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Dank eigenem Film den Dreh raus

Eine junge Frau sitzt am Computer.
Computer, Tablet und Smartphone sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Deshalb helfen Medienpädagogen Schülerinnen und Schülern dabei, Medien sinnvoll und mit Bedacht zu nutzen.
Foto: Heusel

Medienpädagogik

Dank eigenem Film den Dreh raus

Unter der Anleitung von Philipp Roth (27) haben Schüler die biblische Sturmstillungsgeschichte aus dem Neuen Testament in einen Video verpackt. Das war nicht nur Gottesdienstvorbereitung, sondern zugleich die Projektarbeit für sein Lehramtsstudium im Erweiterungsfach Medienpädagogik.

Vor einer selbstgemalten Panoramakulisse in Blautönen tänzeln Figuren an Holzspießen in einem Boot durchs Bild. Im Hintergrund sind Soundeffekte zu hören, die den Wind rauschen und Wasser plätschern lassen. Das ist eine Szene aus einem kleinen Film, den Philipp Roth mit 14 Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen eines Gymnasiums während einer Schulfreizeit produziert hat.

Ein Porträtbild von Philipp Roth

Philipp Roth

Foto: privat

Der 27-Jährige hat gerade sein erstes Staatsexamen abgeschlossen, nachdem er evangelische Religion und Englisch auf Lehramt fürs Gymnasium an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert hat. Im achten Semester nahm er Medienpädagogik als Erweiterungsfach hinzu. „Medien spielen eine große Rolle im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Ob Smartphones oder Tablets, über neue Medien ist man einfach näher an der Lebensrealität der Kinder. Ich möchte das nutzen, um Inhalte zu transportieren und Interesse für die Themen meiner beiden Unterrichtsfächer zu wecken“, erklärt Philipp Roth.

Die Umsetzung des Films war seine Projektarbeit fürs Studium, also weit mehr als nur eine spaßige Ablenkung. „Die Schüler sind ständig auf YouTube unterwegs, warum also sollten sie nicht selbst einen kleinen Film produzieren? Dadurch haben sie erfahren, welcher Aufwand dahinter steckt: Ideen sammeln, malen, basteln, Tonspuren aufnehmen, Bildersequenzen schneiden und so weiter.“

Drittes Fach bringt zusätzliche Qualifikation

So wie Philipp Roth entscheiden sich viele Lehramtskandidaten für ein drittes Fach. „Medienpädagogik ist ein Erweiterungsfach, das nicht als Fach in der Schule unterrichtet wird, sondern einem eine zusätzliche Vertiefung im Bereich ‚Medien‘ ermöglicht und hier eine entsprechende Zusatzqualifikation anbietet. Die meisten nehmen in den höheren Semestern ein solches Erweiterungsfach hinzu. Einige in unserem Jahrgang haben Medienpädagogik auch noch während des Referendariats studiert“, berichtet er.

In dieses Erweiterungsfach einsteigen können Lehramtsstudierende der Universität Erlangen-Nürnberg jederzeit, weiß der 27-Jährige. Präsenzveranstaltungen wie Vorlesungen, Seminare, Projektseminare und Workshops finden am Standort Nürnberg statt, zusätzlich gibt es diverse virtuelle Seminare. Wenn man nach drei bis vier Semestern alle Voraussetzungen erbracht hat, kann man die Staatsprüfung ablegen.

Wie wirken Medien auf Kinder und Jugendliche?

Inhaltlich geht es um vier Schwerpunkte: Medienerziehung, Mediendidaktik, informationstechnische Grundlagen und Mediengestaltung, wobei Letzteres über das Projekt abgedeckt wird. „Medienerziehung fand ich sehr spannend, weil man hier in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen eintaucht. Wie nutzen sie Medien? Was machen Medien mit ihnen? Wie wirken sie? Wie verändert sich dadurch unsere Gesellschaft?“, erzählt er. Aber auch Fragen rund um den Daten- und Jugendschutz sowie Medien- und Urheberrecht werden hier besprochen.

Mediendidaktik befasst sich damit, wie Pädagogen Medien in den Lern- und Lehrprozess sowie in die Schulorganisation sinnvoll einbinden können. Auch informationstechnische Grundkenntnisse werden vermittelt: „Hier geht es aber nicht ums Programmieren oder Ähnliches, sondern rein um Grundlagen: Wie funktioniert ein Computer, was sind Rechnernetze und welche Betriebssysteme gibt es? Grundfragen der Datensicherheit und Programme sind natürlich auch wichtig“, sagt Philipp Roth und rät: „Man sollte schon medienaffin sein, wenn man sich für diesen Erweiterungsstudiengang interessiert.“

Die erste Staatsprüfung bestand aus zwei schriftlichen Klausuren sowie einer Projektpräsentation mit anschließender mündlicher Prüfung. „Das Projekt war der aufwändigste, aber auch effektivste Teil meines Studiums. Man lernt sehr viel, weil man sich selbst in Programme einarbeiten muss“, findet der frischgebackene Absolvent. Nun nutzt er jeden Tag dieses Wissen in seinem Referendariat, um den Schülern spielerisch den Umgang mit Medien beizubringen.

abi>> 14.06.2017