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Medizin studieren

So will ich nicht werden

Nachdem ich nun schon einige Jahre lang Erfahrung im Krankenhaus sammeln konnte, mir einige Dinge ein, die ich später als Arzt machen beziehungsweise unterlassen möchte. Das hat bei mir nun dazu geführt, eine „So-will-ich-nicht-werden“-Liste zu erstellen.
Recht weit oben steht: Verfalle nicht in ein allzu ausgeprägtes Schubladendenken. Das heißt konkret, dass ich Patienten gleich welcher Erkrankung immer mit dem größtmöglichen Respekt behandeln möchte. Das klingt selbstverständlich, in der Praxis habe ich aber bereits festgestellt, dass Alkoholiker im Delir und mit Leberzirrhose, starke Raucher mit Lungenbeschwerden oder sehr fettleibige Menschen häufig weniger ernstgenommen werden und unter Umständen auch nachlässiger behandelt werden. Das kann sicherlich ganz menschliche Gründe haben. Wenn man etwa gerade viele Patienten hat und total am Rotieren ist, funkt das Unterbewusstsein sicher ab und zu dazwischen mit „Der ist doch selbst schuld, kümmer‘ dich mal lieber schnell um den dort!“.
Ein weiterer Punkt auf meiner Liste betrifft die Kommunikation mit den Patienten. Man darf nie vergessen: Der Patient ist krank und er wird behandelt, nicht seine Laborparameter, nicht sein Röntgenbild. Entsprechend verbietet es sich auch, in Anwesenheit des Patienten mit anderen Ärzten über ihn in dritter Person zu sprechen, als wäre er gar nicht da. Es ist nicht schwer, auch zu zweit im Raum das Zentrum der Behandlung, den Patienten, miteinzubeziehen.
Außerdem will ich nicht so viel monologisieren. Das ist etwas, was die Ärzteschaft durch die Bank gut kann: Erzählen, erzählen, erzählen. Dabei geht es weniger um die Interaktion mit dem Patienten, denn da werden oft viele Fragen gestellt. Aber ich habe den Eindruck, dass deshalb viele Ärzte auch außerhalb dieses Settings dazu neigen, keine Fragen mehr zu stellen, sondern einfach zu erzählen. Das macht gemeinsame Mittagspausen, obwohl sehr „gesprächig“, teilweise zu echt eintönigen Veranstaltungen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 27, 2018

Medizin studieren

Schubladen

Ich hatte mittlerweile häufig im Krankenhaus mit Patienten, Pflegekräften und Ärzten jeder Rangordnung zu tun. Dadurch wird für mich langsam klar, was ich später nicht machen will. Natürlich hat vermutlich jeder den Anspruch, ein bestmöglicher Arzt zu werden. Dieses Unterfangen ist aber stark davon abhängig, welche Art von Person man ist. Empathie kann man sich nicht einfach vornehmen, wenn man auf ein „Gestern ist meine Frau gestorben, heute rast mein Herz“ normalerweise mit „Das ist vermutlich psychogen, stellen Sie sich nicht so an, in zwei Wochen ist’s wieder besser“ reagiert hat. Klar, kann man an einer adäquateren Antwort arbeiten. Aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale lassen sich nicht so leicht in die Schranken weisen.
Was man aber auf jeden Fall tun kann, ist, im Lauf der eigenen Karriere auf bestimmte Dinge Acht zu geben. Zum Beispiel, den Patienten ernst zu nehmen. Das ist mir nämlich in meinen diversen Praktika sehr aufgefallen: Je älter und erfahrener der Arzt, desto häufiger projiziert er schlechte Erfahrungen auf ähnliche zukünftige Patienten und neigt dazu, diese schneller in eine Schublade zu stecken. Das vereinfacht die Arbeit enorm, wirft aber das Problem auf, dass man einem großen Anteil der Patienten Unrecht tut.
Selbstverständlich ist das aus meiner Perspektive ein sehr hehres, vermutlich naives Ziel, später niemals Patienten in eine Schublade zu stecken. Mir ist klar, dass dies in der einen oder anderen Situation passieren wird und ich vielleicht auch rational nicht anders handeln können werde – aber ich kann mir ja zumindest vornehmen, das nicht Überhand nehmen zu lassen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 18, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 18, 2018

Medizin studieren

Chefarztvisite

Chefärzte benehmen sich teilweise schon komisch. Verhalten einem Patienten gegenüber, welches man einem Assistenzarzt nie im Leben durchgehen ließe, scheint selbstverständlich zu sein. Da wäre beispielsweise die unangenehme Angewohnheit, nicht mehr mit dem Patienten zu sprechen, sondern mit der begleitenden Schar Ober- und Assistenzärzte ÜBER den Patienten zu reden – in dessen Beisein.
Mit „Glück“ bekommt man dann als mittelgradig verdutzter Patient eine dieser Chefarztvisiten mit. Man stelle sich vor, krank oder verletzt in der Klinik zu liegen und gegen zehn Uhr vormittags, wenn normalerweise der gewohnte Arzt zur Visite und Besprechung des weiteren Prozederes vorbeikommt, geht auf einmal die Tür auf und zehn komplett unbekannte Gesichter rauschen herein. Erst ganz hinten ist der bisher behandelnde Arzt auszumachen. Und dann beginnt einer der Ärzte – ganz vorne, meist ein bisschen älter als die anderen, oft nicht wirklich krankenhaustypisch gekleidet, also meist der Chefarzt –, mit dem zweitältesten Arzt – gemeinhin der Oberarzt – über einen zu sprechen. Ab und zu merkt der bisher behandelnde Arzt von hinten etwas an. Der Zwischenruf wird aber meist nicht merklich zur Kenntnis genommen. Als Patient wundert man sich vermutlich ziemlich, wie zehn Leute im Raum stehen und über einen sprechen können, aber oft kein Wort des Grußes oder des Abschieds verlieren. Entsprechend bedröppelt sind viele von ihnen auch, wenn man dann nach ein paar Minuten noch mal alleine zu ihnen kommt, um zu erklären, was da gerade passiert ist und wie es weitergehen wird.
Nichtsdestotrotz sind im Vorfeld alle immer ziemlich heiß auf diese sagenumwobenen Chefarztvisiten – Patienten wie Assistenzärzte.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 12, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 12, 2018