Brückenbauer zwischen Beruf und Wissenschaft

Studierende laufen durch einen Gang an der Hochschule.
Zwischen zwei Welten: An der Hochschule wird dual Studierenden das wissenschaftliche Arbeiten beigebracht, im Unternehmen wiederum bekommen sie vertiefte Einblicke in den beruflichen Alltag
Foto: Katharina Kemme

Duales Studium - Hintergrund

Brückenbauer zwischen Beruf und Wissenschaft

Um eine besonders praxisnahe Variante des Studierens zu schaffen, wurde vor mehr als 40 Jahren das duale Studium eingeführt – ein Modell, das sich großer Beliebtheit erfreut: Mittlerweile werden in Deutschland mehr als 1.600 duale Studiengänge angeboten.

Den Alltag der Heizungssanitärbranche lernte Sebastian Bleser schon als Kind im Betrieb seines Vaters kennen. Früher durfte er in den Schulferien dort aushelfen. Doch während sein Vater noch eine klassische Ausbildung absolvierte, hat sich Sebastian Bleser für ein duales Studium entschieden.

Seit 2004 bieten in Trier die Hochschule, die Handwerkskammer, die Berufsbildende Schule für Gewerbe und Technik sowie die Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ein duales Studium in der technischen Gebäudeausrüstung und Versorgungstechnik an. Für Sebastian Bleser, mittlerweile Student im sechsten Semester, war das genau der passende Ausbildungsweg: „Der Berufszweig hat mich interessiert, außerdem werden in der Branche immer Fachkräfte gebraucht“, sagt er – das ist er mit Studium und Ausbildung in einem gleich in doppelter Hinsicht.

Parallel lernen und arbeiten

Dank des dualen Studiums konnte er frühzeitig Praxiserfahrungen sammeln. „Jetzt weiß ich, in welchen Situationen Probleme auftreten können und wie man damit umgeht – der Beruf wirkt dadurch nicht mehr so abstrakt“, sagt er. Ein weiterer Pluspunkt: Innerhalb von fünf Jahren erlangt er zwei Abschlüsse – den Bachelor of Engineering und einen Berufsabschluss als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Dafür absolvierte er eine verkürzte und modifizierte betriebliche Lehre sowie ein Studium, außerdem besuchte er eine Berufsschule. Den ersten Teil der Ausbildung begann Sebastian Bleser vor seinem Studium – 17 Monate verbrachte er in einer Firma, die Ein- und Mehrfamilienhäuser ausstattet. „Anschließend ging es für vier Semester an die Hochschule“, erinnert sich der duale Student. „Dann folgt ein Praxissemester, in dem ich mich auf die Gesellenprüfung vorbereitete. In der Zeit war ich in einer Heizungssanitärfirma tätig, die auf große, öffentliche Gebäude spezialisiert ist.“ Die Ausbildung dauert insgesamt zwei Jahre – die Praxisphasen können sich die dual Studierenden zwischen der Zeit vor Studienbeginn, den Semesterferien und dem Praxissemester aufteilen.

Das sechste und siebte Semester verbringen die Studierenden wieder an der Hochschule und schreiben im letzten Semester ihre Bachelorarbeit.

Pauken im Dreierpack

Ein Porträt-Foto von Sebastian Bleser

Sebastian Bleser

Foto: privat

Sebastian Blesers Bewerbung verlief problemlos: „Beide Firmen haben mich sofort eingestellt und waren begeistert vom dualen Konzept: Sie haben gemerkt, dass dual Studierende besonders motiviert und leistungsbereit sind“, schildert er. An der Hochschule Trier war die einzige Zulassungsvoraussetzung die Fachhochschulreife beziehungsweise die allgemeine Hochschulreife.

In den Betrieben wurde ihm vor allem handwerkliches Wissen zu Abfluss- und Heizungssystemen vermittelt: „Ich absolvierte eine normale Ausbildung, in der ich zum Beispiel auch Regelwerke kennenlernte, die an Baustellen zu beachten sind.“ Mit Grundlagenfächern wie Physik, Chemie und technischer Thermodynamik befasste er sich im Studium. „Später wurde es mit ingenieurtechnischen Fächern spezifischer. Vertiefende Einblicke in die jeweiligen Themen erhielten wir auch in Seminaren und Exkursionen.“ Die naturwissenschaftlichen Fächer hätten die meisten seiner Kommilitonen als besonders schwer empfunden, sagt Sebastian Bleser. „Das Lernen an der Hochschule ist anders als an der Berufsschule – das darf man nicht zu locker nehmen.“

Über seine berufliche Zukunft macht er sich keine Sorgen: „Auf dem Arbeitsmarkt herrscht eine unglaublich große Nachfrage in diesem Fachbereich. Ich könnte mir vorstellen, in einem Ingenieurbüro zu arbeiten. Später würde ich auch gerne in die Firma meines Vaters einsteigen“, erzählt der duale Student. Doch bis es soweit ist, möchte er zuerst noch einen Master absolvieren.

Zwei Modelle für Abiturienten

Ein Porträt-Foto von Silvia Hofmann.

Silvia Hofmann

Foto: Edmund Schenk

Ungeachtet der Fachrichtung zeichnet das duale Studium im Vergleich zu klassischen Studiengängen ein höherer Praxisbezug aus, definiert AusbildungPlus, ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) (siehe auch „Ein direkter Zugang zum Arbeitsalltag“). Das heißt: Die Berufspraxis im Betrieb und das Studium an der Hochschule sind organisatorisch und inhaltlich eng miteinander verknüpft. Projektsprecherin Silvia Hofmann erklärt: „Zu unterscheiden sind vier Formate: In der Erstausbildung das ausbildungsintegrierende und das praxisintegrierende, im Bereich der Weiterbildung ebenfalls das praxisintegrierende sowie das berufsintegrierende duale Studium. Für die berufliche Weiterbildung sind das Angebote, wenn bereits ein erster berufsqualifizierender Abschluss vorliegt.“ Für Abiturienten sind daher die ausbildungs- und praxisintegrierenden Studiengänge interessant. (Eine Übersicht über die verschiedenen Studien- und Ausbildungsmodelle kannst du dir hier herunterladen.)

Duale Studienmodelle bieten verschiedene Vorteile: „Teilnehmer können wissenschaftlich-theoretisches Wissen mit berufspraktischen Kompetenzen verbinden; später haben sie sehr gute Übernahmechancen in Unternehmen“, schildert Silvia Hofmann (siehe auch „Berufseinstieg leicht gemacht“). Außerdem erhalten sie einen besseren Eindruck von der Praxis und können ihr theoretisches Wissen unmittelbar im Betrieb anwenden. „Das wiederum steigert die Lernmotivation“, fügt sie an.

Allerdings gibt es auch Nachteile: „Die Anforderungen, was die zeitliche Organisation und die große Belastung bezüglich der Lernzeiten betrifft, sind sehr hoch. Da es eine begehrte Studienform ist, können außerdem die Bewerbungsverfahren langwierig und anspruchsvoll sein“, stellt Silvia Hofmann klar. Da die Praxisphasen oft in einem Unternehmen absolviert werden, könne das auch zu einer starken Ausrichtung auf einen Betrieb führen.

Das Angebot wächst

Dass die Nachfrage trotz der hohen Anforderungen wächst, beweist die steigende Zahl der Studiengänge: Standen laut AusbildungPlus im Jahr 2011 noch knapp 900 Angebote für die Erstausbildung zur Verfügung, waren es im Januar 2017 bereits 1.592. „Die Zahl ist stark gestiegen, da nach Alternativen gesucht wurde, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, berichtet Silvia Hofmann.

Mit 1.100 dualen Studiengängen gehören Fachhochschulen zu den größten Anbietern. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) bietet 211 duale Studiengänge, Berufsakademien haben 186 und Universitäten 69 Angebote. Regional gesehen verteilen sich die dualen Studiengänge vor allem auf Bayern (321 Angebote), Nordrhein-Westfalen (311) und Baden-Württemberg (275). Laut AusbildungPlus sind in puncto Fachrichtung insbesondere die Ingenieurwissenschaften mit einem Anteil von 39 Prozent sowie die Wirtschaftswissenschaften mit 32 Prozent beliebt. An dritter Stelle steht die Informatik, danach folgt der Bereich Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit (siehe auch „Tiefe Einblicke in das System Krankenhaus“).

 

>>Hinweis: Zum Thema „Bewerbung für ein duales Studium“ kannst du dich zudem umfassend in der abi>> bewerbungsbox informieren.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach einzelnen dualen Studiengangstypen oder nach allen dualen Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

Hier kannst du unter anderem gezielt nach Arbeitgebern suchen, die ein duales Studium anbieten.
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Das datenbankbasierte Informationssystem „AusbildungPlus“ ist ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier werden Informationen zu den Themen duale Studiengänge und Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung bereitgestellt.
www.ausbildungplus.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Duale Hochschule Baden-Württemberg

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist die erste staatliche duale, das heißt praxisintegrierende Hochschule in Deutschland. Mit neun Standorten ist sie bundesweit die größte Fachhochschule.
www.dhbw.de

hochschule dual

Eine Initiative von Hochschule Bayern e.V. zu dualen Studiengängen in Bayern
www.hochschule-dual.de

Duale Hochschule Rheinland-Pfalz

dualehochschule.rlp.de

Duales Studium Hessen

www.dualesstudium-hessen.de

Dual Studieren im Rheinland

Informationsangebot der Industrie- und Handelskammer über duale Studienangebote im Rheinland
www.dual-studieren-im-rheinland.de

Mein duales Studium

Informationsangebot der Westfälischen Hochschule zu dualen Studiengängen, Partnerunternehmen und Karrierechancen

www.mein-duales-studium.de 

Duale Hochschule Gera-Eisenach

www.dhge.de

 

Duales Studium – Interview

Ein direkter Zugang zum Arbeitsalltag

Lernen an der Hochschule und im Betrieb – diese Mischung macht das duale Studium für viele Abiturienten interessant. Im Interview mit abi>> erklärt Jens Spelzig, Berufsberater für Abiturienten der Agentur für Arbeit Göttingen, was bei diesem Studienmodell zu beachten ist.

abi>> Herr Spelzig, für wen kommt ein duales Studium infrage?

Jens Spelzig: Oft ist Jugendlichen die Vorstellung, was sie mit einem klassischen Studium später beruflich machen können, zu abstrakt. Von einem dualen Studium versprechen sie sich daher einen direkten und konkreten Zugang zu beruflichen Tätigkeiten und zum Arbeitsalltag. Geeignet ist ein duales Studium auch für Abiturienten, die sich neben einer akademischen Ausbildung für praktische Tätigkeiten und betriebliche Abläufe interessieren. Die finanzielle Unterstützung durch die Unternehmen und die hohe Übernahmequote nach Ende des dualen Studiums sind weitere Anreize.

abi>> Welche Voraussetzungen sollten Abiturienten erfüllen?

Ein Porträt-Foto von Jens Spelzig

Jens Spelzig

Foto: privat

Jens Spelzig: Grundsätzlich können Arbeitgeber unter einer Vielzahl an Bewerbern auswählen, deshalb sind gute schulische Leistungen wichtig. Auch die Motivation muss für Arbeitgeber erkennbar sein: Bewerber sollten verdeutlichen, warum sie ein duales Studium in der konkreten Fachrichtung ergreifen möchten.

abi>> Wo kann man sich über das duale Studium und über Stellenangebote informieren?

Jens Spelzig: Gut recherchieren kann man auf den Internetseiten „AusbildungPlus.de“, „www.duales-studium.de“, „Wegweiser Duales Studium“ und im abi>> Portal. Informativ sind auch die Seiten der Hochschulen, die solche Studiengänge anbieten. Nach Arbeitgebern, die ein duales Studium ermöglichen, kann man gezielt in der Online-Jobbörse der Agentur für Arbeit suchen. Noch ein Tipp: Interessenten für ein duales Studium sollten sich von den Berufsberatern für Abiturienten ihrer Agentur für Arbeit unterstützen lassen. Der Bewerbungszeitraum beginnt 12 bis 18 Monate vor Beginn der dualen Studiengänge.

abi>> Über welche Anforderungen muss man sich im Klaren sein?

Jens Spelzig: Die betriebliche Einbindung im Wechsel mit Studienabschnitten ist eine Herausforderung, zumal sich die Studieneinrichtungen und Arbeitgeber häufig nicht an einem Ort befinden – Stichwort regionale Flexibilität. Außerdem ist das duale Studium in einen festen Zeitrahmen eingefügt, in dem alle entsprechenden Leistungen im Betrieb und im Studium erbracht werden müssen. Die Zeit für Freizeit ist relativ knapp, das heißt, es gibt meistens keine Semesterferien, sondern lediglich einen Urlaubsanspruch im Betrieb.

abi>> Erhalten dual Studierende eine Vergütung?

Jens Spelzig: In der Regel ist das so. Es können aber auch Studiengebühren anfallen. Grundsätzlich sollte man sich frühzeitig über die Bedingungen in dem angestrebten dualen Studium informieren.

abi>> Wie läuft die Bewerbung ab?

Jens Spelzig: Überwiegend bewirbt man sich direkt bei einem Arbeitgeber, der dann die Auswahl unter den Bewerbern trifft. Kann man einen Ausbildungsvertrag für ein duales Studium vorweisen, wird von der kooperierenden Hochschule eine Zulassung erteilt.

abi>> Welche Chancen haben die Absolventen nach dem dualen Studium?

Jens Spelzig: Die Arbeitgeber investieren in die Ausbildung der Studierenden. Deshalb haben die Betriebe ein großes Interesse, ihre Nachwuchskräfte nach Abschluss des Studiums zu übernehmen.

abi>> Wie kann der Ausbildungsweg weitergehen?

Jens Spelzig: Das duale Studium findet seinen Abschluss im Bachelor. Danach gibt es mittlerweile Angebote, den Master berufsbegleitend zu erlangen. Manche Unternehmen stellen ihre Mitarbeiter auch auf Wunsch frei, um einen Masterabschluss zu erwerben. Wer den Master absolvieren möchte, sollte am besten frühzeitig beim Arbeitgeber nachfragen, welche Karrierewege möglich sind.

 

Duales Studium – Übersicht

Modelle im Überblick

abi>> zeigt dir, welche Gemeinsamkeiten das duale Studium, Studium und die duale Berufsausbildung haben – und was sie voneinander unterscheidet.

 Hier kannst du die Übersicht als pdf herunterladen.

 

Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege dual

Tiefe Einblicke in das System Krankenhaus

Vier Jahre dauert das duale Studium „Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege“ von Melanie Hertschek aus Stuttgart. Wenn sie es abgeschlossen hat, kann sie gleich zwei Abschlüsse vorweisen: den Bachelor of Arts und die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Studieren und gleichzeitig eine Ausbildung absolvieren – dieser Weg hat Melanie Hertschek überzeugt. Nach ihrem Abitur 2012 entschied sie sich zunächst für ein praxisintegrierendes Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart im Studiengang „BWL-Finanzdienstleistungen“. Dieser entsprach jedoch nicht ihren Vorstellungen – das duale Studienmodell hingegen schon: „Mir gefiel, dass Studium und Ausbildung eng miteinander verknüpft sind – wenn man schon früh Praxiserfahrungen sammelt, merkt man auch schnell, ob der Studiengang zu einem passt.“

Erfolgreicher Wechsel

Ein Porträt-Foto von Melanie Hertschek

Melanie Hertschek

Foto: privat

Also blieb sie beim dualen System, wechselte aber ins Fach „Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege“. „Während eines Praktikums in einem Pflegeheim stellte ich fest, dass ich zukünftig im Bereich Pflege und Gesundheit arbeiten möchte“, begründet Melanie Hertschek ihre Wahl. „Bei meiner Recherche stieß ich auf das duale Ausbildungsangebot des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart und bewarb mich dort.“ Denn um an der DHBW für einen ausbildungsintegrierten Studienplatz zugelassen zu werden, ist ein Studien- und Ausbildungsvertrag eines Partnerbetriebs erforderlich.

Mit rund 30 weiteren Bewerbern wurde Melanie Hertschek zu einem Assessment-Center eingeladen. „Wir bekamen verschiedene Aufgaben – unter anderem sollten wir an Gruppendiskussionen teilnehmen. Zwei Personaler haben beobachtet, wie sich die Teilnehmer einbringen, und sortierten danach die ersten Bewerber aus“, erinnert sich die duale Studentin. „In der zweiten Hälfte fanden Einzelgespräche mit den verbliebenen Teilnehmern statt.“ Melanie Hertschek schlug sich gut und gehörte zu den erfolgreichen Bewerbern – somit konnte sie sich auch kurz darauf an der Hochschule einschreiben.

Ausbildung startet zuerst

Ihre dreijährige praktische Ausbildung begann im Oktober 2013 – ein Jahr vor der Studienphase. „Wie normale Azubis auch, haben wir den Stationsalltag kennengelernt: Zum Beispiel, wie wir die Patientenversorgung mitgestalten, evaluieren und welche Aspekte verbessert werden könnten“, sagt Melanie Hertschek. „In der Palliativstation habe ich erfahren, wie Pfleger Patienten bei der Schmerztherapie begleiten. Und in der hämatologisch-onkologischen Station befasste ich mich mit Stammzelltransplantationen.“ Als duale Studentin erhielt sie vom Krankenhaus eine ähnliche Vergütung wie normale Azubis.

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr besuchte sie auch die DHBW Stuttgart. „Während der Ausbildung dauerten die Präsenzphasen an der Hochschule drei bis vier Wochen pro Semester“, erläutert die Studentin, die nun im sechsten Semester ist. Inhaltlich wurden Grundlagen aus der Pflege, den Gesundheitswissenschaften und der Gesundheitswirtschaft vermittelt. Zum Beispiel beschäftigten sich die Studierenden mit komplexen Pflege- und Betreuungssituationen, Rehabilitation aktuellen Forschungen und Grundfragen der Ethik. Auch wirtschaftliche Aspekte standen auf dem Lehrplan, ebenso wie Schlüsselkompetenzen in Bereichen wie wissenschaftliches Arbeiten und IT. Außerdem besuchten die dualen Studierenden eine Krankenpflegeschule.

Gutes Zeitmanagement

Wer sich für diese Studienvariante entscheidet, müsse gut organisiert sein und ein gewisses Maß an Disziplin mitbringen, findet Melanie Hertschek: „Vor allem, als wir das Examen an der Krankenpflegeschule vorbereitet haben, standen wir unter Zeitdruck. Denn in derselben Zeit mussten wir für die Hochschule eine bis zu 30 Seiten lange Projektarbeit schreiben.“ Doch mit einem guten Zeitmanagement könne man das duale Studium erfolgreich absolvieren.

Nachdem sie ihre Ausbildung 2016 abgeschlossen hat, folgt nun die letzte Phase des dualen Studiums. Diese verbringt sie zur einen Hälfte in der Hochschule, zur anderen im Krankenhaus, wo sie als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet.

Job bereits in der Tasche

Wie es nach ihrem Bachelorabschluss weitergeht, weiß sie bereits: „Ab Oktober arbeite ich für die Techniker-Krankenkasse in der Abrechnungsabteilung“, erklärt Melanie Hertschek. Unter anderem wird sie die Abrechnungen von Krankenhäusern auf ihre Richtigkeit überprüfen.

„Die Gesundheitsbranche befindet sich in Deutschland noch im Umbruch und leider gibt es hier noch nicht viele Stellen für Absolventen dualer Studiengänge. Ich habe also Glück, dass ich so schnell eine Stelle gefunden habe, bei der ich auch mein im Studium erlangtes gesundheitsökonomisches Wissen anwenden kann“, betont die duale Studentin.

 

Softwareentwickler

Berufseinstieg leicht gemacht

Das praxisintegrierende Studium war die ideale Vorbereitung auf seine berufliche Zukunft, davon ist Mateusz Niedzwiedzinski überzeugt. Seit seinem Masterabschluss in Informatik arbeitet der 26-Jährige für ein Software-Engineering-Unternehmen. Dort hatte er bereits den praktischen Teil seines dualen Studiums absolviert.

Mateusz Niedzwiedzinski wollte früh einen umfassenden Einblick in die Arbeitswelt eines Informatikers erhalten. Er war sich sicher, dass ihm dadurch der Einstieg ins Berufsleben besser gelingen würde. Deshalb wählte er 2010 den praxisintegrierenden Bachelorstudiengang „Informatik“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. „Ich entschied mich für ein duales Studium, weil ich spannende Aufgaben übernehmen wollte, die mich fachlich weiterbringen“, sagt der Absolvent. „Ich hätte auch ein rein theoretisches Studium aufnehmen und nebenbei als Werkstudent arbeiten können. Aber dann wird man in manchen Unternehmen als externer Mitarbeiter angesehen, der nur für kurze Zeit bleibt und dem nicht viel Verantwortung übertragen werden kann.“

Da er sehr gute Studienleistungen erbrachte, wurde er für das I.C.S.-Modell (International Co-operative Studies) der Hochschule München ausgesucht. Hierbei vermittelt der Förderverein I.C.S. die besten Studierenden eines Jahrgangs ab ihrem vierten Semester an Partnerunternehmen. Wer nicht ausgewählt wird, erhält von der Hochschule eine Liste mit Kooperationspartnern und muss sich selbst um einen Platz in einer Firma bewerben. Nicht so Mateusz Niedzwiedzinski: „I.C.S. achtet darauf, dass die Unternehmen gut zu den gewünschten Schwerpunkten und Zielen der Studierenden passen“, erläutert er. „So kam ich 2012 zur ARS Computer und Consulting GmbH. Dort wurde mir ein Ansprechpartner zu Seite gestellt, der mich während meiner Praxisphase beraten hat.“

Kundenkontakt meistern

Ein Porträt-Foto von Mateusz Niedzwiedzinski

Mateusz Niedzwiedzinski

Foto: privat

Eigentlich sollte sich der duale Student anfangs als Software-Entwickler um Java-Projekte kümmern. Doch sein Betreuer merkte schnell, dass er sich fachlich bereits sehr gut auskannte und eher im Bereich Kundenbetreuung Nachholbedarf hatte. Also nahm er den angehenden Informatiker regelmäßig zu Kundenbesuchen mit und zeigte ihm, wie er Workshops zu IT-Themen gestaltet. „Während mir an der Hochschule fachliches Wissen wie IT-Systeme, Softwareentwicklung und mathematische Kenntnisse vermittelt wurde, verbesserte ich in der Firma meine Soft Skills“, berichtet Mateusz Niedzwiedzinski. „So lernte ich mit der Zeit, selbstbewusst vor Kunden aufzutreten – das hat mir mehr gebracht, als beispielsweise eine weitere Programmiersprache zu lernen.“

Die Praxisphasen fanden in den Semesterferien statt, sodass er sich während des Semesters voll und ganz auf sein Studium an der Hochschule konzentrieren konnte. „Außerdem war ein Praxissemester vorgesehen, das ich ebenfalls bei ARS verbrachte“, erläutert der Informatiker.
Das Masterstudium, das er im Anschluss an der HS München absolvierte, hat er sich „wie einen Baukasten zusammengestellt. Ich wollte mich auf die Bereiche Software Engineering, Projektleitung und Softwarearchitektur spezialisieren und wählte entsprechende Module.“ Wann er die Praxisphasen absolviert, war im Master nicht vorgegeben. Also arbeitete er in Teilzeit für ARS und studierte dafür ein Jahr länger an der Hochschule. „Im Unternehmen wurden mir Tätigkeiten zugeteilt, die mich im Studium unterstützten und mein Wissen vertieften“, sagt der Absolvent.

Vielseitige Berufsaussichten

Seinen Abschluss machte er Anfang 2017. Seither arbeitet er bei ARS und kümmert sich um fast die gleichen Aufgaben wie schon zur Studienzeit, schildert Mateusz Niedzwiedzinski: „Mit Java-Projekten habe ich angefangen, aber mittlerweile gehört vor allem Continuous Integration zur Steigerung der Softwarequalität zu meinen Schwerpunkten. Das heißt, ich biete unseren Kunden Schulungen im Bereich Softwareentwicklung an, damit sie lernen, bestimmte Technologien und Tools richtig anzuwenden.“ Sein langfristiges Ziel ist, sich mehr in das Themengebiet Softwarearchitektur einzuarbeiten und zukünftig eine führende Rolle im Bereich Softwareentwicklungsprozesse zu übernehmen.

Sein Fazit: „Ein duales Studium würde ich jedem weiterempfehlen – der Übergang vom Studium zum Beruf verlief dadurch reibungslos.“


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Stand: 17.07.2019