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Tofu oder Wurst fürs Kind?

Eine Frau taucht einen Löffel in ein Glas mit Babybrei
In ihrer Dissertation geht Stine Weder (29) der Frage nach, welche Ernährung für Kinder am besten ist.
Foto: Gerhard Blank

Promotion zu vegetarischer/veganer Ernährung

Tofu oder Wurst fürs Kind?

Vegetarische und vegane Kost liegen voll im Trend. Doch ob auch Kleinkinder so ernährt werden können und trotzdem alle wichtigen Nährstoffe erhalten, erforscht Stine Weder (29) in ihrer Dissertation. Sie ist seit 2015 Doktorandin im Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Ihre Dissertation schreibt Stine Weder im Rahmen der sogenannten Vechi-Studie (www.vechi-studie.de). In dieser wird untersucht, was vegetarisch, vegan und mit Mischkost ernährte Kleinkinder in Deutschland essen und wie ihre Energie-, Nährstoff- und Lebensmittelzufuhr zu bewerten ist.

„Mir ist das Thema der Arbeit wichtiger als der Doktortitel. Das ist meine Hauptmotivation. Seit ich während des Studiums beim Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) ein Praktikum gemacht und später als wissenschaftliche Hilfskraft dort gearbeitet habe, beschäftigt mich das Thema vegane-vegetarische Ernährung bei Kleinkindern“, erzählt die junge Wissenschaftlerin. Das IFANE befasst sich mit den Themen Vegetarismus, alternative Ernährungsformen und nachhaltige Ernährung aus ernährungswissenschaftlicher sowie ernährungsökologischer Sicht und ist Partner der Vechi-Studie. Ebenfalls Partner ist die Fachhochschule des Mittelstands, an der Stine Weders 50-Prozent-Stelle als Doktorandin angesiedelt ist. Finanziert wird diese von der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz.

Wissen aus dem Studium anwenden

Ein Porträt-Foto von Stine Weder

Stine Weder

Foto: privat

Vor der Promotion hatte die 29-Jährige an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Bachelor Ökotrophologie und im Master Ernährungswissenschaften studiert. „In der Ökotrophologie werden Naturwissenschaften in Bezug auf die Ernährung, aber auch betriebs- und volkswirtschaftliche Aspekte gelehrt. Es geht um die Ernährung der Menschen, um Nährstoffe, wie sie im Körper aufgenommen werden, welche Folgen Mangel oder Überdosierung haben, um ernährungsbedingte Krankheiten und vieles mehr“, erzählt sie.

Um die Nährstoffzufuhr drehen sich auch ihre Dissertation und die Studie: „Wir haben über 400 Teilnehmer untersucht, um zu klären: Was essen Kinder in Deutschland? Wie steht es um die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen? Und wie unterscheiden sich dabei vegetarisch, vegan oder mit Mischkost – also auch mit Fleisch – ernährte Kinder im Alter von ein bis drei Jahren?“ Ziel der Studie ist es, Eltern Hinweise zu geben, wo Probleme aufkommen und welche Nährstoffe ihren Kindern bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung fehlen können.

Konzept, Kandidaten, Kommunikation

Stine Weder hat die Studie von Anfang mitkonzipiert und durchgeführt. Vor Beginn musste sie zunächst einen Antrag bei einer Ethikkommission stellen, die insbesondere bei Studien über Minderjährige prüft, ob die geplanten Untersuchungen ethisch unbedenklich sind. „Über eine Fallzahlbestimmung – ein statistisches Verfahren – haben wir anschließend ermittelt, wie viele Studienteilnehmer wir benötigen, um zu aussagekräftigen und belastbaren Ergebnissen zu kommen. Das muss man wissen, wenn man in der Forschung arbeiten möchte: Man darf keine Scheu vor Mathematik und Statistik haben, denn beides gehört zwingend dazu“, betont die Doktorandin.

Über Aufrufe auf einschlägigen Websites, in sozialen Medien und Newslettern suchten Stine Weder und ihre Kollegen nach passenden Teilnehmern. Ausgerechnet bei der größten Gruppe, der der Mischkostler, bereitete es Probleme, Kandidaten aufzutreiben – sie waren schwerer zu finden und zu motivieren. Dann aber, ein halbes Jahr später als geplant, konnte die Datenerfassung beginnen. „Ich habe per E-Mail mit den Eltern kommuniziert, Fragebögen entwickelt, Studienmaterial entworfen sowie Flyer und Poster für Vorträge und Auftritte bei Messen und Veranstaltungen gestaltet“, beschreibt sie einige ihrer Aufgaben.

Für die Studie haben die teilnehmenden Familien über drei Tage alle Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel, die das Kind gegessen und getrunken hat, gewogen und protokolliert. Außerdem wurden Körpergröße und -gewicht sowie soziodemografische Merkmale und Daten zur Gesundheit abgefragt. „Das lief alles online ab“, erzählt sie.

Nach der Promotion weiter forschen

Nach eineinhalb Jahren ist die Datenerfassung nun abgeschlossen. „Jetzt geht es an die weitere Datenauswertung, die Qualitätssicherung und das Veröffentlichen der Ergebnisse“, beschreibt Stine Weder, was in den nächsten Monaten auf sie zukommt.

Wie viele Naturwissenschaftler verfasst auch die 29-Jährige eine kumulative Dissertation: Hierbei wird nicht eine große Arbeit geschrieben, sondern der Doktorand reicht eine Anzahl von inhaltlich zusammengehörigen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften als Erst-Autor ein. Ende 2019 will sie ihre Promotion abgeschlossen haben. „Danach würde ich gerne weiter in dem Bereich arbeiten, doch Stellen in der Forschung sind dünn gesät. Dennoch hoffe ich, eine passende Postdocstelle zu bekommen“, sagt sie.

Mehr Infos

Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE)
www.ifane.org

 

Vechi-Studie
Studien über vegetarisch, vegan oder mit Mischkost ernährten Kindern und Jugendlichen in Deutschland
www.vechi-studie.de
www.vechi-youth-studie.de

abi>> 07.01.2019