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In die Luft

Blick auf einen Bo105 Helikopter in einer Flugzeughalle.
Immer einsatzbereit: Routine kommt bei Hubschrauberpiloten so schnell nicht auf.
Foto: Julien Fertl

Pilotin bei der Bundespolizei

In die Luft

Aus der Luft eine orientierungslose Person orten, nach einem Banküberfall ein Fahrzeug verfolgen oder einen Verletzten ins Krankenhaus bringen – Hubschrauberpiloten müssen nicht nur fliegen können, sondern brauchen einen kühlen Kopf. Das weiß Patricia Theiler (41). Sie ist Polizeihauptkommissarin und Fluglehrerin bei der Bundespolizei in Sankt Augustin und berichtet für abi>>, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin Pilotin mit Leib und Seele und möchte nichts anderes machen. Mein Arbeitsalltag als Fluglehrerin gestaltet sich ganz unterschiedlich: Unterricht, Büroalltag und Einsätze. Ich begleite die Pilotenanwärter bei ihren ersten Flugversuchen, was ab und zu ein Spagat sein kann: Damit die Schüler viel lernen, muss ich möglichst wenig eingreifen. Aber es sollen auch keine brenzligen Situationen entstehen. Ich bin aber auch selbst im Staffeldienst tätig.

Egal, ob ein Pilot nach einem Unfall Verletzte transportiert, ein Auto verfolgt oder eine Spezialeinheit etwa bei Fußballspielen dorthin fliegen muss, wo gerade Hooligans aufeinandertreffen – die Einsätze sind nie gleich. Jeder Pilot muss daher schnell eine Lage beurteilen können: Wo kann ich landen, wie ist die Situation vor Ort. Auch bei Katastropheneinsätzen wie etwa Hochwasser oder Waldbränden kommen Hubschrauber zum Einsatz.

Der Traum vom Fliegen

Ein Porträt-Foto von Patricia Theiler

Patricia Theiler

Foto: privat

Die Fliegerei hat mich schon in meiner Kindheit fasziniert: Mit 14 Jahren habe ich mit dem Segelfliegen begonnen und viel Zeit auf dem Flugplatz verbracht. Aber eine Ausbildung zur Pilotin zu machen, um in Touristendestinationen zu fliegen, hat mich nicht gereizt. Mein Vater, der bei der Bundeswehr gearbeitet hat, zeigte mir dann irgendwann einen Flyer des damaligen Bundesgrenzschutzes: Auf dem Cover war ein Hubschrauber mit der Aufschrift „Piloten gesucht“ zu sehen.

Die Ausbildung dauert lange, aber diesen Weg zu gehen, war eine meiner besten Entscheidungen. Egal ob Spezialeinheit, Landes- oder Bundeskriminalamt: Der erste Schritt ist immer eine Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten. Um nach den drei Jahren die 18-monatige Ausbildung zur Berufshubschrauberführerin machen zu können, musste ich ein weiteres Auswahlverfahren bestehen. Heute ist das zum Glück anders: Den Eignungstest für Piloten kann man gleich nach der allgemeinen Eignungsprüfung machen.

Koordination ist das A und O

Meine Erfahrungen mit der Segelfliegerei haben mir kaum geholfen, denn einen Helikopter steuert man ganz anders als ein Flugzeug. Die rechte Hand macht was anderes als die linke, die Füße sind in Aktion und parallel muss man kommunizieren. Diese Art der Koordination liegt nicht jedem, wobei das Fliegen irgendwann Routine wird. Man muss aber auch den emotionalen Stress bewältigen, das bedeutet belastbar sein und im Ernstfall eine Entscheidung allein treffen können. Über das Risiko mache ich mir wenig Gedanken, weil der Fokus ohnehin auf Sicherheit liegt. Das Bewusstsein dafür ist eine absolute Voraussetzung für jeden Piloten. Darüber hinaus muss man eine große Lernbereitschaft mitbringen. Musterlehrgänge, Fortbildungen und Checkflüge – lernen muss ich ein Fliegerleben lang. Es ist sicher alles andere als ein 9-to-5 Job, dennoch ist es für mich ein Traumberuf.

Von den 20 Fluglehrern, die in Sankt Augustin die Aus- und auch Weiterbildungen durchführen, bin ich die einzige Frau. Auch bei den fünf Staffeln bundesweit gibt es nur wenige Frauen, weil sich leider nur wenige für die Pilotinnenlaufbahn bewerben. Als ich angefangen habe, war ich 20 Jahre alt und ungebunden. Heute bin ich Mutter und kann auch mein Familienleben sehr gut mit der Fliegerei verbinden.

abi>> 20.05.2019