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Kleine Teile mit großer Wirkung

Mithilfe von chemischen Verfahren prüft ein junger Mann die Reinheit von anorganischen und organischen Rohstoffen.
Wer sich mit Nanotechnologie beschäftigt, muss sich auf Neues einlassen – und in kleinste Dimensionen vordringen.
Foto: Thomas Lohnes

Studieren im Nanobereich

Kleine Teile mit großer Wirkung

Wer im Nanobereich studiert, ist breit aufgestellt und hat die Möglichkeit, in verschiedensten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen mitzuwirken. Die Querschnittstechnologie kommt vor allem dort zum Tragen, wo an zukunftsweisenden Technologien geforscht wird.

Chris Fopke (28) schließt in Kürze sein Bachelorstudium der Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie an der Hochschule Kaiserslautern ab. Sein Fach begeistert ihn, obwohl er in der Schulzeit kein besonderes Interesse an Naturwissenschaften hatte. Der 28-Jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Elektrotechniker und arbeitete zwei Jahre in diesem Beruf. „Das war eine hervorragende Vorbereitung auf das Studium“, sagt er. Nach seinem Abschluss will Chris Fopke einen Master Microsystems and Nanotechnology anschließen. Aktuell ist er parallel bereits als Gründer aktiv. Seine Projekte sind eng mit dem Studium verknüpft: „Wenn ich an meiner eigenen Idee bastle, lerne ich viel schneller.“

Ein Porträt-Foto von Chris Fopke

Chris Fopke

Foto: privat

Wer sich mit Nanotechnologie beschäftigt, muss sich auf Neues einlassen – und in kleinste Dimensionen vordringen. Ein Nanometer, das entspricht einem Millionstel Millimeter. Für die Nanotechnologie relevant sind Bereiche zwischen einem und hundert Nanometern. Der Blick ins kleinste Detail lohnt sich, denn in Nano-Dimensionen entwickeln Materialien neue Potenziale, die sich für die Entwicklung und Anpassung von Werkstoffen nutzen lassen. So werden beispielsweise Oberflächen schmutzabweisend und Kosmetika absorbieren schädliche UV-Strahlen. Nanomaterialien helfen beim Energiesparen, sie steigern die Effizienz bei der Energiegewinnung mit Solartechnologie und sie verbessern die Lebensdauer von Materialien und Produkten.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

Ein Porträt-Foto von Dr. Achim Eggert

Dr. Achim Eggert

Foto: privat

Die Anwendungsgebiete von Nanotechnologien scheinen fast unbegrenzt, von der Metallverarbeitung über die Medizin- und Elektrotechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrt. In der Elektrotechnik sorgen Schaltkreise im Nanobereich dafür, dass schnellere Prozessoren mit niedrigeren Spannungen und weniger Wärmeabgabe arbeiten. „Schnellere Prozesse mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch, das ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit durch Nano-Verfahren“, sagt Dr. Achim Eggert, beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zuständig für Materials Engineering. Auch in Krankenhäusern kommt Nanotechnologie zum Einsatz. „Hier werden Oberflächenbeschichtungen eingesetzt, die so fein strukturiert sind, dass ein Berg-und-Tal-Effekt entsteht“, erklärt Dr. Achim Eggert. Das Ergebnis: „Die Oberfläche der Beschichtung vergrößert sich deutlich und keimabweisende Mittel können in größerer Menge intensiver wirken.“ In der Medizintechnik helfen Nano-Verfahren dabei, Wirkstoffe in den Blutbahnen direkt zum Krankheitsherd zu transportieren. Das macht Chemotherapien in der Tumorbehandlung wirkungsvoller und verträglicher.

Nanotechnologie treibt Innovationen an, die unsere Zukunft prägen werden. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Berufsperspektiven in diesem Bereich sind vielversprechend. Schon 2013 beschäftigten Nanotechnik-Unternehmen in Deutschland laut dem „nano.DE-Report“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 70.000 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro. Neuere Statistiken gibt es nicht, aus gutem Grund: Nanotechnologie ist mittlerweile in unterschiedliche Disziplinen integriert und ihr spezifischer Beitrag lässt sich nicht mehr ohne Weiteres in Zahlen fassen.

Nano ist nichts für Nerds

Ein Porträt-Foto von Susanne Heiser

Susanne Heiser

Foto: privat

Entsprechend vielfältig sind die Studiengänge in den verschiedensten naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Unter dem Suchbegriff „Nano“ führt das Portal studienwahl.de 41 Studiengänge an 25 Hochschulen auf (Stand: Juni 2019). Die Übergänge zwischen Nanowissenschaften und Nanotechnologie sind dabei fließend. Das hängt mit dem interdisziplinären Ansatz zusammen. Eine Spezialisierung auf Nanotechnologie oder Nanowissenschaften ist bereits mit der Wahl des Bachelorstudiengangs möglich. Es gibt aber auch Masterstudiengänge, die an naturwissenschaftliche oder technische Bachelor anschließen.

Wie orientiert man sich in diesem Angebot und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Susanne Heiser ist seit 34 Jahren bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart als Berufsberaterin tätig. Das noch neue Metier „Nano“ ist eine gute Plattform für „begabte Allrounder“, wie sie sagt. „Nano ist kein Studium für Nerds, sondern für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die ohne Scheuklappen einen Beitrag zu Zukunftsentwicklungen leisten wollen.“ Naturwissenschaftliches Interesse und Begabung sind ein Muss, darüber hinaus sollte man aus ihrer Sicht folgende Eigenschaften mitbringen: „Ein ausgeprägtes Forschungsinteresse, Neugier, Geduld und Frustrationstoleranz, eine analytische Arbeitsweise und Freude am Experimentieren.“ Mobilität für das Arbeiten im internationalen Kontext ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung. Abiturienten empfiehlt sie, sich über die Arbeitsweise an den Universitäten zu informieren, um zu verstehen, was auf sie zukommt. „Wie viel Praxis ist integriert, wie ist die Praxis aufgebaut? Das kann man in Schnupperstudien oder virtuellen Praktika an den Universitäten erkunden“, rät Susanne Heiser. Eigenmotivation und der Wille, einen Beitrag zu leisten, sind Voraussetzungen für den Studienerfolg. Sorgen in puncto Berufsperspektiven muss man sich nicht machen. „Chancen ergeben sich meist in Forschung und Entwicklung, aber quer durch alle Fachbereiche und Industriebranchen“, sagt die Expertin.

Weitere Informationen

Studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du dich über das Studieren im Nanobereich informieren und im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Nano).
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Ingenieur/in – Nanotechnologie).
https://berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Kachel: Nano- und Werkstofftechnologie, Optische Technologien, Mikrosystemtechnik).
https://berufsfeld-info.de/abi/nano-werkstofftechnologie-mikrosystemtechnik

VDI Fachbereich Nanotechnik

Informationen des Vereins deutscher Ingenieure zur Nanotechnologie.
www.vdi.de/technik/fachthemen/materials-engineering/fachbereiche/nanotechnik/

Fraunhofer Allianz Nanotechnologie

Initiative von einschlägig in der anwendungsorientierten Forschung aktiven Instituten der Fraunhofer Gesellschaft.
www.nano.fraunhofer.de/de/was-ist-nanotechnologie.html

Nano in Germany e.V.

Gemeinnütziger Verein und Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
www.nanoingermany.de

DaNa Daten und Wissen zu Nanomaterialien

Plattform mit Informationen zu Nanomaterialien und Nano-Sicherheitsforschung.
www.nanopartikel.info

Nano-map.de

Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Kompetenzkarte zu Forschung und Innovation im Nanobereich.
www.nano-map.de

abi>> 08.07.2019

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