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Studieren im Ausland

Und, was hältst du von Windparks?

Es war einmal eine kleine Gemeinde im Westen Schottlands, in der ein Landeigentümer den stetig um seine Ohren wehenden Wind in Elektrizität und Geld umwandeln wollte. Um die Unterstützung von Leuten aus der Gegend zu bekommen, schlug er vor, dass die Gemeinde in eines der zwölf geplanten Windräder investieren solle und dafür am Profit beteiligt werde. Durch eine Stiftung sollte dann den Gemeindemitgliedern Geld zur Verfügung stehen. Gesagt, getan (mit bürokratischen Zwischenstopps natürlich): Bis heute erhielten die Blaskapelle, einige Studenten und das Gemeindehaus finanzielle Unterstützung vom Windpark.

Ich half einem Kommilitonen bei einer Umfrage, für die wir in besagtes Dorf fuhren und zwei Tage vor den Tante-Emma-Läden Leute bezüglich ihrer Meinung zur „Community Windfarm“ interviewten. Das Meinungsbild der Gemeinde war deutlich gespalten: Die einen würden Windparks auch ohne Gemeindebeteiligung unterstützen, da sie Jobs schaffen und den richtigen Weg in die Zukunft zeigen. Ob das immer die ehrliche Meinung der Befragten war, kann ich nicht sagen. Bei solchen Umfragen spielt nämlich immer sozialer Konformismus mit à la „natürlich wollen die hören, dass ich für erneuerbare Energien bin“. Andere hingegen argumentieren, dass dennoch nur die reichen Landbesitzer davon profitieren würden, sie die Gewinnbeteiligung doch mit ihrer eigenen Stromrechnung mitfinanzieren und Windräder ein Schandfleck in den Schottischen Highlands bleiben. In einer Kampagne des Guardians hieß es vor kurzem: Der Kampf um den Klimawandel hat nichts mit Fakten und wissenschaftlichen Argumenten zu tun. Um erneuerbare Energien durchzusetzen und von fossilen Brennstoffen wegzukommen, müssten emotionale und macht-spezifische Hürden überwunden werden. Ich kann das aufgrund meiner Erfahrungen nur unterschreiben, denn wenn sich schon in einem 1.300-Einwohner-Dorf, die Meinungen so spalten, wie muss es dann erst auf Länder- oder Bundesebene aussehen?

Autor: Manuel  |  Rubrik: studium  |  Apr 16, 2015
Autor: Manuel
Rubrik: studium
Apr 16, 2015

Studieren im Ausland

Feindschaft und Vorurteile

Rafael konnte unglaublich gut Geschichten erzählen. Während der ganzen Autofahrt zum Strand unterhielten wir uns, und wenn er seine Eltern oder seine Chefin imitierte, konnten Rapha und ich uns kaum halten vor Lachen. Kurz bevor wir jedoch am Strand ankamen, schaute mich Rafael plötzlich ernst an und verunsicherte mich durch diesen plötzlichen Wechsel der Stimmung. Was war nur los? Ich merkte, dass ihm etwas unter den Nägeln brannte. „Ich bin schwul“, brachte er schließlich heraus. Ich konnte es nicht fassen. Warum sollte das ein Problem für mich sein? Ich hatte eher Angst, er würde mir gestehen, dass er Drogendealer ist. Deshalb lachte ich nur und winkte ab. Als er meine Reaktion sah, war er sichtlich erleichtert. Er erzählte mir, mit wie viel Feindschaft und Vorurteilen er deshalb schon zu tun hatte. Hier in Brasilien ist Homosexualität offenbar wirklich ein großes Problem. Einen Mitbewohner fand Rafael wohl auch deshalb nur schwer. Mehrere seiner Freundschaften sind deshalb schon in die Brüche gegangen und selbst sein eigener Vater weigert sich anzuerkennen, dass er und sein Bruder schwul sind. Gott sei Dank ist seine Mutter anders. Ihr kann er immerhin seine Freunde vorstellen. Ich fand die Geschichte unglaublich traurig und versicherte ihm, dass er sich meinetwegen keine Sorgen machen müsse. Wie es aussah, hatte ich den richtigen Ton getroffen und Rafael beruhigte sich. Dem Tag am Strand stand nun nichts mehr im Weg.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Apr 16, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Apr 16, 2015

Studieren im Ausland

WG

Die ganze Woche über war ich total hibbelig und konnte mich gar nicht richtig konzentrieren, weil ich so aufgeregt war und mich am liebsten sofort mit Rafael getroffen hätte. Ich hoffte so, dass ich bei ihm einziehen könnte.

Am Samstagmorgen kam mein bester Freund Rapha schon relativ früh zu mir. Wir wollten zunächst zusammen frühstücken. Gegen elf würde dann Rafael vorbeikommen und mit uns zum Strand fahren. Wir hatten gerade den Tisch abgeräumt, als es klingelte. Ein strahlender Rafael stand vor der Tür. Während der Autofahrt erzählte er mir, was ihn nach Fortaleza verschlagen hatte. Ursprünglich kam er nämlich aus São Paulo. Allerdings war er bereits als kleines Kind nach Florianópolis gezogen. Dort war er zur Schule gegangen, hatte an der Bundesuniversität BWL studiert und nach dem Studium einige Jahre in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Seit zwei Jahren war er nun bei einer Firma angestellt, die Lasermaschinen verkaufte und hauptsächlich Kunden im Süden und Südosten Brasiliens hatte. Da das Geschäft gut lief, hatte seine Chefin vor einigen Monaten auch einige Vertreter in den Nordosten geschickt, um Kunden in dieser Region des Landes anzuwerben. Er wohnte allein und hatte wenig Kontakt zu anderen Menschen. Und was soll ich sagen? Wir verstanden uns prima und er sagte mir zu.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Apr 13, 2015
Autor: Esther
Rubrik: studium
Apr 13, 2015