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Mit dem Fahrrad durch Afrika

Chaos an Bord

Als wir schließlich an das Schiff kamen war es übervoll. Das ganze Schiff schien von einer wilden Meute belagert worden zu sein und alle versuchten, ihre Beute aus Ägypten mit in den Sudan zu nehmen. Männer rannten umher, Träger brachten noch das 24-teilige Topfset aus China mit an Bord und lagerten es neben den Plastikweihnachtsbäumen mitten im Gang ab.

Im Eingangsbereich sah ich Werners Fahrrad. Es war mit all seinen Taschen an die gegenüberliegende Einganstür gelehnt. Wir stellten unsere Sachen daneben und machten uns auf die Suche nach einem Platz für die 18-stündige Überfahrt. Auf dem Oberdeck fand ich schließlich Werner, der sich unter dem Rettungsboot einen Platz ergattert hatte. Neben ihm lag Ando Scholz. Rüdiger Nehberg Fans werden ihn vielleicht kennen. Er hat mit ihm zusammen den Blauen Nil befahren, als der dritte Mann Michael Teichmann in einem Gefecht mit feindlichen Stämmen im Kugelhagel starb. Darüber hinaus hat er noch einige andere Abenteuer bewältigt. Ich fand bei ihnen noch ein kleines Plätzchen und konnte dort recht gut die Nacht verbringen. Das Chaos auf und im Schiff ist wirklich schwer zu beschreiben. In den Gängen lagen Menschen, auf den Treppen saßen sie und der übrige Platz wurde mit Kisten, Koffern und Kartons voll gestellt.

Bei aufgehender Sonnen fuhren wir an Abu Simbel vorbei, welches auch schon von den Touristen in Beschlag genommen wurde. Von hier an dauerte es nur noch wenige Stunden, bis wir Wadi Halfa erreichten. Bevor wir aber das Schiff verlassen durften, wurden wir noch von der Polizei befragt, was wir im Sudan machen wollen und welche Adresse wir dort haben. Jeder gab eine auswendig gelernte Hotelanschrift in Khartoum an und die Polizisten waren zufrieden. Als Erste durften wir Radreisende schließlich das Boot verlassen. Ich betrat das elfte Land meiner Reise.

Autor: Benny  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 17, 2008
Autor: Benny
Rubrik: auszeit nach dem abi
Mar 17, 2008

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Next week!

Zwischen Ägypten und dem Sudan gibt es nur einen Grenzübergang. Dieser befindet sich irgendwo auf dem Nasser Stausee zwischen Assuan und Wadi Halfa und ist nur mit dem wöchentlich verkehrenden Schiff zu erreichen. Einige Tage bevor das Boot abfahren sollte, erreichte ich Assuan. Ich wollte sogleich ein Ticket kaufen, doch leider gab man mir zu verstehen, dass das nächste Schiff ausgebucht sei. Jeden weiteren Tag besuchte ich nun Mr. Sahla in seinem Office und hoffte auf neue Tickets. Doch leider tat sich nicht sehr viel und der meist schlecht gelaunte Sahla meinte immer nur: „Next week!" Solange wollte ich aber nicht warten.

Mittlerweile hatte ich in Assuan zwei weitere Radfahrer getroffen, die ebenfalls das Ziel Cape Town hatten. Werner, kommt aus der Nähe von Würzburg, seit kurzem pensioniert und Rudi, ein Slowake, der aus Angst ein weiteres Mal bei seinem Examen durchzufallen, lieber in die weite Welt flüchtete. Werner gehörte zu den glücklichen Ticketbesitzern, doch Rudi erging es wie mir. Wir beide nahmen uns vor, keine Chance auszulassen und so wollten wir es am Abfahrtstag direkt am Hafen probieren.

Früh morgens belud ich mein Fahrrad und fuhr zum Bahnhof, wo ich mich mit den anderen Radfahrern verabredet hatte und den Zug zum Hafen nahm. Hier war schon zu erkennen, wer so alles in den Sudan reisen wollte und was unbedingt mit muss - Ventilator, Tabletts, Fernseher, Kühlschränke... - All diese Sachen wurden in den Zug geladen. Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir das Hafengelände. Übervoll mit Leuten, schwer beladenen Autos und Lastwagen. Vor ein paar kleinen Häusern hatten sich auch schon Warteschlangen gebildet. War davon eine für zurückgebliebene Tickets? Rudi und ich klapperten alle ab, standen immer ein bisschen an, drängelten uns vor und versuchten Informationen zu bekommen. Nach einiger Zeit hatten wir die richtige Schlange gefunden. Aber mit dem Ergebnis, dass es die Tickets, wenn überhaupt, dann erst in fünf Stunden, also um 14 Uhr, gibt.

Autor: Benny  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 4, 2008
Autor: Benny
Rubrik: auszeit nach dem abi
Mar 4, 2008

Mit dem Fahrrad durch Afrika

Im Mondschein

Auch die zweite Oase Farafra hat mit der Oasenromantik, welche ich mir vorgestellt hatte, wenig gemeinsam. Es ist einfach eine recht sandige Siedlung inmitten der Wüste, wo es auf einmal fast alles gibt. Am Rande sind schon noch ein paar Oasengärten zu entdecken, aber vieles ist auch durch den wahllos weggeworfenen Müll verdreckt. Für mich waren die Oasen vor allem wichtig, um meine Vorräte wieder aufzufrischen. Obst, Brot und Wasser waren die wichtigsten Dinge, die ich immer wieder reichlich mit auf die Etappen in die Wüste nahm.

Der sehr helle abnehmende Vollmond ließ die Wüste nachts in einem hellen Licht erstrahlen und so fuhr ich in den nächsten Tagen immer schon des Nachts los. Um 2:30 Uhr klingelte der Wecker und um 3 Uhr saß ich auf dem Fahrrad. Ich hatte nur die Rücklichter an meinem Fahrrad eingeschaltet, damit ich nach vorne die Umgebung besser im Mondschein wahrnehmen konnte. Es war eine unglaubliche Stille. Ein Auto kündigte sich schon einige Minuten vorher an. Erst sah man einen kleinen Lichtpunkt und nach einiger Zeit erklang zudem das Motorengeräusch. Kurz schaltete ich meine Stirnlampe ein, blendete auf und erhielt vom Fahrer des entgegenkommenden Autos eine Antwort, dass er mich gesehen hat, in dem er ebenfalls kurz aufblendete. Danach herrschte wieder Ruhe. Ich sah einige Sternschnuppen und langsam färbte sich der Himmel in einen Rot-Ton, bevor die Sonne eine halbe Stunde später aufging. Es waren für mich die schönsten Stunden des Tages.

Die nächsten Tage fuhr ich noch weiter über Dahkla nach Kargah. Die Schönheit der Strecke nahm ab und der Gegenwind nahm dafür zu, so beschloss ich die letzten 350 Kilometer einen Bus nach Luxor zu nehmen. Ich wurde vorher schon vor dieser Strecke gewarnt, dass sie absolut langweilig sei und es nur ein paar Polizeicheckpoints geben würde. So etwas musste ich mir nicht antun. In Luxor genoss ich das Leben und ließ es sehr langsam angehen. Schließlich brauchte ich wieder neue Kräfte für die Wüstenetappen im Sudan, wo mich wohl keine asphaltierte Piste erwarten würde.

Autor: Benny  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 27, 2008
Autor: Benny
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 27, 2008