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Was tun nach dem Abi?

Kriegszustände

Holi – das hinduistische Festival der Farben. Um 10 Uhr versammelten wir Freiwilligen uns gemeinsam mit der Gastfamilie auf der Dachterrasse des Volontärheims. Kleine Päckchen mit Pulver in verschiedenen Farben lagen bereit. Alle trugen weiße T-Shirts, die allerdings nicht mehr lange im Sonnenlicht glänzen würden. Und dann ging es los: Die Päckchen wurden aufgerissen und jeder ging auf jeden los – mit einer Handvoll Farbe. Das Ziel: die Farbe im Gesicht und auf dem T-Shirt zu verteilen.
Die Farbe ist nur der eine Teil. Aus einem kleinen Becken auf dem Dach schöpfte mein Gastbruder mit einem Eimer Wasser und leerte ihn über unseren Köpfen aus. Nach der Farb- war nun auch die Wasserschlacht eröffnet. Niemand blieb trocken oder ohne Farbe. Die nasse Farbe verteilte sich im Gesicht wie Kriegsbemalung. Auf den T-Shirts landeten bunte Handabdrücke. Vom Nachbarsdach flogen Wasserbomben zu uns rüber. Eine Stunde lang lieferten wir uns die Schlacht unseres Lebens, bevor die Erschöpfung uns einholte.
Das Programm war damit aber noch lange nicht vorbei, denn nach einer kurzen Pause brachen wir auf in Richtung Shanti-Center. Auf der Straße begegneten wir feiernden Nepalesen. Im Vorbeigehen riefen wir uns „Happy Holi“ zu und jedes Gesicht bekam mit Schmackes einen Farbwischer ab. Dieses unbekümmerte Feiern mit fremden Menschen auf der Straße war mir völlig neu. Klar, es gibt auch in Deutschland Straßenfeste oder Festivals, aber irgendwie ist die Barriere zu anderen, fremden Leuten größer. Der zwischenmenschliche Umgang hier in Nepal gefällt mir. Auf die Leute, die nicht mitfeierten, wurde dabei trotzdem Rücksicht genommen – man ließ sie in Ruhe weiterlaufen.
Im Shanti-Center wurden wir ebenfalls nicht verschont – eine Wasserbombe traf mich voll am Ohr, woraufhin ich erstmal nichts außer ein lautes Piepen hörte. Aber kurz danach ging es weiter und die Kinder bekamen die volle Ladung zurück.
Am Ende des Tages war nicht nur ich, sondern ganz Kathmandu in Farbe getaucht – eine besondere Abwechslung. Denn ansonsten erscheint die Stadt durch Staub und Smog grau und trüb.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  21.03.2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
21.03.2019

Was tun nach dem Abi?

Besuch in Alicante

Während meines Praktikums in Madrid verschlug es mich auch mal für einen Tag in meine ehemalige „Heimat“ Alicante. Meine Kollegin wurde zu einer Pressereise in die Stadt am Meer eingeladen und nahm mich als Fotograf mit. Wir fuhren zum Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Dort können Firmen und Privatpersonen Marken und Designs für die Verwendung in der ganzen EU eintragen lassen. Von der PR-Agentur bekamen wir die Tickets nach Alicante und waren mit dem spanischen Schnellzug in zweieinhalb Stunden vor Ort. In der EU-Behörde begrüßten uns mehrere Pressesprecher und führten uns durch das Gebäude, das direkt am Meer liegt. Der ganze Tag war mit kurzen Interviews bei verschiedenen Verantwortlichen gefüllt. Zu Beginn erhielten wir so viele Broschüren, dass wir regelrecht von Informationen überflutet wurden. Auffällig war, dass fast jede Information von einem verantwortlichen Pressesprecher überprüft werden musste. Mittags aßen wir zusammen in der Kantine, wo wir Fragen „off-the-record“ stellen durften. Das heißt, dass zwar auf die Fragen geantwortet wird, aber später nicht die jeweilige Person zitiert werden darf. Auf dem Heimweg nach Madrid fingen wir bereits im Zug mit dem Schreiben des Artikels an. Ich fragte bei der Lokalzeitung in Deutschland nach, bei der ich zuvor gearbeitet hatte, ob sie auch an dem Artikel interessiert wären. Sie waren sich nicht sicher, ob das Thema auch lokal relevant sei und boten sie mir an, meinen Artikel erst zu lesen und dann zu entscheiden, ob sie ihn entgeltlich veröffentlichen wollen. Allerdings wollten sie den Artikel im Endeffekt nicht. Die deutsche Zeitung in Spanien, bei der ich zuvor ein Praktikum machte, veröffentlichte den Artikel aber unentgeltlich. Gefreut habe ich mich, dass meine Bilder im Artikel meiner Kollegin für die Deutsche Welle veröffentlicht wurden. Außerdem schrieb ich noch für den Blog einen spanischen Artikel.

Was tun nach dem Abi?

Busfahrt auf dem Dach

Weil wir für den nächsten Tag einen Ausflug geplant hatten, übernachtete ich mit anderen Volontären im Shanti-Center. Am Morgen krähte uns ein Hahn pünktlich um 4 Uhr aus den Federn. Unten im Hof trieben sich bereits einige Leute herum und beluden in der Dunkelheit einen alten Reisebus mit Kochtöpfen, haufenweise Essen und einem riesigen Lautsprecher. Um 5.30 Uhr – eine Stunde später als geplant – brach der Bus auf. 100 Leute drängten sich auf knapp 30 Sitzen oder suchten Platz im schmalen Gang. Ich quetschte mich auf eine Armlehne und betete, dass sie meinem Gewicht standhielt.
Die Reise ging zu einem Stausee 25 Kilometer südwestlich von Kathmandu, wo wir ein Picknick veranstalteten. Für diese kurze Distanz brauchten wir tatsächlich ganze vier Stunden! Während der Fahrt setzte ich mich für einige Zeit mit anderen Jungs auf das Dach des Busses. Im Schritttempo fuhren wir auf holprigen Straßen an einem steilen Hang entlang durch ein Tal. Jedes Schlagloch versetzte den rostigen Bus in eine beängstigende Schräglage. Ich klammerte mich an die Dachreling des Busses und die festgezurrten Rollstühle fest.
Nicht nur wegen des einmaligen Nervenkitzels auf dem Dach lohnte sich die lange Fahrt. Der klare Stausee lag malerisch eingebettet zwischen mehreren Hügeln. Alle liefen zum See, um sich auf Fischerbooten und Felsvorsprüngen fotografieren zu lassen. Nach der langen Busfahrt waren wir alle ziemlich hungrig – da kam das frisch zubereitete Essen gerade recht. Danach wurde getanzt. Aus dem XXL-Lautsprecher dröhnte ein Nepali-Hit nach dem anderen. Zwischendurch wünschte ich mir, die Musik abschalten und die Idylle des Sees genießen zu können, doch für viele Leute gehörte das laute Dröhnen zur Picknickatmosphäre einfach dazu. Am Nachmittag machte sich Müdigkeit breit. Kurz nachdem die Sonne hinter den Hügeln verschwunden war, fingen wir mit dem Beladen des Busses an. Seltsamerweise dauerte die Heimfahrt deutlich weniger lange und wir kamen unerwartet früh in Kathmandu an. Es stellte sich heraus, dass wir am Morgen einen riesigen Umweg gefahren waren.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  13.03.2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
13.03.2019