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Was tun nach dem Abi?

Besuch in Alicante

Während meines Praktikums in Madrid verschlug es mich auch mal für einen Tag in meine ehemalige „Heimat“ Alicante. Meine Kollegin wurde zu einer Pressereise in die Stadt am Meer eingeladen und nahm mich als Fotograf mit. Wir fuhren zum Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Dort können Firmen und Privatpersonen Marken und Designs für die Verwendung in der ganzen EU eintragen lassen. Von der PR-Agentur bekamen wir die Tickets nach Alicante und waren mit dem spanischen Schnellzug in zweieinhalb Stunden vor Ort. In der EU-Behörde begrüßten uns mehrere Pressesprecher und führten uns durch das Gebäude, das direkt am Meer liegt. Der ganze Tag war mit kurzen Interviews bei verschiedenen Verantwortlichen gefüllt. Zu Beginn erhielten wir so viele Broschüren, dass wir regelrecht von Informationen überflutet wurden. Auffällig war, dass fast jede Information von einem verantwortlichen Pressesprecher überprüft werden musste. Mittags aßen wir zusammen in der Kantine, wo wir Fragen „off-the-record“ stellen durften. Das heißt, dass zwar auf die Fragen geantwortet wird, aber später nicht die jeweilige Person zitiert werden darf. Auf dem Heimweg nach Madrid fingen wir bereits im Zug mit dem Schreiben des Artikels an. Ich fragte bei der Lokalzeitung in Deutschland nach, bei der ich zuvor gearbeitet hatte, ob sie auch an dem Artikel interessiert wären. Sie waren sich nicht sicher, ob das Thema auch lokal relevant sei und boten sie mir an, meinen Artikel erst zu lesen und dann zu entscheiden, ob sie ihn entgeltlich veröffentlichen wollen. Allerdings wollten sie den Artikel im Endeffekt nicht. Die deutsche Zeitung in Spanien, bei der ich zuvor ein Praktikum machte, veröffentlichte den Artikel aber unentgeltlich. Gefreut habe ich mich, dass meine Bilder im Artikel meiner Kollegin für die Deutsche Welle veröffentlicht wurden. Außerdem schrieb ich noch für den Blog einen spanischen Artikel.

Was tun nach dem Abi?

Busfahrt auf dem Dach

Weil wir für den nächsten Tag einen Ausflug geplant hatten, übernachtete ich mit anderen Volontären im Shanti-Center. Am Morgen krähte uns ein Hahn pünktlich um 4 Uhr aus den Federn. Unten im Hof trieben sich bereits einige Leute herum und beluden in der Dunkelheit einen alten Reisebus mit Kochtöpfen, haufenweise Essen und einem riesigen Lautsprecher. Um 5.30 Uhr – eine Stunde später als geplant – brach der Bus auf. 100 Leute drängten sich auf knapp 30 Sitzen oder suchten Platz im schmalen Gang. Ich quetschte mich auf eine Armlehne und betete, dass sie meinem Gewicht standhielt.
Die Reise ging zu einem Stausee 25 Kilometer südwestlich von Kathmandu, wo wir ein Picknick veranstalteten. Für diese kurze Distanz brauchten wir tatsächlich ganze vier Stunden! Während der Fahrt setzte ich mich für einige Zeit mit anderen Jungs auf das Dach des Busses. Im Schritttempo fuhren wir auf holprigen Straßen an einem steilen Hang entlang durch ein Tal. Jedes Schlagloch versetzte den rostigen Bus in eine beängstigende Schräglage. Ich klammerte mich an die Dachreling des Busses und die festgezurrten Rollstühle fest.
Nicht nur wegen des einmaligen Nervenkitzels auf dem Dach lohnte sich die lange Fahrt. Der klare Stausee lag malerisch eingebettet zwischen mehreren Hügeln. Alle liefen zum See, um sich auf Fischerbooten und Felsvorsprüngen fotografieren zu lassen. Nach der langen Busfahrt waren wir alle ziemlich hungrig – da kam das frisch zubereitete Essen gerade recht. Danach wurde getanzt. Aus dem XXL-Lautsprecher dröhnte ein Nepali-Hit nach dem anderen. Zwischendurch wünschte ich mir, die Musik abschalten und die Idylle des Sees genießen zu können, doch für viele Leute gehörte das laute Dröhnen zur Picknickatmosphäre einfach dazu. Am Nachmittag machte sich Müdigkeit breit. Kurz nachdem die Sonne hinter den Hügeln verschwunden war, fingen wir mit dem Beladen des Busses an. Seltsamerweise dauerte die Heimfahrt deutlich weniger lange und wir kamen unerwartet früh in Kathmandu an. Es stellte sich heraus, dass wir am Morgen einen riesigen Umweg gefahren waren.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 13, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Mar 13, 2019

Was tun nach dem Abi?

Nebenjobs

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit – zumindest an drei Tagen pro Woche. Da ich für mein Praktikum lediglich das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel bezahlt bekomme, bin ich größtenteils auf die Unterstützung meiner Eltern angewiesen. Da sie aber nicht die kompletten Kosten für Miete und Verpflegung übernehmen können, habe ich mich schon in Deutschland nach Möglichkeiten umgeschaut, um selbst etwas Geld dazu zu verdienen. Auf einer Online-Plattform veröffentlichte ich mehrere Anzeigen als Nachhilfelehrer für Deutsch aber auch für Französisch und Englisch. Nach kurzer Zeit erreichten mich die ersten Nachrichten. Deutsch-Nachhilfe war besonders nachgefragt. Schon in der zweiten Woche half ich einem 40-jährigen Mann, der schon sehr gut Deutsch konnte. Ich musste lediglich Kleinigkeiten wie die Kommaregeln oder die Groß-und Kleinschreibung mit ihm besprechen. Allerdings brauche ich für die Hin- und Rückfahrt zu diesem eineinhalbstündigen Unterricht insgesamt drei Stunden, weshalb wir uns darauf einigten, dass er mir ein bisschen mehr bezahlt. Daneben habe ich einen Job in einer Sprachschule für einen Abend in der Woche bekommen. Dort gebe ich zwei Schülern im Alter von 13 Jahren Deutschunterricht. Da die beiden noch ganz am Anfang stehen, ist dieser Unterricht viel schwieriger für mich. Das Buch, das wir benutzen, ist eigentlich für Erwachsene gedacht. Deshalb lernen wir in der zweiten Lektion zum Beispiel die Wörter Spüle, Waschmaschine, Herd und ledig. Dabei bin ich mir unsicher, ob die Kinder dieses Vokabular so schnell brauchen werden. Trotzdem versuche ich, den Kindern Spaß am Deutschlernen zu vermitteln. Das Beste daran ist: Manchmal schaffe ich es, mit meinen Einnahmen sogar die komplette Miete zu bezahlen.

Autor: Tobias  |  Rubrik: orientieren  |  Feb 27, 2019