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Meine Abschlussarbeit

Was soll jetzt noch schiefgehen?

Nachdem ich die Datenerhebung für meine Masterarbeit beendet hatte, konnte ich mich auf den gemütlicheren Teil im Labor und vor dem Schreibtisch freuen. Mein Betreuer war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr an meiner Uni tätig und ich war relativ frei in der Gestaltung meines Arbeitstags. Weil ich aber immer noch knapp eineinhalb Stunden von der Uni und damit auch vom Labor entfernt wohnte, war es stressig, die viele Nacharbeit fertigzustellen. Ich hatte geglaubt, das Schlimmste überstanden zu haben, und keine Ahnung, welche Mühen noch auf mich zukommen würden. Ich will das Ganze etwas abkürzen und das darauffolgende halbe Jahr in Zahlen Revue passieren lassen:

Pflanzen, die ich für die Masterarbeit bestimmt habe: 584
Neu eingerichtete Arbeitsplätze: 4
Masterarbeitsbetreuer insgesamt: 5
Aufgeführte Literatureinträge für die Masterarbeit: 74
Krankenhausaufenthalte nach Laborunglück: 4
Krankenwageneinsätze: 1
Anzahl der Ärzte, die mich in 14 Tagen untersuchten: 15
Verlängerung der Abgabefrist wegen Krankheit: 6 Wochen
Wohnortwechsel: 1
Abgegebene Masterarbeiten: 1

Ich glaube das vergangene Jahr war das bizarrste, das ich bis jetzt erlebt habe. Ich war so oft an dem Punkt, aufgeben zu wollen, denn vieles lief gründlich daneben. Am Ende meines Studiums wollte ich nur noch raus aus diesem verrückten Karussell, das sich Uni nennt. Aber es kam der Tag, an dem ich meine Masterarbeit abgeben konnte. Komplett ausgebrannt zwar, aber ich hatte es geschafft.
Zum Abgabezeitpunkt wusste ich allerdings nicht, ob ich die Arbeit und damit das Masterstudium bestanden hatte. Es folgten knapp sechs Monate der Unsicherheit.
Eine letzte Zahl möchte ich euch noch nennen: 1,3. Das ist die Note, mit der meine Masterarbeit beurteilt wurde. Ich konnte es kaum fassen, und kann nun etwas versöhnter auf mein Studium zurückblicken.

 

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jan 17, 2019
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jan 17, 2019

Meine Abschlussarbeit

Wie soll ich das schaffen?

Mir tat alles weh, der Betreuer glänzte durch Abwesenheit und meine Nerven lagen blank. Nicht selten war ich während meiner Masterarbeit völlig am Ende. Ich hatte diese Abschlussarbeit, für die ich einheimische Pflanzen bestimmen musste, mit viel Enthusiasmus begonnen. Mein Betreuer war dann aber nur sehr selten da und oft mies gelaunt. Durch eine nie richtig auskurierte Sehnenscheidenentzündung war ich mittlerweile nicht mehr richtig in der Lage, zu schreiben. Dazu gesellten sich dann auch noch üble Rückenschmerzen, die mich eine Zeit lang völlig außer Gefecht setzten.
Von meinem Betreuer konnte ich keine allzu große Unterstützung erwarten, deshalb hatte ich eine Zweitbetreuerin gesucht, von der ich hoffte, sie könnte mir mehr helfen. Das tat sie zwar auch zeitweise, aber ihr war wohl auch nicht klar, dass ich nicht mittendrin Monate lang auf ihre Hilfe warten konnte.
Ich erinnere mich noch gut an eine letzte Besprechung mit meinem Erstbetreuer vor seinem berufsbedingten Umzug ins Ausland. Ich saß mit verbundener Hand und Halskrause bei ihm und wir besprachen das weitere Vorgehen. Ich erklärte ihm, dass es für mich an ein Wunder grenzen würde, wenn ich es in meinem Zustand schaffen sollte, meine Feldarbeiten fristgerecht zu Ende zu bringen. Mein Betreuer hatte ebenfalls Zweifel. Was danach passierte, grenzte an ein Wunder: Weil ich mit meiner Hand nicht schreiben konnte, bat ich Freunde und Familie, mich ins Grüne zu begleiten, um meine Hand zu sein. Und so kam es dann auch: Freunde, Ehemann und Familie waren zur Stelle, gingen mit mir in die Wälder und auf Wiesen, auf Äcker und in Gärten und notierten, was auch immer ich ihnen diktierte. Das war mitunter äußerst witzig, denn die vielen lateinischen Pflanzennamen wurden von meinen Freunden teilweise munter mit neuer Schreibweise festgehalten. Und bei den Pflanzen, für die ich einen Übergangsnamen brauchte, waren meine Helfer auch kreativer als ich: Zum Beispiel „Popopinsel“ für etwas, das ich einfach als „behaarte Asteraceae“ bezeichnet hätte. Dank dieser vielen lieben Menschen habe ich es tatsächlich geschafft, alle 50 Flächen für meine Forschungsarbeit abzugrasen.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Dec 19, 2018
Autor: Mia
Rubrik: studium
Dec 19, 2018

Meine Abschlussarbeit

Meine Masterarbeit

Meine Masterarbeit verlangte von mir viel ab. Nicht nur körperlich war ich durch die Feldarbeit gefordert, auch seelisch kam ich an meine Grenzen. Um die pflanzliche Biodiversität auf verschiedenen Flächengrößen zu untersuchen, hatte ich zufällig 50 Punkte auf der geografischen Karte von Bayreuth ausgewählt. Das Aufsuchen dieser Punkte war die erste Herausforderung. Einen bestimmten Punkt irgendwo im Wald zu finden ist gar nicht so einfach, noch dazu, wenn man mit einer schweren Tasche voller Messbänder und Fachbücher beladen ist. Nicht selten musste ich mich durch dichtes Gestrüpp kämpfen und mir die Dornen aus der Haut ziehen. Fast noch mühsamer war es, wenn ein Punkt auf ein privates Grundstück fiel. Wusstet ihr, dass deutsche Vorgärten absolutes Sperrgebiet sind? Ich hatte weniger Schwierigkeiten, eine Fläche auf dem Flugplatz zu betreten, als eine in einer Wohnsiedlung.
Meistens kartierte ich am Vormittag und ging danach ins Labor, um die Pflanzen, die ich vor Ort nicht bestimmen konnte, zu pressen. Dann musste ich die Bodenproben trocken stellen und mir meistens noch den Dreck von den Schuhen klopfen oder sonst irgendwie für Ordnung sorgen. Mit einer Tasse Cappuccino habe ich mich dann an die Nachbestimmung der Pflanzen gewagt – nicht selten verließ ich das Labor erst nach 20 Uhr.
Trotzdem war es eine schöne Zeit, ich war viel an der frischen Luft und oft auch in schöner Natur unterwegs. Ich genoss die ruhige Zeit im Labor und das Gefühl endlich meine Abschlussarbeit machen zu können. Ich fühlte mich aber auch erschöpft.
Dazu kam, dass mein Betreuer meinen Arbeitsaufwand völlig falsch einschätzte und sogar andeutete, dass mein Einsatz zu gering sei, obwohl ich eigentlich schon über meine Grenzen hinaus arbeitete.
Wie es dann weiterging und wie ich mit der Überbelastung, dem Argwohn meines Betreuers und der voranschreitenden Vegetationsperiode zurechtkam, erzähle ich im nächsten Beitrag.

Autor: Mia  |  Rubrik: orientieren  |  Nov 12, 2018
Autor: Mia
Rubrik: orientieren
Nov 12, 2018