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Medizin studieren

Auszeit

Nach drei sehr turbulenten Wochen, die einem sehr unturbulenten Sommer gefolgt waren, hatte ich sehr schnell das Bedürfnis, ein Wochenende komplett abzuschalten. Ich wollte nicht mehr über Autos und Rechner oder meine Doktorarbeit nachdenken. Also entschloss ich mich, nach längerer Zeit mal wieder in die Heimat zu fahren, um Freunde und Familie zu besuchen.
Kaum angekommen, zeigte die Entscheidung Wirkung, denn innerhalb kürzester Zeit kehrte in mir wieder eine gewisse Ruhe, ja sogar Gleichgültigkeit ein. Ein Wochenende bekocht zu werden, nur über schöne Dinge nachzudenken und Gespräche mit Leuten zu führen, auf die man tatsächlich Lust hat, ist Gold wert. Ganz abgesehen davon, mal wieder in der Fränkischen Schweiz Klettern gehen zu können, ein Schäuferle zu essen und so lange zu schlafen, wie es das gute Gewissen eben zulässt …
Doch leider hat so eine Auszeit immer auch ein Ablaufdatum. Und so warf ich mich Sonntagabend wieder in den Zug zurück nach Münster, um die kommenden Aufgaben in Angriff zu nehmen: die Doktorarbeit vorantreiben und mit dem Schreiben anfangen, den verpassten Uni-Stoff nacharbeiten, mal wieder Sport treiben, das Verkaufen des Busses in die Wege leiten und mich letzten Endes mit dem Kauf eines neuen Laptops auseinandersetzen. Denn bei allem guten Willen, ohne eigenen Rechner schreibt sich eine Doktorarbeit verdammt schwer!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.01.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
12.01.2018

Medizin studieren

Murphy’s Law - 2

Gerade hatte ich mich damit abgefunden, einen großen Teil meines Winterurlaub-Budgets für einen neuen Rechner ausgeben zu müssen, da kam der Anruf aus der Autowerkstatt, wo mein Bus auf seine Hauptuntersuchung wartete.
Ausgegangen war ich von reiner Routine: Dienstag in die Werkstatt, Donnerstag mit neuem TÜV wieder vor meiner Haustür. Aber wenn alles schiefgeht, geht eben wirklich alles schief.
„Tolles Auto haben Sie da, echt guter Zustand, ABER es muss leider was gemacht werden, damit der die Plakette bekommt.“ Kostenpunkt: Faktor zehn der einkalkulierten Kosten. Puh. Das war heftig, nach dem Anruf wusste ich erstmal nicht weiter.
Hatte ich irgendetwas verbrochen? Oder warum entlud sich der offensichtliche Zorn irgendeines nicht direkt zugänglichen Wesens innerhalb von 24 Stunden dermaßen unvorbereitet über mein Haupt?
Bis jetzt bin ich nicht schlauer, ich weiß nur: So sehr einem das Herz in der Situation auch in die Hose rutschen mag, es wird auch wieder besser – früher oder später. Nach zwei Wochen konnte ich dann auch schon wieder sagen: Es waren „nur“ Computer und Auto, nicht Haus oder Familie. Geld ist weg, aber es ist eben auch nur Geld. Und so abgedroschen das klingen mag: Es ist nicht annähernd so wichtig, wie viele andere Dinge im Leben, die man eben nicht für Geld bekommt. Vielleicht hat mich der momentan fast tägliche Patientenkontakt in der Psychiatrie ein wenig demütig werden lassen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, im Gegensatz zu vielen von diesen vom Leben gebeutelten Patienten wirklich auf der schönen Seite des Lebens zu stehen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  04.01.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
04.01.2018

Medizin studieren

Murphy's Law - 1

Manchmal geht wirklich alles schief. Die Abbildungen für meine Doktorarbeit waren fertig korrigiert und ich hatte alle Änderungen eingearbeitet. Der Termin mit meinem Doktorvater war vereinbart für den kommenden Tag. Einzig für einen letzten Feinschliff setzte ich mich nochmal mit meinem Laptop in die Bib, bevor es in die Neuro-Pathologie-Vorlesung ging. Dort angekommen, glücklich, jetzt die Deadline mit einem guten Gefühl eingehalten zu haben, klappte ich meinen Rechner auf, um festzustellen, dass dieser augenscheinlich tot war. Der erste Gedanke war: FUCK, mein Laptop! Dann: FUCKFUCKFUCK, meine Daten für die Doktorarbeit!!!
Nach anfänglicher Panik beruhigte ich mich soweit, um zunächst alles Mögliche auszuprobieren, um den Rechner wieder zum Laufen zu bringen. Ich hatte ein vier Tage altes Backup, doch die ganze Arbeit an den Abbildungen dieser vier Tage wäre dahin – immerhin nur eine mittelgroße Katastrophe. Ich warf meine bisherige Tagesplanung über Bord und rannte in drei verschiedene Computerläden Die Niederschmetternde Antwort von allen drei Experten: Da kann man nichts mehr machen. Ich wollte das nicht akzeptieren, zu schwer schmerzte die Aussicht, in den kommenden 16 Stunden bis zur Deadline die Arbeit von vier Tagen auf einem geliehenen Rechner zu wiederholen. Also saß ich etliche Stunden bis in die Nacht vor meinem Schrotthaufen von Laptop und versuchte alles Mögliche, um die Daten zu sichern und das blöde Teil wieder zum Laufen zu bringen. Nachts um zwölf sah ich ein, dass das nicht mehr klappen würde und stellte mir den Wecker auf fünf Uhr früh.
Und dann begann die ganze Arbeit von Neuem. Gerade so rechtzeitig schaffte ich es, die Daten an meinen Doktorvater zu schicken. Sobald das erledigt war, realisierte ich, dass nun eine mittelgroße bis sehr große Investition auf mich zukommen würde.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  15.12.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
15.12.2017