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Zwischen Bachelor & Master

Die Grenze: gestern

Auch meine Wege führen mich hier regelmäßig an die Grenze oder darüber hinweg. Jede Woche bin ich mindestens einmal im Nachbarland, überschreite den ehemaligen Eisernen Vorhang, der hier schon eine Weile Geschichte ist. Wenn ich auf meinen Fahrradtouren den Blick über die Landschaft schweifen lasse, stelle ich immer wieder eindrücklich fest, wie die Natur sich jeden Grenzen entwindet.
Im Rahmen meines Praktikums verbrachte ich nun auch schon einige Zeit auf der Bügellohe, einer verlassenen Siedlung, wenige Kilometer von der Tschechischen Republik entfernt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden – auch dieser Teil der Geschichte ist hier in und um Schönsee allgegenwärtig – bauten sich einige Bewohner des Dorfes Wenzelsdorf Baracken kurz hinter der Grenze. Nur kurz wollten sie verweilen, und später wieder zurückkehren in die Heimat. Doch spätestens als Wenzelsdorf in Flammen aufging, wurde es Gewissheit, dass die Bügellohe ein Zuhause für längere Zeit werden sollte. Ohne fließendes Wasser, Strom oder eine Straße lebten die Menschen ihr Leben, der letzte der Bewohner verließ 1970 die Siedlung. Heute sind die Häuser verfallen, nur zwei Gebäuderuinen sind geblieben.
An einer Hauswand wurde nun ein Land Art von Pilsner Künstlern installiert – in Kooperation mit dem Centrum Bavaria Bohemia. Zuvor jedoch musste die verwucherte Gebäudeecke freigelegt werden. Hierfür machte ich mich mit einem Kollegen mit Rasentrimmer und Werkzeug ausgestattet an die Arbeit. Für mich war es eine besondere Erfahrung, an diesem geschichtsträchtigen Ort zu arbeiten. Rasenmähen an der Grenze – ich denke die Vielfältigkeit meines Praktikums liegt auf der Hand. Als dann bei der Vernissage zum ersten Mal das Segel, das aus einem alten Blechdach eines der Häuser gefertigt wurde, über der Bügellohe „wehte“, war ich begeistert. In Sichtweite der Grenze, hilft ein Kunstwerk dazu, die Vergangenheit zu verarbeiten. Und dazu, dass sich Deutsche und Tschechen einen weiteren Schritt näher kommen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 21, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Die Grenze: heute

Seit einigen Wochen lebe ich nun in Schönsee in der Oberpfalz, wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Blickt man auf eine Karte im Netz ist sie unübersehbar. Beinahe scheint es, dass die rote Nadel mit dem Standort Schönsee direkt auf dem schwarzen Streifen liegt, der die beiden Länder trennt. Und auch vor Ort spürt man die Grenze tagtäglich, denn überraschenderweise passiert hier  ziemlich viel Grenzüberschreitendes.

Ich war davon ausgegangen, dass es keine Berührungspunkte mit den Nachbarn gäbe. Nun wurde ich eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass die Bedienung in der Pizzeria in Schönsee sich als Tschechin herausstellt – seit 23 Jahren pendelt sich nach Schönsee zum Arbeiten – auch von deutscher Seite ist das Interesse an Tschechien groß. So sprechen hier in der Region nicht wenige Menschen ein passables Tschechisch. Oft kommen Leute in meine Praktikumsstelle, um sich Informationen für ihre bevorstehenden Reisen einzuholen. Und die Wanderwege der Region gehen längst über jegliche Grenzen hinweg. Auch Beschriftungen sind oft zweisprachig. Und Tag für Tag bin ich beim Blick in die hiesige Zeitung überrascht, wie viel grenzüberschreitend berichtet wird.

Der Grenze widmeten sich auch zwei Freilichtspiele, die „Irrlichter“ und die „Pascher“, die Jahr für Jahr hier im Sommer auf dem Eulenberg bei Schönsee aufgeführt werden. Wenige Meter von der Grenze entfernt gehen sie auf die Geschichte des Ortes ein. In den Theaterstücken wird teilweise auch tschechisch gesprochen – zum Glück, denn das verstehe ich immer noch deutlich besser als das Oberpfälzische.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 13, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 13, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Kulturschock Oberpfalz

Schönsee, Oberpfalz in Bayern. Stadt-Status. 2.471 Einwohner, sagt Wikipedia. Wenige Kilometer bis zur tschechischen Grenze. Ein Supermarkt, zwei Fleischer, drei Bäcker. Einmal in der Woche kommt der Grillhändl-Wagen, einmal der mit der Pferdewurst. Der Bahnhof hat dicht gemacht, ab und an fahren Busse zum nächstgelegenen Bahnhof. Ohne Auto ist das Leben hier hart. Schönsee, oder die Stadt mit den drei Lügen, wie sie manch einer nennt. Erstens: Keine Stadt. Zweitens: Kein See. Drittens: Nun ja, nicht wirklich schön. Und nun ist das mein Zuhause für die nächsten drei Monate.
Hierher verschlagen hat mich mein Praktikum im Centrum Bavaria Bohemia, einem bayerisch-tschechischen Kulturzentrum, das eine absolut einmalige Arbeit leistet. Als gebürtiger Sachsen-Anhalter, der zuletzt in einer Millionenstadt gelebt hat, habe ich in den ersten Tagen einen gehörigen Kulturschock erlitten.
Meine Bayern-Vorurteile? Sie wurden alle bestätigt. Dirndl und Lederhosen? Jawohl. Bei der Vergabe von Zertifikaten für Tschechisch-Kursteilnehmer tauchen einige der Schüler tatsächlich in bayerischer Kluft auf. Katholisch? Aber hallo! Die Glocken im Kirchturm läuten zu jeder Tages- und Nachtstunde. Auch mit dem Dialekt tue ich mir schwer. Nicht selten muss mein Gegenüber darum bitten, seinen Satz nochmal zu wiederholen. Und überall hört man Blasmusik.
Auch wenn Schönsee tatsächlich keinen See hat – stattdessen nur zwei „Weiher“, warum auch immer – und nicht die Vorzüge einer Stadt hat – schön ist es hier ja schon ein bisschen und die Natur ringsum lädt zu ausgedehnten Fahrrad- und Wandertouren ein. Und außerdem kann es mir sicherlich auch nicht schaden, über den eigenen Schatten zu springen und ein neues Fleckchen Deutschland zu entdecken. Also Schönsee, auf geht’s! Ich bin bereit für das Abenteuer Oberpfalz.

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