Deutsche Sprache, schöne Sprache

Lektor bearbeitet einen ausgedruckten Text
Das Berufsspektrum im Bereich Deutsch reicht von Literatur und Medien bis hin zur pädagogischen Fachrichtung.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ich will was machen mit Deutsch

Deutsche Sprache, schöne Sprache

Lesen, schreiben, kommunizieren: Sprache spielt im privaten wie im Berufsalltag eine entscheidende Rolle. Im Grunde gibt es kein Berufsbild, das ohne Sprache auskommt, allerdings gibt es Berufe, bei denen sie im Fokus steht. Wer etwas mit Deutsch machen möchte, kann verschiedene Richtungen einschlagen.

Ilka Pescheck arbeitet da, wo die deutsche Sprache zum Nachschlagen aufbereitet wird: in der Redaktion des Duden. Die Redakteurin schreibt Einträge für die bekannten Wörterbücher, prüft Beiträge anderer Autoren auf ihre Richtigkeit und beobachtet die Sprachentwicklung anhand einer großen Textmenge aus Zeitungen und Zeitschriften. „Wir wollen wissen, welche Wörter neu oder in einem anderen Zusammenhang verwendet werden“, erklärt die 36-Jährige. „Manche Schreibweisen oder Verwendungen werden zunächst als Fehler, dann als Variante wahrgenommen, bevor sie irgendwann als Veränderung in die Standardsprache eingehen. Der ständige Wandel der Sprache ist sehr spannend.“

Nach dem Abitur hat Ilka Pescheck zunächst Germanistik, Spanisch, Soziologie und das Zusatzfach Deutsch als Fremdsprache in Münster studiert. Studienbegleitend hat sie Praktika in Verlagen absolviert. Nach ihrem Abschluss folgte ein Volontariat beim Schulbuchverlag Cornelsen, bevor sie in Münster in Sprachwissenschaften promoviert hat. „Die Kombination aus fachlicher Kompetenz und praktischer Arbeit aus dem Verlag ist für meine jetzige Arbeit von großem Vorteil“, erzählt die Germanistin. Obwohl sie sich direkt mit der deutschen Sprache beschäftigt, wendet sie 70 Prozent ihrer Arbeit für die Organisation und Planung von Projekten auf. „Das Interessante an meiner Tätigkeit ist, dass immer wieder andere Buchprojekte anstehen. So habe ich ständig neue Aufgaben und mit unterschiedlichen Menschen zu tun.“

Große Vielfalt im Fach Deutsch

Ein Porträt-Foto von Ramona Gegg

Ramona Gegg

Foto: privat

„Wenn ein Schüler in die Berufsberatung kommt und etwas mit Deutsch machen möchte, dann versuche ich im Gespräch herauszufinden, für welchen Bereich Interesse besteht“, berichtet Ramona Gegg, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Hamburg. „Das Fach Deutsch ist sehr vielfältig. Man kann damit im Bereich Literatur und Medien tätig sein, in die pädagogische Richtung gehen oder die Sprache als wichtiges Arbeitsmedium in ganz anderen Fachrichtungen nutzen.“

Für alle, die gerne lesen, schreiben oder mündlich präsentieren, ist der Medien- und Kulturbereich ein mögliches Arbeitsfeld. „Schreibt jemand viel, raten wir dazu, die Qualität der Texte zunächst beispielsweise durch einen Deutschlehrer einschätzen zu lassen“, erzählt Ramona Gegg. Tätigkeitsfelder können Zeitungs-, Hörfunk- oder Fernsehredaktionen sein, aber auch Theater, Bibliotheken, Museen, Verlage oder der Buchhandel.

Ein Germanistikstudium, das Kenntnisse in Sprach- und Literaturwissenschaften vermittelt, ist für den Einstieg eine grundlegende Qualifikation. Dabei ist allerdings schon im Studium eine Spezialisierung ratsam. Als Nebenfächer können beispielsweise Theaterwissenschaften für angehende Drehbuchautoren und Regisseure, Buchwissenschaften für den Buchhandel oder Gesellschaftswissenschaften für den Journalismus sinnvolle Ergänzungen sein. „In diesem Bereich ist ein Masterabschluss von Vorteil. Ebenso wichtig sind Zusatzqualifikationen und Praktika“, meint die Expertin.

Für das Arbeitsfeld Literatur und Medien kann man sich jedoch auch anders qualifizieren. Im Buchhandel Fuß fassen kann man etwa über eine Ausbildung zum Buchhändler, die unter anderem kaufmännische Aspekte beinhaltet. Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Marketingkommunikation oder Dialogmarketing haben in ihrem Berufsalltag ebenfalls besonders viel mit der deutschen Sprache zu tun.

Vermittlung der deutschen Sprache

Ein weiteres Betätigungsfeld liegt in der Vermittlung der deutschen Sprache. Hier kommt ein Lehramtsstudium für alle Schulstufen ebenso infrage wie Deutsch als Fremdsprache. Die Lehre an einer Hochschule ist mitunter eine weitere Option. „Auch Unternehmen suchen im Bereich Personalentwicklung sprachlich und pädagogisch qualifizierte Mitarbeiter“, weiß Ramona Gegg.

Mit zwei Sprachen arbeiten Dolmetscher und Übersetzer, die treffsicher ins Deutsche und aus dem Deutschen übersetzen können müssen. Einen medizinischen Hintergrund hat die Ausbildung zum Logopäden. In diesem Beruf behandelt man Patienten mit Sprach- oder Sprechstörungen. 

Deutsch als Arbeitsmedium

Deutsch ist außerdem grundlegend für eine Reihe weiterer Berufe. So spielt die Sprache im Jurastudium eine wichtige Rolle. Auch in dualen Studiengängen für den öffentlichen Dienst, die Kenntnisse in Recht, Wirtschaft und Kommunikation vermitteln, etwa Public Management, ist die Sprache wichtiges Arbeitsmedium. Für die Ausbildung bei der Polizei ist Deutsch ebenso grundlegend wie für Verwaltungs- oder Notarfachangestellte. Politiker nutzen die Sprache, um ihre Wähler zu überzeugen; Mediziner, um Patienten Diagnosen und Therapien verständlich zu erklären.

Große Konkurrenz

Prinzipiell ist das Beherrschen der deutschen Sprache in fast jeder Profession unverzichtbar. Ist Deutsch allerdings essenziell für den Beruf, sollte man mit der Sprache sicher umgehen können. „Interesse und Freude am Lesen, Schreiben und Kommunizieren sind Grundvoraussetzungen“, findet die Berufsberaterin. „Man sollte gerne mit Menschen in Kontakt kommen und in der Lage sein, je nach Gegenüber die Sprache entsprechend einzusetzen.“

Was den Arbeitsmarkt rund um Berufe, die mit Deutsch zu tun haben, angeht, lässt sich eine positive Entwicklung feststellen: „In den letzten Jahren ist die Beschäftigung von Germanisten und weiteren Geisteswissenschaftlern deutlich angestiegen. Positiv ist auch die Entwicklung bei Gesellschaftswissenschaftlern, Lehrkräften, Redakteuren und Journalisten, Werbefachleuten, Publizisten oder Dolmetschern“, fasst Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zusammen. „Allerdings ist es trotz der positiven Entwicklung insbesondere für Germanisten wie für Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler insgesamt eine gewisse Herausforderung, den Einstieg ins Berufsleben erfolgreich zu meistern. Die Erfahrung zeigt, dass der Berufseinstieg schleppender verläuft als in anderen Berufsfeldern. Die Konkurrenz ist groß.“

Weitere Informationen

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 4.1 Sprache, Literatur, Kulturwissenschaft in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter www.biz-medien.de/abi.

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Deutsch, Medien etc.)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Börsenverein des deutschen Buchhandels

www.boersenverein.de

Deutscher Germanistenverband (DGV)

www.germanistenverband.de

Goethe-Institut

www.goethe.de

 

Berufe rund um Deutsch – Übersicht

Mit Deutsch Karriere machen

Die deutsche Sprache im Fokus: Wer gerne einen Beruf ergreifen möchte, in dem die deutsche Sprache eine zentrale Rolle spielt, hat viele Möglichkeiten. abi>> hat Beispiele für Studien- und Ausbildungsberufe mit Schwerpunkt Deutsch zusammengestellt.

Studienberufe

Computerlinguist/in

Aufgaben: Erforschen der Analyse und Verarbeitung von Sprache mithilfe des Computers, Entwickeln von Softwareprogrammen, zum Beispiel zur Spracherkennung oder -verarbeitung

Mögliche Arbeitgeber: Softwareunternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen

Dolmetscher/in / Übersetzer/in

Aufgaben: Übersetzen von einer Sprache in eine andere (Dolmetscher übersetzen mündlich, Übersetzer schriftlich)

Mögliche Arbeitgeber: Übersetzungsbüros, Dolmetscherdienste, EU-Institutionen, Behörden

Dramaturg/in

Aufgaben: Bearbeitung von Theaterstücken oder Drehbüchern, Gestaltung von (Hörspiel-)Programmen und Spielplänen, Aufgaben in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Theatern

Mögliche Arbeitgeber: Theater und Opernhäuser, Rundfunk- und Fernsehsender, Verlage, Filmproduktionsfirmen, Hochschulen

Germanist/in

Aufgaben: Verfassen und redaktionelle Bearbeitung von Texten, Betreuung von Autoren oder Personal im Unternehmen, Vermittlung der deutschen Sprache in Kursen, Forschung

Mögliche Arbeitgeber: Verlage, Presse, Rundfunk und Fernsehen, Kommunikations-, Werbe- oder PR-Agenturen, Hochschulen, Forschungsinstitute, Bildungseinrichtungen, Unternehmen

Journalist/in (Hochschule)

Aufgaben: Recherche von Informationen, Führen von Interviews, Verfassen und gegebenenfalls Präsentieren von Texten und Beiträgen

Mögliche Arbeitgeber: Presse, Hörfunk, Fernsehen, Anbieter von Online-Medien, Nachrichtenbüros, Agenturen, PR-Abteilungen von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen

Jurist/in

Aufgaben: rechtliche Beratungen, Anwenden und Auslegen von Rechtsvorschriften, Klärung von Rechtsstreitigkeiten

Mögliche Arbeitgeber: Wirtschaftsunternehmen, Banken, Versicherungen, öffentliche Verwaltung, Verbände, Unternehmensberatungen, Hochschulen

Lehrer/in – Deutsch als Fremdsprache

Aufgaben: Erteilen von Sprachkursen im Fach Deutsch für Nichtmuttersprachler

Mögliche Arbeitgeber: außerschulische Bildungseinrichtungen im In- und Ausland, Austauschorganisationen, öffentliche Verwaltung

Lektor/in

Aufgaben: Prüfen von Manuskripten und Vorschlagen von Änderungen, Betreuung von Autoren, Begleitung von Veröffentlichungen

Mögliche Arbeitgeber: Verlage, Lektorate, Agenturen, Softwareverleger, Webportale

Redenschreiber/in

Aufgaben: Verfassen von Redemanuskripten im Auftrag von Rednern und Rednerinnen

Mögliche Arbeitgeber: Parteien, Verbände, (inter-)nationale Organisationen, öffentliche Verwaltung

Schauspieler/in (Hochschule)

Aufgaben: Verkörpern von Rollen im Theater oder Film, Synchronisieren

Mögliche Arbeitgeber: Film, Fernsehen, Hörfunk, Sprechtheater, Musical- oder Kleinkunstbühnen, Schauspielschulen

Ausbildungsberufe

Buchhändler/in

Aufgaben: Kauf, Verkauf und Präsentation von Büchern, Zeitschriften und elektronischen Medien, Kundenberatung, Organisationsaufgaben

Mögliche Arbeitgeber: Bucheinzelhandel, Verlage, Zwischenbuchhandel, Auktionshäuser, Büchereien

Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste; Fachrichtungen: Archiv, Bibliothek, Bildagentur, Information und Dokumentation, Medizinische Dokumentation

Aufgaben: je nach Fachrichtung Pflege des Archiv- oder Bibliotheksbestands, Verwaltung und Bearbeitung von Bildern, Recherche und Aufbereitung von Informationen, Verwaltung medizinischer Daten

Mögliche Arbeitgeber: je nach Fachrichtung öffentliche Verwaltung, Museen, Hochschulen, Bibliotheken, Verlage, Bildagenturen, Unternehmen, Informationsdienstleister, Marketingagenturen, Kliniken, pharmazeutische Unternehmen

Kaufmann/-frau für Dialogmarketing

Aufgaben: Verkauf von Dienstleistungen im Bereich des Direkt- bzw. Telemarketings, Organisieren des Kundendialogs, Erfolgskontrolle

Mögliche Arbeitgeber: Call-Center, Service- und Kundencenter von Unternehmen

Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation

Aufgaben: Entwickeln, koordinieren und überwachen von Marketing- und Werbemaßnahmen, Ergebniskontrolle

Mögliche Arbeitgeber: Werbe- oder PR-Agenturen, Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen

 

Timur Bartels

„Die Leute fangen an, einem das zu glauben“

Im TV ist er als Alex im „Club der roten Bänder“ oder als Kriminalkommissar in „Die Spezialisten – Im Namen der Opfer“ zu sehen, in der Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ spricht er Gunnar: Der Schauspieler Timur Bartels (21) erläutert im Interview, welche Bedeutung die deutsche Sprache für seinen Beruf hat.

abi>> Timur, wie wichtig ist die Sprache als Arbeitsmedium für dich als Schauspieler?

Timur Bartels: Sprache ist einer der wichtigsten Faktoren bei meiner Arbeit. Das Schöne am Beruf des Schauspielers ist, dass er so abwechslungsreich ist. Das betrifft auch die Sprache. Ich habe gleichzeitig für „Club der roten Bänder“ einen 15-jährigen schwerkranken Jugendlichen und für „Die Spezialisten“ einen 23-jährigen Kriminalkommissar gespielt. Da muss man sich auf unterschiedliches Deutsch einstellen. Das kann ganz anders sein, als man es im Alltag sprechen würde.

abi>> Hast du Einfluss darauf, was du in den Rollen sagen darfst, oder lernst du nur das Vorgegebene auswendig?

Ein Porträt-Foto von Timur Bartels

Timur Bartels

Foto: privat

Timur Bartels: Es gibt Leseproben, bei denen wir Schauspieler Änderungsvorschläge machen dürfen. Das ist manchmal durchaus nötig. Wenn beispielsweise ein 60-jähriger Drehbuchautor eine Rolle für einen 18-Jährigen schreibt, ergänzen wir Ausdrücke in der aktuellen Jugendsprache, damit die Figur authentisch ist.

abi>> Wie wichtig ist die Sprache beim Vermitteln von Emotionen?

Timur Bartels: Die Sprache ist elementarer Bestandteil in meinem Beruf. Deshalb haben wir Sprechunterricht, um sie richtig einzusetzen. Wenn man beispielsweise am Ende der Sätze die Stimme senkt und einen deutlichen Punkt setzt, ist das ein Zeichen von Sicherheit. Die Leute fangen dann an, einem das zu glauben, was man erzählt.

abi>> Ist es für dich leichter, deine Rollen in deiner Muttersprache, also auf Deutsch, als in einer Fremdsprache zu spielen?

Timur Bartels: Für mich ist es einfacher, auf Deutsch zu arbeiten. Die englische Sprache beispielsweise fühlt sich ganz anders an. Wenn man außerdem Erfahrungen aus dem eigenen Leben nachspüren und wieder hochholen will, denkt man ja auch auf Deutsch, weil man es in dieser Sprache erlebt hat.

abi>> Wie setzt man die mündliche und die Körpersprache ein?

Timur Bartels: Wichtig ist, dass man weiß, warum man in der Rolle etwas sagt. Soll sich das Gegenüber in mich verlieben oder gibt es gerade Streit? Dann kommt die Körpersprache und die Art, wie man etwas sagt, ganz automatisch. Das lernt man im Schauspielunterricht. Das Schauspielern ist ein Handwerk, das man erlernen und in dem man sich immer verbessern kann. Selbst Leute wie Al Pacino haben noch Lehrer.

abi>> Setzt man die Sprache beim Synchronisieren anders ein als beim Drehen?

Timur Bartels: Die zusätzliche Schwierigkeit beim Synchronisieren ist, dass man dem anderen Schauspieler oder der Zeichentrickfigur gerecht werden möchte. Außerdem steht man in einem schwarzen Studio und nicht in einer Filmkulisse. So ist es noch schwieriger, sich hineinzuversetzen und durch die Sprache die Rolle zum Leben zu erwecken.

 

Allgemeine Rhetorik

Die Kunst der Selbstdarstellung

Wie setzt man Sprache am besten ein, um andere von sich und seinen Anliegen zu überzeugen? Dies lernt Tilman Schmeller (23) an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, die deutschlandweit den einzigen Studiengang für Allgemeine Rhetorik anbietet.

Tilman Schmeller ist ein Exot unter Exoten. Der 23-Jährige studiert im sechsten Semester Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen und schreibt gerade seine Bachelorarbeit. Er absolviert ein Doppelstudium und ist zusätzlich für Jura eingeschrieben. „Der besondere Reiz des Studiums liegt unter anderem darin, dass es nicht gängig ist“, sagt er. „Viele studieren Jura, aber in Kombination mit dem Rhetorikstudium habe ich eine einzigartige Qualifikation.“

Warum Rhetorik?

Ein Porträt-Foto von Tilman Schmeller

Tilman Schmeller

Foto: privat

Nach dem Abitur hat Tilman Schmeller zunächst zwölf Monate bei einer Nichtregierungsorganisation in Ghana gearbeitet. Vorher hatte er sich jedoch schon in Tübingen Seminare im Studiengang Allgemeine Rhetorik angeschaut und sich für das Doppelstudium entschieden. „Meine Kommilitonen studieren Rhetorik meist mit anderen Zielsetzungen. Die es als Hauptfach gewählt haben, möchten später oft im Journalismus, Hörfunk oder Fernsehen arbeiten. Andere wollen Redenschreiber oder Rhetorik-Trainer werden, die Gruppen auf Präsentationen vorbereiten und beispielsweise Körpersprachentrainings abhalten. Einige, die Rhetorik als Nebenfach gewählt haben, begreifen es als Zusatzqualifikation“, fasst der angehende Jurist zusammen.Schließlich ist die Fähigkeit, sich auszudrücken und sich selbst darstellen zu können, in vielen Berufen eine Schlüsselqualifikation. So arbeiten viele ehemalige Rhetorikstudierende auch in Personal- oder PR-Abteilungen von Unternehmen oder in Werbeagenturen.

Für Tilman Schmeller sind neben der Exklusivität der Ausbildung die großen Wahlmöglichkeiten im Rahmen der Studienordnung ein weiterer Reiz des Studiums. „Man kann sich Vorlesungen und Seminare zu Bereichen aussuchen, die einen besonders ansprechen. Interessiert man sich für Politik und Medien, kann man ein Seminar zu Reden aus dem Bundestag wählen. Für historische Rhetorik kommen wohl eher Ciceros Reden infrage oder die Beschäftigung mit sprachlichen Mitteln“, nennt der Student Beispiele. „Lediglich die Anzahl der Veranstaltungen ist festgelegt.“

Rhetorik in Theorie und Praxis

Die Studierenden beschäftigen sich jedoch nicht nur theoretisch mit Rhetorik. In Praxisseminaren, die meist im Block stattfinden, zeigen externe Trainer, wie man überzeugend auftritt, Körpersprache bewusst einsetzt, sich beim Reden im Raum bewegt und so sein Publikum bestmöglich erreicht. Logopäden unterrichten, wie man seine Stimme richtig einsetzt. In interkultureller Rhetorik befassen sich die Studierenden außerdem mit sprachlichen Geboten und Verboten in anderen Kulturen.

Nach seinem Bachelorabschluss in Allgemeine Rhetorik ist Tilman Schmellers Studentenleben noch nicht vorbei. „Ich muss ja noch mein Jurastudium beenden“, erklärt der Doppelstudent. „Nach dem Staatsexamen steht das Referendariat an, vielleicht eine Doktorarbeit. Aber meinen Bachelor in Rhetorik habe ich dann schon in der Tasche.“ Der politisch interessierte Tilman Schmeller kann sich vorstellen, in Fraktionen, Ministerien oder in der Diplomatie tätig zu werden. Bald macht er ein Praktikum bei der Europäischen Union in Brüssel. „Mit dem Abschluss in Rhetorik habe ich viele Optionen“, findet er. „Ich profitiere in jedem Fall davon.“

 

Logopädin

Sprache braucht man jeden Tag

Patienten vom Säuglings- bis ins hohe Erwachsenenalter bei Schluck-, Stimm- oder Sprachstörungen helfen – das ist das erklärte Ziel von Lorena Müller (19), die eine Ausbildung zur Logopädin absolviert.

Bis zur Facharbeit in der zwölften Klasse hatte Lorena Müller noch nie etwas von Logopädie gehört. Um mehr darüber zu erfahren, hat sie dieses Thema gewählt und war davon derart fasziniert, dass sie sich nach dem Abitur für die Ausbildung zur Logopädin entschied. „Ich finde die theoretischen Komponenten der Sprache unglaublich spannend. Diese reichen vom Hören über die Verarbeitung im Gehirn bis zum Aussprechen und den dabei möglichen Störungen“, erzählt die Auszubildende. „In der Praxis reizt mich, Patienten zu helfen, wieder aktiv am Leben teilhaben zu können. Denn Sprache ist für den Alltag unverzichtbar.“

Menschen beim Sprechen helfen

Ein Porträt-Foto von Lorena Müller

Lorena Müller

Foto: privat

Logopäden behandeln Patienten aller Altersstufen. „Säuglinge mit einer Fütter- oder Schluckstörung können ebenso therapiert werden wie Kinder mit Aussprache-, Grammatik- oder Stimmproblemen oder Jugendliche mit einer Lese-Rechtschreibschwäche“, fasst Lorena Müller zusammen. „Im Erwachsenenalter liegen oft Stimmstörungen oder durch neurologische Probleme verursachte Störungen beim Sprechen oder Schlucken vor. Patienten mit einem Schlaganfall oder Morbus Parkinson helfen wir bei Wortfindungsstörungen oder bei der Kräftigung der Stimme.“Dafür entwickeln Logopäden spezielle Therapieformen. Vertauscht ein Kind Laute, so wird in den Sitzungen zunächst analysiert, welche Laute die Störung betrifft und wie häufig sie vorkommt. Über das Hören bis zum selbstständigen Sprechen wird das Kind dann an die richtige Aussprache herangeführt. „Da die Kinder Spaß haben sollen“, erklärt die angehende Logopädin, „verpacken wir die therapeutischen Maßnahmen in kleine Spiele.“

Von Anatomie bis Grammatik

Lorena Müller besucht eine private Berufsfachschule für Logopädie im niedersächsischen Bückeburg und ist dort im zweiten Ausbildungsjahr. Die schulische Ausbildung beinhaltet theoretischen Unterricht, praktische Übungen sowie externe Praktika. „Wir haben medizinische Fächer, etwa Anatomie, vertiefen unser Wissen über die Sprache beispielsweise im Grammatikunterricht und eignen uns Kenntnisse in Sonderpädagogik und Psychiatrie an“, erzählt sie. „Natürlich gibt es auch logopädische Fächer zu Therapiemöglichkeiten, Diagnostiken und Methoden.“Nachmittags wird die Theorie in der schuleigenen Lehrpraxis an Patienten angewendet. „Wir dürfen bereits ab dem ersten Lehrjahr unter Aufsicht der Dozenten selbst Therapiestunden planen und am Patienten durchführen“, berichtet Lorena Müller. „Der Lehrlogopäde und die anderen Schüler schauen durch eine Spiegelscheibe aus dem Nebenraum zu und anschließend wird besprochen, was gut war und was nicht.“

Zusätzlich zu diesen praktischen Übungen gibt es Praktika, die in einer logopädischen Praxis, in einer Klinik, im Kindergarten und in angrenzenden Berufsfeldern, etwa beim Ergotherapeuten oder HNO-Arzt, absolviert werden.In welchem Bereich sie später arbeiten will, weiß Lorena Müller noch nicht. „Ich möchte in jedem Fall studieren. Logopädie gibt es auch als Studienfach und mich reizt es, mein Wissen weiter zu vertiefen. Mit einem akademischen Abschluss könnte ich beispielsweise in die Forschung oder in die Lehre gehen oder Leitungspositionen einnehmen.“

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Logopädin

Typischer Tagesablauf

Lorena Müller absolviert eine schulische Ausbildung zur Logopädin. Die 19-Jährige schildert einen typischen Tagesablauf mit theoretischen und praktischen Stunden.

8 Uhr
In den ersten beiden Stunden steht heute das Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Plan.

9.30 Uhr
Pause

9.45 Uhr
Nach der Pause wird der theoretische Unterricht fortgesetzt. Im Fach Redeflussstörungen werden Therapiekonzepte behandelt.

11.15 Uhr
Pause

11.30 Uhr
Die letzten beiden Stunden im Theorieblock drehen sich um auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. Die Schüler erfahren, in welchem Alter sie auftreten und beschäftigen sich mit Diagnostiken. Entsprechende Tests probieren sie selbst aus.

13 Uhr
Mittagspause

13.30 Uhr
Beginn der praktischen Übungen mit der ersten Therapie in der Lehrpraxis. Die Schüler schauen sich durch eine Spiegelscheibe gegenseitig beim Therapieren zu.

14.15 Uhr
Besprechung der ersten Therapie: Was lief gut, was nicht, wurden die Ziele erreicht?

14.45 Uhr
Der zweite Patient wird behandelt. Wieder schauen die Schüler und der Lehrer durch die Spiegelscheibe zu.

15.30 Uhr
Besprechung der zweiten Therapie. Wurde der Therapieplan umgesetzt? Was kann man besser machen?

16 Uhr
Bei der dritten Behandlung ist Lorena Müller an der Reihe. Sie hat zuvor einen Therapieplan ausgearbeitet, in dem jede Übung mit der entsprechenden Zielsetzung festgelegt ist. Nun führt sie ihn mit dem Patienten durch.

16.45 Uhr
Lorena Müllers Umsetzung ihres Therapieplans wird besprochen. Die mündlichen Reflektionen mit ihrem Lehrer muss sie später noch schriftlich festhalten.

17.15 Uhr
Für heute ist Schulschluss. Manchmal gehen Unterrichtstage allerdings auch bis 19 Uhr.

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Stand: 17.06.2019