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Medizin studieren

Disziplin

Ohne Disziplin würde wohl kaum ein Mensch jemals einen Abschluss erlangen, Deadlines einhalten, sein Gewicht halten – oder eine Doktorarbeit schreiben. Ich bin eigentlich kein undisziplinierter Mensch, das würde mir sonst vermutlich auch schnell um die Ohren fliegen. Als Abiturient hätte ich jedenfalls jeden Medizinstudierenden, der für sich Faulheit oder Disziplinlosigkeit beansprucht, freiheraus ausgelacht. Doch ich gehöre zu denen, die hart an ihrer Disziplin arbeiten müssen: Ich mache mir schon Wochen im Voraus Lernpläne, denn sonst passiert es schnell, dass ich selbst kurz vor einer Prüfung einen ganzen Tag im Bett liege und Serien schaue. Die Menge an zu lernendem Stoff lähmt mich, sodass ich am Ende gar nichts erledige.
Deswegen habe ich mir schon früh angewöhnt jeden Tag durchzuplanen und genau festzulegen, was ich zu lernen habe. Oft variiere ich das, aber solange ich weiß, dass ich mich in zwei Tagen mit Psychopharmaka auseinandersetzen muss, mache ich das meist auch.
Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass ich in den Klausurphasen nicht sonderlich flexibel bin. Spontane Planänderungen haben nämlich gleich fundamentale Auswirkungen auf meinen bis zum letzten Tag vor der Klausur durchorganisierten Lernplan. Da ist wenig Raum für einen kurzen mittäglichen Abstecher in die Stadt oder auf den Markt.
Aber da das nur ungefähr zwei Monate im Jahr betrifft, kann ich ganz gut damit leben – auch wenn die Sehnsucht nach einem klausurenfreien Leben immer größer wird. Sind ja nur noch drei Jahre ...

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  19.02.2018

Medizin studieren

Dumm gelaufen

Manchmal ist Medizin einfach nur eklig. Das ist für die meisten Nicht-Mediziner wahrscheinlich keine herausragende Neuigkeit. Aber mich hat es neulich doch ziemlich überrascht, dass es noch so manches gibt, was mich nicht kalt lässt. Schließlich habe ich in den vergangenen Jahren vieles gesehen, was alles andere als schön war – ob nun eklig, einfach nur schrecklich oder auch mal lustig. Wenn man in der Notaufnahme ist oder ein Praktikum in der Unfallchirurgie macht, bekommt man so einiges mit.
In die Kategorie „dumm gelaufen“ passte nun im Rahmen unseres Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde-Praktikums der Fall einer Frau, die sich gerade mit einem Wattestäbchen das Ohr säuberte, als das Telefon klingelte. Im Eifer des Gefechts griff sie nach dem Hörer und vergaß dabei das Wattestäbchen im Ohr. Trommelfelle reißen auf viele Arten, in diesem Fall dürfte es aber ganz besonders schmerzhaft gewesen sein. Die Bilder, die uns davon gezeigt wurden, ließen selbst die Abgebrühtesten schwer schlucken. Da hinter dem Trommelfell eine Reihenschaltung an Gehörknöchelchen liegt, ist so eine Verletzung leider recht heikel und es gilt, einen Verlust des Hörvermögens zu verhindern. Ob das bei dieser Patientin geklappt hat, wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.02.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.02.2018

Medizin studieren

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Es gibt ja viele Bereiche in der Medizin, mit denen man als Laie keinen Kontakt hat, wenn man nicht unmittelbar betroffen ist. Wer weiß beispielsweise, dass es Fachärzte für Phoniatrie gibt, wenn man zum Beispiel als Kind eine Hörschwäche entwickelte und nun mit einem Cochlea-Implantat ausgestattet ist. Selbst ich als Medizinstudent wusste das bis vor wenigen Wochen nicht.
Oder aber man hat einfach keinen Kontakt zu bestimmten Disziplinen, obwohl man weiß, dass es diese gibt. So ging es mir bis vor Kurzem mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wir hatten nun ein Praktikum in dieser Fachabteilung und waren auf einmal mit einem zweijährigen Jungen konfrontiert, der außer Schokolade absolut nichts anderes essen wollte. Therapiemöglichkeiten wie Hungerversuche, die zunächst ziemlich martialisch klingen, aber tatsächlich etwas bringen können, waren schon gescheitert. Selbst nach 24 Stunden ohne Essen weigerte sich der Kleine, etwas anderes als Schokolade zu sich zu nehmen. Jetzt könnte man anbringen, dass es Schlimmeres gäbe und ein Krankenhausaufenthalt hier übertrieben sei. Aber schon im Hinblick auf gesunde Ernährung ist dieser Einwurf schnell entkräftet. Abgesehen davon kann man sich sicherlich vorstellen, wie belastend es für eine Familie werden kann, wenn sich ein Kind nicht nur gegen grünes Gemüse wehrt, sondern einfach grundsätzlich alles boykottiert, was nicht braun und zuckersüß ist.
Wie es im Fall dieses Kindes weitergeht, wird sich zeigen. Die Hoffnung, das ist das Schöne in der Kinderpsychiatrie, ist, dass sich das „auswächst“.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  08.02.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
08.02.2018