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„Alleine am Berg ist wie Meditation“

Gegenlichtaufnahme von Jost Kobusch auf einem schneebedeckten Gipfel.
Jost Kobusch wagt sich auf die höchsten Gipfel der Welt und wird dafür mit besonderen Momenten belohnt.
Foto: privat

Jost Kobusch

„Alleine am Berg ist wie Meditation“

Jost Kobusch (26) ist ein Solo-Bergsteiger, der auch nicht vor 8.000 Meter hohen Bergen zurückschreckt. Warum und wie er dazu kam, erzählt er im abi>> Interview.

abi>> Du hast bereits im Alter von zwölf Jahren mit dem Klettern angefangen. Was hat dein Interesse daran geweckt?

Jost Kobusch: In der sechsten Klasse sollte ich in der Schule eine AG wählen. Da gab es eben auch eine Kletter-AG. Lustigerweise hatte ich damals Höhenangst und es hat mich gereizt, mich mit dieser Angst zu konfrontieren und sozusagen meine persönlichen Möglichkeiten zu erweitern.

abi>> Wann wurde dir klar, dass das Klettern deine Leidenschaft ist?

Jost Kobusch: Die Kletter-AG in der Schule war nach einem halben Jahr schon wieder vorbei. Danach bin ich nur ab und an in eine Kletterhalle gefahren. Mit 16 bin ich schließlich das erste Mal am Fels geklettert. Draußen zu klettern war so atemberaubend, dass ich Blut geleckt habe. Schon zu der Zeit habe ich mir vorgestellt, wie toll es wäre, Profibergsteiger zu sein. Aber das war für mich so utopisch, wie Astronaut zu werden. Ich dachte, das passiert eh nie.

abi>> Welche Pläne hattest du für die Zeit nach dem Abitur?

Ein Portrait-Foto von Jost Kobusch.

Jost Kobusch

Foto: privat

Jost Kobusch: Ich wollte Medizin studieren und später vielleicht zur Bergrettung gehen, um die Leidenschaft für das Klettern und den Beruf zu verbinden. Da mir klar war, dass ich während des Studiums wahrscheinlich nicht viel Zeit fürs Bergsteigen haben würde, wollte ich mir davor noch meinen Traum erfüllen und einen Achttausender besteigen. Um dafür Geld anzusparen, bin ich nach der Schule erstmal zu den Gebirgsjägern gegangen. Ich dachte, das wäre ein optimales Training und gutes Geld. Doch dem war nicht so. Leider hat es mir dort nicht gefallen und ich bin vorzeitig ausgeschieden.

abi>> Deinen Traum konntest du dir dennoch erfüllen. Doch warum hast du dich letztendlich gegen das Medizinstudium entschieden?

Jost Kobusch: Der Achttausender. Als ich 2015 in Nepal war, um den Lhotse im Himalaya zu besteigen, gab es ein Erdbeben. Im Basiscamp ging eine Lawine runter und ich wäre fast gestorben. Diese Nahtod-Erfahrung zu erleben und zu überleben war wie eine Wiedergeburt für mich. Seitdem sehe ich alles als einen Bonus. Von da an habe ich mich gefragt, was ich wirklich möchte. Und das ist bei mir das Bergsteigen.

abi>> Gerade für Jugendliche ist die Frage „Wer bin ich und was kann ich gut?“ sehr wichtig. Hat dir das Bergsteigen geholfen, das herauszufinden?

Jost Kobusch: Auf jeden Fall. Für mich ist Bergsteigen auch eine Suche nach der Wahrheit. Durch die Stille am Berg und dadurch, dass ich alleine unterwegs bin, ist das fast wie Meditation. Gerade in solchen Extremsituationen wird dir bewusst, was wirklich zählt.

abi>> Du kletterst am liebsten ohne Hilfsmittel und alleine. Macht es das nicht noch gefährlicher?

Jost Kobusch: Es hält sich für mich die Waage. Jeder Seilpartner, den ich auf den Berg mitnehme, birgt für mich auch ein gewisses Risiko. Ich weiß nie, was sich derjenige wirklich denkt oder welche Intention er hat. Auf Hilfsmittel verzichte ich einfach, weil ich das so für die reinste Art des Bergsteigens halte. Ich möchte möglichst wenig in den Berg eingreifen und auch möglichst wenig zurücklassen.

abi>> Machst du dir auch Gedanken darüber, was passiert, wenn du deinen Sport mal nicht mehr ausüben kannst?

Jost Kobusch: Ja, natürlich. Mit meinem Sponsor habe ich begonnen, Bekleidung für den Alpinsport zu entwickeln. Das hat mir so gefallen, dass ich mir überlegt habe, etwas in diesem Fachbereich zu studieren. So habe ich mich für den Studiengang Sports Engineering an der Universität Chemnitz entschieden, wo es ein tolles Spitzensportler-Programm gibt.

abi>> Wie bringst du Studium und Bergsteigen zeitlich unter einen Hut?

Jost Kobusch: Ich habe einen Tutor in der Uni, der mir hilft, mein Studium so zu organisieren, dass ich Bergtouren oder Expeditionen jederzeit durchführen kann. Ich kann etwa meine Klausurtermine frei wählen und mein Studium so flexibel gestalten, was mir sehr entgegen kommt.

abi>> Verfolgst du auch noch andere Hobbys neben dem Bergsteigen?

Jost Kobusch: Ich gehe gerne Segeln, das gibt mir die Möglichkeit, auf Expeditionen weit entfernte Gebiete zu erkunden und so vielleicht neue Berge zu entdecken, die ich gerne besteigen würde. Im Endeffekt hängen alle meine Hobbys ein Stück weit mit dem Bergsteigen zusammen.

abi>> Würdest du junge Menschen dazu ermutigen, es dir gleich zu tun?

Jost Kobusch: In dem Sinne, dass ich ihnen Mut machen möchte, das zu tun, was sie wirklich wollen. Ich gehe auch viel an Schulen und spreche darüber, wie wichtig es ist, seine Angst als etwas Positives wahrzunehmen und seine eigenen Ziele zu verfolgen.

Über Jost Kobusch

Jost Kobusch ist 1992 in Bielefeld geboren und einer der bekanntesten Solo-Extrembergsteiger Deutschlands. Berühmt wurde er im Jahr 2015. Bei einer Expedition auf den 8.516 Meter hohen Lhotse filmte er einen Lawinenabgang und erlangte mediale Aufmerksamkeit.

abi>> 12.07.2019