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Barrierefrei studieren?

Popularität Behinderung

Schon während meiner Zeit im Gymnasium kam ich lokal ins Fernsehen und in die Zeitung. Grund: Ich war eine Blinde, die integrativ beschult wurde. Anders gesagt, eine kleine Sensation. Und daran änderte sich auch nichts, seit ich studiere. Ich habe schon mehrere Anfragen für Interviews bekommen - meistens von Studierenden aus einem Publizistik-Seminar - und angenommen.

Jeder Artikel über mich hat einen anderen Rahmen und es macht mir Spaß mitzuerleben, wie sich die Artikel entwickeln; auch deshalb, weil ich vielleicht selbst einmal Journalistin werden möchte und auf diesem Weg schon erste Einblicke gewinne. Außerdem konnte ich aufgrund eines solchen Kontakts meine erste eigene Rezension in einer Lokalzeitung schreiben! Und wer ist nicht gerne in der Zeitung?

Da ich normalerweise nichts leisten muss, um dieses Privileg zu erreichen, hält sich meine Freude aber in Grenzen. Ich bin nun einmal blind. Dafür kann ich nichts und ehrlich gesagt, irgendwann fing es sogar an mich zu ärgern, dass ich gewissermaßen auf meine Behinderung reduziert werde. Natürlich ist es schön, wenn sich andere mit dem Thema auseinandersetzen. Sobald sich die Anfragen allerdings häufen, fühlt man sich nicht länger als Person, sondern nur noch als blinde Studentin wahrgenommen und das kann durchaus verstörend sein.

Dennoch wünsche ich mir sehr, dass weiterhin auf diese oder ähnliche Weise auf die Probleme Behinderter aufmerksam gemacht wird. Und solange ich dazu etwas beitragen kann und wenn auch nur mit einem Interview, tue ich es.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 3, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 3, 2008

Barrierefrei studieren?

Die blinden Sehenden

Ich falle nicht nur deswegen auf, weil ich als Blinde zwischen Sehenden studiere. Vielmehr zähle ich infolgedessen auch als die Ausnahme - wie groß sie ist, möchte ich nicht beurteilen -, was meine Leistungsnachweise betrifft. In diesem Zusammenhang kam es in einem Proseminar zu einer Sonderregelung, die mich nachdenklich stimmte.

Während meine Kommilitonen für den Scheinerwerb ein Referat halten und eine Klausur bestehen mussten, ersparte mir der Dozent das Referat. Vielleicht hing das ja damit zusammen, dass ich gleichzeitig in zwei seiner Seminare saß und er so den zusätzlichen Aufwand, den ich bei Literaturrecherche und Handouterstellung grundsätzlich habe, ausglich, indem er mir einmal die komplette Arbeit erließ. Ich war natürlich froh darüber, aber merkwürdig fand ich es trotzdem und mit Sicherheit nicht ganz gerecht.

Damit vergleichbar sind meine Gefühle bei der Festlegung eines bestimmten Klausurtermins. Zur gleichen Zeit wie alle anderen, ist in diesem Fall nicht möglich. Und warum sollte ich das Angebot, mich erst am nächsten Tag prüfen zu lassen, ausschlagen? Wird nicht zwischen meinen Kommilitonen und mir das Gleichgewicht wieder hergestellt, wenn ich bei so vielen Nachteilen manchmal auch einen Vorteil genießen kann?

Leider werden viele bloß dann auf meine Situation aufmerksam, wenn sie sehen, dass ich bevorzugt werde, mir z.B. mehr Zeit zur Vorbereitung zugesprochen wird. Dass sie es aber meistens viel leichter haben, dafür sind sie blind.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 26, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 26, 2008

Barrierefrei studieren?

Gewohnheitsrecht

„Wie machen Sie das denn sonst?", wollte ein Dozent aus dem Einführungskurs zur politischen Wissenschaft erfahren. Später sollte ich diese Frage noch öfter hören, wenn ich mit den Dozenten über meine Prüfungen sprach. Und ich werde sie garantiert auch weiterhin hören.

Nun, sonst? Damals bestand "sonst" erst aus einer einzigen Absprache mit den Lehrenden der Einführungsveranstaltung Buchwissenschaft. Mit diesen hatte ich mich schnell darauf geeinigt, dass sie die eigentlich schriftlich gestellten Aufgaben mündlich mit mir durchgehen würden. Dabei ist es bisher ohne Ausnahme geblieben, doch im Einzelfall kann das zu Schwierigkeiten führen, wovon ich in späteren Blogbeiträgen noch genauer erzählen werde.

Zunächst will ich den Blick auf die Unterschiede lenken, zu denen es je nach Dr. oder Prof. kommt. Manche gehen auf mich zu und kümmern sich um das Problem, wie beispielsweise der oben genannte Politologe. Jeder der vier Dozenten dieser Vorlesung hätte im Prinzip die Sache in die Hand nehmen können, die er so früh erkannt hat. Normalerweise gehe ich aber davon aus, dass die Initiative von mir ausgehen muss und umso mehr freute mich über das Engagement dieses Dozenten.

Andere - wie gesagt - spreche ich einmal darauf an und die Angelegenheit wird geregelt. So sollte es meiner Meinung nach ablaufen. Doch wieder andere muss ich mehrmals darauf hinweisen, dass es da noch etwas zu klären gibt; bis dann irgendwann endlich beschlossen wird, wie ich die Klausur nun eigentlich ablegen soll.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 20, 2008
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 20, 2008