Arbeiten rund um den Globus

Mit dem Flugzeug kann das Zielland schnell erreicht werden.
Bauingenieure werden auf der ganzen Welt gebraucht. Doch auch in vielen anderen Berufen steht die Möglichkeit international zu arbeiten offen.
Foto: Thomas Lohnes

Ich will international Karriere machen

Arbeiten rund um den Globus

Fürs Meeting in die USA, für drei Jahre nach China oder ein Bauprojekt in Nigeria betreuen: Wer eine internationale Karriere anstrebt, sollte sich früh mit dem Thema „Arbeiten und Leben im Ausland“ beschäftigen. abi>> informiert über Möglichkeiten, Wege und Schattenseiten einer internationalen Karriere.

In Kopenhagen wird derzeit eine Metro-Linie erweitert und Lennart Staggenborg ist mit dabei: Im Herbst 2016 wurde der Bauingenieur von der Hochtief Solutions AG zu dem Projekt entsandt. Zunächst pendelte er wochenweise von Hamburg aus, hatte so Gelegenheit, die dänische Hauptstadt kennenzulernen und sich eine Wohnung zu suchen.

Der 30-Jährige betreut einen Bauabschnitt, ist für die Planung zuständig, koordiniert die Arbeiten, achtet darauf, dass sie im Zeitrahmen bleiben und die Qualität stimmt. Er sei eine Art Vermittler zwischen dem Bauherrn, den Behörden und den ausführenden Unternehmen, erklärt er. Offenheit gegenüber anderen Arbeitsweisen und Umgangsformen sei dabei unerlässlich: „Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es wichtig, unvoreingenommen zu sein und zu hinterfragen, warum in einer Situation eventuell anders reagiert wird, als man es gewohnt ist“, sagt er.

Sprache als Zeichen des Respekts

Ein Porträt-Foto von Lennart Staggenborg

Lennart Staggenborg

Foto: Christoph Schroll

Für seine Masterarbeit an der RWTH Aachen war er bereits bei einem ähnlichen Projekt in Dänemark tätig. Seine Dänischkenntnisse von damals vertieft er nun in Kursen. Die Sprache zu beherrschen ist nicht nur für die Kommunikation mit Behörden hilfreich, sondern auch bei der Zusammenarbeit mit Kollegen: „Man wird anders wahr- und aufgenommen, es ist ein Zeichen des Respekts“, sagt Lennart Staggenborg.

Auch Flexibilität ist Voraussetzung für solche Einsätze: Wie lange er in Kopenhagen bleibt, weiß er noch nicht, eventuell wird er auch beim Folgeprojekt eingesetzt. Er jedenfalls würde sich freuen: „Kopenhagen ist eine sehr schöne und lebenswerte Stadt.“

Jeder Beruf kann ins Ausland führen

Das Beispiel des Bauingenieurs zeigt, dass nicht nur Piloten, Auslandskorrespondenten und Diplomaten rund um den Globus im Einsatz sind, sondern auch Ingenieure, Informatiker, Betriebswirtschaftler oder Naturwissenschaftler (Mehr zum Thema liest du im Porträt „Von Kollegen aus aller Welt lernen“). „Im Grunde kann man in jedem Beruf international tätig sein“, sagt Michael Hümmer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Fürth (Mögliche Arbeitsbereiche im internationalen Ausland listet die Übersicht „Von der Entwicklungshilfe bis zum Vertrieb“).

Firmen entsenden Mitarbeiter zum Beispiel in andere Länder, um ein Projekt zu betreuen, in einer Niederlassung eine Anlage zu montieren oder um an Messen teilzunehmen. Ein großer internationaler Markt ist zudem der künstlerische Bereich (Mehr zum Thema erfährst du im Promi-Interview mit Tom Wlaschiha „Es gibt kein Rezept für gute Jobangebote“).

Auch in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind Fachkräfte verschiedener Professionen im Einsatz. Lehrer, Ärzte und Landwirte werden im Ausland ebenso gebraucht wie Sozial- und Geisteswissenschaftler, die beispielsweise an Netzwerk-Projekten mitwirken. Dabei ist Vorerfahrung Voraussetzung: „Es wird erwartet, dass man bereits Erfahrung in dem relevanten Zielgebiet und mit der Tätigkeit gemacht hat“, sagt Michael Hümmer.

Früh Erfahrung sammeln

Generell besteht die Möglichkeit, sich bereits im Studium oder der Ausbildung über verpflichtende und freiwillige Auslandssemester und Praktika auf eine internationale Tätigkeit vorzubereiten. Wer sich für ein bi- oder trinationales Studium entscheidet, absolviert dieses an zwei beziehungsweise drei Hochschulen in verschiedenen Ländern. Und international agierende Unternehmen integrieren Auslandseinsätze oft in ihre Ausbildungs- und Trainee-Programme (Mehr zum Thema Auslandsaufenthalt im Trainee-Programm erfährst du im Porträt „Bereichernder Perspektivwechsel in Singapur“). Die Aufenthalte machen sich nicht nur gut im Lebenslauf. Zudem erlebt man, was es bedeutet, fern der Heimat zu arbeiten. „Man sollte sich gut überlegen, ob man dafür gemacht ist und dabei langfristig denken“, rät Michael Hümmer und verweist auf mögliche Schattenseiten wie Leben aus dem Koffer in anonymen Hotels, Jetlag und unter Umständen auch Einsätze in Krisenregionen.

Wenn man mehrere Jahre lang in einem anderen Land arbeitet, sollte man die beruflichen und sozialen Netzwerke in der Heimat nicht vergessen und die Rückkehr auf den deutschen Arbeitsmarkt gut vorbereiten. Auch die Familienplanung sollte in die Überlegung, ob eine internationale Karriere angestrebt wird, mit einbezogen werden, weiß der Berufsberater. Schließlich sind auch Partner und (zukünftige) Kinder von häufigen Reisen betroffen beziehungsweise müssen bereit sein, bei längeren Aufenthalten mitzukommen.

Interkulturelle Sensibilität

Für eine internationale Karriere sind neben einer starken Persönlichkeit und Stressresistenz auch Neugierde, Kontaktfreudigkeit und Spaß am Umgang mit Sprache vonnöten. „Gerade bei längeren Aufenthalten geht es darum, die Sprache anzunehmen, um über sie die Lebens- und Arbeitskultur der Menschen kennenzulernen“, erklärt Michael Hümmer. (Mehr zu diesem Thema liest du in der Berufsreportage „Weltweit im Einsatz")

Unerlässlich ist zudem eine interkulturelle Sensibilität: „Es geht nicht nur ums Wissen um kulturelle Besonderheiten, sondern darum, sie zu verstehen.“ Schließlich brauche man noch Disziplin und Organisationstalent. Jeder Aufenthalt muss frühzeitig vorbereitet werden, wobei das entsendende Unternehmen den Mitarbeitern oft entsprechende Trainings anbietet und sie auch bei administrativen und organisatorischen Angelegenheiten unterstützt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Auswärtiges Amt

Das Auswärtige Amt vertritt die Interessen Deutschlands in der Welt, es fördert den internationalen Austausch und bietet Deutschen im Ausland Schutz und Hilfe. Im Internet bietet es ausführliche Länderinformationen wie Reise- und Sicherheitshinweise.
www.auswaertiges-amt.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Der Internationale Personalservice der ZAV berät auslandsinteressierte Arbeitnehmer, Ausbildungssuchende und Studierende, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und sich für einen lang- oder kurzfristigen Aufenthalt im Ausland interessieren.
https://www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/
Ueberuns/WeitereDienststellen/ZentraleAuslandsund
Fachvermittlung/index.htm

Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige

Die Stelle ist angesiedelt beim Bundesverwaltungsamt und bietet weiterführende Links und Informationen zu verschiedenen Ländern, darunter Einreise-, Aufenthalts- und Zollbestimmungen sowie arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen.
www.bva.bund.de/DE/Themen/BuergerVerbaende/
Auswanderer/0_BAA_node.html

Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Als Dienstleister der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und internationalen Bildungsarbeit engagiert sich die GIZ weltweit für eine lebenswerte Zukunft. Aufgabenfelder sind unter anderem die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, Energie- und Umweltthemen und die Förderung von Frieden und Sicherheit.
www.giz.de

Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)

Die AHKs beraten, betreuen und vertreten weltweit deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen. AHKs sind Institutionen der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Sie helfen zudem qualifizierten Bewerbern bei der Suche nach passenden Stellen im Ausland. Zahlreiche AHKs arbeiten mit einem professionellen Bewerbermanagementsystem, in dem man sich registrieren kann.
www.ahk.de

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH)

Die AGEH vermittelt Fachkräfte in die Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Hilfsorganisationen, die kompetente Unterstützung für Projekte/Programme in der Entwicklungsarbeit suchen, und qualifizierten Fachkräften, die profundes Fachwissen mitbringen und ihre sozialen und interkulturellen Kompetenzen sinnvoll einbringen wollen.
www.ageh.de

Germany Trade & Invest (GTAI)

GTAI ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Mit über 50 Standorten weltweit und einem Partnernetzwerk unterstützt GTAI deutsche Unternehmen bei ihrem Weg ins Ausland, wirbt für den Standort Deutschland und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland.
www.gtai.de

Rausvonzuhaus

Informationen rund um das Thema Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen für junge Leute inklusive Länderinformationen
www.rausvonzuhaus.de

Infoportal „Wege ins Ausland“

Auf der Website informieren zehn verschiedene Institutionen über Wege ins Ausland. Angesprochen sind Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende und Berufstätige sowie alle anderen, die sich gezielt über die unterschiedlichen Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes informieren möchten.
www.wege-ins-ausland.org

Verein Deutsche im Ausland (DIA)

Ziel des Vereins ist die Bereitstellung von Informationen, Adressen und Links zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Deutschen im Ausland.
www.deutsche-im-Ausland.org

 

Naturwissenschaftlerin

Von Kollegen aus aller Welt lernen

Früh um sechs mit China konferieren, am Standort in Italien Konzepte entwickeln und sich mit Kollegen in den USA austauschen: Beim Spezialchemie-Konzern Altana arbeitet Elina Oks (29) mit Menschen aus aller Welt zusammen.

Wenn ein Online-Meeting mit einer Niederlassung in China ansteht, muss Elina Oks früh aufstehen: „Dann sitze ich schon Mal morgens um sechs Uhr mit einer Tasse Kaffee zu Hause am Computer und konferiere mit den Kollegen“, erzählt die 29-Jährige, die seit knapp zweieinhalb Jahren beim global agierenden Spezialchemieunternehmen Altana in Wesel als Manager Corporate Innovation tätig ist.

Bei ihrer Arbeit geht es darum, verschiedenartige Vorgehensweisen in „Best Practice“-Lösungen für alle Niederlassungen weltweit zu bündeln. Das heißt: Auch wenn an Standorten beispielsweise in China, Japan oder Italien mit unterschiedlichen technischen Gerätschaften gearbeitet wird und Rohstoffe von verschiedenen Quellen bezogen werden – das Endprodukt muss stets identisch und vor allem qualitativ hochwertig sein. Das war etwa der Hintergrund eines dreimonatigen Aufenthalts in Italien: Für ein Projekt fasste Elina Oks Erfahrungen der Standorte Hamburg und Ascoli Piceno in einem Konzept zusammen, um dieses wiederum gemeinsam mit Kollegen in Indien umzusetzen.

Mitarbeiter thematisch vernetzen

Ein Porträt-Foto von Elina Oks

Elina Oks

Foto: privat

In den vergangenen Jahren arbeitete die 29-Jährige an verschiedenen Projekten mit, hat sich zum Beispiel mit Lebensmittelverpackungen und Effektpigmenten beschäftigt und dabei oft mit Kollegen aus anderen Ländern zusammengearbeitet. „Gerade bei einem wachsenden Großkonzern wie Altana mit Niederlassungen auf der ganzen Welt ist es wichtig, ein gut strukturiertes internes Netzwerk zu haben“, sagt Elina Oks, deren Aufgabe es auch ist, Mitarbeiter standortübergreifend thematisch zu vernetzen.

Andere Herangehensweisen kennenlernen

Seit mehr als fünf Jahren kennt Elina Oks den Konzern, der an weltweit über 100 Standorten spezialchemische Produkte für die Lack- und Kunststoff-, die Druck- und Kosmetik- sowie für die Elektroindustrie herstellt. Im Anschluss an ihren Bachelor und Master in Chemie an der Uni Hamburg schloss sie eine Promotion in Technischer Chemie an, für die sie die Altana AG als Kooperationspartner gewinnen konnte. „Technische Chemie ist eine Mischung aus Natur- und Ingenieurwissenschaft. Es geht darum, das, was Chemiker im Labor in einem kleinen Kolben machen, auf einen größeren Maßstab zu übertragen.“

Bereits während ihres Masterstudiums war Elina Oks international tätig: Neun Monate verbrachte sie an der Uni in Seoul in Südkorea und flog für spezielle Messungen in die japanische Hauptstadt Tokio. „Zum Beruf des Naturwissenschaftlers gehört es, sich mit Kollegen auszutauschen, und zwar nicht nur national, sondern auch international. Um neue Ansätze kennenzulernen und zu erleben, wie andere ihre Arbeit strukturieren. Die Kollegen in Japan widmeten sich einer Aufgabe beispielsweise meist schrittweise und geradlinig, während die Kollegen in den USA eher parallel an mehreren Aspekten arbeiten“, lautet ihre Erfahrung. Ein Richtig oder Falsch gibt es dabei laut Elina Oks nicht.

Eine Prise Mut

Ob Italien, China, Indien oder USA: Kommuniziert wird auf Englisch. In den Naturwissenschaften sollte man bereits im Bachelor damit beginnen, englische Literatur zu lesen und sich so Fachbegriffe anzueignen, rät Elina Oks. Im Laufe des Masterstudiums nehme der Anteil an deutschsprachiger Lektüre stetig ab, auch Vorlesungen werden auf Englisch gehalten.

Für eine internationale Karriere – egal in welchem Fachgebiet – sei es zudem wichtig, keine Vorurteile zu haben und stets mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Für die junge Chemikerin ist die internationale Arbeit genau das Richtige: „Es passt zu meiner Persönlichkeit“, sagt Elina Oks, die sich bereits auf ihren nächsten längeren Auslandseinsatz für Altana freut, der sie in die USA führen wird.

 

Internationales Trainee-Programm

Bereichernder Perspektivwechsel in Singapur

Die dritte Phase seines Absolventenprogramms bei Deutsche Post DHL Group verbringt Trainee Michel Heck im konzerneigenen Innovation Center in Singapur. abi>> erzählt der 26-jährige Betriebswirt, was dort seine Aufgaben sind und warum er auch in Zukunft gern im Ausland arbeiten möchte.

Ein Team, fünf Nationalitäten und Englisch als gemeinsame Sprache. In diesem Umfeld arbeitet Michel Heck seit Anfang September in Singapur. Der 26-Jährige befindet sich in der dritten und letzten Phase des 18-monatigen Absolventenprogramms „GROW“ der Deutschen Post DHL Group. In Singapur ist der Betriebswirt im regionalen DHL Innovation Center Asien & Pazifik tätig, in dem an der zukünftigen Entwicklung der Logistik- und Transportbranche geforscht wird.

Vielseitige Projekte werden aus den DHL Innovation Centern heraus gesteuert, beispielsweise der Test von autonomen Robotern, die Nutzung der neusten Generation von Sensoren zum Tracking von Sendungen oder die Einführung von Augmented-Reality-Brillen in Logistikprozessen. „Dabei liegt der Fokus unserer Arbeit nicht nur auf neuen technologischen Entwicklungen, sondern auch auf den gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen in einer digitalen Welt, und welchen Einfluss diese auf die Logistikindustrie haben können“, erklärt Michel Heck.

Umfassende Betreuung

Ein Porträt-Foto von Michel Heck

Michel Heck

Foto: privat

Schon während seines Masterstudiums der Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen beschäftige er sich intensiv mit der Konzeption, Entwicklung und Vermarktung von technologischen Innovationen. In diesem Bereich möchte er auch in Zukunft tätig sein: Nach seinem Trainee-Programm wird Michael Heck voraussichtlich im DHL Innovation Center in Deutschland arbeiten, das er bereits aus seiner zweiten „GROW“-Phase kennt. Zuvor hatte er sich im Unternehmensbereich „Post – eCommerce – Parcel“ mit strategischen Fragestellungen der zukünftigen Ausrichtung des stationären Vertriebes der Deutschen Post beschäftigt.

Während der verschiedenen Stationen im Konzern lernte er unterschiedliche Aufgabenbereiche kennen und erhielt die Möglichkeit, eigene Projekte zu übernehmen. Darüber hinaus bot das „GROW“-Programm ihm Gelegenheit, an zahlreichen Seminaren und Workshops teilzunehmen, um sein Fachwissen und auch seine Soft Skills weiterzuentwickeln. Zusätzlich durchlaufen im Unternehmen alle Trainees spezielle Kurse, die sie auf ihre Auslandseinsätze vorbereiten. „Die Unterstützung im Vorfeld und auch das Onboarding hier in Singapur, also die Einführung in meinen neuen Arbeitsbereich, war sehr gut“, sagt Michel Heck. Diese umfassende Betreuung sei ein großer Vorteil, wenn man von einem Unternehmen ins Ausland entsendet werde.

Abwechslungsreicher Aufenthalt

Michel Heck ist sehr gern bereit, erneut für seinen Arbeitgeber ins Ausland zu gehen – auch für längere Zeit. Als bereichernd und abwechslungsreich erlebt der 26-Jährige seine Erfahrungen in Singapur. „Ich recherchiere, welche Trends aktuell hier im asiatischen Raum zu erkennen sind und welche großen Unternehmen oder Start-ups in diesen Bereichen aktiv sind. Ich nehme an Workshops mit Kunden und strategischen Partnern teil, schaue mir Prozesse am Flughafen oder im Warenlager an oder bespreche mit unserem externen Technologie-Partner das weitere Vorgehen bei unserem gemeinsamen Projekt“, erzählt er.

Abwechslungsreich ist sein Aufenthalt zudem, weil er Menschen aus unterschiedlichen Nationen begegnet und so mit anderen Arbeits- und Kommunikationsweisen sowie Umgangsformen in Berührung kommt. Ebenfalls ein Grund, weshalb er sich für den Auslandseinsatz entschieden hat: „Man erlebt, wie Aufgaben auch ganz anders gelöst werden können, und lernt dadurch viel für seine eigene Arbeitsweise.“

 

Diplomatin

Weltweit im Einsatz

Drei Jahre Sarajevo, drei Jahre Berlin und dann wieder ganz woanders hin: Als Diplomatin ist Ellen Harte weltweit einsetzbar – ihr ganzes Berufsleben lang. abi>> erzählt die 30-Jährige, warum sie eine Karriere im höheren Dienst beim Auswärtigen Amt eingeschlagen hat.

Seit August arbeitet und lebt Ellen Harte in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Es ist ihr erster Auslandsposten als Diplomatin und es werden zahlreiche weitere folgen. Wer sich für den höheren Auswärtigen Dienst entscheidet, sagt einer „uneingeschränkten weltweiten Versetzungsbereitschaft“ zu. Die Angehörigen des Auswärtigen Dienstes können an den über 230 deutschen Auslandsvertretungen und im Auswärtigen Amt in Berlin eingesetzt werden. Alle drei bis vier Jahre wechseln Einsatzort und Fachgebiet. Man kann Präferenzen nennen, doch die Entscheidung, wo man eingesetzt wird, obliegt letztlich der Personalabteilung, erklärt Ellen Harte: „Man muss Lust auf die ganze Welt haben und sich bewusst sein, dass man alle paar Jahre wieder quasi von Neuem anfängt.“

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ein Porträt-Foto von Ellen Harte

Ellen Harte

Foto: Auswärtiges Amt

Partner und Kinder sollten in die Überlegung, ob man eine solche Karriere einschlägt, einbezogen werden, rät sie. Schließlich sei es eine Herausforderung für alle Beteiligten, da die Familie im Regelfall mit von Land zu Land zieht. Für Ellen Harte ist dieser Beruf genau richtig: „Ich gestalte die deutsche Außenpolitik aktiv mit und lerne viele Länder, Sprachen, Kulturen und Menschen kennen.“

Ihre Affinität für internationales Arbeiten zeigte sich schon zu Studienzeiten: Den Deutsch-Französischen Studien an der Uni Regensburg und der Uni Clermont-Ferrand mit dem Doppelabschluss Bachelor of Arts/Licence schloss sie einen Master in European Studies an der Uni im dänischen Aarhus an. Dort arbeitete sie danach bei der Erasmus-Koordination, ging dann an die dänische Botschaft in Berlin, bevor sie sich für den höheren Auswärtigen Dienst bewarb. Ein Master ist Voraussetzung, wobei das Fachgebiet keine Rolle spielt. Politikwissenschaft, Völkerrecht, Rechts- und Konsularwesen sowie unter anderem Seminare zu Personalführung und Medientraining stehen in der 12-monatigen Ausbildung auf dem Stundenplan.

Über die Sprache das Land verstehen

Dass ihr erster Auslandseinsatz sie an die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Sarajevo führt, freut Ellen Harte, die bereits seit Jahren ein Faible für die Länder des Balkans hat. Als Leiterin des Referats für Presse, Kultur und Protokoll betreut sie bosnische Journalisten, kümmert sich um Kultur-Kooperationen, fördert die deutsche Sprache und organisiert Veranstaltungen. Zudem ist sie für die Betreuung wichtiger Besucher aus Deutschland und die Sportförderung zuständig.

Unterstützt wird sie von den deutschen und besonders den bosnischen Kollegen. Diese helfen ihr im Privaten wie im Beruflichen weiter, damit es beispielsweise nicht zu Missverständnissen bei Arbeitsabläufen und in der Kommunikation kommt. Noch spricht Ellen Harte nicht fließend Bosnisch. Die Sprache zu lernen ist für sie selbstverständlich: „Es ist eine Wertschätzung, die man den Menschen entgegenbringt, und es hilft, das Land zu verstehen: Über die Sprache erfährt man viel über Denkweisen“, findet sie. Wer im Auswärtigen Amt arbeiten möchte, sollte ein Faible für Fremdsprachen haben: Sehr gute Kenntnisse in Englisch sowie in Französisch oder einer anderen Sprache sind Voraussetzung. Außerdem muss jeder Bewerber ein anspruchsvolles Auswahlverfahren, bestehend aus Online-Test, schriftlichem und mündlichem Teil, bestehen.

In drei Jahren wird Ellen Harte nach Berlin ins Außenministerium wechseln. „Wir sind Augen, Ohren und Mund der Bundesrepublik. Ich versuche, hier alles wahrzunehmen, was für Deutschland wichtig ist, und zugleich den Menschen ein authentisches Deutschlandbild zu vermitteln. Dafür muss ich die Bindung zu Deutschland aufrechterhalten und immer wieder auch dort leben und arbeiten. Sonst kann ich meinem Auftrag nicht gerecht werden.“

 

Tom Wlaschiha

„Es gibt kein Rezept für gute Jobangebote“

Der deutsche „Game of Thrones“-Star Tom Wlaschiha erzählt von seiner Karriere im internationalen Filmgeschäft.

abi>> Ihr Durchbruch im internationalen Filmgeschäft gelang Ihnen mit der Rolle des Jaqen H’ghar in „Game of Thrones" (GoT) – wie kommt man an so ein Spitzen-Engagement?

Tom Wlaschiha: Meine Entscheidung, mir eine Agentur in England zu suchen, war anfangs meiner Unzufriedenheit über die Jobangebote hier in Deutschland geschuldet. Ich wollte ein zweites Standbein haben, und auch in London hat es zwei Jahre gedauert, in denen ich unzählige Treffen und Castings hatte, bis ich die ersten kleineren Engagements bekam. Eine gute Agentur ist im besten Fall ein Türöffner und guter Begleiter, aber keine Arbeitsgarantie. Als ich für die zweite Staffel GoT gecastet wurde, war die Serie in Europa noch völlig unbekannt, und niemand konnte den heutigen weltweiten Erfolg absehen. Das Castingangebot kam über meine Agentur und ich habe dann, wie heute üblich, eine Szene zu Hause auf Video aufgenommen und an die Produktion geschickt. Nach einem persönlichen Treffen mit den Produzenten wurde mir die Rolle angeboten.

abi>> Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Ein Porträt-Foto von Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha

Foto: André Röhner

Tom Wlaschiha: Ich glaube, das Wichtigste bei jedem Beruf ist, dass man unbedingt das liebt, was man tut und darin eine Erfüllung findet, unabhängig davon, wie Erfolg von Außenstehenden definiert wird. Man muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, unabhängig von flüchtigen Faktoren wie Ruhm und Bekanntheitsgrad glücklich sein zu können. Jeder kreative Beruf ist sehr unsicher, genau wie der Geschmack des Publikums. Als Schauspieler möchte ich anspruchsvolle und möglichst unterschiedliche Rollen spielen, mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Handwerk verstehen, um selbst immer besser zu werden. Ich suche nach guten Drehbüchern. Da spielt es erstmal überhaupt keine Rolle, ob das ein kleiner Studentenfilm oder eine große internationale Produktion ist. Man lernt überall dazu, wichtig ist, dass man überhaupt arbeitet.

abi>> Nun haben Sie eine große Rolle in der US-amerikanischen Serie "Tom Clancy's Jack Ryan" bekommen. Läuft es nach dem GoT-Erfolg von allein?

Tom Wlaschiha: Mir werden definitiv mehr und größere Rollen angeboten, was natürlich auch damit zu tun hat, dass Film und Fernsehen ein Geschäft sind und man als Schauspieler vom Bekanntheitsgrad lebt. Es gibt aber kein Rezept für gute Jobangebote. Ich glaube, dass es nicht schadet, wenn man versucht, sich selbst ab und zu von außen zu betrachten und realistisch einzuschätzen, wo man steht und wie andere Leute einen sehen. Außerdem glaube ich, dass man Risiken eingehen, sich bewusst der Unsicherheit aussetzen und ins kalte Wasser springen muss. Ich bin vor einigen Jahren eine längere Zeit nach London gezogen, einfach weil ich das Gefühl hatte, dort sein zu wollen. Ich habe auch schon gute und gutbezahlte Engagements gekündigt, ohne einen anderen Job in Aussicht zu haben, weil ich mich nicht zu hundert Prozent gefordert gefühlt habe. Meine Arbeit erfordert eine große Flexibilität, zeitlich und räumlich, was nicht immer schön und einfach ist, wenn man monatelang in fremden Städten in Hotelzimmern wohnt.

abi>> Was bedeutet es, in internationalen Teams zu arbeiten?

Tom Wlaschiha: Die Arbeit an einem Filmset ist weltweit ähnlich, den einzigen Unterschied macht das jeweilige Budget aus. Für mich persönlich war es immer reizvoll, international zu arbeiten, weil ich Sprachen schon immer mochte und auch gern viel unterwegs bin. Die Arbeitssprache an den meisten Filmsets im Ausland ist natürlich Englisch.

abi>> In welchen Ländern haben Sie bisland gedreht?

Tom Wlaschiha: Ich war allein im vergangenen Jahr zum Arbeiten in China, Kolumbien, den USA und mehreren europäischen Ländern, teils für Monate, manchmal nur für einige Tage. Das ist wahnsinnig interessant, da man neben dem Dreh auch freie Tage hat und Städte und Länder kennenlernt, ist aber natürlich nicht so gut für meine persönliche Ökobilanz.

abi>> Was raten Sie jungen Menschen, die eine internationale Karriere anstreben?

Tom Wlaschiha: Es kann nicht schaden, wenn man sich selbst realistisch einschätzen kann, seine Stärken kennt und an seinen Schwächen arbeitet. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass es Entscheidern gefällt, wenn man weiß, was man will und für das Erreichen der Ziele bereit ist, auch bestimmte Opfer zu bringen.

Über Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha, geboren 1973 in Dohna, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Seit 1995 ist er regelmäßig im deutschen Fernsehen zu sehen, etwa in den Serien „Berlin Falling“ und „Das Boot“. 2001 spielte er erstmals auch in internationalen Produktionen, so in der Serie „Crossing Lines“. Sein Durchbruch gelang ihm mit einer Rolle in der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“.

 

Ich will international Karriere machen - Übersicht

Von der Entwicklungshilfe bis zum Vertrieb

Dass Piloten, Kapitäne und international erfolgreiche Künstler in der Welt herumkommen, versteht sich von selbst. Daneben gibt es aber viele weitere Berufs- und Aufgabenfelder, in denen eine internationale Karriere möglich ist. Die abi>> Übersicht zeigt dir eine Auswahl möglicher Bereiche auf.

Auswärtiger Dienst: Der überwiegende Teil der Beschäftigten des Auswärtigen Amts befindet sich das gesamte Berufsleben lang in der Rotation zwischen dem Auswärtigen Amt in Berlin und Bonn und den deutschen Botschaften und Generalkonsulaten im Ausland. Rotation bedeutet, dass die Beschäftigten etwa alle drei bis vier Jahre den Arbeitsplatz und gemeinsam mit den Familien das Land, in dem sie leben, wechseln. Ein Teil der Beschäftigten im Auswärtigen Amt und an den Auslandsvertretungen arbeitet in einem dauerhaften Arbeitsverhältnis vor Ort, zum Beispiel als Übersetzer im Sprachendienst oder als Fachkraft für Liegenschaften.

Einkauf: Wenn Unternehmen Serviceleistungen oder Produkte im Ausland einkaufen, braucht es international tätige Mitarbeiter, die zum Beispiel Fachmessen besuchen oder bei einem Zulieferbetrieb Waren begutachten.

Entwicklungszusammenarbeit: Entwicklungshelfer sind in Entwicklungsländern oder Krisengebieten an unterschiedlichen Projekten beteiligt, die das Ziel haben, die Lebenssituation der Menschen vor Ort zu verbessern. Je nach Ausgangsqualifikation wirken sie an verschiedenen Aufgaben mit, etwa in den Bereichen Landwirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen oder Handwerk.

Forschung und Entwicklung: Für die Feldforschung sind je nach Thema Exkursionen ins Ausland notwenig, etwa im Bereich Bio-, Geo- oder Ethnologie. Große Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden zudem häufig in internationalen Teams durchgeführt und erfordern grenzüberschreitendes Arbeiten.

Dolmetschen: (Simultan-)dolmetscher können für internationale Institutionen arbeiten, bei internationalen Konferenzen, Kongressen und Tagungen oder bei Verhandlungen im Geschäftsverkehr tätig sein.

Internationale Organisationen: Die Arbeit bei internationalen (staatlichen) Organisationen (Vereinte Nationen, Institutionen der Europäischen Union, Auslandshandelskammern, etc.), etwa im politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich, ist meist auch mit Einsätzen im Ausland verbunden.

Journalismus: Auslandskorrespondenten berichten für verschiedene Medien vor Ort über politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse. Aber auch andere Journalisten und Reporter können im Ausland tätig sein.

Marketing/Brand Management: Wenn Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen im Ausland vertreiben und dafür eine großangelegte Kampagne starten, braucht es internationale Mitarbeiter, die den Markt vor Ort sondieren und einheimische Fachleute anleiten.

Produktion/Montage: Wenn Unternehmen an ausländischen Standorten beispielsweise eine neue Anlage in Betrieb nehmen, ein neues Verfahren einführen oder eine neue Niederlassung aufbauen, müssen die Mitarbeiter vor Ort zum Beispiel von erfahrenen Ingenieuren, IT-Fachkräften und Technikern angelernt und die Produktion überwacht werden. Auch bei großen Projekten im Ausland, etwa im Bereich Infrastruktur, werden leitende Positionen oft mit Mitarbeitern aus der Konzernzentrale besetzt.

Vertrieb: Auslandsvertreter eines Unternehmens übernehmen die Kundenbetreuung im Ausland. Sie suchen und fördern Absatzmöglichkeiten in anderen Ländern, analysieren potenzielle Märkte für Serviceleistungen und Produkte und positionieren und vermitteln diese.


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Stand: 18.09.2019