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Barrierefrei studieren?

Mein ganz persönliches Schwarzes Brett

Manchmal bin ich dabei, wenn sich die Kommilitonen aus dem Wohnheim im Gemeinschaftsraum einen Film anschauen, wenn ein Spieleabend veranstaltet oder irgendetwas gefeiert wird. Von den lauten Bar-Abenden mit Alkoholkonsum ziehe ich mich hingegen zurück.

Oft weiß ich aber auch einfach nicht, wann welche besondere Aktivität angeboten wird. Erst heute Nachmittag, als ich in der Stadt unterwegs war, wurde mir das wieder einmal bewusst. Plötzlich sprach mich eine Studentin an, die auf dem gleichen Flur im Wohnheim ihr Zimmer hat wie ich. Sie wolle mir nur sagen, dass morgen Vormittag ein Brunch stattfindet. Und sie sagt mir solche Dinge immer, wenn sie mich zufällig irgendwo sieht. Manchmal klopft sie auch bei mir, um mich zu benachrichtigen. Auch wenn ich dann meistens doch nicht hingehe, freue ich mich über diese Aufmerksamkeit. Denn die Informationen werden in der Regel ausgehängt: Auf irgendeinem Blatt Papier an irgendeiner Tür. Da ich blind bin, fallen sie mir natürlich nicht ins Auge. Und andauernd irgendjemanden zu fragen, ob es denn etwas Neues gebe, ist mir auch zu nervig. Der Eine oder Andere hat mir in den vergangenen zweieinhalb Jahren schon versichert, er würde mich auf dem Laufenden halten. Allzu oft ist es bei dieser Versicherung geblieben.

Doch wie gesagt: Inzwischen ist da diese Kommilitonin - unsere aktuelle Flursprecherin -, die sich darum kümmert, dass auch ich Bescheid weiß. Vielen Dank dafür!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 28, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 28, 2009

Barrierefrei studieren?

Postwurfsendungen

Auch das Leben im Wohnheim schreibt manchmal komische Geschichten. So hatten wir neulich Stromausfall. Das ist weiter nichts Besonderes, aber ich war nicht darauf vorbereitet, obwohl ich es eigentlich doch hätte sein sollen. Das klingt so jetzt sicherlich seltsam. Aber auch dafür gibt es eine ganz simple Erklärung.

In meinem Briefkasten landet jede Woche ein enormer Haufen Post. Nur dass ich einen Großteil der Mitteilungen ohnehin nicht lese, denn das meiste ist Werbung. Und Wichtiges lasse ich mir an eine andere Adresse schicken. Daher leere ich meinen Postkasten nicht allzu oft aus. Und wenn ich es doch einmal tue, scanne ich auch nicht jedes Blatt Papier extra ein, nur um festzustellen, dass es sich - wie bei 98 Prozent der Fälle - um Reklame handelt. Lieber frage ich irgendwann einmal irgendeinen Mitbewohner, was ich da bekommen habe.

Unter den übrigen zwei Prozent befand sich aber diesmal eine Mitteilung, die ich mir erst vorlesen ließ, als der Tag, den sie betraf, schon vorüber war. Darin stand, dass am Tag X zwischen Y und Z Uhr immer wieder einmal der Strom ausfallen könnte. Nun, das habe ich am Tag X dann ja auch bemerkt.

Danach habe ich mir nicht zum ersten Mal vorgenommen, das Schild „Bitte keine Werbung" auf meinem Briefkasten endlich zu erneuern. Denn ohne die eingeworfenen Anzeigen bekäme ich nur noch so wenig Post, dass es nicht lange dauern würde, erst einmal alles einzuscannen, damit ich es anschließend ohne fremde Hilfe durchsehen kann.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 22, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 22, 2009

Barrierefrei studieren?

Viel zu viele Bücher

Ich muss in diesen Semesterferien drei Hausarbeiten schreiben, insgesamt also zirka 40 Seiten wissenschaftlichen Text abliefern. Das ist zu schaffen, wenn es mir auch schon längst keinen Spaß mehr macht. Dazu leihe ich mir zurzeit sehr viele Bücher aus. Und die liegen dann in kleinen Stapeln auf meinem Schreibtisch herum, bis ich anfange sie miteinander zu verwechseln. Klar könnte ich schnell bei einem Wohnheim-Nachbarn anklopfen und mich vergewissern: Ist das dieses Buch? Oder jenes?

Aber wer macht das schon? Ich jedenfalls war mir sicher, zu wissen, welches Buch ich vor mir hatte, als ich es in die Bibliothek zurückbrachte. Dort erfuhr ich allerdings, dass ich mich geirrt hatte: Ich hatte doch tatsächlich das falsche Buch eingepackt. Und das, welches ich dringend wieder hätte abgeben müssen, lag noch immer zu Hause auf meinem Schreibtisch.

Die Frage war dann nur: Welches von denen, die sich dort angesammelt hatten, war das, das ich suchte? Nun musste ich doch bei einem Nachbarn klopfen. Vor allem aber musste ich den Weg zur Bibliothek zweimal gehen. Und das hat mich ziemlich geärgert. Einem Sehenden könnte so etwas nicht passieren. Aber wir Blinden müssen immer auf alles ganz genau achten und uns jede Kleinigkeit merken. Sogar welches Buch sich wie angefühlt hat oder wenigstens wohin ich es gelegt habe. Und da ich bei solchen Dingen eher schlampig und nachlässig bin, bin ich dann eben noch mal zur Bibliothek gelaufen. Vielleicht habe ich daraus ja etwas gelernt.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 9, 2009
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 9, 2009