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Barrierefrei studieren?

Mit gesunden Augen

Wie ich mich gefühlt habe, während ich als Expertin vor den Vorlesungsteilnehmern stand, ist schwer zu beschreiben. Natürlich war ich nicht die Dozentin. Aber auch keine Referentin, die sich aus einer Vorschlagsliste ein Thema aussucht, sich darüber in kurzer Zeit möglichst viel Wissen aneignet und dieses dann wiederkäut. Ich sollte aus meinem Vortrag keine Hausarbeit stricken. Und ich würde darauf keine Note bekommen.

Stattdessen leitete mich – wenn auch nur indirekt – ein höheres Ziel: Sehenden den Buchmarkt der Blinden näher zu bringen.

Thema meiner Erläuterungen war die Typographie: Zunächst befassten wir uns mit dem Aufbau der Brailleschrift, der Punktschrift für Blinde. Daraus leiteten wir zunächst die Unterschiede ab, die zwischen der Typographie eines Punktschriftbuches und der eines gewöhnlichen Schwarzdruckwerkes besteht. Dann wurden auch die Gemeinsamkeiten besprochen.

Probleme gab es keine. Ich erklärte, während der Dozent mir die Augen ersetzte. Er zeigte und beschrieb den Erstsemestlern die Bilder, die wir beide in einem Vorgespräch ausgewählt hatten. Außerdem erteilte er denen, die etwas sagen oder fragen wollten, das Wort. Auf diese Weise vermittelte er zwischen den Sehenden, die zuhörten und lernten, und der Blinden, die sich bemühte, in die Thematik einzuführen.

Die Kommilitonen stellten mir einige Rückfragen. Nicht zuletzt, damit ich diese umfassend beantworten kann, absolviere ich derzeit mein viertes Praktikum: bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB).

 

Übrigens: Im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels befasse ich mich mit der Lesewelt der Blinden. Wenn ihr Interesse habt, schaut doch mal rein: http://www.boersenblatt.net/template/b4_tpl_blog_blinden/

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 16, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 16, 2010

Barrierefrei studieren?

Auf in den Kampf!

Wie können Blinde unterrichten? Können sie es überhaupt? Theoretisch ist das sicherlich möglich und ich habe mich auch schon mit blinden Lehrern und Dozenten ausgetauscht. In der Praxis stelle ich mir das Unterrichten dennoch schwierig vor. Und vor allem: aufwändig – um nicht umständlich zu sagen.

Im Sommersemester bekomme ich Gelegenheit, das Dozenten-Sein einmal auszuprobieren. Ich darf nicht nur die Lektüre zum Thema vorschlagen, sondern auch einen Teil einer Seminarsitzung erarbeiten. Das vorläufige Konzept spreche ich dann zuerst noch einmal mit dem Dozent durch, bevor ich die Studenten mit der endgültigen Version konfrontiere.

Ich freue mich schon sehr darauf. Aber ich bin auch angespannt, wenn ich genauer darüber nachdenke. Vermutlich werde ich ihnen einige Bilder zeigen und erklären müssen; ich als Blinde. Und ich werde registrieren müssen, wann sich der eine oder andere zu Wort meldet ...

Es gibt so viele Kleinigkeiten zu bedenken, die mit den Kursteilnehmern abzustimmen sind. Und sicherlich fällt mir erst im Laufe der Seminarsitzung auf, dass da noch viele weitere sind, an die ich nicht rechtzeitig gedacht habe ...

So kommt mir das manchmal vor. Aber so ist es nicht. Denn Schwierigkeiten hat doch nur, wer sich welche macht. Und die meisten Probleme lösen sich in der Regel von selbst. Also: Weiter geht’s!

Weiter? Ja, denn ich bin bereits im Januar in ähnlicher Funktion vor den Einführungskurs Buchwissenschaft getreten. Und das hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 3, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 3, 2010

Buchwissenschaft

Wer bin ich und was kann ich werden? (Teil 2 von 2)

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Alternativen fallen mir ein. Zum Beispiel eine Promotion. Ja, es gibt sie wirklich: Blinde, die forschen und lehren.

Natürlich gestalten sich die Details je nach Fachrichtung unterschiedlich. Wie wählt der Dozent die Bilder aus, die er den Studenten zeigen möchte? Und wie kann er effektiv überprüfen, ob bei der Erstellung von Hausarbeiten alle Formalia korrekt eingehalten worden sind?

Diese und ähnliche Fragen bereiten mir ein bisschen Kopfzerbrechen. Ich weiß aber auch, dass blinde Dozenten einen Assistenten bekommen können, der sie zum Beispiel bei der Vorbereitung des Unterrichts unterstützt. Er beschreibt dem Blinden die Bilder, welche die Studenten später in Vorlesung oder Seminaren zu sehen bekommen. Und die Hausarbeiten sind dann eben auch in elektronischer Form einzureichen.

Gibt es nicht für alles eine Lösung, wenn man nur lange genug danach sucht?

Nun, zumindest für fast alles. In der Herstellungsabteilung eines Verlages zu arbeiten, verbietet sich für einen Blinden zum Beispiel von selbst.

Doch leider werden wir Blinde in dem, was wir tatsächlich leisten können, auch häufig unterschätzt. Sicherlich ist, wie angedeutet, nicht alles möglich. Und sicherlich brauchen wir bei vielen Aufgaben Hilfe. Aber letzten Endes steckt in denen, die zäh sind und sich auch durchbeißen wollen, ein Potenzial, das mehr gefördert anstatt untergraben werden sollte. Denn der bequemste Weg ist für den Einzelnen nicht immer auch der beste.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 19, 2010
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 19, 2010