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Barrierefrei studieren?

Nur noch mit festen Zeiten (Teil 1 von 2)

Derzeit kann der Arbeitsvertrag mit meiner Scanassistentin aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht mehr verlängert werden. Also scanne ich bis zum Ende des Semesters – und damit bis zum Ende des Studiums – wieder selbst. Wie es danach weitergeht, ist noch relativ offen. Aber eines weiß ich mit Gewissheit: Wenn ich, beispielsweise während meiner Promotion erneut eine Assistenz bekommen sollte, wünsche ich mir andere Rahmenbedingungen.

Denn zwei der Hilfskräfte, die in den vergangenen Jahren für mich eingesetzt wurden, fanden offenbar Gefallen daran, ihre Arbeit zu vernachlässigen. Zuerst kamen sie ein paar Minuten zu spät. Dann ein paar Minuten mehr. Oder sie kamen überhaupt nicht, ohne sich vorher telefonisch bei mir abgemeldet zu haben. Eine andere Variante bestand darin, erst wenige Minuten, bevor sie hätten da sein sollen, anzurufen und zu erklären, dass und weshalb sie an diesem Tag nun doch nicht auftauchen würden. Nicht wollten, wäre der Wahrheit so manches Mal wohl näher gekommen.

Für mich war das aus mehreren Gründen ärgerlich. Zum einen stapelten sich bisweilen die Bücher auf meinem Schreibtisch – Bücher, die vereinzelt auch schon wieder von irgendwelchen Teilbibliotheken zurückgefordert worden waren. Zum anderen hatte ich mir den jeweils konkret vereinbarten Termin extra frei gehalten, nur um dann kurzfristig mit einer Absage dazustehen. Wenn so etwas ein- oder zweimal passiert, würde ich mich ja nicht aufregen. Aber wenn es beinahe zu einem Dauerzustand wird ...

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 10, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 10, 2010

Barrierefrei studieren?

Orientierungslos (Teil 3 von 3)

Da stand ich dann und der Weg zur Bushaltestelle hatte sich mir noch nicht so weit eingeprägt, dass ich mich wirklich sicher gefühlt hätte. Hinzu kam, dass ich ihn nicht vor sieben, sondern vor vierzehn Tagen zuletzt abgelaufen war. Und was ich, jedenfalls zu Beginn, nicht regelmäßig wiederhole, vergesse ich schnell ...

Ich habe es aber geschafft! Nur einmal musste ich unterwegs jemanden fragen – und das nicht aus Unwissenheit, sondern einfach nur, um mich zu vergewissern, ob ich mich richtig erinnerte. Danach war ich, obwohl ich ja eigentlich keine große Leistung vollbracht hatte, beinahe ein bisschen stolz auf mich. Zugleich weiß ich aber auch, dass das wohl kaum die letzte Hürde dieser Art gewesen sein wird. Wie schön wäre es doch, denke ich daher mit einem Seufzer, wie schön wäre es, an einer Campusuni zu studieren. Bisher habe ich nur die in Mainz besucht und mir gefällt, wie praktisch so ein Campus organisiert ist. Für einen Blinden bedeuten derartige Gegebenheiten auf jeden Fall eine Erleichterung.

Dies wird mir umso mehr bewusst, wenn ich an die Räumlichkeiten der Erlanger Buchwissenschaft denke ...  Waren es fünf Anlaufstellen, über die sich die Büros der Dozenten bis vor kurzem verteilt haben? Oder noch mehr? Inzwischen sind sie auf zwei reduziert worden. Das bedeutet zwar, dass ich wieder einen neuen Weg lernen muss – aber besser nur einen als mindestens vier. Und sicherlich findet sich wieder ein Kommilitone, der mich damit vertraut macht.

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 3, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 3, 2010

Barrierefrei studieren?

Orientierungslos (Teil 2 von 3)

Natürlich ist es kein allzu großes Problem, mich im Senatssaal zurechtzufinden. Andere Herausforderungen stellen mich da schon stärker auf die Probe, so zum Beispiel die Baustellen, von denen Erlangen geradezu übersäht ist. Denn sie legen auch die Buslinien lahm oder bewirken zumindest, dass sich manche Haltestellen verschieben, dass andere Haltestellen zwar noch angefahren werden, aber nur noch von Linien, die ich normalerweise nicht benutze, sodass ich später wieder irgendwo umsteigen muss ... kurz gesagt, entsteht ein kleines Chaos.

Dem kann man sich vielleicht am besten entziehen, indem man zu Fuß geht. Aber ich kenne längst nicht alle Wege. Beispielsweise habe ich mir nie zeigen lassen, wie ich von meiner Wohnung zum Studienzentrum Stinzingstraße komme. Warum auch, wenn es dorthin doch eine direkte Verbindung mit dem Bus gibt? Oder wenn sich anderenfalls ein Kommilitone findet, der zur gleichen Zeit den gleichen Weg zu nehmen hat wie ich?

So war es zu Beginn dieses Semesters. Zweimal sind wir zusammen gefahren. Vor der Lehrveranstaltung hin, danach wieder zurück. Und ich habe währenddessen versucht, mir das kurze Stück Weg einzuprägen, das neu für mich war – hin zur nächstgelegenen Bushaltestelle, von der aus wir ohne Umstieg zur Stinzingstraße gelangen können, die ich aber nie zuvor benutzt habe. In der dritten Woche war ich krank. Und in der vierten meine Kommilitonin. Sie schrieb mir eine Mail, um mich wissen zu lassen, dass sie diesmal nicht kommen würde.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 1, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 1, 2010