Freiwillige vor!

Ein Mann vermisst ein Grundstück.
Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ist eine von vielen Möglichkeiten, sich nach der Schule zu engagieren.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Freiwilligendienste im Inland – Hintergrund

Freiwillige vor!

Gründe für eine Freiwilligenzeit nach dem Abitur gibt es viele. Sie bietet nicht nur die Gelegenheit, sich für das Gemeinwohl zu engagieren und Erfahrungen zu sammeln, sondern kann auch der Orientierung für die Berufswahl dienen. Ob in der Kultur, der Politik, im Sport, im sozialen oder im digitalen Bereich – die Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige in Deutschland sind vielfältig.

Jeden Tag draußen arbeiten, bei Wind und Wetter: Das ist für Maximilian Engler, der gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei dem Verein Grüne Aktion Sachsen absolviert, einer der größten Unterschiede zur Schule. „Außerdem empfinde ich es als sehr befriedigend, nach dem Abschluss eines Projektes sofort den Erfolg zu sehen, und nicht wie in der Schule permanent auf langfristige Ziele hinzuarbeiten“, betont der 18-Jährige.

Sein Einsatzort ist die Geschäftsstelle des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Chemnitz. „Gemeinsam mit anderen Freiwilligen kümmere ich mich um die vom NABU gepachteten Flächen in der Region. Im Sommer mähen wir die Wiesen, im Herbst steht die Apfelernte auf den Streuobstwiesen an und von Winteranfang bis in den Frühling hinein kümmern wir uns um den Obstbaumbeschnitt und bauen Amphibienzäune auf“, berichtet Maximilian Engler. „Außerdem legen wir Teiche an und übernehmen Fällarbeiten.“ Er hat sich für das FÖJ entschieden, weil er nach dem Abi nicht gleich an der Hochschule mit dem Lernen weitermachen wollte: „Ich hatte Lust auf etwas Abwechslung und wollte ein bisschen Ruhe vor Klausuren, Präsentationen und Prüfungen.“

Seit er klein ist, begeistert sich Maximilian Engler für die Natur, aufgewachsen ist er auf einem Ökobauernhof. Nach dem FÖJ will er Umweltmonitoring an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden studieren. „Wenn alles nach Plan läuft, kann ich das Studium direkt im Anschluss beginnen, obwohl mein Durchschnitt unterhalb des derzeitigen Numerus clausus liegt, denn das FÖJ wird als Wartesemester angerechnet.“

Welches Engagement passt zu mir?

Ein Porträt-Foto von Maximilian Engler

Maximilian Engler

Foto: privat

Neben dem Freiwilligen Ökologischen Jahr gibt es viele weitere Möglichkeiten, sich nach dem Abitur zu engagieren. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) absolvieren jedes Jahr etwa 60.000 Jugendliche und junge Erwachsene ein Freiwilligenjahr, etwa 28.000 entscheiden sich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Während es für den BFD keine Altersgrenze nach oben gibt, liegt sie für das Freiwilligenjahr bei 27 Jahren. „Die meist gewählten Programme sind der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr“, weiß Silvia Klausing, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Auch im Sport, in der Denkmalpflege, in Politik und Kultur und neuerdings auch im digitalen Bereich kann man ein Freiwilligenjahr absolvieren. „Ein Freiwilligendienst kommt für all diejenigen infrage, die sich engagieren, ein Jahr praktische Erfahrungen sammeln und in die Arbeitswelt reinschnuppern wollen, einen Plan B brauchen oder einfach noch ein bisschen Zeit und Reife für eine Entscheidung benötigen.“

Silvia Klausing rät dazu, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, in welchen Bereichen man sich einbringen möchte und welche Tätigkeiten man sich zutraut. „Es ist ein Unterschied, ob man zum Beispiel in einem Museum Schulklassen betreut, in einem Krankenhaus Menschen pflegt oder Wohnungen für Obdachlose herrichtet. Je nachdem sind eher pädagogische, soziale oder handwerkliche Fähigkeiten gefragt“, erklärt die Berufsberaterin. Fragen wie „Kann ich Blut sehen?“, „Kann ich auf fremde Menschen zugehen?“, „Bin ich ein Teamplayer?“ oder „Möchte ich mich körperlich betätigen?“ sind bei der Entscheidung genauso wichtig wie die örtliche Lage des Einsatzortes.

Die Bewerbung läuft ähnlich ab wie für einen Ausbildungsplatz. „Man bewirbt sich mit einer Bewerbungsmappe, die ein Anschreiben enthält, welches die Motivation für das Freiwillige Jahr begründet, einem Lebenslauf sowie Zeugnissen und Beurteilungen“, erläutert Silvia Klausing. Durch den Träger wird man dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und beide Seiten schauen, ob sie zueinander passen.

Sollte das FSJ verpflichtend sein?

Ein Porträt-Foto von Silvia Klausing

Silvia Klausing

Foto: privat

Immer wieder wird diskutiert, einen Freiwilligendienst nach der Schule zur Pflicht zu machen. „Das halten wir aus engagementpolitischen Gründen für den falschen Weg: Eigeninitiative, Mitgestaltung und Beteiligung aller Altersgruppen in der Zivilgesellschaft können nicht erzwungen werden“, meint ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). „Wir werben daher dafür, eine Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit zu entwickeln. Damit das gelingen kann, muss der Staat ein attraktives Angebot machen. Jeder junge Mensch, der die Schulzeit beendet hat, sollte die Möglichkeit bekommen, ein Jugendfreiwilligenjahr in Deutschland zu leisten.“ Darüber hinaus bestünden bei einem Pflichtjahr hohe verfassungsrechtliche Hürden, da Grundrechte der Jugendlichen betroffen wären, wie etwa das Grundrecht auf Berufsfreiheit.

Im Dezember 2018 hat Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey ihr Konzept für das geplante Jugendfreiwilligenjahr vorgestellt. Die bestehenden Jugendfreiwilligendienste sollen dabei zu einem Jugendfreiwilligenjahr weiterentwickelt werden. „Dabei soll auch gezielt die Anerkennung des Freiwilligendienstes in Deutschland gesteigert werden, ganz besonders in der Ausbildung oder beim Studium sowie insbesondere für soziale Berufe“, so der Sprecher des BMFSFJ. Außerdem sind längerfristig viele Verbesserungen in Planung, zum Beispiel ein Zuschuss zur Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr sowie ein bundesweit einheitliches und komplett vom Bund getragenes Freiwilligengeld von 402 Euro, zuzüglich entsprechender Sozialversicherungsbeiträge. Außerdem soll es bald die Möglichkeit geben, den Freiwilligendienst auch in Teilzeit zu absolvieren.

Weitere Informationen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Hier informiert das BMFSFJ zum Bundesfreiwilligendienst (BFD) und zu Freiwilligendiensten wie dem FSJ.
www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/freiwilligendienste

Bundesfreiwilligendienst

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantwortet alle wichtigen Fragen rund um den Bundesfreiwilligendienst (BFD)
www.bundesfreiwilligendienst.de

Freiwilligendienste Kultur und Bildung

Informationen zu den Freiwilligendiensten FSJ Kultur, FSJ Schule, FSJ Politik und BFD Kultur und Bildung.
https://freiwilligendienste-kultur-bildung.de

Pro FSJ

Auf den Seite des Bundesarbeitskreises FSJ erfahren Interessierte unter anderem, wo und wie man sich für ein FSJ bewerben kann.
www.pro-fsj.de

natur-freiwilligendienst kulturweit

Künftig kann der Auslandsfreiwilligendienst „kulturweit“ auch in UNESCO-Biosphärenreservaten, Naturerbestätten und Geoparks geleistet werden.
www.kulturweit.de/presse/meldungen/natur-freiwilligendienst-kommt

foej.de

Förderverein Ökologische Freiwilligendienst e.V.
https://foej.de

 

FSJ im Sport

Trainieren mit den Besten

Fabian Müske (19) absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport beim Bayerischen Fußball-Verband. Dort unterstützte er ein Jahr lang die Frauen- und Mädchenfußball-Abteilung und war auch selbst häufig auf dem Fußballfeld im Einsatz.

Auf die Idee, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren, kam Fabian Müske in seinem vorletzten Schuljahr. Eine ehemalige Freiwillige hielt an seiner Schule einen Vortrag über ihr FSJ im Sport. „Das fand ich sehr interessant und wusste direkt: Das ist auch das Richtige für mich“, berichtet der 19-Jährige. Er informierte sich, welche Träger in seiner Heimatstadt München ein FSJ anbieten und bewarb sich über das Bewerbungsportal für Freiwilligendienste der Bayerischen Sportjugend beim Bayerischen Fußball-Verband e.V. (BFV) und einigen Fußballvereinen.

Bereits kurze Zeit später erhielt er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch beim BFV. „Dabei wurden mir die Einsatzbereiche vorgestellt, in denen Freiwillige mitarbeiten können.“ Eingesetzt wurde er schließlich in der Abteilung „Frauen- und Mädchenfußball“. „Da ich schon öfter weibliche Schulmannschaften betreut habe, habe ich einen Bezug zum Frauenfußball. Außerdem spielt meine kleine Schwester Fußball“, erzählt Fabian Müske, der selbst als Spieler und Trainer im Fußball aktiv ist.

Jede Menge Praxis

Ein Porträt-Foto von Fabian Müske

Fabian Müske

Foto: privat

Neben organisatorischen Aufgaben beinhaltete das FSJ, das insgesamt zwölf Monate dauerte und im Sommer 2017 begann, jede Menge Praxis. Regelmäßig begleitete er die Lehrgänge, die der Verband für die besten jugendlichen Spielerinnen aus bayerischen Fußballvereinen anbietet, um ihnen den Sprung in die Nachwuchsmannschaften der Profivereine zu ermöglichen. Teilweise durfte Fabian Müske hier sogar selbst als Torwart-Trainer teilnehmen. Zweimal pro Woche trainierte er außerdem mit den Schülern der Leistungssportklassen der Eliteschule des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Oberhaching. Die Trainererfahrung während des FSJ ist für ihn besonders wertvoll – und hat sich bereits ausgezahlt: „Auch nach dem FSJ bin ich weiterhin als Torwart-Trainer für die Bayernauswahl der Mädchen zuständig.“

Außerdem gründete und leitete er während des Freiwilligenjahres eine Fußball-AG in einer Grundschule. Darüber hinaus legte er Lehrgänge im System des Verbandes an, lud die Spielerinnen dazu ein und plante Veranstaltungen wie Jahresabschluss- und Mitarbeitertagungen. „Ich habe regelmäßig Präsentationen erstellt und täglich mit Programmen wie Excel und PowerPoint gearbeitet. Das hilft mir nun auch an der Uni weiter“, sagt der 19-Jährige, der mittlerweile Sportmanagement im zweiten Semester an der privaten Hochschule für Angewandtes Management in München/Ismaning studiert. Wenn er möchte, kann er sich das FSJ als Praxissemester, das der siebensemestrige Bachelorstudiengang vorsieht, anerkennen lassen.

Nützliches Wissen fürs Studium

„Vieles, was ich im FSJ gelernt habe, hilft mir jetzt im Studium: Im ersten Semester habe ich zum Beispiel das Modul ‚Organisation im Sport‘ belegt. Darin ging es um das Verbandswesen; also wie ein Verband oder Verein aufgebaut ist und wie er arbeitet. Im nächsten Semester folgt dann Vereins- und Verbandsrecht, worüber ich dank des FSJs ebenfalls schon einiges weiß.“
Fabian Müske kann sich gut vorstellen, nach dem Studium bei einem Sportverband oder -verein zu arbeiten. Doch nicht nur deshalb hat sich das Jahr für ihn gelohnt: „Ich habe viele Menschen kennengelernt und Kontakte geknüpft. Während der Seminare, die man als Freiwilliger belegt, traf ich auf viele FSJler aus anderen Sportvereinen.“ Sein Fazit: „Wenn man nicht gleich weiß, wie es nach der Schule weitergeht, ist ein FSJ eine gute Möglichkeit, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sich zu orientieren.“

 

Bundesfreiwilligendienst

Berufspraxis statt Lernstress

Nikolina Vuksic (18) absolviert einen Bundesfreiwilligendienst in der „eule gmünder wissenswerkstatt“ in Schwäbisch Gmünd, wo sie Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften und Technik begeistert. Für abi>> berichtet sie von ihrer Entscheidung für das Freiwilligenjahr und ihrem Arbeitsalltag.

Fast täglich kommen Schulklassen und Gruppen von Kindern und Jugendlichen zu uns, die mehr über technische und naturwissenschaftliche Themen lernen wollen. Sie können hier verschiedenste Kurse besuchen, in denen sie zum Beispiel eine Seifenblasenmaschine, einen Propellerflitzer, ein Katapult oder ein Getriebeauto bauen, eigenständig etwas im 3D-Drucker konstruieren oder einen Microcontroller programmieren. Meine Aufgabe ist es, die Kurse so vorzubereiten, dass das Werkzeug und die Materialien bereitliegen und alles reibungslos ablaufen kann. Bei den Kursen selbst bin ich ebenfalls dabei. Teilweise als Unterstützung und Hilfe, zum Beispiel zur Betreuung der Kinder an den Maschinen, die sie nicht eigenständig nutzen dürfen. Teilweise darf ich einen Schulkurs oder Teile davon auch selber leiten.

Online nach Stellen gesucht

Ein Porträt-Foto von Nikolina Vuksic

Nikolina Vuksic

Foto: privat

Nach der Schule war ich unschlüssig, was genau ich studieren möchte und wo mich mein Weg hinführen soll. Ich habe mir eine Auszeit vom Schulalltag gewünscht, bevor der doch etwas ähnliche Unialltag losgeht, wollte ich gerne ein wenig Abwechslung haben. So bin ich auf die Idee gekommen, einen Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren. Ich habe die Infos zum BFD überwiegend online recherchiert und dort auch die Stelle in der „eule“ entdeckt. Außerdem habe ich mit Freunden und Bekannten, die bereits einen BFD gemacht haben, über ihre Erfahrungen gesprochen.

Mein Einstieg in den Freiwilligendienst verlief super. Ich wurde sehr gut eingearbeitet und hatte genug Zeit, mich erst einmal zurechtzufinden und alles, womit ich bislang keine Erfahrungen hatte, in Ruhe zu probieren. Ständig sind neue Projekte in Arbeit, wie etwa neue Bauteile, die man selber entwickelt. Außerdem bieten wir noch Seminarräume für Firmen und Unternehmen an, die hergerichtet und bestuhlt werden müssen. Ab und an kommen noch ein paar Arbeiten am PC dazu.

Zusammenarbeit mit Geflüchteten

In regelmäßigen Zeitabständen von drei bis vier Wochen kommen jeweils zwei Tage hintereinander zwei Flüchtlingsklassen von einer nahegelegenen Schule zu uns. Das diesjährige Projekt sieht vor, dass wir bei jedem Termin gemeinsam ein neues Bauteil fertigen, sodass am Ende, wenn man alle zusammenfügt, eine Kettenreaktion entsteht. Wir bauen zum Beispiel Katapultmaschinen, die nacheinander Konfetti werfen, Fahnenschwinger, die verschiedenfarbige Bänder schwingen, oder eine Reaktionswand, die mit etwa 200 selbstgemachten bunten Dominos bestückt ist, welche nacheinander umkippen. Die Idee ist, dass jedes Kind ein Bauteil erstellt, das der Auslöser für einen weiteren Teil der Kettenreaktion ist.

Was das Erlernen der Sprache angeht, sind die Kinder unterschiedlich weit fortgeschritten. Manche sind der deutschen Sprache so mächtig, dass sie alles verstehen. Andere haben einen deutlich kleineren Wortschatz. Deshalb muss ich darauf achten, dass mich alle gut verstehen können. Hierbei gilt es, mit vielen Gesten und Handbewegungen die nächsten Arbeitsschritte zu veranschaulichen.

Mir war es wichtig, dass ich während meines Freiwilligendienstes mit Kindern zusammenarbeite, deshalb habe ich mich für diese Stelle entschieden. Außerdem habe ich großes Interesse an Naturwissenschaften und Technik. Hier habe ich die Möglichkeit, beides zu verbinden und diese Gebiete näher kennenzulernen. Wenn der BFD im Sommer endet, möchte ich gerne studieren. Für einen konkreten Studiengang habe ich mich noch nicht entschieden, durch den Freiwilligendienst weiß ich aber, dass ich mich im Studium mit technischen und biologischen Inhalten beschäftigen möchte.

 

FSJ Digital

„Erlebnisse, die ich nie vergessen werde“

Während seines Freiwilligen Sozialen Jahres war Leon Peters (20) in jede Menge spannende Projekte rund um das Thema Medienpädagogik eingebunden, konzipierte einen eigenen Video-Workshop, traf YouTuber und bot Medien-AGs für Schulklassen an. Die Erfahrungen, die er während dieser Zeit sammelte, haben ihm auch den Weg in seine berufliche Zukunft gewiesen – doch nicht nur deshalb will er sie auf keinen Fall missen.

Die Entscheidung für sein Freiwilliges Soziales Jahr hat Leon Peters keine Sekunde bereut. „Ich kann es jedem nur empfehlen. Erst recht, wenn man sich bei der Berufswahl nicht ganz sicher ist. Die Erfahrungen, die man in diesem Jahr sammeln darf, sind einzigartig und die FSJ-Seminare runden den Freiwilligendienst wunderbar ab“, sagt der 20-Jährige, der nach dem Abitur ein Jahr lang im Bereich Medienpädagogik bei der gemeinnützigen GmbH „medien+bildung.com“ in Kaiserslautern mitgearbeitet hat. „Am besten gefallen hat mir, dass ich in alle Bereiche voll eingebunden und mir viel Verantwortung übertragen wurde.“

Ein eigener Workshop

Ein Porträt-Foto von Leon Peters

Leon Peters

Foto: Mascha Dinter

Jede Woche besuchte er gemeinsam mit einem Kollegen verschiedene Schulen, um dort Radio-, Medien- und Medienscout-AGs anzubieten. „Da ich viele Inhalte selbst aussuchen und gestalten durfte, konnte ich mir im Laufe des Jahres viele Kompetenzen und Methoden aneignen.“ Neben den AGs kümmerte er sich um zahlreiche weitere Projekte und Veranstaltungen wie zum Beispiel die YouTube-Initiative „#nichtegal“ gegen Hasskommentare im Netz. „Im Rahmen dieses Projekts durfte ich sogar die Moderatorin Shary Reeves und den YouTuber Meti vom Kanal PMTV kennenlernen und einen Tag lang mit ihnen zusammenarbeiten. Das sind Erlebnisse, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde.“

Auch in ein Projekt des Südwestrundfunks an Grundschulen zur Leseförderung mit Tablets und in ein Projekt gegen Diskriminierung und Rassismus war er als Freiwilliger involviert. Ergänzt wurde das FSJ durch verschiedene Seminare. Über die bundesweite Servicestelle „netzwärts für Medienbildung im Freiwilligendienst“, die aus dem Modellprojekt FSJ_digital entstanden ist, nahm Leon Peters unter anderem an einem einwöchigen Seminar zum Thema „Medienbildung“ teil. Dort belegte er einen Medienpädagogik-Workshop, in dem er zusammen mit zwei anderen Freiwilligen ein eigenes Kartenspiel entwarf, mit dem Kinder und Jugendliche die Programmiersprache „Scratch“ erlernen können.

„Das größte und für mich persönlich wichtigste Projekt war allerdings mein eigenes FSJ-Projekt“, berichtet der ehemalige Freiwillige. Ein halbes Jahr lang dauerten die Vorbereitungen für den Video-Workshop zur Musikszene in Kaiserslautern, für den er vom selbstgestalteten Logo über die Künstler- und Locationsuche bis hin zur Durchführung komplett selbst zuständig war. „Das Feedback im Anschluss war sehr positiv und hat mich stolz gemacht. Selbst aus den Dingen, die während der Vorbereitung nicht so glatt liefen, konnte ich einiges lernen“, berichtet der 20-Jährige, der sich während des Freiwilligenjahres auch in der Interessenvertretung seines FSJ-Jahrgangs engagierte.

Wegweisend für die Berufswahl

Von der Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres erfuhr der ehemalige Schülersprecher durch die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz. Nachdem er sich online beim Kulturbüro Rheinland-Pfalz beworben hatte, wurde seine Bewerbung an verschiedene Einsatzstellen im Umkreis weitergeleitet. Im Januar vor den Abiturprüfungen folgte die Einladung zu zwei Vorstellungsgesprächen. „Da das Thema Medien in meinem Leben eine große Rolle spielt, schien die Stelle bei medien+bildung.com wie gemacht für mich, obwohl ich vorher noch nichts von dem Unternehmen oder der Medienanstalt Rheinland-Pfalz gehört hatte.“ Während des Bewerbungsgesprächs erhielt er durch eine ehemalige Freiwillige einen ersten Einblick in die Aufgaben, die auf ihn zukommen würden. Viele der PC-Programme aus dem Bereich Bild-, Video- und Audiobearbeitung hatte Leon Peters schon privat genutzt und sich gefreut, diese auch im Arbeitsalltag einsetzen zu können.

„Das FSJ hat mich in meiner Entwicklung enorm vorangebracht. Ich möchte auf jeden Fall weiter im Medienbereich arbeiten und habe mich auf verschiedene Studien- und Ausbildungsplätze beworben. Unter anderem als Mediengestalter Digital und Print und als Veranstaltungskaufmann im digitalen Bereich, da ich sehr gerne Dinge organisiere und plane.“

 

FAQ

Freiwilligendienste im Inland: Was muss ich beachten?

Wer sich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder ein Freiwilligenjahr in Deutschland entscheidet, hat viele Möglichkeiten. abi>> beantwortet gemeinsam mit Berufsberaterin Silvia Klausing von der Agentur für Arbeit Sangerhausen wichtige Fragen rund um die Vorbereitung.

Wie finde ich einen Freiwilligendienst?

Am besten informiert man sich online, welche Träger ein Freiwilliges Jahr anbieten und welche Aufgaben die Teilnehmer erwarten.

Habe ich während eines Freiwilligenjahres Anspruch auf Kindergeld?

Sofern man das Jahr bis zu seinem 25. Lebensjahr absolviert, läuft auch die Kindergeldzahlung weiter. Zusätzlich wird ein „Taschengeld“ gezahlt, das für BFD, FSJ und FÖJ derzeit bei maximal 402 Euro liegt. Wer das Freiwilligenjahr fernab der Heimat absolviert, benötigt zusätzlich eine Unterkunft. Manche Träger stellen diese oder helfen bei der Suche.

Wie muss ich mich währenddessen krankenversichern?

Im Freiwilligen Jahr und auch im Bundesfreiwilligendienst ist man automatisch in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichert und ist damit sowohl Mitglied in der Kranken- als auch in der Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Kann ein Studienplatz reserviert werden, wenn ich vorher die Zusage erhalten habe?

Das ist sehr unterschiedlich. Hat man zum Beispiel aufgrund einer Bewerbung über hochschulstart.de einen Studienplatz bzw. ein entsprechendes Angebot erhalten, so hat man das Recht, dieses Angebot zurückstellen zu lassen, um es nach der Ableistung des Dienstes wahrnehmen zu können. Einige Hochschulen, bei denen das örtliche Zulassungsverfahren gilt, geben auf der Homepage den Hinweis, dass das Angebot mit Überweisung des Semesterbeitrages angenommen werden muss, da es ansonsten verfällt. Dann ist nach Ableistung des Dienstes im nächsten Jahr eine erneute Bewerbung notwendig. In jedem Fall ist es ratsam, sich mit dem Immatrikulationsamt der Hochschule in Verbindung zu setzen und nachzufragen.

Wirkt sich das Freiwilligenjahr positiv auf die Studienbewerbung aus?

Einige Hochschulen setzen für Studiengänge im sozialen Bereich einschlägige Praktika voraus, die in der Regel zwischen acht und zwölf Wochen dauern. Praktisch: Mit einem Freiwilligenjahr hat man nicht nur das Praktikum erfüllt, sondern auch jede Menge Erfahrung gesammelt. Bei der anschließenden Studienbewerbung zeigt man damit, dass man sich bewusst für diese Richtung entschieden hat und weiß, worauf man sich einlässt. Je nach Art des Freiwilligenjahres absolviert man außerdem bestimmte Schulungen und Seminare und vertieft so sein Wissen im gewählten Bereich. Manche Hochschulen beziehen das Freiwilligenjahr deshalb sogar in die Auswahlkriterien der Hochschule ein. Das heißt, man hat bei der Bewerbung einen Vorteil, weil das Freiwilligenjahr honoriert wird – entweder mit einer Punktegewichtung oder in der direkten Verbesserung des Abi-Schnitts. Oft wird ein Freiwilligendienst als sogenanntes nachrangiges Kriterium herangezogen. Kommen beispielsweise zwei Bewerber für einen Platz in Frage, kann derjenige, der einen Freiwilligendienst absolviert hat, den Vorzug erhalten.

Kann man ein Freiwilliges Jahr auch in Teilzeit absolvieren?

Im Frühjahr 2019 trat das „Gesetz zur Einführung einer Teilzeitmöglichkeit in den Jugendfreiwilligendiensten sowie im Bundesfreiwilligendienst für Personen vor Vollendung des 27. Lebensjahres“ in Kraft, das auch jungen Menschen unter 27 Jahren die Ableistung eines Freiwilligendienstes in Teilzeit von mehr als 20 Stunden pro Woche ermöglicht. Damit sollen die Freiwilligendienste laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weiteren Zielgruppen zugänglich gemacht werden und insbesondere jungen Menschen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen aber auch mit erzieherischer oder pflegerischer Verpflichtung die Möglichkeit bieten, einen Freiwilligendienst zu leisten.


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Berufspraxis statt Lernstress

  • „Erlebnisse, die ich nie vergessen werde“

  • Freiwilligendienste im Inland: Was muss ich beachten?

  • Trainieren mit den Besten

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 20.06.2019