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Studieren im Ausland

Simulationsspiel

Schon des Öfteren habe ich mit Kommilitonen darüber diskutiert, ob das Studium hier das Zertifikat „wissenschaftlich“ verdient. Wohl eher nicht. Man lernt hier Effizienz, mit Druck umzugehen, in einer kurzen Zeit viel aufs Papier zu bringen und praktisch zu arbeiten. Aber das soll es ja auch sein – eine Vorbereitung auf das Berufsleben nach dem College.
Und diesen Praxisbezug finde ich ziemlich spannend. Einer der Pflichtkurse, der wohl die meiste Praxisrelevanz aufweist, ist das sogenannte Simulationsspiel. Hier bekommt man einen aktuellen Gesetzgebungsvorschlag aus der Europäischen Union zugewiesen sowie eine Rollen im Prozess, und dann simuliert man die Verhandlungen in den verschiedenen europäischen Institutionen. Die Rollen reichen über nationale Regierungen, rechts-populistische Abgeordnete im Europaparlament, Kommissionäre bis hin zu Nicht-Regierungsorganisationen, bekannt auch unter der englischen Abkürzung NGO. Mir wurde Letzteres zugewiesen – ziemlich spannend, insbesondere, da ich gar nicht weiß, wie sie auf den Gesetzgebungsprozess Einfluss nehmen. Denn institutionalisiert ist ihre Rolle nicht.
Auch das Thema an sich ist toll: Unser Gesetzgebungsvorschlag ist eine Reform des Dublin-Systems, also der Regulierung von Einwanderung in Europa. Gerade in Zeiten kurz nach der Flüchtlingskrise ein hochbrisantes und wichtiges Thema. Aber auch hier bin ich unsicher, wie die konkreten Reformvorschläge aussehen.
Jetzt muss ich ein Positionspapier schreiben und stehe noch vor zwei großen Fragen: Welche Rolle spielen NGOs im Gesetzgebungsprozess und welche Veränderungen enthält der Reformvorschlag? Latent gestresst bin ich schon, weil dieses Paper in drei Wochen fertig sein muss, zusammen mit zwei anderen Aufsätzen, mit denen ich noch nicht angefangen habe. Aber es wird laufen, wie es immer läuft: Langsam vortasten, mehr Ahnung bekommen, das Paper runterschreiben. Und auf die richtige Simulation, die dann im zweiten Semester stattfindet, freue ich mich schon sehr.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 30, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 30, 2017

Studieren im Ausland

Die Herausforderungen des Kollegs

In meinem Studium am Europakolleg muss ich einige Herausforderungen meistern. Ein kleiner Überblick:

1. Neulich in der „Droit institutionnel de l’Union Européenne“-Vorlesung, also der zum institutionellen Recht der EU. Zwar spricht der Professor einigermaßen langsam, aber auf Französisch zuhören und mitschreiben gleichzeitig geht nicht. Dann schreibe ich halt auf Deutsch mit. Und nutze die weitläufigen Exkurse des Professors, um meinem Gehirn zwischendurch eine Pause zu genehmigen.

2.Sich nicht davon stressen lassen, dass alle (Franzosen) in der Vorlesung wie verrückt mittippen – kriegen die nicht Muskelkater in den Fingern?

3. Einen politikwissenschaftlichen Aufsatz schreiben. Nicht nur, dass ich seit der Schule keinen Aufsatz mehr geschrieben habe (Gutachten zählen nicht), auch die Struktur am Kolleg ist mir noch nicht so ganz klar. Was ist der Unterschied zwischen dem Thema, das mir gegeben wird, der Untersuchungsfrage und der Hypothese? Was soll ich alles genau erklären und was ist überflüssig? Der Tipp von meinem akademischen Assistenten, das Paper so zu schreiben, als würde ich es an einen Politikwissenschaftler adressieren, bringt mir auch nichts. Ich bin doch Juristin!

4. Mit einem Spanier, einem Italiener, einem Portugiesen und einer Französin einen Vorschlag für die wirtschaftspolitische Ausrichtung von einem kleinen, europäischen Staat schreiben.

5. Mich zwischen den vielen Studentengruppen entscheiden. Will ich lieber mit der Umweltgruppe die Welt retten, über Menschenrechte oder die Zukunft diskutieren, an meinen Debattierfähigkeiten arbeiten, tanzen lernen, Restaurants ausprobieren, im Chor teilnehmen oder dem Romanclub beitreten?

6. Am Tag gefühlt eintausend Mal zwischen Französisch, Englisch und Deutsch wechseln.

7. Ein Thema für die Masterarbeit finden. Ich habe doch grade erst hier angefangen, und gerade erst zu Politikwissenschaften gewechselt, und beschäftige mich doch gerade erst seit langem wieder ausführlicher mit dem Thema Europa! Und woher soll ich wissen, ob das Thema zu groß oder zu klein ist für eine Masterarbeit? Ob ich damit wirklich (wenn auch nur ein klitzekleines bisschen) etwas Neues zur Literatur beitragen kann?

8. Immer wieder neue Leute kennenlernen und Smalltalk führen. Und Namen nicht vergessen!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 23, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 23, 2017

Studieren im Ausland

Buffet der Sprachen

Mein Tag in Brügge fängt, wie für fast jeden, mit dem Klingeln des Weckers an. Doch schon kurz nach dem Aufstehen wird es anders: Ich sitze jeden Tag mit Personen am Tisch, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen. Ich höre Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch – und das schon zum Frühstück.
Dann schwinge ich mich aufs Fahrrad und düse zu einem der zwei College-Gebäude in Brüssel. Entweder geht es an wunderschönen Kanälen entlang und durch ruhige Gassen nach Verversdijk, oder ich kämpfe mich durch die Touristenströme am Großen Markt nach Dijver. Wo ich am Vormittag bin, bestimmt meine Route am Mittag: Gibt es wieder Kanäle und Touristen auf Bootstouren zu sehen oder muss ich nur einmal kurz eine Straße hinablaufen?
Ein Gefühl bleibt jedoch immer gleich: Die „Angst“ vor der Schlange. Unsere Kantine stammt nämlich anscheinend aus den 50er oder 60er Jahren, als es nur 100 Studierende hier am Europakolleg gab. Inzwischen sind wir 350 – aber es gibt weiterhin nur eine Essensausgabe und eine Kasse. Da sind nervige Wartezeiten von 20 Minuten schon mal drin. Dafür habe ich hier die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Will ich mich entspannen und nur Deutsch reden? Oder mich zum Beispiel mit einem extrovertierten Spanier unterhalten? Jeder Tag ist anders, aber immerhin traue ich mich inzwischen, mich mit den Franzosen auf Französisch zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen geht es weiter, entweder mit Diskussionsrunden, Tutorials, Vorlesungen oder einer Leserunde in der Bibliothek. Jede Woche bekommen wir einen neuen Stundenplan. Manchmal haben wir 30 Stunden Vorlesungen pro Woche, manchmal nur zehn. Manchmal ist sogar samstags Unterricht, manchmal nur an vier Tagen pro Woche. Ich mag Strukturen sehr und muss mit so wenig Konstanz erst mal klarkommen. Ein Grund dafür, dass ich noch immer keine Lernstruktur habe und auf den großen Knall vor der Klausurphase warte.
Abends kommt, wenn man nicht das Pech von einem spätabendlichen Kurs hat, die Qual der Wahl des Abendprogramms: Entspannt mit Leuten einen Tee trinken; mit der Aussicht auf wenig Schlaf in eine Bar mitgehen; oder den vielen Leuten entfliehen und sich einen ruhigen Abend zu Hause machen? Eines ist sicher: Langweilig wird mir hier nicht.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Oct 18, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Oct 18, 2017