Wo studieren in Subsahara-Afrika?

Schultafel mit aufgezeichneter Weltkarte
Viele Studierende zieht es für ein oder zwei Auslandssemester in ein Land südlich der Sahara.
Foto: Martin Rehm

Studieren in Subsahara-Afrika - Ländersteckbriefe

Wo studieren in Subsahara-Afrika?

Länder südlich der Sahara – für manche Europäer ist das ein recht unbekanntes Territorium. Doch Subsahara-Afrika bedeutet Vielfalt und Möglichkeiten – ein Überblick über die beliebtesten Zielländer für deutsche Studierende:

Äthiopien (Demokratische Bundesrepublik Athiopien)

Hauptstadt: Addis Abeba
Amtssprache: Amharisch
Einwohnerzahl: ca. 105 Mio.
Hochschulen: 37 staatliche (elf weitere bis 2020 geplant) und 59 private Institutionen der tertiären Bildung
Studierende: 757.175
Kooperationen mit
deutschen Hochschulen: 51
Typisches Essen: Injera ist eine Art Fladenbrot und wird aus Teff, einer äthiopischen Grasart gewonnen. Es ist Grundnahrungsmittel und „Besteck“ in einem, denn man isst damit zum Beispiel Curries. Das beliebteste Curry heißt Shiro, ist vegetarisch und wird mit Kichererbsen zubereitet.
Sicherheit: In den Grenzgebieten bestehen ethnische Konflikte. In der Nähe westlicher Einrichtungen und touristischer Reiseziele ist wegen terroristischer Gefährdung Vorsicht ratsam. Durch den Sitz der Afrikanische Union (AU) in Addis Abeba besteht eine Gefahr durch terroristische Anschläge in der Hauptstadt.

Ghana (Republik Ghana)

Hauptstadt: Accra
Amtssprache: Englisch
Einwohnerzahl: 28,8 Mio.
Hochschulen: 205 öffentliche und private (inklusive sogenannter Polytechnics)
Studierende: 417.534
Kooperationen
mit deutschen Hochschulen: 44
Typisches Essen: Fufu gilt als das beliebteste Gericht in Ghana. Es besteht aus einem Brei aus gestampften Kochbananen und Yams, einer kartoffelartigen Wurzel. Dazu gibt es zum Beispiel eine Suppe aus Erdnüssen.
Sicherheit: Es kommt zu gelegentlichen gewaltsamen Auseinandersetzungen in den Provinzen Northern Region, Upper West und East, weshalb vor Reisen in diese Regionen aktuelle Informationen eingeholt werden sollten.

Kenia (Republik Kenia)

Hauptstadt: Nairobi
Amtssprache: Swahili, Englisch
Einwohnerzahl: 47,6 Mio. (Schätzungen gehen auch von 51 Mio. aus)
Hochschulen: 37 öffentliche und 37 private (inklusive Universitätscolleges und Institutionen mit vorläufiger Zulassung)
Kooperationen mit
deutschen Hochschulen: 55
Studierende: 167.983
Typisches Essen: Das kenianische Essen gilt als reichhaltig und sättigend. Als Grundnahrungsmittel dient dabei ein Maisbrei, genannt Ugali. Häufig gibt es dazu Sukuma wiki, eine Art Kohl, der mit Tomaten und Zwiebeln zubereitet wird.
Sicherheit: Es besteht die akute Gefahr terroristischer Anschläge, auch in der Hauptstadt. Von Besuchen des Grenzgebietes zu Somalia und der Provinz Lamu wird abgeraten.

Namibia (Republik Namibia)

Hauptstadt: Windhoek
Amtssprache: Englisch sowie weitere Sprachen, darunter auch Deutsch
Einwohnerzahl: 2,3 Mio.
Hochschulen: 2 staatliche und 13 private
Kooperationen mit
deutschen Hochschulen: 46
Studierende: 39.117
Typisches Essen: Beliebt ist vorallem das sogenannte Braai, was in etwa dem deutschen Grillen entspricht. Dabei wird häufig eine gerollte Wurst, namens Boerewors zubereitet, die etwas an die Bratwurst erinnert. Ein beliebter Snack für Zwischendurch ist Biltong, getrocknete Fleischstreifen.
Sicherheit: Die relativ hohe Kriminalitätsrate stellt in Windhoek ein Sicherheitsproblem dar, besonders durch bewaffnete Raubüberfälle gegenüber Ausländern.

Südafrika (Republik Südafrika)

Hauptstadt: Pretoria (Exekutive), Kapstadt (Legislative), Bloemfontein (Judikative)
Amtsprachen: Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, isiXhosa, isiZulu, Nord-Sotho, Sesotho, Setswana, Siswati, Tshivenda, Xitsonga
Einwohnerzahl: 54,52 Mio.
Hochschulen: 26 staatliche und 102 private Einrichtungen
Kooperationen mit deutschen Hochschulen: 229
Studierende: 1.018.543
Typisches Essen: Chakalaka ist eine Würzsoße, bestehend aus Tomaten, Karotten, Paprika, Bohnen, Weißkohl, Chilis und vielen Gewürzen. Traditionell wird sie mit Brot und Mealie-Pap, einem Brei aus Maismehl und Wasser oder Milch, serviert.
Sicherheit: Problematisch ist die hohe Kriminalitätsrate in den Großstädten. Innenstädte sollten nach Einbruch der Dunkelheit gemieden werden. Außerhalb der Geschäftszeiten sollten Besuche nur in Gruppen erfolgen.

Tansania (Vereinigte Republik Tansania)

Hauptstadt: Dodoma
Landessprache: Swahili, Englisch
Einwohnerzahl: 49,3 Mio.
Hochschulen: 14 staatliche, 35 private und kirchliche
Kooperationen mit deutschen Hochschulen: 44
Studierende: 158.262
Typisches Essen: Als Sättigungsbeilage dient oft der Maisbrei Ugali, aber auch Bananen, die auf unterschiedlichste Weisen zubereitet werden. Dazu gibt es Fleisch (oft Lamm und Ziege) und Gemüseeintöpfe.
Sicherheit: In der autonomen Teilrepublik Sansibar ist die politische Lage angespannt und es kann zu Unruhen in der Region kommen.

(Quelle: DAAD, Auswärtiges Amt, Wikipedia)

 

Studieren in Tansania

Nachhaltigkeitsforschung in Tansania

Das vierte Semester ihres Masterstudiums führte Alexandra Unger (30) ins tansanische Dar es Salaam. Dort gewann sie nicht nur fachlich wertvolle Eindrücke – das Leben im ostafrikanischen Land hat sie auch persönlich weitergebracht.

Für Alexandra Unger war klar, dass sie in ihrem Masterstudiengang „Sustainability Economics and Management (SEM)“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg noch einmal für ein Semester ins Ausland gehen würde. „Nach Auslandsaufenthalten in Europa und Lateinamerika wollte ich ein neues Terrain erkunden, auch wenn das fachlich nicht zwingend war“, sagt sie. Die Entscheidung für Tansania als Ziel fiel aufgrund einer Kooperation ihrer Hochschule mit der University of Dar es Salaam.

Los ging’s mit einer Bewerbung beim Akademischen Auslandsamt. „Alle Klärungen wurden uns weitgehend abgenommen und auch die University of Dar es Salaam war sehr kooperativ“, erinnert Alexandra Unger sich. Allerdings: Das Studentenvisum ließ auf sich warten, also reiste sie mit einem Touristenvisum nach Tansania ein. „Wir konnten das Studentenvisum dann vor Ort beantragen. Heute ist das meines Wissens aber nicht mehr möglich,“ warnt sie.

Während ihres Auslandssemesters im Sommer 2016 belegte sie an der afrikanischen Gastuni Module des Masterstudiengangs „Climate Change and Sustainable Development“. Da der Fachbereich ihrer Heimatuniversität eng mit dem tansanischen Masterprogramm zusammenarbeitet, erleichterte dies vieles für die Studentin, beispielsweise die Immatrikulation an der Gastuni oder die Anrechnung von Modulen.

Auch in Afrika kommt es auf die Lehrenden an

Portrait von Alexandra Unger

Alexandra Unger

Foto:privat

Ihr Studium in Tansania war sehr abwechslungsreich – von größeren Seminaren mit Frontalunterricht bis hin zu sehr diskussionsorientierten Kleingruppen gab es alles. „Unser Seminar zur Wanderweidewirtschaft etwa war hochspannend mit sehr offenen Diskussionen“, erinnert sich die 30-Jährige. Auf dem Lehrplan standen Fächer zu Themen wie Nachhaltigkeit, Ökosysteme, Infrastruktur und Landwirtschaft im Klimawandel. „Die Qualität der Lehrveranstaltungen war stark von den Professoren abhängig.“ Beeindruckt hat sie die Fülle an Stoff, die die Studierenden bewältigen müssen. „Und das, obwohl in meinem Programm recht häufig Kurse ausgefallen sind.“

Auch die Studienbedingungen an der tansanischen Universität waren zum Teil ganz unterschiedlich. „Masterstudiengänge sind privilegiert – die Räume waren klimatisiert und die Ausstattung deutlich besser als die der meist überfüllten Bachelor-Kurse“, beschreibt Alexandra Unger den Unibetrieb. Administrative Prozesse erlebte sie als eher schleppend – ob es um die Anmeldung selbst oder die Erteilung von Noten ging. „Wer sich Kurse für das Studium in Deutschland anrechnen lassen möchte, muss hartnäckig sein.“

Persönlicher Kontakt zählt – an der Uni und privat

Privat suchte Alexandra Unger den Kontakt zu einheimischen Studierenden und anderen Tansaniern. Geholfen haben ihr auch Tipps von Kommilitonen ihres Fachbereichs, die bereits ein Auslandssemester in Dar es Salaam absolviert hatten. So kam sie auch auf die Idee, sich gemeinsam mit anderen Austauschstudierenden eine Privatwohnung zu suchen. Die war zwar mit monatlich rund 175 Euro Miete nicht so günstig wie ein Zimmer im Studentenwohnheim auf dem Campus, aber das war es ihr Wert, weil es im Wohnheim keine Kochmöglichkeiten und häufig Probleme mit der Wasserversorgung gab.

Finanzieren konnte die Studentin ihren Aufenthalt mit Auslands-BAföG und einem PROMOS-Stipendium des DAAD. Dieses Stipendium wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und richtet sich an Studierende aller Fachbereiche. Auslandsstudienaufenthalte von bis zu sechs Monaten können so mit einem monaltichen Zuschuss gefördert werden.

Über alle fachlichen Erkenntnisse hinaus hat Alexandra Unger eine wichtige Einsicht aus Tansania mitgenommen: „Die Erfahrung, wie privilegiert man als Europäer ist, war einschneidend. Und sei es nur die Möglichkeit, im Ausland zu studieren, die uns jederzeit offensteht. Es lohnt sich, sich in die Geschichte des Gastlandes einzulesen und die eigene privilegierte Rolle zu reflektieren“, empfiehlt sie.

Heute ist die 30-Jährige Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zum Thema klimaneutrales Wohnen. Afrika ist sie auch nach ihrem Studienaufenthalt treu geblieben: Sie engagiert sich im Vorstand des ANSA e.V., einem Netzwerk der Alumni und Stipendiaten in Subsahara Afrika.

 

Studieren in Subsahara-Afrika – Interview

“Mit gutem Vorlauf planen“

Studieren in Ländern südlich der Sahara – zum Beispiel in Tansania, Äthiopien, Madagaskar oder Namibia – das geht. Felix Wagenfeld, Leiter des Referats „Koordinierung Regionalwissen“ beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), gibt Tipps, was es dabei zu beachten gibt.

abi>> Herr Wagenfeld, Subsahara-Afrika ist eine spannende Welt. Wie sieht es dort mit den Hochschulsystemen aus?

Felix Wagenfeld: Afrika ist ein Kontinent der Chancen – und der Vielfalt! Das gilt auch für die Hochschullandschaft. Gemeinsam sind allen Ländern die stark steigenden Zahlen an Studierenden. Als Folge sind bestehende Hochschulen häufig überfüllt, neue Einrichtungen werden gegründet, manche haben eine unzureichende Ausstattung und qualitative Defizite. Entscheidend ist der Blick auf das einzelne Land: Die Zahl der Hochschulen in einem Land etwa lässt wenig Rückschlüsse auf deren Qualität zu.

Portrait von Felix Wagenfeld

Felix Wagenfeld

Foto: privat

abi>> Welche Länder würden Sie für einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum empfehlen?

Felix Wagenfeld: So allgemein ist das schwer zu beantworten. Je nachdem, was gesucht wird, bieten sich viele Länder und Hochschulen an. Eine erste Orientierung geben Kooperationen der eigenen Hochschule. Solche Kontakte erleichtern die Organisation in praktischer Hinsicht. Und es hilft immer, wenn man an der eigenen Universität mit Personen sprechen kann, die bereits vor Ort Erfahrung gesammelt haben.

Die Länder mit den meisten Hochschulkooperationen sind neben Südafrika Äthiopien, Kenia, Namibia und Ghana. Aber auch die Sicherheit ist ein Faktor: Botswana bietet hier eine gute Ausgangslage und zudem ein funktionierendes – wenn auch kleines – Hochschulwesen, das z. B. Namibia sehr ähnlich ist.

Letztlich ist die Studienrichtung ein entscheidendes Kriterium. Auch hier sind bestehende Kontakte und Hochschulkooperationen ein guter Leitfaden. Und die Türen der DAAD-Büros vor Ort stehen für Beratungen offen, natürlich auch per E-Mail oder telefonisch.

abi>> Wie sieht es mit dem Lebensunterhalt, mit den Kosten vor Ort aus?

Felix Wagenfeld: Anders als in Deutschland erheben die meisten Länder Subsahara-Afrikas Studiengebühren. Studieren in Afrika ist für deutsche Studierende nicht unbedingt günstig. Nicht alle örtlichen Gegebenheiten, etwa bei der Unterbringung, passen – schließlich geht es nicht um einen Abenteuerurlaub, sondern ums Studieren. Man sollte sich also gründlich vorbereiten.

Für einen Auslandsaufenthalt kann man auch Auslands-BAföG beantragen. Daneben kann man Studienkredite zur Finanzierung des Auslandsaufenthalts aufnehmen. Aber auch Stipendien sind möglich: Der DAAD etwa bietet ein breites Spektrum an Förderoptionen – für kombinierte Studien- und Praxissemester, für einjährige Studienaufenthalte und für ausgewählte Praktika.

Neu sind Angebote, die sich speziell an Lehramtsstudierende oder Studierende an Fachhochschulen richten. Und es lohnt sich, nach weiteren Anbietern von Stipendien zu suchen. Die Mobilitätsprogramme von Erasmus+ betreffen aktuell allerdings nur Südafrika. Grundsätzlich gilt: Ein Auslandsaufenthalt muss mit gutem Vorlauf geplant werden. Last-Minute-Aktionen sind weder finanziell noch fachlich oder persönlich ratsam.

abi>> Was sollte man außerdem im Auge behalten?

Felix Wagenfeld: Neben einer Reihe organisatorischer Fragen – von der Einreiseerlaubnis über erforderliche Impfungen bis hin zur Organisation von Unterkunft und Transport – muss man sich auch persönlich einstimmen und einlesen. Dazu gehören auch die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Man sollte sich insbesondere mit dem Gastland und seinen kulturellen Besonderheiten befassen. Auch wenn Universitäten Komfortzonen mit stärkerer internationaler Prägung sind, ist das Leben in vielen afrikanischen Ländern doch eine Entdeckungsreise, auf die man sich vorbereiten sollte – im eigenen Interesse und in dem der Gastgeber.


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Stand: 22.09.2019