"Eine Leidenschaft, die nie zu Ende geht"

Blick auf die Klaviatur eines Flügels.
Ein Leben für die Musik: Schon im jungen Alter erlernte Maximilian Otto drei verschiedene Instrumente, erhielt Kompositionsunterricht und studiert heute an der Hochschule für Musik Dresden.
Foto: Julien Fertl

Jugend komponiert

"Eine Leidenschaft, die nie zu Ende geht"

Maximilian Otto (20) ist mehrfacher Sieger des Bundeswettbewerbs „Jugend komponiert“. Für abi>> berichtet er, wie er zu diesem außergewöhnlichen Hobby kam und was ihn antreibt.

Musikbegeistert war ich schon als kleines Kind. Dabei komme ich nicht aus einer Musikerfamilie, mein Vater ist Ingenieur und meine Mutter arbeitet in der Personalabteilung eines Unternehmens. Gefördert haben sie mich aber von Anfang an. Doch erst der Zufall ebnete mir den Weg.

Weil es die beste Einrichtung in unserem Ort war, landete ich in einem Kindergarten mit Musikschwerpunkt. Dort erhielten wir schon sehr früh Blockflöten- und Keyboardunterricht. Mein Interesse war geweckt, und die Erzieher, die mir ein gewisses Talent bescheinigten, legten meinen Eltern nahe, dieses voranzutreiben. Daraufhin lernte ich ab der ersten Klasse Klavier, später Altflöte und im Selbststudium Gitarre.

Die erste Teilnahme

Ein Porträt-Foto von Maximilian Otto

Maximilian Otto

Foto: privat

An meine erste Teilnahme am Wettbewerb erinnere ich mich noch ziemlich gut – auch wenn es mittlerweile schon acht Jahre her ist. Damals war ich gerade von einer Regelschule auf das Sächsische Landesgymnasium für Musik in meiner Heimatstadt Dresden gewechselt, parallel erhielt ich bereits seit 2008 Kompositionsunterricht am Heinrich-Schütz-Konservatorium in Dresden. Mein damaliger Lehrer machte mich auf den Wettbewerb aufmerksam, und ehe ich noch viel darüber nachdenken konnte, hatte ich schon ein Stück geschrieben und eingereicht. Rund vier Wochen später kam die Nachricht, dass ich einer der Bundespreisträger sei.

Der Gewinn übertraf all meine Erwartungen: Für eine Woche wurden alle Sieger im Frühling zu einer sogenannten Kompositionswerkstatt auf Schloss Weikersheim im Nordosten Baden-Württembergs eingeladen. Dort beschäftigten wir uns unter Anleitung renommierter Dozenten mit der Frage, wie musikalische Ideen zu einer Komposition entwickelt und gestaltet werden können. Zudem beschäftigten wir uns intensiv mit unseren eigenen Werken. Während unseres Aufenthalts wurden außerdem unsere Werke in einem professionellen Studio von einem fünfköpfigen Kammermusik-Ensemble auf CD eingespielt.

Besonders begeistert haben mich auch die Gespräche mit den eigens für uns eingeladenen Gastdozenten, die uns einen Einblick in die Arbeit eines Komponisten gewährten.

Achtfacher Bundessieger und ein Ende ist nicht in Sicht

Neben der Möglichkeit sich fachlich weiterzuentwickeln, war die Teilnahme an der Werkstatt auch eine tolle Chance, um Gleichgesinnte kennenzulernen und sich auszutauschen. Mit manchen meiner Kommilitonen auf Zeit habe ich heute noch Kontakt.

Schon diese erste Schulung hatte mich so begeistert, dass ich nicht umhin kam, im kommenden Jahr wieder ein Stück einzureichen. Mittlerweile kann man mich als Wiederholungstäter bezeichnen: Ich habe acht Mal teilgenommen – und war acht Mal unter den Auserwählten – eine große Ehre! Meine eingereichten Werke haben sich natürlich im Laufe der Jahre in ihrer Qualität verändert. Gestartet bin ich mit einer dreiminütigen Komposition für das Klavier, mittlerweile komponiere ich Stücke für große Orchester, die mitunter eine halbe Stunde dauern. Daran sitze ich dann auch mal zwei Monate. Vor allem in den Ferien habe ich die freie Zeit intensiv zum Schreiben genutzt. Als Arbeit würde ich diese Tätigkeit aber nie bezeichnen, dafür macht es mir einfach zu viel Spaß.

Gerade habe ich mein Abitur gemacht und mit einem Studium begonnen. Ich habe mich für Orchersterdirigieren an der Hochschule für Musik Dresden entschieden. Komponieren werde ich aber natürlich weiterhin, eine so große Leidenschaft vergeht schließlich nie.

Mein Traum wäre es, wenn eines meiner Stücke von einem professionellen Orchester aufgeführt würde, beispielsweise von der Dresdner Staatskapelle. Erst einmal aber werde ich kommendes Jahr wieder mein Glück beim Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ versuchen.

Weitere Informationen

Jugend komponiert

www.jugend-komponiert.org

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Musik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Musik)
www.studienwahl.de

Zentrum für Begabungsförderung

www.bildung-und-begabung.de

Stiftung Bildung und Gesellschaft

www.stiftung-bildung-und-gesellschaft.de/stiftung.html

 

Jugend komponiert – Interview

„Die Qualität der Einsendungen ist fantastisch“

Philipp Vandré ist künstlerischer Leiter des Bundeswettbewerbs „Jugend komponiert“. Im abi>> Interview verrät er, was es braucht, um einen der begehrten Preise zu erhalten und warum er sich noch mehr Mädchen und junge Frauen unter den Bewerbern wünscht.

abi>> Herr Vandré, der Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ existiert seit 30 Jahren und ist eine echte Institution. An wen richtet sich der Wettbewerb?

Philipp Vandré: Die „Jeunesses Musicales Deutschland“ lädt alle jungen Komponierenden im Alter von 12 bis 22 Jahren, die in Deutschland leben oder die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, zur Teilnahme am Wettbewerb ein. Ausgenommen sind Studierende, die Komposition als Hauptfach an einer Hochschule gewählt haben.

abi>> Wie kann man teilnehmen?

Ein Porträt-Foto von Philipp Vandré

Philipp Vandré

Foto: privat

Philipp Vandré: Jedes Jahr im Mai veröffentlichen wir die neue Ausschreibung und rufen dazu auf, uns Kompositionen zu schicken. In den Werkkategorien 1 und 2 freuen wir uns auf Kompositionen für fünf jährlich wechselnde Instrumente – entweder für ein zwei- bis fünfköpfiges Ensemble oder für ein Soloinstrument. In der Werkkategorie 3 können zudem auch Kompositionen für andere Besetzungen eingesendet werden. Einsendeschluss ist Anfang Januar des Folgejahres, so dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausreichend Zeit bleibt, ihre Stücke zu schreiben.

abi>> Und dann setzt sich die dreiköpfige Jury zusammen und wählt die Gewinner aus?

Philipp Vandré: Genau, wir treffen uns an einem verlängerten Wochenende und nehmen die eingesandten Werke ganz genau unter die Lupe. Manchmal spielen wir uns die Stücke selbst auf dem Klavier vor, in der dritten, offenen Kategorie sind auch Tonaufnahmen beigelegt, in die wir hineinhören können, wenn es sich etwa um experimentelle Musik handelt. Daraufhin besprechen wir in der Gruppe die einzelnen Werke und wählen schließlich unsere Sieger aus. 15 Bundespreisträger und 15 Förderpreisträger.

abi>> Wissen Sie, von wem die Stücke stammen?

Philipp Vandré: Nein, nicht während der Juryarbeit! Das erfahren wir erst, wenn wir uns festgelegt haben, welche Kompositionen mit welchem Preis ausgezeichnet werden. Wir wissen vorher nur, wie alt die Komponistinnen und Komponisten sind, ob und seit wann sie Kompositionsunterricht erhalten und welches Instrument sie gegebenenfalls spielen. Das ist uns wichtig, denn wir treffen unsere Urteile perspektivisch, das heißt, wir lassen in unsere Beurteilung auch einfließen, welches Potenzial wir in den Kompositionen sehen.

abi>> Wie wird der Wettbewerb angenommen?

Philipp Vandré: Sehr gut. Wir haben jedes Jahr zwischen 200 und 300 Einsendungen. Anfangs vor allem von jungen Männern, mittlerweile holen die Mädchen auf. Aber ich würde mir wünschen, dass diese Zahl noch steigt und sich auch junge Frauen noch stärker für das Komponieren begeistern.

abi>> Auf diese hohe Anzahl an Einsendungen kommen nur 30 Gewinner. Was ist, wenn es nicht auf Anhieb klappt?

Philipp Vandré: Der Anspruch bei unserem Wettbewerb ist hoch, die Qualität der Einsendungen ist fantastisch und in den vergangenen Jahren sehr gestiegen, daher ist es kein Beinbruch, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Ich rate den jungen Komponisten, es im kommenden Jahr wieder zu versuchen und sich auch bei den Landeswettbewerben von „Jugend komponiert“ zu bewerben. Denn es ist wichtig, dass sie die noch immer zu wenigen Gelegenheiten nutzen, um sich über ihr Komponieren austauschen zu können und weiterführende Rückmeldung erhalten.

Wer es nicht geschafft hat, kann sich an uns wenden, wenn er Rat sucht – und profitiert hoffentlich von unseren Tipps für die nächste Runde.

abi>> Verraten Sie uns zu guter Letzt noch, was es zu gewinnen gibt?

Philipp Vandré: Allen Siegern winkt ein Vollstipendium für eine intensive Kompositionswerkstatt in der Musikakademie Schloss Weikersheim. Die Werke der Bundespreisträgerinnen und Bundespreisträger in den Kategorien 1 und 2 werden zusätzlich in der Musikhochschule in Frankfurt aufgeführt, hochwertig für eine CD produziert und in einer etablierten Reihe von hr2-kultur gesendet.


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Stand: 24.08.2019