Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Über den Tellerrand hinausschauen

Vier Redakteure unterhalten sich in einer Besprechung.
In den Journalismus können ein Studium der Kulturwissenschaften und ein darauffolgendes Volontariat führen.
Foto: Gabbert

Kulturwissenschaft

Über den Tellerrand hinausschauen

René Lang setzt sich in seinem Bachelorstudiengang Kulturwissenschaft mit vielen theoretischen Texten auseinander. Doch die Uni Koblenz-Landau bietet auch mehrere Praxismodule an. Der 22-Jährige lernt im Studium sage und schreibe elf Fachrichtungen kennen – und wird dadurch zum Generalisten ausgebildet.

Offen sein, kommunikativ, neugierig, kritisch – diese Eigenschaften sollte laut René Lang mitbringen, wer ein kulturwissenschaftliches Studium aufnehmen möchte. Der 22-Jährige studiert im fünften Semester im Bachelor Kulturwissenschaft an der Uni Koblenz-Landau. Dafür entschied er sich nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur. Beim Kultur- und Schulverwaltungsamt der Stadt Koblenz hatte er unter anderem ein eigenes Projekt mit Schulkindern betreut. „In dem Jahr habe ich meine Begeisterung für die Welt der Kultur entdeckt“, erzählt er.

Puzzle aus elf Fachrichtungen

Ein Porträtbild von René Lang

René Lang

Foto: privat

Sein Studiengang, für den Kenntnisse in Englisch und mindestens einer weiteren Fremdsprache Voraussetzung sind, ist interdisziplinär ausgerichtet: Die Koblenzer Kulturwissenschaft setzt sich aus insgesamt elf Fachdisziplinen zusammen, ab dem Wintersemester 2017/18 kommt noch die Politikwissenschaft hinzu. Neben den Kerndisziplinen Ethnologie, Medienwissenschaft und Philosophie sind unter anderem Fächer wie Anglistik, Geschichte und Musikwissenschaft beteiligt. „Der Bachelor macht Generalisten aus uns: Wir erhalten in alles Einblick und schauen über den Tellerrand hinaus“, beschreibt René Lang.

Um in alles einen Einblick zu erhalten, muss der Student jede Menge Texte lesen. Vor allem im ersten Semester waren die Literaturlisten üppig gefüllt. „Ich finde es besonders spannend, die neuen Erkenntnisse unmittelbar auf unseren Alltag übertragen zu können“, sagt er. Ein Beispiel ist die Lektüre von Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Text zur Kulturindustrie. „Die Seminardiskussion darüber, ob Kultur eine kapitalistische Maschine ist, von der wir abhängig sind, hat uns zum Web 2.0 geführt und zur Feststellung, dass wir sehr wohl befähigt sind, Kritik zu äußern – zum Beispiel über einen Shitstorm.“

Podcasts, Scrollytelling, Dokumentarfilm

Das Studium gefällt René Lang auch deswegen so gut, weil es viele Praxiselemente beinhaltet, etwa den institutseigenen Youtube-Kanal „Kuwiko“ oder das Projekt „Theater trifft Schule“. „Aus dem Kulturmanagementmodul, das im sechsten Semester Pflicht ist, sind manche Projekte entstanden, die mittlerweile fest zur Koblenzer Kulturszene gehören“, erzählt René Lang. Ein Beispiel hierfür ist das kaleidosKOp-Festival.

Bereits im dritten Semester erhielten die Studierenden Gelegenheit, Podcasts zu produzieren, ein Onlinemagazin zu erstellen oder ein sogenanntes Scrollytelling-Projekt zu verwirklichen, bei dem auf einer Internetseite eine Geschichte multimedial – also mit Textelementen, Bildern, Videomitschnitten und Audioaufnahmen – erzählt wird. René Lang selbst drehte zusammen mit drei Kommilitonen einen Film über die jüdische Kultusgemeinde Koblenz und konnte dabei das umsetzen, was er zuvor im Seminar „Picturing Culture“ über ethnografische Dokumentarfilme gelernt hatte. Auch die Bachelorarbeit in seinem Studiengang kann übrigens aus einem Podcast oder einem Film bestehen.

Redakteur werden?

Der Journalismus zieht sich wie ein roter Faden durch René Langs Studienzeit: Er arbeitet als Campus-Reporter für den Uniblog und plant ein dreimonatiges Praktikum bei einem Radiosender – obwohl die Studienordnung nur sechs Wochen verlangt. Ob er nach dem Studium in diesem Bereich arbeiten will, weiß er allerdings noch nicht. „Ich tendiere eher dazu, direkt mit dem Master zu beginnen, um mich weiter auf ein Feld spezialisieren zu können“, ergänzt der 22-Jährige.

abi>> 12.10.2017