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„Informationstechnische Qualifikationen werden relevanter“

Zahlreiche Dämmobjekte und -platten lagern für eine Weiterverarbeitung in einem Hochregal bereit.
Digitalisierung spielt in der Logistik eine wichtige Rolle - künstliche Intelligenz, Sensoren und automatisierte Planung kommen zunehmend zum Einsatz.
Foto: Martin Rehm

Logistik studieren – Interview

„Informationstechnische Qualifikationen werden relevanter“

Selbstfahrende LKWs, 3-D-Drucker und künstliche Intelligenz: Die Logistikbranche wird sich in Zukunft stark verändern. Wie der Wandel aussehen wird und welche Auswirkungen dies auf den Arbeitsmarkt der Logistiker hat, verrät Christian Prasse, Leiter der Strategieentwicklung beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) im abi» Interview.

abi>> Herr Prasse, ein Blick in die Zukunft: Ich möchte mir im Jahr 2050 ein T-Shirt kaufen. Wie könnte der Weg des Shirts von den Rohstoffen bis zu mir aussehen?

Christian Prasse: Vermutlich wird es ein individuelles T-Shirt sein, das man sich vorher genau nach den eigenen Wünschen bestellt hat. Außerdem wird es wahrscheinlich wieder lokal produziert werden, also in der Nähe vom Wohnort. Lange See- oder Luftwege aus beispielsweise China wird es dann nicht mehr in dem Maße geben. Vorstellbar ist auch, dass man in Zeiten von Rohstoffknappheit ein altes T-Shirt eher überarbeiten und veredeln lässt, als ein neues zu kaufen.

abi>> Welche Veränderungen sind heute schon zu sehen?

Ein Porträt-Foto von Christian Prasse

Christian Prasse

Foto: privat

Christian Prasse: Den Transport von Gütern wird es immer geben. Allerdings sieht man auch heute schon, dass durch die zunehmende Autonomisierung einiges im Wandel ist. Selbst gesteuerte LKWs, die in Kolonnen über die Autobahnen fahren – Platooning –, werden wir wohl in nächster Zukunft schon sehen. Automatisch gesteuerte Schiffe und mit Autopilot fliegende Flugzeuge sind für uns jetzt schon selbstverständlich. Der Mensch kann dann andere Aufgaben, wie Planung und Konzeptionierung, übernehmen. Begleitet wird die Entwicklung von der Schwierigkeit, qualifizierte Fahrer für die Lastwagen zu finden. Die Speditionen stehen da derzeit vor einem großen Problem. Auch in den Lagern und bei der Produktion spielt die Automatisierung eine große Rolle.

abi>> Weshalb geht die Entwicklung eher in Richtung einer individuellen und lokalen Produktion?

Christian Prasse: Maschinen, wie 3-D-Drucker oder Lasercutter, aber auch 5-Achs-Fräsmaschinen, ermöglichen es zunehmend, Bauteile ohne großes handwerkliches Geschick zu fertigen. Ein Rohstoff wird bereitgestellt, die 3-D-Datei wird eingegeben und die Maschinen produzieren den gewünschten Gegenstand automatisch. So ist es möglich, ganz individuell verschiedene Exemplare herzustellen. Über digitale Tools kann jeder zum Konstrukteur werden. So könnten sich große Teile der heutigen Wertschöpfung und Produktion verändern. Die Logistik übernimmt dann die Versorgung mit Rohstoffen und gegebenenfalls noch die letzte Meile zum Kunden.

abi>> Hilft die Digitalisierung bei der Planung der logistischen Prozesse?

Christian Prasse: Auch die Planung wird zunehmend automatisiert. Über das Internet der Dinge können die herzustellenden Waren, die Maschinen, die Lager und so weiter miteinander vernetzt werden. Über Sensoren erfassen sie ihre Umwelt, organisieren und optimieren sich selbst. Künstliche Intelligenz kann außerdem bei der Informationsbeschaffung und -analyse für strategische Entscheidungen wertvolle Dienste leisten.

abi>> Für welche Tätigkeiten werden Logistiker in der Zukunft dann noch gebraucht?

Christian Prasse: Für die strategische und operative Planung ist auch weiterhin gesunder Menschenverstand nötig, den keine Maschine ersetzen kann. Auch in der Forschung werden Logistiker gebraucht. Für das Berufsbild werden aber zunehmend informationstechnische Qualifikationen relevanter, weil die Steuerung der logistischen Prozesse immer digitaler wird.

abi>> Wie wird sich die zu erwartende Rohstoffknappheit auf die Logistikbranche auswirken?

Christian Prasse: In der so genannten Grünen Logistik gibt es verschiedene Entwicklungen: Die Transportfahrzeuge werden sparsamer, um Spritkosten zu verringern. Mit der Diskussion um Kunststoffabfälle im Meer gibt es Änderungen bei den Verpackungen. Konzepte, wie die Kreislaufwirtschaft der Rohstoffe, sollen der Knappheit entgegenwirken. Einen einschneidenden Umbruch kann man da allerdings in der Branche im Moment noch nicht feststellen.

abi>> 17.06.2019

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