Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Master live

Panik!

Ich bin müde. Das merke ich vor allem daran, dass ich nicht einmal mehr die Kraft habe, mich aufzuregen.
Gestern habe ich mein letztes Vorstellungsgespräch dieser Bewerbungsrunde hinter mich gebracht. Ich musste dreieinhalb Stunden lang einen Social-Media-Test absolvieren und eine Power Point Präsentation erstellen – und all das noch vor dem eigentlichen Gespräch! Da sich meine letzten Sorgen bezüglich der Uni inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst hatten, war es danach soweit: Ich war frei!
Am nächsten Tag rollte ich mich nach dem Aufwachen noch zwei Stunden genüsslich im Bett umher, bevor ich duschte, in der Wohnung für Ordnung sorgte und opulent frühstückte. Ich erledigte einige Dinge, kaufte mir zum Beispiel einen Küchenrollenhalter und eine Obstschale. Dann der Schock: Als ich später bei meiner Bank Bargeld ziehen wollte, stellte ich fest, dass meine EC-Karte weg war! Obwohl mein Kopf in höchster Alarmbereitschaft dröhnte, erinnerte ich mich daran, dass ich sie zuletzt beim Kauf der Obstschale gezückt hatte. Nach einem kurzen Anruf in der Filiale jedoch erneut Ernüchterung: Niemand hatte meine Karte gefunden. Da blieb mir nur, bei der Notfallhotline meiner Bank anzurufen und meine Karte sperren zu lassen.
Vor ein paar Tagen hätte ich vor lauter Panik wahrscheinlich bitterlich geweint. In den vergangenen Wochen habe ich so viele Tränen vergossen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich musste so viele Entscheidungen fällen und gleichzeitig so viele Enttäuschungen einstecken und Kompromisse eingehen – das hat mich mürbe gemacht. Ich verspüre nun nur noch diese tiefe Müdigkeit.
Höchste Zeit also für einen Tapetenwechsel: In zwei Tagen gehe ich mit meinem Papa auf Kreuzfahrt. Ich freue mich am meisten auf Ruhe, Gelassenheit und das Lesen von Büchern, die seit einem halben Jahr in meinem Bücherregal versauern. Ab und an plagen mich Gedanken daran, dass noch immer viel zu tun ist: Mein Freund muss bald umziehen, meine berufliche Zukunft ist noch nicht in trockenen Tüchern und mein Zimmer gleicht eher einer Müllhalde als einem neuen Zuhause. Trotzdem ist mir das alles gerade herzlich egal. Ich habe meinen Abschluss so gut wie in der Tasche, ich habe ein Dach über dem Kopf – der Rest wird sich schon irgendwie regeln.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  18.04.2018
Autor: Noelle
Rubrik: studium
18.04.2018

Master live

Meine Zeit im Kloster

Nachdem meine Ferienzeit zuhause viel zu schnell vorüberging, war ich einige Tage im Gästehaus des Klosters Arenberg bei Koblenz zu Gast. Die Begegnung mit den Dominikanerinnen und den Angestellten im Gästehaus war sehr bereichernd für mich. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit durfte ich während meines gesamten Aufenthalts genießen.
Die Reaktionen in meinem Umfeld auf meine Ankündigung, für drei Tage ins Kloster zu gehen, fielen allerdings sehr unterschiedlich aus. Einige bestärkten mich darin, andere begegneten mir mit Unverständnis. Was möchte ich denn dort? Meine Antwort: zur Ruhe kommen. Da mein Privatleben und auch die Uni in den vergangenen Monaten sehr stressig, geradezu überladen waren, hatte meine Achtsamkeitspraxis sehr gelitten. Schon bevor ich ins Kloster ging, hatte ich mich in Achtsamkeit geübt und meditiert, es war allerdings zunehmend im Alltag untergegangen.
Im Kloster konnte ich mich wieder auf meine „innere Mitte“ besinnen. Dazu beigetragen hat auch die Atmosphäre. Ich weiß nicht wieso, aber sakrale Bauten jedweder Religion üben auf mich immer eine sehr beruhigende Wirkung aus. Meine Tage in Arenberg bestanden überwiegend aus Lesen, Malen, Spaziergängen im Klostergarten, Meditation und die Einnahme der Mahlzeiten im kleinen Speisesaal. Dort wurde schweigend gegessen – eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich suchte die Einsamkeit und befasste mich vor allem mit mir selbst. Ich wollte innerlich zur Ruhe zu kommen und neues Vertrauen in meine Intuition schöpfen, die ich trotz akademischer Laufbahn wieder mehr in mein Leben integrieren möchte.

Master live

Transgender und Intersexualität

Als freie Journalistin habe ich schon über ganz verschiedene Themen berichtet – vom Strickwettbewerb über unsere Stadtentwicklung bis hin zu Zero Waste. Doch gerade erlebe ich zum ersten Mal, dass mir ein Thema richtig ans Herz geht. Für das Regionalmagazin, bei dem ich seit der ersten Ausgabe beschäftigt bin, schreibe ich momentan einen Artikel über Intersexualität und Transgender. Als meine Kollegin mich mit diesem Thema beauftragte, war ich sofort begeistert. Ich finde es spannend, wie sehr wir Menschen uns teilweise voneinander unterscheiden und wie wenig in den meisten Fällen darüber berichtet wird. In meinem Artikel sollte es um Menschen gehen, die sich im falschen Körper fühlen oder solche, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen.
Nachdem ich mich gründlich eingelesen und verschiedene Dokus geschaut habe, ist mir klar geworden, wie häufig das vorkommt. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge über 82.500 intersexuelle Menschen. Ich kann mir kaum vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten sie in unserer Gesellschaft täglich zu kämpfen haben. Männer- oder Frauentoilette? Muskelshirt oder Sommerkleid? Langes Haar oder Buzzcut? Wie kann es überhaupt sein, dass man sich immer und überall entscheiden muss, nur weil wir männlich und weiblich von Äußerlichkeiten abhängig machen?
Durch meine Recherche ist mir klar geworden, dass ich froh sein kann, mit meiner angeborenen biologischen Identität gefühlsmäßig übereinzustimmen und zufrieden zu sein. Es machte mich traurig, zu erfahren, welch große Ablehnung manche gegenüber ihrem äußeren Ich empfinden. Und noch viel trauriger macht mich die Tatsache, dass manche die Existenz solcher Menschen einfach verleugnen. Meine Freundin und Mitbewohnerin beispielsweise meinte letztens, dass sie Gender Studies schwachsinnig fände, weil es nun einmal nur Männlein und Weiblein und nichts dazwischen gebe. Mir dagegen ist es sehr wichtig, jedem Menschen ohne Vorurteile zu begegnen und nicht bloß in Schwarz-Weiß-Mustern zu denken.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  09.04.2018
Autor: Noelle
Rubrik: studium
09.04.2018