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Studentenleben live

Morgens, mittags, abends Schule

Da dachte ich nach dem Abi: „Endlich bin ich aus dem Laden raus!“ – und schon bin ich wieder drin. Und das nicht nur vormittags in meinem Schulpraxissemester, sondern auch noch abends. Was, abends gibt es auch Schulunterricht? Nein, keine Angst, soweit sind wir noch nicht, trotz G8 und Co. Abends dürfen die Schüler mal schlafen und die Lehrkräfte auch. Aber Achtung, wer nicht schläft, sondern sich mit anderen Dingen beschäftigt, wird es schwer haben. Denn pünktlich um 7:35 Uhr geht es am nächsten Morgen schon wieder los.
Nein, mit der klassischen Schule hat mein Unterricht nichts zu tun. Ich habe beschlossen, meinen Führerschein zu machen. In der Großstadt Berlin und auch meiner Wahlheimat Freiburg ist ein Auto eher hinderlich als nützlich. Wozu also die Schulbank drücken und sich mit Vorfahrt und Motoren beschäftigen? Doch langsam habe ich eingesehen, dass es vielleicht doch in manchen Situationen ganz nützlich ist, fahren zu können. Und vielleicht sollte man sich darum kümmern, bevor die Notsituation eintrifft, nicht wahr?
Daher gehe ich jetzt zweimal die Woche in die Fahrschule um die Ecke und sitze mit ganz normalen Leuten im Unterricht. Bisher kannte ich niemanden in Freiburg, der in die Schule geht oder eine Ausbildung macht. Aber hey, es gibt nicht nur Studierende in dieser Universitätsstadt! Nach meiner Arbeit am Gymnasium, bei der ich vor der Klasse natürlich stets kompetent wirken muss, ist es unglaublich entspannend, in der Fahrschule die dümmsten Fragen stellen zu können und genau zu wissen, die Hälfte im Raum hätte es auch nicht gewusst. Und den Fahrlehrer können sowieso keine Fragen mehr schockieren, der hat mit Sicherheit schon alles erlebt. Man muss auch nicht wie in der Uni einen guten Eindruck vor irgendeinem Professor machen, um vielleicht eine HiWi-Stelle zu bekommen. Ich kann einfach offen zugeben, dass ich von Autos und allem, was dazugehört, keine Ahnung habe. Obwohl ich Abitur habe! Und mich freuen, jetzt endlich etwas Praktisches für den Alltag zu lernen. Das kommt ja in Schule und Uni auch nicht ständig vor.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Nov 18, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Nov 18, 2014

Studentenleben live

Verkehrte Welt

Hebräisch, das ist doch diese Schrift, die man von rechts nach links liest oder? Genau. Es ist diese Schrift, die ich während meines Aufenthaltes hier sicherlich nicht lernen werde. Es gibt leider nicht mal einen Sprachkurs, da ich die einzige Austauschstudentin an der Uni bin. Ich besuche die Kurse für angehende Englischlehrer und hoffe, dass auch jeder der Menschen, die ich in meinem Alltag treffe, fähig ist, auf Englisch zu kommunizieren. Meistens habe ich Glück, zumal Filme hier nicht synchronisiert werden und die meisten dadurch ganz gut Englisch sprechen (schreiben können sie deshalb natürlich noch nicht, weshalb mir viele lieber Sprachnachrichten schicken, als meine Textmessages ebenfalls in Schriftform zu beantworten). Auf hebräisch kann ich somit noch nicht mehr als bis drei zählen, Guten Appetit, Ich heiße Hannah, Prost, ein Schimpfwort und ein paar Hundebefehle. Lesen oder schreiben kann ich tatsächlich gar nichts.

Was mir aber bewusst geworden ist, und womit ich mich vorher noch nie befasst hatte, ist, dass mit der Schriftrichtung so viel mehr zusammenhängt. So wird beispielsweise auch mein Stundenplan von rechts nach links geschrieben, beginnend natürlich mit Sonntag (ich habe hier ja sozusagen eine Zeitverschiebung von 25 Stunden, wenn man beachtet, dass Freitag und Samstag hier Wochenende heißt). Ein anderes Beispiel: Einmal wollte ich den Computer einer Freundin benutzen und dachte, ich finde mich schon zurecht, die Symbole sind ja dieselben und die Eingabesprache bekomme ich schon auf Englisch gestellt. Es war aber so irritierend, dass die ganze Organisation in umgekehrter Richtung war – die Startfläche rechts, die Uhrzeit links in der Ecke, auf der Facebook-Seite kamen links die News und Abmeldefunktionen und rechts das Suchfeld und überhaupt waren alle Eingabefelder im Internetbrowser rechtsbündig eingestellt – dass ich immer zuerst dachte, ich würde gar nicht schreiben, bis ich feststellte, dass ich die Buchstaben nur auf der anderen Seite zu erwarten hatte.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass so etwas Banales unser gesamtes Denken beeinflusst und wir so automatisiert sind, dass ein winziger Richtungswechsel für uns ein so gravierendes Problem darstellt... Verrückte Welt.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Nov 17, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Nov 17, 2014

Studentenleben live

Die Zeit fliegt

Kaum zu glauben, aber meine Zeit in Kapstadt neigt sich dem Ende zu. Und so muss ich in meinen beiden Kursen je eine Prüfung ablegen. Anders als in Deutschland ist die Prüfung nicht unbedingt eine Klausur, sondern zu meiner Erleichterung ein 4.000-Wörter-Essay und eine Probe-Mediation. Die Hausarbeit hat zwar die eine oder andere Stunde in der Bibliothek abverlangt, aber glücklicherweise stören sich die Südafrikaner nicht an Kleinigkeiten wie Formatierungen und Inhaltsverzeichnissen, was die Arbeit deutlich erleichterte. Im Mediations-Kurs war ein Vormittag ganz der Streitschlichtung gewidmet, damit war der Kurs dann bestanden. Kein Vergleich zu dem wochenlangen Pauken in der Bibliothek in Deutschland.

Nach drei Monaten ist mein Studium an der University of Cape Town jetzt offiziell vorbei. Für mein Jurastudium in Deutschland habe ich nicht viel gelernt, da deutsches Recht nicht angeboten wurde – höchstens der Mediations-Kurs kann mir später mal helfen. Die Kurse haben mich inhaltlich auch nicht sehr gefordert, mein Englisch dafür ist deutlich besser geworden.

Insgesamt waren die drei Monate zu kurz, um wirklich enge Beziehungen zu südafrikanischen Studierenden aufzubauen. Das liegt nicht nur daran, dass deren Stundenplan bei weitem voller ist als meiner, sondern auch an den beiden Kommilitonninen, mit denen ich zusammengewohnt habe: Wenn man durch seine WG bereits sehr guten Anschluss gefunden hat, ist die Notwendigkeit, neue Leute kennenzulernen, nicht so groß. Auch muss man im Ausland aufpassen, sich nicht in einer Gruppe „Internationals“ zu verlieren – wegen gleicher Interessen fällt es oft leichter, mit anderen Ausländern Dinge zu unternehmen. Aber ich habe auch viele Afrikaner kennengelernt, die die Lücken in meiner Afrika-Karte ein wenig gefüllt haben und viel über Toleranz und Vielfalt gelernt. Ich habe mal den Flair einer großen Universität miterlebt und die Lockerheit südafrikanischer Lehrer. Es war eine Art Urlaubssemester mit vielen interessanten Erfahrungen und Erlebnissen. Aber nach dieser Pause freue ich mich auch schon darauf, in Deutschland wieder ein wenig mehr zu tun zu haben.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 14, 2014