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Praktikum im Ausland

Cervantino

Vor ein paar Wochen kam die Idee auf, nach Guanajuato zum Kulturfestival „Cervantino” zu fahren. Guanajuato ist ungefähr 400 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt und mit dem Bus braucht man normalerweise (!!!) fünf Stunden für die Strecke. Meine Freunde und ich haben aber einen ganz billiges Busticket gekauft (17 Euro Hin- und Rückfahrt) von einer Buslinie, die Studenten organisieren. Der Bus war gefühlt 100 Jahre alt, der Busfahrer auch. Die Leute im Bus waren in kürzester Zeit leicht bis schwer besoffen und dementsprechend sehr gut drauf. Kaum einer saß auf seinem Platz, alle haben laut durcheinander geschrien, um sich, trotz der aus den steinzeitlichen Boxen wummernden Musik unterhalten zu können. Nach ungefähr 20 Kilometern hatten wir die erste Panne. Man kann sich vorstellen, dass es die wunderbarste Reise überhaupt war. Statt fünf Stunden haben wir zwölf Stunden gebraucht, was aber auch daran lag, dass wir zwei Stunden zu spät los gefahren sind und der Busfahrer sich ordentlich verfahren hat. So ist das eben, wenn man sparen will.

Die anstrengende Busfahrt hatte sich aber definitive gelohnt. Wir haben einige sehr schöne Straßenkonzerte gesehen und waren auch auf einigen Events. Zum Beispiel sind wir durch Zufall kostenlos zum Konzert einer kubanischen Sängerin gekommen, haben das Orchester von Sinaloa zusammen mit einer der beliebtesten Folklorebands (Banda Limon) spielen hören und eine Show gesehen, bei der Artisten auf einem Kran zur Musik herumgeklettert sind. Außerdem ist Guanajuato eine ganz wunderschöne Stadt! Zwar sehr klein, aber dafür umso schnuckeliger. Es gibt viele Cafés, begrünte Plätze, alte Gebäude und so weiter. Das genialste aber ist, dass alle großen Straßen unterirdisch verlaufen, in den Tunneln der ehemaligen Silber- und Goldminen. Es war einfach angenehm, mal nicht von Autos umringt zu sein, so wie das in Mexico-Stadt der Fall ist. Im Großen und Ganzen habe ich also ein ganz wunderbares Wochenende in Guanajuato verbracht, obwohl auch der Rückweg ein Abenteuer war.

Der Bus war immer noch kaputt und nach langem Hin und Her meinte der Organisator, dass er noch einen anderen Bus hat, in dem wir mitfahren könnten. Allerdings mussten wir auf diesen Bus drei Stunden warten. Dafür war die Reise dann mit fünfeinhalb Stunden deutlich kürzer.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Nov 13, 2012
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
Nov 13, 2012

Praktikum im Ausland

Ein Tag im öffentlichen Krankenhaus von Mexiko Stadt

In letzter Zeit hab ich mich total in den Wunsch, Medizin zu studieren, reingesteigert. Aber nachdem ich durch mein momentanes Praktikum bei Amnesty International gelernt habe, dass sich für ein Studium interessieren und in dem dazu gehörigen Bereich arbeiten zwei ganz verschiedene Sachen sind, wollte ich erst mal den Alltag eines Klinikarztes erleben, bevor diese Erfahrung durch das obligatorische Pflegepraktikum verstärkt werden wird.

Durch Zufall habe ich auf einer Party eine Ärztin kennengelernt, die an der UNAM, einer der besten öffentlichen Universitäten Mexikos, lehrt. Sie hat mich netterweise dazu eingeladen, sie im Uniteil des öffentlichen Krankenhauses (Hospital General) zu besuchen und zu sehen, wie dort gearbeitet wird.

Am vereinbarten Tag bin ich also mit der U-Bahn zu besagtem Krankenhaus gefahren und habe beim Aussteigen einen älteren Herren nach dem Weg gefragt. Zufälligerweise war er Arzt im Krankenhaus und hat mich gleich durch den Mitarbeitereingang eingeschleust. Nachdem ich ungefähr eine Stunde lang die Kardiologie der Universität gesucht habe, war ich dann endlich erfolgreich. Dieses Krankenhaus ist riesig es hat über 1.000 Betten!

Ich wurde ganz herzlich empfangen und erst mal allen vorgestellt. Unter anderem dem Oberarzt der Station, der ganz nebenbei der Bruder des Mexikanischen Nobelpreisträgers in Chemie ist. Jedenfalls waren alle sehr nett zu mir, haben mich alles anschauen lassen und mir alles erklärt. Ich habe mich wie im Paradies gefühlt – endlich durfte mein Hirn mal wieder arbeiten.

Ich war bei ganz normalen Gesprächen zwischen Arzt und Patient dabei, habe Herzbelastungstests gesehen und andere Methoden kennengelernt, mit denen die Funktionalität des Herzens oder bestimmte Herzkrankheiten untersucht werden. Der Höhepunkt war aber, dass ich mit in den OP durfte! Für mich war das eine sehr wichtige und großartige Erfahrung, denn ich war mir nicht sicher, ob ich das aushalten würde. Zunächst ist mir auch wirklich etwas schummerig geworden, als ich gesehen habe wie sie die einzelnen Gewebeschichten aufschnitten, um einen Herzschrittmacher zu implantieren, aber nach einer halben Tafel Schokolade war alles wieder im Lot. Bei der nächsten OP ging es mir dann bestens.

Nachdem ich mir jetzt relativ sicher bin, dass ich Medizin studieren will, werde ich mich mal über das Pflegepraktikum informieren und schauen, ob ich das vielleicht auch im Ausland machen kann.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 31, 2012
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 31, 2012

Praktikum im Ausland

El grito - der Schrei

Bis vor ein paar Jahren hat man in Deutschland nirgendwo unsere Flagge gesehen – man war nicht stolz, Deutscher zu sein. Auch wenn sich das in den letzten Jahren ein bisschen geändert hat, sind wir weit von dem Nationalstolz der Mexikaner entfernt. Besonders im September ist das zu sehen, das ist nämlich „el mes patrio”, also der Monat, in dem sich Mexiko selbst feiert. Warum? Am 15. September um 23 Uhr wurde vor über 200 Jahren die Unabhängigkeit Mexikos von Spanien ausgerufen, oder besser gesagt ausgeschrien. Deswegen wird an diesem Tag jedes Jahr zur gleichen Zeit die Unabhängigkeit gefeiert.

Ich habe diesen besonderen Tag mit der Familie meines Freundes verbracht. Es wurde die typische Pozole, eine sehr nahrhafte Suppe mit Mais, Schweinefleisch, Salat, Radieschen, Sahne, Tortilla und was man sich sonst noch so vorstellen kann, gegessen. Danach sind wir ins Zentrum Tlalnepantlas gelaufen um den „grito” mitzuerleben. Im Allgenmeinen werden die Hauptplätzte der Städte und Dörfer in den Landesfarben geschmückt, der Bürgermeister hält eine Rede und am Ende schreien alle „viva Mexico” – Es lebe Mexiko! Danach wird mit vielen Raketen und Musik weiter gefeiert.

Der eigentliche Feiertag ist aber der Tag danach. Traditionell gibt es in Mexikostadt an diesem Tag einen Militärumzug. Auch wenn ich kein Fan von solchen Dingen bin, hat mich der Umzug irgendwie beeindruckt, weil ich so etwas einfach noch nie gesehen hatte. Ich glaube, wenn man in Deutschland einen fünfstündigen Militärumzug mit Panzern, Hubschraubern, Fallschirmspringern und Düsenjets veranstalten würde, wäre das ein Skandal. Hier ist es eine Attraktion – wie ein Kirchweihumzug.

Autor: Maja  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 15, 2012
Autor: Maja
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 15, 2012