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Barrierefrei studieren?

Der Weg führt ans Ziel (Teil 2)

Leichter ist es für mich, wenn ich mit anderen abstimme, dass sie mich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort abholen, zu dem ich sicher finden kann, und wir von dort aus gemeinsam zur Kneipe weitergehen. Aber immerzu jemandem zur Last zu fallen, immerzu auf jemanden angewiesen zu sein, ist auch kein schönes Gefühl. Zumal ich dann ja auch wieder Hilfe brauche, um zurück zu finden, weshalb ich - übertrieben formuliert - nicht einfach heimgehen kann, wann ich möchte.

Vor ein paar Wochen kam ich mit einem Dozenten darüber ins Gespräch, wie sich das Leben für einen Blinden eigentlich so gestaltet. Er wollte zum Beispiel erfahren, wie ich mir neue Wege erschließe und wie lange es dauert, sie gut kennen zu lernen. Und dann schlug er mir vor, dass ich mich doch mit Hilfe eines Navigationssystems orientieren könnte. Beinahe hätte ich aufgelacht. Welches Navigationssystem ist in seinen Angaben schon so präzise, dass ich den Weg ohne größere Schwierigkeiten finden und mein Ziel direkt ansteuern kann? Erfahrungen, die ich bisher mit solchen Systemen sammeln durfte, haben mir deutlich gezeigt, dass diese oftmals verwirrter sind als ein Blinder, der die Gegend nicht kennt.

Dennoch wäre so ein Navigationssystem eine große Erleichterung. Und so staunte ich nicht schlecht, als ich nur Tage später einen Blinden kennen lernte, der eines besitzt, das die gewünschten Voraussetzungen optimal erfüllt. Damit könnte ich dann auch viel besser „einfach nur so" spazieren gehen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 22, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 22, 2009

Barrierefrei studieren?

Der Weg führt ans Ziel (Teil 1)

Dass ich mich in überfüllten, stickigen Kneipen unwohl fühle, ist nicht der einzige Grund dafür, dass ich nur selten an irgendwelchen Bar-Abenden teilnehme. Ein anderes, nicht unbedeutendes Problem verursacht meine - ich will mal sagen - Orientierungslosigkeit.

Über das Mobilitätstraining habe ich ja schon in einigen meiner Blogs berichtet. Wenn ich nun eine Einladung zu einem Kneipenabend bekomme, weiß ich in den meisten Fällen nicht, wo sich die jeweilige Bar überhaupt befindet. Ich kenne sie einfach nicht und oftmals sind mir auch die Straßen, in denen ich sie suchen müsste, unbekannt. Ich muss mir dann meine Augen ersetzen lassen. Oder anders gesagt: Ich muss vorher einen Sehenden um eine Wegbeschreibung bitten. Je detaillierter diese ausfällt, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich am Ziel ankomme, ohne mich zuvor x-Mal verlaufen zu haben. Wobei immer auch die Gefahr besteht, dass ich mich komplett verirre und dann ewig brauche, bis ich entweder doch zum Treffpunkt oder wenigstens zurück nach Hause finde. Sicherer als eine detaillierte Wegbeschreibung wäre, den Weg vorher ein- oder zweimal mit einem Sehenden abzugehen.

Aber ist ein einfacher Kneipenabend diese Mühe wirklich Wert? Immer wieder, wenn ich bei einem solchen dabei bin, frage ich mich hinterher, wieso ich nun eigentlich dort war. Sicher, manchmal ist so ein Abend lustig. Aber immer wieder habe ich - was die Gesprächsthemen betrifft - einfach nur den Eindruck, im falschen Film zu sein.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 19, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 19, 2009

Barrierefrei studieren?

Eine einzige, große Party

Ich bin nicht der Typ, der in Diskotheken geht und dort dann tanzt und trinkt, bis der Morgen graut. Und das hängt sicherlich auch mit meiner Sehbehinderung zusammen. Denn ich habe noch einen kleinen Sehrest, sodass es für mich durchaus einen Unterschied macht, ob es draußen gerade Tag oder Nacht, ob es in einem Zimmer hell oder dunkel ist. Wenn es dunkel ist oder der Raum nur von flackerndem Licht erhellt wird wie in einer Diskothek, fällt es mir viel schwerer, mich zu orientieren. Wird obendrein dröhnende Musik gespielt - so laut, dass man jemanden anschreien muss, um ihn zu verstehen, obwohl er neben einem steht - verliere ich vollkommen den Überblick. Auch tragen die Menschenmassen und das Gedränge dazu bei, dass es für mich dann schnell unübersichtlich wird und ich mich unwohl fühle.

Das alles hat nichts mit meinem Leben als Studentin zu tun? Hat es doch! Viele Studenten feiern mehr, als dass sie studieren. Dass ich mich an Orten, wie ich sie gerade beschrieben habe, nicht wohl fühle, ist ein Grund dafür, weshalb ich mich von derartigen Festen eher fern halte.

Jetzt könnte man einwenden: Wenn ich mich so zurückziehe, ist es kein Wunder, dass ich kaum mit den anderen Studenten zu tun habe. Und sicherlich stimmt das auch. Mein defensives Verhalten trägt dazu bei, dass mir letztlich jede Menge Zeit für mich selbst bleibt. Aber diese Wahl treffe ich ganz bewusst. Wieso sollte ich auch zu solchen Partys gehen, wenn sie mir im Grunde genommen keinen Spaß machen?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 16, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 16, 2009