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Zwischen Bachelor und Master

Lesung an der polnischen Grenze

„Cas leti“, sagt man in Tschechien, die Zeit fliegt. Die ersten Wochen meines Praktikums in der Programmabteilung des Prager Goethe-Instituts sind nun auch schon wieder Geschichte.
In der fünften Woche meines Praktikums erwartete mich eine besondere Aufgabe: Im Kloster Broumov, unweit der polnischen Grenze, betreibt das Goethe-Institut eine deutsch-tschechische Literaturresidenz. Autoren, Übersetzer und Illustratoren bekommen hier die Möglichkeit, einen Monat in einer ruhigen Umgebung zu verbringen und so neue Inspiration für ihre Arbeit zu gewinnen. Im Rahmen der Residenz findet stets auch eine Lesung statt, in deren Rahmen die Literaten ihre Arbeiten dem Broumover Publikum vorstellen. Da jedoch zeitgleich eine Veranstaltung in Prag stattfand, wurde ich nun also auf den Weg gen Niemandsland geschickt, um die Lesung mit den aktuellen Residenten, einer deutschen Autorin und einer tschechischen Übersetzerin, zu moderieren – und freilich ließ ich mich überaus gern auf dieses Abenteuer ein.
Mit gut vorbereiteten Notizen, aber auch einer gehörigen Portion Aufregung im Gepäck, kam ich in Broumov an. Das kleine Städtchen zog mich sofort in seinen Bann: Die Zeiten, in denen hier der Großteil der Bevölkerung deutschsprachig und Broumov ein Boom-Town der Textilindustrie war, sind längst vorbei. Die Schaufenster sind leer, die Staubschicht dick, die Namensschilder der Läden hängen schief an den Fassaden. Anders das Kloster, in dem sich auch die Künstlerresidenz befindet und in dem auch ich die Nacht verbringen durfte: Der Zustand der Anlage ist beeindruckend und die Millionen an Kronen, die hier hinein geflossen sein müssen, sind deutlich sichtbar.
Die Lesung fand schließlich in der Städtischen Bibliothek statt. Auch wenn nur zehn Zuhörer gekommen waren kannte mein Lampenfieber keine Grenzen. Nun sollte ich hier also eine Lesung moderieren – auf Tschechisch! Am Ende lief aber doch alles wie geplant: Mit den Literaten war schnell eine Wellenlänge gefunden; das Publikum war interessiert. Spätestens als die deutsche Schriftstellerin ihren Text über die Natur rings um Broumov las, ging es mir nicht anders als den beiden Residentinnen: Eigentlich wollte ich von hier gar nicht mehr weg.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Apr 11, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Treffpunkt Regensburg

Die Klänge einer Blaskapelle dröhnen durch den Veranstaltungsraum. Menschen reden Deutsch, Tschechisch oder Englisch miteinander. Man sieht tschechische Knödel auf den Tellern dampfen und das Goldgelb eines bayerischen Hellen in den Gläsern scheinen.
Das Treffpunkt-Festival, das immer im Wechsel in Regensburg und im westböhmischen Pilsen stattfindet – also in den kleinen Hauptstädten der deutsch-tschechischen Beziehungen – hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen aus beiden Ländern einander näherzubringen und die Grenzen überschreiten zu helfen. Beim letzten Mal in Regensburg war am Stand des „Tandem-Koordinierungszentrums Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch“ auch ich dabei.
Auf die Besucher des Festivals wartete ein vielfältiges zweisprachiges Programm: So traten Bands aus beiden Ländern auf und es wurden Stadtführungen durch Regensburg angeboten – auf tschechischen Spuren. Außerdem gab es ein deutsch-tschechisches Kabarett, für die kleinen Besucher eine Aufführung mit den tschechischen Holzpuppenklassikern Spejbl und Hurvínek und einen Pop-Up-Market, bei dem man hölzerne Fliegen gestalten und T-Shirts bedrucken konnte.
Am Messestand konnten wir Festivalbesuchern Fragen zu „Tandem“ beantworten. Für viel Aufsehen sorgte auch das Glücksrad, bei dem es Preise zu gewinnen gab.
Am Ende ist es dem Treffpunkt-Festival wohl wieder einmal gelungen: Wenn sich „Zugabe“-Rufe mit „Jeste jednu“-Rufen vermischen, wenn Leute aus beiden Ländern gemeinsam tanzen, lachen, singen – dann werden Menschen einander näher gebracht und die Welt wird ein Stück besser. Ich denke, wenn auch nur fünf Menschen von so einer Veranstaltung weggehen und ihre Einstellung zum Nachbarland überdenken, beschließen, mehr zu erfahren, ja vielleicht sogar mal rüberzufahren, dann hat sie sich schon gelohnt. Ich bin gespannt auf das Festival im Mai in Pilsen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 15, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Mar 15, 2019

Zwischen Bachelor und Master

Drei Zimmer, Küche, Bad

Ein aktueller Zeitungsartikel, über den ich unlängst stolperte, offenbarte die traurige Wahrheit: Prager Wohnraum ist in Relation zum Einkommen einer der teuersten in Europa. Diese Erfahrung durfte ich nun wieder einmal selbst machen. Mit dem Ende meines Parlamentspraktikums galt es auch, die Dienstwohnung auf der Prager Kleinseite zu räumen und mich nach etwas Neuem umzusehen. Ich entschied mich, mit zwei Freunden eine eigene WG aufzumachen. Doch die eigentliche Herausforderung hatte damit gerade erst begonnen: Das Finden einer geeigneten Wohnung.
Also begann die Suche in den einschlägigen Facebook-Gruppen und auf den Inserats-Webseiten. Das Problem: In Prag läuft derzeit fast alles nur noch über Makler. Neben einer Kaution fällt so beim Einzug in der Regel auch noch eine komplette Monatsmiete für das Immobilienbüro an. Der erste Kontakt zu den Immobilienbüros gestaltete sich schwierig. Offenbar scheint der Andrang auf Wohnraum so groß zu sein, dass man es nicht als notwendig erachtet, auf Anfragen von potentiellen Mietern einzugehen. Irgendwann griff ich schließlich nur noch zum Telefon, um die Makler direkt zu erreichen.
Damit hatte ich dann auch mehr Erfolg. Schließlich konnten wir uns sechs Wohnungen anschauen. Wir hatten Glück: Nun wohnen wir drei in einer netten Wohnung im Prager Szeneviertel Zizkov. Dass ich hier einmal landen würde, damit hatte ich nun wahrlich nicht gerechnet. Wie in Tschechien üblich war die Wohnung bereits komplett ausgestattet – nicht nur mit Möbeln, sondern auch mit Geschirr, Staubsauger und Co. Zwar wohne ich nun im kleinsten und teuersten Zimmer meines Lebens – dafür aber in einer großartigen Lage und mit lieben Menschen. Und in wenigen Monaten heißt es ja auch schon wieder: Kisten packen, Zelte abbrechen, weiterziehen.

 

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 5, 2019
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Mar 5, 2019