierte und auch unterrichtete, alleine oder zusammen mit einem Lektor: „Für mich war es schön, die deutsche Kultur anhand von Beispielen zu vermitteln und zu zeigen, wie das Leben in Deutschland tatsächlich ist, abseits von landeskundlicher Literatur. Besonderen Spaß hat es mir gemacht, die Studierenden nicht nur für die Sprache, sondern auch für das Land zu begeistern. Mit Erfolg: Vier meiner Ehemaligen studieren mittlerweile in Leipzig“, erklärt Stephan Schulz.

Seither weiß er, was er will: „Nachdem ich viele Jahre meines Lebens beruflich eher orientierungslos war, habe ich im Rahmen dieses Studiengangs meine Berufung entdeckt: Ich möchte nach meinem Master an einer Universität arbeiten und als Sprachlehrer oder Dozent Studierende unterrichten.“ Ob dies im Ausland oder in Deutschland sein wird, als Lehrer für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache, lässt er noch offen.

Schwerpunkt auf Didaktik und Kulturstudien

Das Handwerkszeug lernt er in seinem Studium. Voraussetzung für das Bachelorstudium Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Leipzig ist, neben einer guten Abiturnote, mindestens eine Fremdsprache auf B2-Niveau zu sprechen. Um zum Masterstudiengang zugelassen zu werden, wird ein guter Bachelorabschluss benötigt. Bachelor- und Masterstudium gliedern sich in verschiedene Module, die unter anderem Kulturstudien, Didaktik sowie Sprachwissenschaften umfassen, zum Beispiel Grammatik oder Phonetik. „Aufgrund eines Schulwechsels in meiner Kindheit, hatte ich kaum grammatikalische Grundkenntnisse und dadurch im Voraus eine leichte Abneigung gegen diesen Teil des Studiums. Doch später fand ich Grammatik interessanter als gedacht“, sagt der 30-Jährige.

Die Modul-Vielfalt des Studiengangs und die Wahlmöglichkeiten, die einen Einblick in andere Studienrichtungen gestatten, überzeugen ihn besonders. Die Studierenden können während des Studiums, insbesondere im Master, ihren eigenen Schwerpunkt aufbauen. „Von Kultur bis Phonetik gibt es viel Interessantes zu lernen“, meint Stephan Schulz. Er selbst entschied sich für Didaktik und Kulturstudien. An der Universität Leipzig beinhalten einige Module zusätzlich Kooperationen mit verschiedenen Institutionen, wie Sprachschulen oder Einrichtungen und Vereine im kulturellen Bereich.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Stephan Schulz würde sich immer wieder für sein Studienfach entscheiden. Auch die späteren beruflichen Möglichkeiten sieht er positiv: „Vom Sprachlehrer bis zu einer Tätigkeit in der Forschung ist mit diesem Studiengang alles möglich“, ist er sich sicher.

 

Volontärin – Deutsch als Fremd-/Zweitsprache

Bildung mitgestalten

Karin Wagenblatt (26) arbeitet als „digitale Volontärin“ beim Cornelsen Verlag in Berlin im Bereich Erwachsenenbildung Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache. Die 26-Jährige sorgt zum Beispiel dafür, dass den Nutzern der Lehrbücher online weitere Materialien zur Verfügung stehen.

Ich möchte Einfluss auf den Unterricht und seinen Verlauf sowie das Lernen allgemein nehmen“, sagt Karin Wagenblatt – deshalb wollte sie nach dem Studium in die Verlagsbranche. „Bei Lehrwerken, die von Pädagoginnen und Pädagogen eingesetzt werden, kann ich nämlich genau das tun“, erklärt sie. Im September 2018 startete die 26-Jährige in ihr eineinhalbjähriges Volontariat beim Cornelsen Verlag, einem Anbieter für Bildungsmedien.

Voraussetzungen für ein Volontariat in der Erwachsenenbildung bei Cornelsen sind ein entsprechendes Studium sowie Unterrichtserfahrung.
Beides kann die 26-Jährige vorweisen: Im Oktober 2017 machte sie ihren Abschluss im binationalen Masterstudiengang „Deutsch als Fremdsprache: Estudos interculturais de lingua, literatura e cultura alemãs“ an der Universität Leipzig und der Universidade Federal do Paraná in Brasilien. Während ihres Studiums erhielt sie ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und arbeitete ein Jahr lang als Sprachassistentin in Sao Paulo (Brasilien), wo sie auch unterrichtete.

Interaktives Lernmaterial erstellen

Ein Porträtbild von Karin Wagenblatt

Karin Wagenblatt

Foto: Bettina Wolvers

Als Volontärin erhält Karin Wagenblatt Einblick in unterschiedliche Bereiche des Verlags. Oft arbeitet sie an mehreren Projekten gleichzeitig. Als „digitale Volontärin“ gehört die Erstellung digitaler Unterrichtsmanager für aktuelle Lehrwerke zu ihren Aufgaben, etwa für das Schulbuch „Bruno und ich“, das Grundschüler in Deutschland zum Lernen von Deutsch als Zweitsprache nutzen. Dieser digitale Manager unterstützt Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung. Er bietet das Schulbuch als E-Book und alle dazu passenden Begleitmaterialien seitengenau zugeordnet an. Unterrichtsabläufe können abgespeichert, auf Audios oder Videos kann online oder offline zugegriffen werden.

In enger Abstimmung mit der Redaktion und der Marketingabteilung erstellt und pflegt die junge Frau Webcodes, unter denen Lehrende und Lernende Zusatzmaterialien auf der Cornelsen-Webseite finden. Zudem überarbeitet sie interaktive Übungen und Einstufungstests. „Für mich ist das ein Perspektivenwechsel“, sagt die 26-Jährige. „Früher stand ich fast täglich vor Lernenden und habe Sprache mithilfe der Lehrwerke unterrichtet – jetzt wirke ich bei der Entwicklung der Lehrinhalte und -konzepte mit.“

Neben ihrem Online-Schwerpunkt arbeitet Karin Wagenblatt auch bei den klassischen Printmedien mit: Sie kümmert sich um die Illustrationen und Bebilderungen in Lehrwerken und nimmt an Autorenkonferenzen teil, auf denen Inhalte und die Gestaltung der Lehreinheiten abgestimmt werden. „Einer meiner künftigen redaktionellen Schwerpunkte wird die Wortschatzerfassung sein“, erklärt die Volontärin. Sie erfasst dann, welches Vokabular zum ersten Mal im Buch erwähnt wird, um es für die Lernenden gut aufzubereiten.

Eigene Ideen einbringen

Karin Wagenblatt teilt sich das Büro mit zwei weiteren Volontärinnen und zwei Junior-Redakteurinnen. „Momentan führe ich eine neue Kollegin in die Arbeitsabläufe ein. Da sehe ich, was ich schon alles gelernt habe“, freut sich die 26-Jährige. Vor allem gefällt ihr an dem Volontariat, dass sie eigene Ideen einbringen und umsetzen kann: „Ich empfinde die Diskussionen mit Kollegen als besonders lehrreich, offen und produktiv.“

Wie ihre weiteren beruflichen Schritte nach dem Volontariat aussehen, hat sie noch nicht entschieden. Eine Tätigkeit im Verlagsbereich kann sie sich auf jeden Fall vorstellen, um auch zukünftig an der Entwicklung neuer Lernkonzepte mitzuwirken.


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Stand: 16.07.2019