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Barrierefrei studieren?

Das letzte Mal

Schon als vor ein paar Wochen die Anmeldefrist zu den Lehrveranstaltungen begann, hat sich das merkwürdig angefühlt. Es war einfach ... merkwürdig. Die Gewissheit, dass sich das Karussell auch in den kommenden Semestern weiterdrehen wird, aber dann ohne mich. In weniger als einem halben Jahr steht die letzte Prüfung an. Dann kann ich – zumindest als Studentin – die Uni hinter mir lassen.

Wie sonst auch interessieren mich mehr Seminare und Vorlesungen, als ich tatsächlich besuchen kann. Wie jedes Mal ist es der Zeitfaktor, der mir Einhalt gebietet. Ein Sehender sagt vielleicht: 20 Stunden, was ist das schon? Aber ich muss sagen: 20 Stunden, das ist zu viel. Vor allem, wenn auch noch die Abschlussprüfungen dazu kommen. Bisher konnte ich noch immer hinzufügen: Na ja, dann eben nächstes Mal. Vielleicht habe ich ja Glück und diese oder eine ähnliche Veranstaltung wird wieder angeboten. Jetzt ist das nicht mehr möglich. Weil es kein nächstes Mal mehr geben wird.

Umso schwieriger fällt es mir, mich für das Eine und gegen das Andere zu entscheiden. Was in diesem Semester nicht in meinem Stundenplan steht, wird niemals darin auftauchen. Und das ist es, was ich meine, wenn ich sage: merkwürdig. Weil es sich so endgültig anfühlt. Weil ich bald einen weiteren, großen Lebensabschnitt beende, um einem neuen entgegenzugehen; ohne dass ich jetzt schon sagen könnte, wohin die Reise mich führt.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Oct 12, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Oct 12, 2010

Barrierefrei studieren?

... und gelegentlich ein Stolperstein

Meine Magisterarbeit zu schreiben hat mich in den letzten Wochen viel Zeit und Kraft gekostet. Jetzt bin ich zutiefst erschöpft. Denn wenn ich etwas mache, dann richtig! Ich arbeite äußerst gewissenhaft, ja akribisch. Aufgrund meiner Behinderung brauche ich zudem für alles länger. Das ist ein altes Lied – und doch wird es immer aktuell sein.

Überdies bleibe ich gelegentlich aber auch an einem Stolperstein hängen. So hatte ich eine Fernleih-Bestellung aufgegeben und das Buch wurde auch an die Erlanger Universitätsbibliothek gesendet. Dennoch habe ich bis heute nicht eine Zeile aus dieser Monographie gelesen. Denn die Frau hinter der Ausleihtheke erklärte mir, dass sie mir das Buch nicht mitgeben könnte. Einsicht nur im Lesesaal.

Ich überlegte kurz und entschied mich dann dagegen. Weil „im Lesesaal“ für mich bedeutet, dass ich mit einem Sehenden wiederkommen muss, der mir vorliest, was ich mit den Augen nicht erfassen kann. Und in diesem konkreten Fall erschien mir das zu umständlich.

Ein anderes Mal drückte ich meiner Scanassistentin ein Buch in die Hand und sagte ihr, welche Seiten sie übertragen sollte. Dass der Name der Datei, in der sie den Text bearbeitete, nicht mit dem Titel des Buches übereinstimmte, fiel ihr nicht auf. Und ich verpasste es, mich zu vergewissern, ob ich ihr das richtige Buch gegeben hatte. So hat sie am Ende zwar die gewünschten Seiten eingescannt, allerdings aus dem falschen Buch. Diese und ähnliche Dinge sind ärgerlich. Aber vor allem halten sie mich auf.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Oct 5, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Oct 5, 2010

Barrierefrei studieren?

Datenübertragung

Wie viele Hausarbeiten habe ich im Laufe meines Studiums eigentlich geschrieben? Wie viele Dozenten hatten die Aufgabe, eine von ihnen zu korrigieren? Und dann erfolgten die Rückmeldungen: Meistens wurde die Hausarbeit inklusive Schein und Anmerkungen im Sekretariat hinterlegt, wo ich sie später abgeholt habe. Das ist das übliche Verfahren.

Der Student liest dann, was der Dozent zu seinen Bemühungen zu sagen hatte und wie er auf die Note gekommen ist. Die blinde Studentin lässt es sich vorlesen. Von Freunden. Von der Familie. Oder von Dozenten, die berücksichtigen, dass ich ihre Notizen selbst nicht lesen kann. In einer Sprechstunde gehen sie meine Fehler mit mir durch und tragen mir ihr Fazit vor. Einer von ihnen kam auf die Idee, mir den Abschluss-Kommentar zu mailen, damit ich ihn auch selbst einsehen könnte. Und ein anderer wusste nun, dieses Entgegenkommen noch zu übertreffen.

Ich bin erstaunt, dass keiner vor ihm auf diesen Gedanken gekommen ist, obwohl der doch so nahe liegt. Nicht einmal ich hätte daran gedacht. Und ich bin begeistert, weil der Dozent sich eine solche Mühe gemacht hat: Jede noch so kleine Anmerkung, die er während des Korrigierens irgendwo an den Rand einer Seite geschrieben hat, hat er später in die Tastatur getippt und mir als Mail zugesendet. Also auf eine Weise übertragen, dass ich mir auch die Details ohne fremde Hilfe erschließen kann. Alles eben. Und ich freue mich darüber – über die Idee ebenso, wie über die spontane Umsetzung.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jul 28, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jul 28, 2010