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Barrierefrei studieren?

Eine barrierefreie Welt (Teil 1 von 2)

Einem Sehenden werden die Augen verbunden. Dann führen andere Sehende ihn eine Zeit lang umher oder auch ein Blinder ... Der Sehende, der plötzlich nur noch schwarz vor Augen hat, muss nun dem Orientierungssinn des Blinden vertrauen. Das fällt vielen sicherlich nicht leicht und umso mehr freue ich mich, wenn sie sich trotzdem auf das Experiment einlassen.

Denn nur so können sie, wenn auch bloß ansatzweise, nachvollziehen, was es bedeutet, im Alltag von Dunkelheit umgeben zu sein. Dann wünschen auch sie sich bestimmt eine barrierefreie Welt. Aber was ist das eigentlich, eine barrierefreie Welt? Eine Welt, in der alle Hindernisse beseitigt sind? Kann es so etwas überhaupt geben? Natürlich nicht. Denn jedem Behinderten jede Barriere aus dem Weg zu räumen, ist schlichtweg unmöglich. Der organisatorische wie finanzielle Aufwand wäre enorm, vor allem, wenn man bedenkt, wie viele verschiedene Arten von Behinderung existieren.

Und dennoch: Was das Blindsein betrifft, so hatte ich das Glück, einen barrierefreien Raum kennen lernen zu dürfen. Denn ich habe bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) ein vierwöchiges Praktikum absolviert. Die DZB stellt Hörbücher für Blinde (im DAISY-Format, das bis zu 40 Stunden lange Hörbücher fassen kann) ebenso her wie Nachdrucke in Brailleschrift (Blindenschrift). Blinde gehen in diesem Haus ein und aus. Darunter der Direktor der DZB, aber auch andere Mitarbeiter und Kunden. Die Ausstattung des Gebäudes ist den speziellen Bedürfnissen von Blinden angepasst.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 7, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 7, 2010

Barrierefrei studieren?

Vitae discimus

Ich bin behindert ... Oder doch nicht? Ist Behinderung stattdessen etwas völlig Normales? Aber was ist das überhaupt, Normalität? Und wie entsteht Behinderung wirklich? Wird sie vielleicht in der Gesellschaft gemacht, die Andersartige ausgrenzt und verleugnet? Aber wer sind Andersartige überhaupt?

Man sagt immer „non scholae, sed vitae discimus“ (nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir). Auf ein Seminar, das sich mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzt, trifft diese Weisheit tatsächlich zu – wenigstens für mich, da ich von der Thematik direkt betroffen bin. Es geht um die UN-Behindertenkonvention und ihre Umsetzung in Deutschland. Und ich habe mich aus eben diesem Grund für den Kurs angemeldet: um für das Leben zu lernen. Für mein Leben als Behinderte.

Ich bin nicht die einzige Seminarteilnehmerin, die persönlich von einer Behinderung betroffen ist. Andere haben im privaten Umfeld mit Behinderten zu tun oder arbeiten in einer sozialen Einrichtung. Das Seminarklima ist gut und ich bin froh, dass ich mich für den Besuch des Kurses entschieden habe. Auch wenn mir manche Themenschwerpunkte wie die Euthanasieprogramme des Dritten Reiches oder der gesellschaftliche Umgang mit Behinderten heute (Stichwort: Behindertenfeindlichkeit) aus den verschiedensten Gründen doch sehr nahe gehen. Die Debatte um Integration und Inklusion (Einbeziehung) wühlt mich ebenfalls immer wieder auf. Denn Inklusion zu wollen, heißt nicht automatisch, sie zu haben und erleben zu dürfen. Letztlich werden Behinderte wohl immer behindert bleiben.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 1, 2010

Barrierefrei studieren?

Böses Blut

Nicht selten stellen sich engagierte Studenten vor Unigebäude, um Flyer zu verteilen oder auf anderem Weg für bestimmte Veranstaltungen und Produkte Werbung zu machen. Sie wissen, dass sie hier die meisten Kommilitonen erreichen können. Aber mich sprechen sie in der Regel nicht an; als wäre ich nicht blind, sondern durchsichtig.

Für gewöhnlich beschäftigt mich das kaum, doch vor ein paar Tagen wurde ich so demonstrativ ignoriert, dass ich mich gedemütigt, ja sogar diskriminiert fühlte.

„Wollen Sie sich typisieren lassen?“, lautete diesmal die Frage. Nur kurz zum Blutabnehmen gehen, damit man in ein Verzeichnis für Knochenmarkspender eingeordnet werden kann. Allerdings herrschte vor der Mensa zu diesem Zeitpunkt nur wenig Betrieb. Und so kam es, dass ich nicht zufällig im Strom der Hinein- oder Herauseilenden übersehen werden konnte. Stattdessen ignorierte man mich bewusst. Ich stand keine drei Meter von den Fragenden entfernt, wo ich auf einen Freund wartete. Und ansonsten war weit und breit niemand da, den sie hätten ansprechen können. Doch anstatt mir ihr Anliegen vorzutragen, unterhielten sich die beiden Mädchen so lange über irgendetwas anderes, bis sie wieder einen Sehenden entdeckten, der sich dafür offensichtlich besser eignete.

Ihr Verhalten verletzte mich tief. Zugleich machte es mich aber auch wütend. Ist blindes Blut denn böses Blut? Beinahe hätte ich die Quatschenden mit dieser Frage konfrontiert und sie damit brüskiert, wie ich mich von ihnen bloßgestellt fühlte.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 17, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 17, 2010