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Barrierfrei studieren?

Losgelöst

Im Großen und Ganzen schaffe ich es, mich in der Uni zu orientieren. Aber wie ist das bei Exkursionen? Sobald ich in eine Umgebung komme, die ich nicht kenne, bin ich auf Hilfe angewiesen. Mich in einer fremden Stadt alleine zurechtzufinden, wäre zwar irgendwie auch möglich, aber das würde, z.B. wenn ich mich immer weiter durchfragen müsste, viel zu lange dauern.

Ich habe eine Woche mit Kommilitonen in Stuttgart verbracht, wo wir verschiedene Verlage besuchten. Dozenten waren keine dabei und ich kannte niemanden aus der Gruppe. Eine solche Situation verunsichert mich jedes Mal aufs Neue. Aber wer nicht wagt, verliert. Und in diesem Fall habe ich gewonnen. Es war eine tolle Reise. Die anderen behielten mich immer gut im Auge. Ich hätte mir also keine Gedanken machen müssen. Nachdem wir aber von der Exkursion zurückgekehrt waren, veränderte sich das Bild wieder. Es schien beinahe, als hätte es die Woche in Stuttgart nie gegeben.

Mit einem Mädchen, das dabei war, hatte ich mich währenddessen sehr gut verstanden. Sie hatte sich auch viel um mich gekümmert, aber es kam mir nie so vor, als würde sie das deswegen tun, weil es ja getan werden musste. Dennoch hat sie mich seitdem nie mehr in der Uni angesprochen. Und dass sie mich dort nicht ein einziges Mal gesehen hat, kann ich mir nicht vorstellen. Solche Erfahrungen sind bitter. Und sie stellen mich vor der nächsten Exkursion sicherlich wieder vor die Frage, ob ich nicht besser zu Hause bleibe.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jul 15, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jul 15, 2008

Barrierefrei studieren?

Nicht sehen können - nicht gesehen werden

Natürlich war mein letzter Beitrag sehr dramatisch formuliert. Und natürlich kann, was ich dort dargestellt habe, nicht der einzige Grund dafür sein, dass Behinderte oft alleine bleiben. Aber ich denke, dass ich weiß, wovon ich spreche. Denn ich befinde mich nicht nur an der Uni in der Mitte von Sehenden, ich war es auch schon während meiner Gymnasialzeit. Neun Jahre lang erlebte ich viel Frustrierendes. Danach hoffte ich, dass die anderen mit zunehmendem Alter auch reifer werden; glücklicherweise ist es die Hoffnung, die zuletzt stirbt!

Vor Kurzem gingen wir im Rahmen einer Geschichte-Übung in die Universitätsbibliothek (UB), um uns vor Ort anzuschauen, welche Möglichkeiten uns zur Literatursuche zur Verfügung stehen. Da ich diese ohnehin nicht selbstständig betreiben kann, kenne ich mich in der UB nicht aus. Was bedeutet, dass ich geführt werden müsste. Und das wirft wiederum die Frage auf, wer diese Aufgabe übernimmt.

Ich bat meine Kommilitonen nicht um Hilfe. Denn ich vertraute darauf, dass sie mich von sich aus mitnehmen würden. Schließlich hatten sie mich bereits in der Übung gesehen und wussten, wer ich war. Außerdem glaubte ich, es sei keine große Sache mich anzusprechen oder einfach unterzuhaken.

Die Wahrheit ist aber, dass der Dozent nicht nur den Kurs durch die Bibliothek führte, sondern gleichzeitig ein Auge darauf hatte, dass auch ich den Weg gut fand und ihnen sicher folgte. Keiner der Kommilitonen beachtete mich.

Und da soll ich nicht enttäuscht und verärgert sein?

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jul 7, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jul 7, 2008

Barrierefrei studieren?

Die Last, einen Blinden zu kennen

Wie oft haben Kommilitonen schon zu mir gesagt, sie würden einmal mit mir einen Kaffee trinken oder ein Eis essen gehen und dann ist nichts daraus geworden? Eine Zeit lang habe ich mich auf diese Verabredungen gefreut, aber dann nicht mehr. Denn irgendwann ist mir klar geworden, dass es meistens nur leere Worte sind. Die anderen wollen etwas Nettes sagen und dabei unverbindlich bleiben.

Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie oft ich schon den Fehler gemacht habe diese Behauptungen ernst zu nehmen. Aber ich frage mich doch noch manchmal, ob die anderen zu oberflächlich sind, ob sie reden, ohne zu denken und danach sofort wieder vergessen, was sie gesagt haben. Oder ob es an mir liegt. Einerseits, weil ich solche Zusagen glaube. Andererseits, weil ich blind bin.

Blinde sind und bleiben eine Last. Davon bin ich im Grunde genommen überzeugt. Vielleicht haben die anderen ja Mitleid mit mir. Deswegen schlagen sie vor, einmal etwas mit mir zusammen zu unternehmen. Sie sehen mich, haben Mitleid und wollen mir eine Freude machen. Aber dann bin ich weg und sie verdrängen, dass es mich gibt. Zumal es viel schöner ist, wenn man auf niemanden „aufpassen" muss, während man in eine Kneipe oder ins Schwimmbad geht. Blinde, die man mitnimmt, müssen geführt werden. Man muss ihnen die Speisekarte vorlesen. Man muss Rücksicht auf sie nehmen, weil sie nicht von jedem Punkt in der Stadt alleine wieder nach Hause finden, aber vielleicht nicht so lange bleiben wollen wie die übrigen. Usw., usw. :-(

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 30, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 30, 2008