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Studieren im Ausland

Wahnsinnige Entfernungen

Nach zehn Tagen in Salvador brachten mich Alex und Gilmar zum Flughafen. Ich hatte eineinhalb wunderschöne Wochen mit ihnen verbracht, sodass ich wirklich etwas traurig war, als ich mich von ihnen verabschiedete. Auch sie meinten, dass sie mich vermissen würden. Irgendwie würde ich mittlerweile einfach schon zum Stadtviertel dazugehören, hatte Gilmar mir gesagt. Obwohl es nur zehn Tage gewesen waren, die ich mit ihnen verbracht hatte, waren sie mir wirklich ans Herz gewachsen.

Allerdings freute ich mich auch schon darauf, meinen besten Freund aus Fortaleza in seiner Heimatstadt Vitória da Conquista zu besuchen. Ich hatte Rapha nun schon fast zwei Monate nicht mehr gesehen. Genau genommen, seitdem Mitarbeiter der Uni angefangen hatten zu streiken, und er zurück in die Bahia geflogen war, um seine Familie zu besuchen. Endlich würde ich seine Familie kennenlernen und seine beste Freundin Fabiane, die er immer nur Fa nannte und von der er mir schon so viel erzählt hatte.

Der Flug ging schnell vorüber. Währenddessen wurde mir wieder bewusst, wie riesig Brasilien eigentlich ist. Allein der Bundesstaat Bahia, den ich bereiste, ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Und in ganz Brasilien würde Deutschland fast 24 mal hineinpassen! Das sind wirklich wahnsinnige Entfernungen, die ich mir nur schwer vorstellen kann.

Rapha erwartete mich bereits zusammen mit Fa hinter der Absperrung. Als ich ihn in die Arme schloss, war ich überglücklich. Er hatte mir wirklich gefehlt und ich hoffte, dass der Streik an der Uni bald zu Ende sein würde, sodass er mit mir zusammen nach Fortaleza zurückkehren könnte.

Autor: Esther  |  Rubrik: orientieren  |  Oct 23, 2015
Autor: Esther
Rubrik: orientieren
Oct 23, 2015

Studieren im Ausland

Mein Job an der Kasse

Bei meiner Nebenbeschäftigung im Supermarkt werde ich auch öfter mal an die Kasse gerufen. Die meiste Zeit verbringe ich aber doch mit Regale einräumen, Verfallsdaten kontrollieren und Online-Einkaufe für Kunden erledigen. Als ich wusste, dass ich mein Praktikum antreten würde, war mir klar dass ein Nebenjob für die finanzielle Stabilität gar nicht schlecht wäre. Durch Zufall fand ich das Stellenangebot und dachte mir: Eigentlich wollte ich ja schon immer mal in einem Supermarkt arbeiten.

In diesem Unternehmen erhält jeder Mitarbeiter als Partner einen Anteil und am Ende des Finanzjahres werden dann die Gewinne geteilt. Als ich Freunden und Kollegen davon erzählte, war die allgemeine Reaktion, dass das ein richtig gutes Konzept sei. Umso gespannter war ich, hinter die Kulissen eines Ladens zu blicken und selbst Partner zu werden.

Wie motivieren sich die Leute dort gegenseitig? Sind sie glücklicher oder ist es am Ende doch nur ein Job? Wie sieht die Logistik aus, und wie viel Arbeit fließt eigentlich in den Service und das Angebot, das wir von heutigen Supermärkten gewohnt sind? Das wollte ich alles herausfinden. Und natürlich interessierte mich auch, wie die Mülltrennung vonstatten geht. Aber vor allem wollte ich mit Leuten aus der Gegend, allen Alters- und Bildungsstufen zusammenarbeiten. Und sonntags gibt es sogar einen Lohnzuschlag. Ich bin gespannt, wie sich meine Liebe für Essen vielleicht verändern wird, und wie mein Fazit am Ende des Jahres ausfällt.

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  Oct 20, 2015
Autor: Manuel
Rubrik: studium
Oct 20, 2015

Studieren im Ausland

Die perfekte Mischung

An mehreren Abenden kehrten wir zum „Pelourinho“ zurück. Dieser Platz wäre einfach das Herz Stadt, sagte Gilson. Und obwohl er mittlerweile ein sehr touristischer Ort sei, fühle Gilson sich hier sehr wohl. Als ich Alex fragte, woher denn der Name des historischen Zentrums komme, erklärte er mir, dass „Pelourinho“ ursprünglich so etwas wie Steinpfahl heiße, an dem Straftäter gefoltert und zur Schau gestellt worden wären. Heutzutage wüssten das aber nur die wenigsten, fügte er hinzu.

Am Pelourinho befindet sich auch das Museum, das dem berühmten Schriftsteller Jorge Amado gewidmet ist. Bereits in Deutschland hatte ich an der Uni ein Seminar über ihn belegt und seit feststand, dass ich nach Salvador gehen würde, freute ich mich darauf, das Museum kennenzulernen. Jorge Amado war Anfang des 20. Jahrhunderts als Sohn eines Kakaoplantagenbesitzers südlich von Salvador im Bundesstaat Bahia geboren worden. Da er sein ganzes Leben in der Bahia lebte, spielen auch fast alle seine Romane in diesem Bundesstaat. Seine Werke, in denen es meistens um das (Über-)Leben der einfachen Bevölkerung geht, hatten mich von Anfang an begeistert, sodass ich nun ganz aufgeregt war, endlich das Museum kennenzulernen.

Allerdings verbrachten Alex und ich neben dem Abarbeiten des Sightseeing-Programms auch relativ viel Zeit in seinem Stadtviertel, trafen uns mit Freunden von ihm, kochten typisches Essen aus der Bahia und gingen zusammen in das Jugendzentrum, in dem er Capoeira unterrichtete. Schließlich sollte ich ja auch das richtige Leben der „Baianos“ kennenlernen und nicht nur die ganzen touristischen Attraktionen sehen, wie Alex mir sagte. So war die Woche, die ich bei ihm verbrachte, genau die perfekte Mischung aus Tourismus und ganz normalem Leben.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Oct 14, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Oct 14, 2015