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Medizin studieren

Ein überlaufendes Fass

Im Zuge meiner Famulatur arbeite ich nun eine Woche lang in der Notaufnahme. Ich hatte mir erhofft, dort noch einmal gründlich die neurologische Untersuchung zu üben und anzuwenden. Was ich allerdings dort erlebte, hatte mit einem guten Lernumfeld nichts zu tun.
Ab 8 Uhr, also Dienstbeginn, standen oder lagen die Patienten konstant auf dem Gang, da die Untersuchungszimmer vollständig belegt waren. Die diensthabenden Ärzte, egal ob Neurologen oder Internisten, mussten von Zimmer zu Zimmer rennen und die frisch eingetroffenen Patienten so schnell wie möglich abspeisen, um die schiere Flut an Menschen zu bewältigen. Für mich als Anfänger, der naturgemäß länger für Untersuchung, Anamnese und so weiter braucht, waren das denkbar schlechte Voraussetzungen. Letzten Endes war ich dazu verdammt, daneben zu stehen und zuzusehen, wie die Ärzte triagierten, also beurteilten, wie ernsthaft die Symptome eines Patienten sind und ihn dementsprechend priorisierten – je schwerer die Erkrankung, desto schneller der Therapiebeginn.
An dieser Stelle muss ich aber auch betonen, dass es dem Klinikpersonal sehr schwer gemacht wird, da rund 80 Prozent der Patienten in der NOTFALLaufnahme kein Notfall sind. Einer litt seit drei Wochen an Husten und hatte heute beschlossen, dass es ihm reiche. Ja, bei drei Wochen Husten muss man unter Umständen was unternehmen, aber für solche Fälle gibt es Hausärzte oder Lungenfachärzte. Ein Notfall ist man damit sicherlich nicht. Und natürlich nehme ich es ernst, wenn jemand seit drei Monaten Rückenschmerzen hat, die seit gestern etwas schlimmer als sonst sind. Doch es wäre deutlich sinnvoller gewesen, im Vorfeld einfach mal zum Hausarzt oder Orthopäden zu gehen, damit Notärzte dort zum Einsatz kommen, wo sie wirklich gebraucht werden.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 17, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 17, 2018

Medizin studieren

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Eine der Tätigkeiten, die ich als Famulant in der Neurologie regelmäßig zu erledigen hatte, war die Entnahme von Nervenwasser. Das ist die Flüssigkeit, die Hirn und Rückenmark umspült. Viele neurologische Erkrankungen äußern sich über die Zusammensetzung dieses Nervenwassers, in der Fachsprache Liquor genannt.
Doch wie gelangt man an dieses Nervenwasser? Die Antwort ist die erste Hürde, wenn man Patienten über die Untersuchung und ihren Sinn aufklärt. Während eine Blutentnahme für die Allermeisten Routine und leicht nachvollziehbar ist, schreckt die meisten die Vorstellung sehr ab, eine zehn Zentimeter lange Nadel „in den Rücken“ gestochen zu bekommen. Absolut verständlich, obwohl es, wie auch bei der Blutentnahme, wenige Risiken und selten Komplikationen gibt.
Diese Scheu vor der Untersuchung erlebe ich derzeit hautnah. Der Großteil der Patienten lässt das wenig bis mäßig schmerzhafte Unterfangen stoisch über sich ergehen und fragt allenfalls: „Haben Sie schon angefangen?“ Ein kleiner Prozentsatz springt allerdings schon beim Desinfizieren des Rückens (zugegeben, nicht so angenehm, da sich das Desinfektionsmittel sehr kalt anfühlt) panisch von der Bettkante. Wenn dann die lokale Betäubung gespritzt wird und das Finale mit dem Einbringen der tatsächlichen Punktionsnadel folgt, schnaufen diese Patienten, als ginge es um ihr Leben. Das wundert mich manchmal doch, da die Untersuchung objektiv kaum schmerzhaft ist. Manche Menschen empfinden es aber als reinste Folter. Das Schmerzempfinden ist eben zutiefst von der Psyche, vom Anspannungsgrad und zum Teil sogar von der Tageszeit abhängig.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 9, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 9, 2018

Medizin studieren

Neuro-Famulatur

Ihr habt vielleicht gemerkt, dass ich momentan im Krankenhaus abhänge und eine Famulatur absolviere. Ich mache dieses Praktikum in einer Nürnberger Neurologie. Wichtig ist mir, zu betonen, dass all die Dinge, die ich in Bezug auf „So will ich nicht werden“, „das läuft falsch bei Chefarztvisiten“ oder „falsche Kommunikation im Krankenhaus“ auf keinen Fall explizit auf dieses Praktikum beziehe. Das sind Erfahrungen, die ich in den vergangen fünf Jahren gezogen habe. Aber klar, auch bei meiner aktuellen Station läuft nicht alles rund. Das ist natürlich ganz normal, schließlich sind wir keine Roboter, sondern eben auch nur Menschen!
Bisher lerne ich ziemlich viel in dieser Famulatur, da ich bis zwei Tage vor meinem Start hier noch Neuro gelernt hatte – fachlich die beste Voraussetzung, das Praktikum zu nutzen. Es macht einfach Spaß, wenn ich bei fast jeder Frage zumindest einen groben Plan habe, was Diagnostik, Therapie-Prinzipien und Prognose angeht! So konnte ich die ersten zwei Wochen bisher sehr viel von dem, was ich vorher theoretisch für die Klausur gelernt hatte, praktisch sehen, anwenden und üben, sodass sich das definitiv festigt. Ich darf zudem relativ viel selbst machen, von körperlicher Untersuchung und Aufnahme neuer Patienten bis hin zu Nervenwasser-Entnahmen (Liquor-Punktionen), dem A und O der Neurologie neben der Bildgebung mittels Computertomographie und Kernspint.
Nächste Woche geht es für mich in die Notaufnahme. Darauf bin ich schon sehr gespannt. da das sicherlich noch mal etwas ganz anderes wird. Innerhalb kurzer Zeit muss ich Patienten triagieren, also sichten und priorisieren, sodass sie korrekt weiterdiagnostiziert werden können.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 3, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 3, 2018