Meister der Töne und Klänge

Ein junger Mann sitzt an einem Audiomischpult
Music Designer finden überall dort Beschäftigung, wo Musik und Klänge verarbeitet werden - etwa in den Bereichen Film, Fernsehen, Rundfunk und digitale Medien.
Foto: Thorsten Ulonska

Music Design - Hintergrund

Meister der Töne und Klänge

Vom Lieblingssong im Stream über Soundeffekte, die Kinosäle vibrieren lassen, zum Podcast beim Einschlafen – Sound ist überall. Wer kreativ und zugleich technikaffin ist, für den ermöglichen spezielle Studiengänge den passenden Einstieg in die Welt des Music Designs.

Die Auswahlmöglichkeiten im Bereich Music Design sind so breit gefächert wie die Studieninhalte selbst, weiß Steffen Walther, Berater für akademische Berufe des Hochschulteams der Agentur für Arbeit in Freiberg. „Je nach Studienangebot spielen musikalische Inhalte wie Gesang, Klavier und Komposition oder theoretische Bereiche rund um Elektroakustik und Musikübertragung eine Rolle. Natürlich gehören auch gestalterische Elemente wie Klang- und Musikdesign dazu.“

Wie kommt man rein?

Die Tür zum Wunschberuf öffnen aktuell in der Regel die Hochschulen. An der Hochschule der Medien in Stuttgart (HdM) etwa kann man Audiovisuelle Medien auf Bachelor und Master studieren. Daneben bieten unter anderem der Bachelorstudiengang Film & Sound der FH Dortmund oder der Master MusicDesign der HS Furtwangen die passenden Voraussetzungen für den späteren Beruf.

Portrait Steffen Walther

Steffen Walther

Foto: privat

Neben den Angeboten an staatlichen und privaten Institutionen gibt es auch die Möglichkeit, über die Ausbildung zum Audiodesigner in den Beruf zu kommen. „Hier werden Sounds programmiert, arrangiert oder Lieder komponiert. Im Endeffekt produzieren Audiodesigner Werbe- oder Filmmusik, Musiksoftware oder ganze Musiksendungen für Fernsehen oder Hörfunk. Die Ausbildung erfolgt an einer Berufsfachschule und dauert zwischen einem und drei Jahre. Allerdings ist hier der kreative Spielraum in der Arbeit im Vergleich zur akademischen Ausbildung geringer, weil durch Aufträge mehr Vorgaben umzusetzen sind“, erklärt Steffen Walther.

Egal ob künstlerisch-kreativ oder im Management in Produktion und Vermarktung – auch Talent und Erfahrung spielen eine Rolle. „Die meisten Hochschulen stellen in Zugangs- oder Eignungsprüfungen fest, wer für den Beruf fähig sein könnte. Teilweise werden Arbeitsaufträge vergeben, deren Ergebnisse dann in Auswahlverfahren vorgestellt werden müssen. Praktika, Hobbys oder berufliche Erfahrungen sind da von Vorteil.“

Nach erfolgreichem Abschluss empfiehlt es sich, nicht nur in den einschlägigen Berufsportalen nach Jobs zu suchen. „Angebote von der Stange sind eher untypisch. Wichtiger sind Kenntnisse über mögliche Arbeitgeber, Kontakte durch Praktika und eine intensive Netzwerkarbeit. Initiativbewerbungen sind hier eher die Regel. Dazu gehören auch Arbeitszeugnisse oder Bescheinigungen“, rät der Berufsberater.

Kreativ und flexibel

Die Einsatzgebiete sind dabei so vielfältig wie die Ausbildungsformen selbst. „Neben der Filmwirtschaft, Rundfunk und Fernsehen oder Produktionsfirmen, die Sounds für Filme, Funk oder die Multimediaindustrie produzieren, bietet sich die Werbe- und Kommunikationsbranche für einen Einstieg an.“

Eine realistische Auseinandersetzung mit den Berufsbedingungen ist aber auf jeden Fall von Vorteil, um die erworbenen Fähigkeiten einsetzen zu können. „Zeitdruck, kurzfristige Aufträge und aktuelle Berichterstattung in Funk und Fernsehen erfordern schnelle und termingerechte Erledigung. Auch Überstunden und Wochenendarbeit sind oft üblich“, sagt Steffen Walther.

 

Music Design

Technik zum Klingen bringen

Sounds und Musik – wer denkt da nicht an das letzte Festival oder das neue Album der Lieblingsband. Meist ist es erst die professionelle Bearbeitung, die Klänge und Musik so perfekt macht. Das weiß auch Jonas Kieser (23), der Audiovisuelle Medien im Master studiert.

„Musik war immer schon meine Leidenschaft. Ich spiele Gitarre und Trompete, bin aber auch technikinteressiert. Da bot sich zuerst der Bachelor in Audiovisuelle Medien an meiner jetzigen Hochschule, der Hochschule der Medien in Stuttgart (HdM), an. Dort konnte ich mich in beiden Bereichen, Musik und Technik, ausprobieren“, erzählt Jonas Kieser. Durch die Erfahrungen aus dem grundständigen Studium bestärkt, entschied er sich schließlich für den weiterführenden Master. „Ich habe noch andere Studiengänge verglichen. Aber das Umfeld und das Angebot mit meinem jetzigen Schwerpunkt Ton haben mich überzeugt, zu bleiben.“

Mit den richtigen Voraussetzungen zum Master

Obwohl er an seiner Hochschule blieb, musste der 23-Jährige natürlich den Bewerbungsprozess zum Master durchlaufen. Voraussetzung hierfür ist ein Bachelor in einem anerkannten Studiengang im medienbezogenen ingenieurwissenschaftlichen Bereich. „Bei der Bewerbung werden das Bachelorzeugnis, ein Motivationsschreiben, ein Lebenslauf sowie ein Empfehlungsschreiben von Lehrkräften oder Betreuungspersonen aus der Praxis eingereicht. Der Notenschnitt entscheidet, kann aber mit dem Schreiben und Berufserfahrung angehoben werden“, erklärt der Zweitsemester.

Gut (ab-)gemischt

Schon mit der Bewerbung entschied sich Jonas Kieser für einen der vier Schwerpunkte Computergrafik/Computeranimation, Film/Fernsehen, Interaktive Systeme/Games oder Ton. „Inhaltlich liegt der Studiengang zwischen Technik und Gestaltung. Alle Studierenden belegen Module im Bereich Informatik und Mathematik. Für mich ist aber vor allem das Programmieren von Audio-Effekten interessant, weil ich Ton als Schwerpunkt gewählt habe.“

Portrait Jonas Kieser

Jonas Kieser

Foto: Christopher Müller

Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: „Im Rahmen eines Seminars habe ich mit akustischen Messungen und einem Hörversuch getestet, wie wirksam ein aktueller Noise-Cancelling-Kopfhörer Außengeräusche abschirmt.“ Lehrangebote im Bereich Nachrichtentechnik und Fotografie machen den Studiengang sehr vielseitig. „Produzenten, Tonmeister oder Komponisten geben im Rahmen von Workshops Input aus der Praxis“, berichtet Jonas Kieser.

Das Studium ist insgesamt auf drei Semester angelegt und stellt eine ausgewogene Mischung aus Theorie und kreativer Praxis dar. Neben den Pflichtfächern Mathematik und Informatik gibt es Vorlesungen und Seminare passend zum gewählten Schwerpunkt. „Im zweiten Semester führen wir eine eigene Produktion durch. In meinem Schwerpunkt Ton ist das dieses Mal ein interaktives Hörspiel. In den professionell ausgestatteten Studios ist das definitiv ein Highlight für mich“, erzählt der 23-Jährige.

In Zukunft eigenständig

Die Masterarbeit steht im dritten Semester an. Für die Zeit danach hat Jonas Kieser eine grobe Richtung, wo es mit dem Abschluss hingehen könnte. „Momentan arbeite ich als Werkstudent in der Industrie, kann mir da aber einen späteren Einstieg weniger vorstellen. Ich tendiere eher zur Selbstständigkeit oder Gründung eines Unternehmens im Bereich Ton – da kommt mir das Netzwerk der Hochschule zugute. Aber auch eine Promotion ist nicht ausgeschlossen“, überlegt der Masterstudent.

 

Music Designerin

Der Ton macht die Musik

Filmsounds statt Querflöte: Stefanie Steinbichl (35) hat als Tonmeisterin ihren Platz im Sound Design gefunden. Nach Bachelor und Master arbeitet sie heute in einem Tonstudio in Berlin – dabei begann alles mit einem Kassettenrekorder.

Von Tönen und Klängen angezogen fühlte sich die 35-Jährige schon als Kind. „In der Grundschule habe ich mit Freunden Sprachaufnahmen mit einem Spielzeugmikrofon gemacht – meistens haben wir Radioprogramme imitiert oder uns Geschichten ausgedacht.“ Daneben führte sie die musikalische Früherziehung zu klassischen Instrumenten wie Querflöte und Klavier. „Ein Musikstudium kam für mich trotzdem nicht in Frage – das intensive Üben hätte mir vielleicht die Freude daran genommen. Aber irgendetwas mit Musik oder Ton sollte es schon sein“, erinnert sich Stefanie Steinbichl.

Vom Studium zum Job

So kam sie nach einem Vorbereitungspraktikum beim Radio zum Bachelorstudiengang Populäre Musik und Medien der Universität Paderborn. „Das hat meinen Blick auf die musikalische Vielfalt definitiv nochmal geschärft und mir das wissenschaftliche Arbeiten näher gebracht.“ Wirklich konkret wurde es dann für Stefanie Steinbichl im Masterstudiengang Elektronische Medien an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM). „Die Ausrichtung dort war sehr praxisorientiert. Es gab zum Beispiel ein Film- und zwei Tonstudios. Besonders eine Vorlesung zum Thema Sound Design hat mich motiviert, mich voll auf den Filmton zu konzentrieren.“

Portrait Stefanie Steinbichl

Stefanie Steinbichl

Foto: Nadine Renneisen

Im Masterstudium begleitete sie Projekte vom Dreh bis zur Postproduktion, also der Nachbereitung durch zum Beispiel Tonschnitt, Sound Design und Filmmusik. Da lag der Schritt zu ihrer jetzigen Tätigkeit als Tonmeisterin nach dem Abschluss natürlich nahe – wobei der Bewerbungsprozess seine Tücken hatte. „Ich versuchte es über mehrere Monate bei Tonstudios und Postproduktionsfirmen, und das initiativ, da Stellenanzeigen rar gesät sind“, erinnert sich die 35-Jährige. Trotz ihres sehr guten Notenschnitts und der praktischen Erfahrungen klappte es mit einer Anstellung erst nach mehreren Anläufen. Dafür ist Stefanie Steinbichl bei ihrem jetzigen Arbeitgeber, dem Berliner Tonstudio „MarxAudio“, umso glücklicher. „Das Arbeitsklima im kleinen Team ist super.“

Sound für TV und Kino

Im Bereich Film und Fernsehen spielt die sogenannte Audiopostproduktion eine große Rolle. „Für TV-Formate wie Dokus und Doku-Soaps oder Reportagen beinhaltet dies alle Schritte der Tonbearbeitung: Von der Durchführung und Betreuung der Sprachaufnahmen über das Editieren und Restaurieren des Originaltons, also das Entfernen von Störgeräuschen wie Quietschen oder Schmatzen, bis hin zum Anpassen von Soundeffekten und der finalen Mischung. Am Ende werden die vielen einzelnen Tonspuren dann zu einem ausgewogenen Gesamtklang zusammengeführt“, erklärt Stefanie Steinbichl.

Auch für die Bearbeitung von Kinofilmen ist die Expertin mitverantwortlich. „Das ist nochmal umfassender als bei normalen TV-Produktionen. Hier ist meine Kreativität besonders gefragt, da ich beim Sound Design auch eigenständig auditive Ebenen wie zum Beispiel Geräuschteppiche, Effekte oder musikalische Elemente komponiere und passend zum Bild platziere.“

Realistische Einschätzung

Die beruflichen Bedingungen in ihrem Arbeitsbereich sieht sie realistisch: „Den hohen Konkurrenzdruck und die Notwendigkeit von Kontakten habe ich zwar nur bedingt zu spüren bekommen, kenne es aber von vielen Kolleginnen und Kollegen. Eine unbefristete Festanstellung ist sicher eher die Ausnahme im Audiobereich. Als Freiberufler kann man natürlich die Projekte eigenständig zusammenstellen und sich die Zeit anders einteilen, aber das ist eher eine Typfrage.“

Für den Kulturbetrieb allgemein sieht Stefanie Steinbichl noch Potenzial, was die Wertschätzung ihres Berufszweigs angeht. „Das schlägt sich unter anderem in der Bezahlung und in teilweise unrealistischen Abgabeterminen nieder. Denn als Tonschaffende ist man bei steigendem Qualitätsanspruch immer das letzte Glied in der Kette der Produktion.“


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Technik zum Klingen bringen

  • Studentischer Pionier

  • Tofu oder Wurst fürs Kind?

  • Digitaler Forschungseifer gefragt

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 25.06.2019