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Examen unter Staatsaufsicht

Ein Student liest in der Bibliothek
Wer fürs Staatsexamen büffelt, verbringt meist viele Stunden in der Bibliothek.
Foto: Thomas Lohnes

Wo bitte geht’s zum Staatsexamen?

Examen unter Staatsaufsicht

Mediziner, Richter, Rechts- und Staatsanwälte, Lehrer, Apotheker sowie Lebensmittelchemiker – sie alle üben Berufe mit großer Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber aus. Ein Grund, weshalb der Staat die Ausbildungen selbst reglementiert und kontrolliert und hierfür das Staatsexamen etabliert hat.

Durchschnittlich 90 Sekunden Bedenkzeit hatte Dorothea Hallier, um ihr Kreuzchen bei einer der fünf Antwortmöglichkeiten zu setzen – nur so war es möglich, alle 360 Aufgaben des ersten Abschnitts der Pharmazeutischen Prüfung zu bearbeiten. An vier aufeinanderfolgenden Tagen stellte sie sich den Fragen in den Fächern Chemie, Biologie, Physik sowie Arzneiformenlehre und Analytik. „In den ersten vier Semestern bis zu dieser Prüfung geht es um naturwissenschaftliche Grundlagen“, erklärt die 23-Jährige. Schließlich müsse man wissen, wie der Körper und die Natur funktionieren, um zu verstehen, wie Medikamente wirken. Heute ist Dorothea Hallier im achten Semester an der Uni Greifswald. Die war ihr Favorit: Als sie sich über hochschulstart.de für einen Studienplatz bewarb, stand Greifswald auf Platz 1 ihrer Wunschliste.

Ein Porträt-Foto von Dorothea Hallier

Dorothea Hallier

Foto: privat

Mit dieser Wahl ist sie äußerst zufrieden. „Das Pharmaziestudium ist sehr vielseitig, man lernt, analytisch zu denken und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten“, erklärt die angehende Pharmazeutin. Außerdem sei es sehr praxisnah: „Im Labor kann man viel selbst experimentieren.“ Dazu kommt die Famulatur, ein mehrwöchiges Praktikum, und als letzte Studienetappe nach dem zweiten Staatsexamen das Praktische Jahr, das zur Hälfte in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden muss. In den verbleibenden sechs Monaten wird Dorothea Hallier eine Diplomarbeit verfassen und so herausfinden, ob vielleicht eine Tätigkeit in der Forschung für sie in Frage kommt.

Im Dienst des Staates

Wer sich für die Fächer Pharmazie, Lehramt, Human-, Tier- und Zahnmedizin, Rechtswissenschaft oder Lebensmittelchemie entscheidet, studiert meist „auf Staatsexamen“, wie es umgangssprachlich heißt. Allen Studiengängen gemein ist, dass sie in der Regel in einen vom Staat regulierten Beruf führen. Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte bedürfen der Approbation, also einer staatlichen Erlaubnis für die Berufsausübung. Oft tritt der Staat zudem als Arbeitgeber auf: Absolventen eines Lehramtsstudiums können als Beamte im Staatsdienst arbeiten (siehe auch das Thema der Woche „Lehrer/in werden“ auf abi»), „Volljuristen“ ein Richteramt bekleiden oder Staatsanwälte werden und Lebensmittelchemiker in der amtlichen Lebensmittelüberwachung angestellt sein.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die erklärt, warum der Staat als Prüfungsabnehmer und damit als Kontrollinstanz tätig ist: „Die Einhaltung bestimmter, klar definierter Qualitätsstandards liegt bei diesen Tätigkeiten im öffentlichen Interesse“, erklärt Dr. Jürgen Gündel, Leiter des Informations- und Beratungszentrums für Studiengestaltung und Career Service der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die bis auf Tiermedizin alle Staatsexamensstudiengänge anbietet. Die hohe Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit führte früh dazu, dass der Staat als Kontrollinstanz in Erscheinung trat: Das Erste und Zweite Staatsexamen der Juristen etwa wurde von den Preußen 1869 eingeführt. Der Begriff „Staatsexamen“ wird heute nur noch umgangssprachlich verwendet. Angehende Humanmediziner oder Juristen stellen sich dem Ersten, Zweiten und Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung beziehungsweise der Ersten oder Zweiten juristischen Prüfung (siehe auch Studienreportagen „Menschen ins Gleichgewicht bringen“ und „Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal“).

Viele Praxisphasen

Ein Porträt-Foto von Dr. Jürgen Gundel

Dr. Jürgen Gundel

Foto: privat

Wie bei jedem Studium sollte man Neugierde und ein großes Interesse an den Inhalten mitbringen – das helfe auch dabei, bei den zum Teil sehr langen Ausbildungszeiten die Motivation nicht zu verlieren, sagt Dr. Jürgen Gündel. Alle Studiengänge mit staatlichen Prüfungen sehen integrierte und/oder post-universitäre Praxisphasen vor (siehe auch die Steckbriefe der einzelnen Studiengänge). Bei Humanmedizinern und Pharmazeuten steht der letzte Abschnitt der Ärztlichen beziehungsweise Pharmazeutischen Prüfung nach einem Praktischen Jahr an, erst dann dürfen sie die Approbation beantragen. Wer Volljurist werden will, muss sich zunächst im zweijährigen Vorbereitungsdienst der Praxis stellen, bevor er als Richter, Rechts- oder Staatsanwalt ins Berufsleben einsteigen kann (siehe auch Studienreportage „Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal“).

Wer sich für juristische beziehungsweise pharmazeutische Themen interessiert, aber keinen der genannten Berufe anstrebt, kann einen Bachelor-, Master- oder Diplomstudiengang mit entsprechender Ausrichtung wählen. „Pharmaziestudierende, die sich für eine Karriere in der Forschung entscheiden, können je nach Uni ihr Studium genauso mit einem Diplom beenden“, erklärt Dr. Gündel. Lebensmittelchemikern steht dieser Weg ebenfalls offen (siehe auch Berufsreportage „Pestiziden auf der Spur“). Und wem das zwölfsemestrige Studium und die mehrjährige Facharztausbildung der Humanmediziner zu lang ist, findet vielleicht in den Studiengängen Hebammenwissenschaft, Physiotherapie und Logopädie oder einer Berufsausbildung im Gesundheitswesen eine Alternative.

Auswahlkriterien recherchieren

Dr. Gündel rät, sich frühzeitig über die Bewerbungsmodalitäten zu informieren, um herauszufinden, wann man sich wo bewerben muss, und welche Kriterien die Chance auf eine Zusage erhöhen. Das kann die Gewichtung von Einzelnoten, eine einschlägige Berufsausbildung oder das Ergebnis von Studierfähigkeitstests sein. Bei Bewerbungen über das Internetportal hochschulstart.de kann zudem die Ortspräferenz ausschlaggebend sein: „Manche Hochschulen nehmen nur jene Bewerber, die ihre Einrichtung auf Platz 1 der Wunschliste gesetzt haben. Denn bei ihnen ist die Motivation, genau dort zu studieren, besonders hoch“, erklärt der Studienberater.

Bei zulassungsfreien oder örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen bewirbt man sich entweder an den Unis selbst oder, wenn diese am Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) teilnehmen, zunächst über hochschulstart.de und anschließend zusätzlich an den Unis. Bei den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen Human-, Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie werden die Plätze stets zentral über hochschulstart.de vergeben. 60 Prozent werden dabei von den Hochschulen selbst vergeben, daher spielen die oben genannten Kriterien auch bei diesem Verfahren eine Rolle. 40 Prozent der Studienplätze werden derzeit zur Hälfte an die Abiturbesten und über die Wartezeit verteilt.

2020 tritt zudem eine Neuregelung der Studienplatzvergabe für die Studiengänge Human-, Tier-, Zahnmedizin und Pharmazie in Kraft: Die Wartezeitquote wird abgeschafft, die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent erhöht und eine zusätzliche Eignungsquote eingeführt. Mehr über das neue Verfahren steht auf hochschulstart.de.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter u.a. Humanmedizin, Rechtswissenschaften).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter u.a. Humanmedizin, Rechtswissenschaften).
studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

 

hochschulstart.de
Die Serviceplattform der Stiftung für Hochschulzulassung ist zwei großen Themenkomplexen gewidmet: Der Koordinierung von Bewerbungen für grundständige Studiengänge und der zentralen Vergabe von bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätzen. So werden im Auftrag der Bundesländer dort zentral die Studienplätze in Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie vergeben.
www.hochschulstart.de

 

Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungen (IMPP)
Das IMPP ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts. Als zentrale Einrichtung der Länder unterstützen fünf Fachbereiche mit etwa 50 Mitarbeitern die Landesprüfungsämter bei der Durchführung der bundeseinheitlichen schriftlichen Prüfungen nach den Approbationsordnungen für Ärzte und Apotheker sowie nach dem jeweiligen Landesprüfungsamt.
www.impp.de

 

Bundesärztekammer
Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung; sie vertritt die berufspolitischen Interessen der Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik Deutschland. Auf der Internetseite informiert die Kammer auch über Aus-, Weiter- und Fortbildungen.
www.bundesaerztekammer.de

 

Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd)
Die bvmd bildet den Zusammenschluss aller 38 medizinischen Fachschaften in Deutschland.
www.bvmd.de

 

Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD)
Der bundesweiten Interessenvertretung gehören alle 22 Pharmazie-Fachschaften Deutschlands an.
www.bphd.de

 

Bundesverband der Veterinärmedizinstudierenden Deutschland (bvvd)
Der bvvd setzt sich national und international für die Interessen der Studierenden ein und sorgt für die Weitergabe von Informationen zwischen den fünf deutschen Unistandorten.
www.bvvd.de

 

Bundesverband der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland (BdZM)
Der BdZM bildet die Dachorganisation der studentischen Fachschaften an allen 30 Standorten in Deutschland. Sein Anliegen es ist, die gemeinsamen Interessen und Anliegen aller etwa 15.000 Studierenden der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Deutschland gemeinsam zu vertreten.
www.bdzm.de

 

zahniportal
zahniportal ist ein Projekt des Bundesverbands der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland mit Infos rund ums Zahnmedizinstudium.
www.zahniportal.de

 

Arbeitsgruppe Junge LebensmittelchemikerInnen (AG JLC)
Arbeitsgruppe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (LChG), einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die AG JLC vertritt Studierende und Promovierende im Fach Lebensmittelchemie an den deutschen Hochschulen, Lebensmittelchemiker im Praktischen Jahr sowie Berufseinsteigende.
www.ag-jlc.de

 

Chemie studieren
Seite der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit Informationen unter anderem rund um den Studiengang Lebenmittelchemie.
www.chemie-studieren.org

 

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF)
Der BRF ist der Dachverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland. Er vertritt die hochschulpolitischen Interessen der juristischen Fachschaften in Deutschland und damit von über 110.000 Jurastudierenden in Deutschland gegenüber regionalen und überregionalen Institutionen.
www.brf.de

abi>> 29.07.2019

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