Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei studieren?

Das dritte Problem

All die Bücher, die ich zur Vor- bzw. Nachbereitung oder für Referate und Hausarbeiten lese, muss ich, wie berichtet, vorher einscannen. Aber nicht nur das kostet mich Zeit, sondern vor allem auch das Laufen von Bibliothek zu Bibliothek. „Welches Buch suchen Sie? Nein, das gibt es bei uns nicht." - „Das ist leider schon entliehen." - „Ja, das haben wir hier, aber Sie dürfen es nicht mitnehmen." Ohne Zweifel das größte Problem!

Dass ein Buch nicht vorhanden oder bereits entliehen ist, trifft jeden. Aber wenn ich es nicht ausleihen darf, kann ich es folglich auch nicht einscannen und letztlich nicht lesen. Also muss ich einen Weg finden, die Bibliotheksmitarbeiter milde zu stimmen. Diese verstehen natürlich mein Argument, dass ich selbst nicht lesen kann; und wer hätte schon Zeit und Lust, mir seitenweise vorzulesen? Wenn ich aber versuche ihnen zu erklären, dass Kopien für mich eher ungünstig sind, wird es manchmal schon schwierig. Jede Kopie bedeutet eine zusätzliche Qualitätsverschlechterung und bedeutet, dass mein Scanner weniger erkennt oder anders gesagt, dass ich nach dem Scannen entsprechend länger mit einem Sehenden Korrektur lesen muss, bevor ich mich mit dem Inhalt auseinandersetzen kann. Aber nicht jeder Bibliotheksangestellter schafft es, das nachzuvollziehen. Oder aber es will nicht jeder von ihnen Verständnis dafür aufbringen, denn das würde bedeuten, am Ende vielleicht doch gegen die Vorschriften verstoßen und mir das Buch mit nach Hause geben zu müssen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 1, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 1, 2008

Barrierefrei studieren?

Nichts als blind

Kann man Blinde ansprechen? Darf man mit ihnen reden?

Gegenfrage: Warum nicht?

Viele Studierende sind bei dieser Frage verunsichert und das nicht nur, weil sie bisher noch keine Erfahrungen mit Blinden gesammelt haben. Da die meisten auf ein Gespräch mit mir verzichten, kann ich ihr Schweigen bloß bedingt begründen. Aber spricht nicht schon die Tatsache für sich, dass nur wenige etwas zu mir sagen? Ok, ich bin da kaum anders. Aber mir bliebe dann oft nur die Möglichkeit mich in eine Unterhaltung einzumischen; unhöflich, aber unvermeidbar, denn woher sollte ich wissen, dass sich außer mir auch jemand anderes im Raum befindet, solange man dessen Anwesenheit weder hört noch riecht?

Natürlich ist diese Darstellung überspitzt und zudem sehr einseitig. Fest steht allerdings, dass meine Kommilitonen mich nicht einschätzen können, was ich den seltenen Gesprächen entnehme, die erstaunlich sind und mich zugleich auf Dinge aufmerksam machen, an die ich nie gedacht hätte. So grüßen sie mich nicht, wenn sie mich irgendwo sehen, weil sie befürchten mich damit zu erschrecken. Sie kommen nicht auf mich zu, weil ich ja ihre Blicke nicht erwidere, die helfen würden mich einzuschätzen. Außerdem wollen sie nichts falsches sagen oder tun, womit sie mich bzgl. meiner Behinderung verletzten könnten wie mit: „Hast du das gesehen?"

Es gibt keinen Grund solche Worte zu umgehen. Erstens sehe ich auf andere Weise und wünsche mir zweitens, dass sich jeder im Umgang mit mir völlig ungezwungen und normal verhält.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 29, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 29, 2008

Barrierefrei studieren?

50 Prozent

Natürlich kann man nicht von der Hälfte unzuverlässiger Kommilitonen auf den Rest schließen, aber alles in allem komme ich immer wieder bei diesem Wert an, wenn ich mich frage, inwiefern sie mich als Blinde aufnehmen. Neue Freundschaften habe ich seit Studienbeginn - und der liegt nun auch schon über ein Jahr zurück - noch nicht geschlossen, aber ich bin zumindest dahingegehend ganz gut integriert, dass ich mich nicht ausgegrenzt fühlen muss. Ich verstehe mich mit mehreren immerhin so gut, dass wir ab und zu gemeinsam zu Mittag essen oder auch einmal zusammen einkaufen, ins Kino oder am Abend in die Kneipe gehen. Ein Mädchen, das im Wohnheim neben mir wohnt, begleite ich von Zeit zu Zeit zu einem Spaziergang. Mit einem anderen will ich beispielsweise ins Fitnessstudio fahren und mit einem dritten bin ich zum Kaffeetrinken verabredet. Was alles an sich nichts Besonderes ist, worüber ich mich aber trotzdem jedes Mal aufs Neue freue.

Dem gegenüber lässt sich grundlegend feststellen, dass ich nicht mehr auf die anderen zugehe, als sie auf mich. Denn das ist für keinen von uns so einfach. Ich habe bereits in meiner Schulzeit schlechte Erfahrungen mit den sehenden Klassenkameraden gemacht und bin auch im Studentenleben nicht nur einmal enttäuscht worden, weshalb ich mich nun eher zurückziehe und vorsichtig verhalte. Währenddessen kenne ich nur in einem Fall die Gründe dafür, dass die Kommilitonin mich nicht von sich aus angesprochen hat; und darüber werde ich nächste Woche berichten.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 24, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 24, 2008