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Ist ein geisteswissen­schaftliches Studium heute noch sinnvoll?

Eine Studentin arbeitet im Vorlesungssaal.
Hochschulen erwarten in geisteswissenschaftlichen Studiengängen eine intensive Auseinandersetzung mit Detailfragen.
Foto: Susanne Erler

abi» Coaching

Ist ein geisteswissen­schaftliches Studium heute noch sinnvoll?

Wer ein Studium im Bereich Sprache und Kultur, in Geschichte, Philosophie oder Soziologie in Betracht zieht, stößt bei Familien und Freunden oft auf das Vorurteil, mit solchen Fächern sei die Arbeitslosigkeit vorprogrammiert. Aufgrund solcher Einwände und Klischees fragen sich daher viele: Ist ein geisteswissenschaftliches Studium sinnvoll? Und findet man damit einen Job?

Nadine:

Weil mir in der Schule die Fächer Deutsch, Sozialkunde und Geschichte gut gefallen, habe ich schon seit längerem überlegt, mich auch für ein Studium in diesem Bereich zu entscheiden. Allerdings habe ich Angst davor, später mal keinen Job zu bekommen oder nur sehr wenig zu verdienen. Außerdem frage ich mich, ob dieser Themenbereich wirklich zu mir passt.


Tim Frerichs, Agentur für Arbeit Brake

Liebe Nadine,

Angst vor Arbeitslosigkeit musst du nach dem Abschluss eines geisteswissenschaftlichen Studiums nicht haben. Die Arbeitslosigkeit von Absolventen geisteswissenschaftlicher Studienfächer ist mit etwa fünf Prozent sehr gering. Das heißt, das Klischee, dass Studierende der Geisteswissenschaft in den meisten Fällen keinen Job bekommen, ist erst einmal zu entkräften. Allerdings ist bei differenzierten Befragungen deutlich geworden, dass ein größerer Teil der Absolventen, anders als in anderen Studienfeldern, im späteren Beruf unterfordert ist. In der Rechtswissenschaft ist der Anteil der nicht angemessen Beschäftigten z. B. deutlich niedriger, weil die Studiengänge in diesem Bereich etwas karriereorientierter sind. Das Studium einer Geisteswissenschaft führt in der Regel nicht zu einem konkreten Beruf. Generell hat aber in den letzten Jahren etwa jeder fünfte Hochschulabsolvent eine Tätigkeit ausgeübt, für die er nicht hätte studieren müssen. Im Bereich der Geisteswissenschaften war dies jeder Dritte.
Der Gehaltsdurchschnitt von studierten Geisteswissenschaftlern liegt etwa 20 % unter dem durchschnittlichen Gehalt von Hochschulabsolventen. Das ist aber immer noch mehr als der Durchschnitt aller Arbeitnehmer.

Passt ein geisteswissenschaftliches Studium zu mir?

Ein Foto des Berufsberaters Tim Frerichs

Tim Frerichs

Foto: Privat

Für ein Studium im Bereich der Geisteswissenschaft braucht man auf jeden Fall ein intensives fachliches Interesse. Die Hochschulen erwarten, dass Studierende sich sehr genau mit einzelnen Detailfragen innerhalb des Wissenschaftsbereichs beschäftigen, Referate halten, Hausarbeiten schreiben und sich in verschiedene Themen einlesen. Dieses Interesse ist erstmal unabhängig davon, ob man später in den wissenschaftlichen Bereich möchte oder nicht. Zu einem gewissen Teil kann man sich an den entsprechenden Schulfächern orientieren. Diese sollten einen in der Schule begeistern und auch über das in den Unterrichtseinheiten Vorgegebene hinaus interessieren, so dass man gerne mehr dazu liest, erfährt und auch diskutiert.
Im Vergleich zu anderen Fächern muss man deutlich weniger Fachwissen erwerben, sondern eher in Zusammenhängen denken können, Wissen vernetzen und Dinge einordnen. Aus der Lektüre muss herausgefiltert werden, was wichtig ist und was nicht. Die Inhalte muss man strukturieren und aufbereiten und dann auch eine eigene Position entwickeln. Es geht nicht darum, Wissen anzuhäufen und in Klausuren abzurufen, sondern um das Lernen eigenständiger Recherche, das Ziehen von Schlussfolgerungen und deren Darstellung in verschiedenen Präsentationsformen. Die Abbrecherquoten sprechen dafür, dass so ein Studium nicht einfacher ist, als das anderer Fachbereiche; es werden eben einfach andere Kompetenzen gebraucht und abgefragt.

Masterstudium: ja oder nein?

Ob ein Bachelorstudium reicht, hängt auch davon ab, in welchen Bereich man später einmal gehen möchte. In den eher wissenschaftlich orientierten Berufsfeldern mit einer hohen fachlichen Nähe zum Studiengang haben Master und gegebenenfalls auch Promotion einen hohen Wert und sind oft schon Voraussetzung, um im beruflichen Leben Erfolg zu haben. Dies gilt beispielsweise für den Kultursektor (Museen, Verlage) oder den Bereich der Bildungseinrichtungen. Soll es in den Bereich Medien, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit gehen, etwa als Online-/Social-Media-Redakteur, ist grundsätzlich die Praxis viel wichtiger. In diesen Fällen kann ein Bachelor durchaus ausreichend sein. Wichtiger sind bereits vorhandene Kompetenzen, die man sich durch Praktika, eine Werkstudententätigkeit oder freie Mitarbeit angeeignet hat.Für einen erfolgreichen Berufseinstieg sollte man ein kommunikativer Mensch sein, der sich gerne mit anderen austauscht und vernetzt. Grundsätzlich sollte man eine aktive Persönlichkeit sein, die sich selbst Aufgaben zuordnen kann und Dinge in die Hand nimmt. Man muss sich den beruflichen Weg erarbeiten, darf sich nicht davon verunsichern lassen, dass es nicht den einen Arbeitsmarkt gibt, sondern sich sehr viele verschiedene Möglichkeiten auftun können. Wer das als Chance sieht, ist in den Geisteswissenschaften richtig.

Praktika und Zusatzqualifikationen

Parallel zum Studium sind Praktika sehr wichtig. Sie zeigen einem auf, in welche der vielen möglichen Richtungen man gehen möchte. So können Kontakte in der Branche geknüpft und für den Berufseinstieg aufgebaut werden. Ein Großteil der Absolventen arbeitet zum Beispiel im Medienbereich, in dem weniger das Fachwissen als die methodischen Fähigkeiten eine Rolle spielen. Generell sollte man im Studium wirtschaftliche Kenntnisse nicht aus den Augen verlieren, da sich heutzutage auch im Bereich Unternehmenskommunikation oder auch in der Unternehmensberatung Geistes- und Sozialwissenschaftler ansiedeln.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

In der Berufswelt Studium findest du interessante Berufsfelder für Absolventen der Geisteswissenschaft, z.B. „Sprache, Literatur, Kulturwissenschaft“ oder „Gesellschaft und Geschichte“.
www.berufsfeld-info.de/abi

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Geisteswissenschaft)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Selbsterkundungstool (Studium)

Testverfahren der Bundesagentur für Arbeit, das dir dabei hilft, deine Stärken und Interessen einzuschätzen und passende Studienfelder zu finden.
www.arbeitsagentur.de/selbsterkundungstool

Geisteswissenschaften – und dann?

Thema des Monats März 2019 auf studienwahl.de
www.studienwahl.de/themen-des-monats/geisteswissenschaften

abi>> 19.06.2019

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