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Die Juristen von morgen

Dein Freund und Helfer

Häufiger Bestandteil des Referendariats ist die sogenannte Nachtfahrt, bei der die Referendare eine Nacht bei der Kriminalpolizei hospitieren. Auch ich habe diese Möglichkeit genutzt: Um 18 Uhr ging es los. Zunächst war es ganz ungewohnt, so viele Polizisten um mich herum zu haben. Alle waren unglaublich nett, offen und freundlich. Die Kriminalpolizei ist hauptsächlich für die Tatortaufklärung bei mittlerer bis schwerer Kriminalität zuständig. Sie tragen Zivil, sind jedoch mit Waffen, Handschellen und schusssicheren Weste ausgerüstet.
Auch ich bekam eine schusssichere Weste, und dann fuhren wir nachts durch das dunkle Berlin und lauschten dem Funk. Neben mir lag ein Spurensicherungskoffer, dessen Inhalt mir meine Begleiter ausführlich erklärten. Unseren ersten Einsatz hatten wir dann bei ein paar brennenden Autos, die mutmaßlich angezündet worden waren. Wir klärten die Umstände – soweit es ging – mit dem zuständigen Einsatzleiter der Feuerwehr und der Streifenpolizei. Den Autobesitzern händigten wir Zettel aus, damit sie den Schaden bei der Versicherung melden können. Bevor wir den Tatort verließen, untersuchten wir ihn auf mögliche Spuren des Brandlegers.
Später in der Nacht wurden wir zu einem Fall einer räuberischen Erpressung hinzugezogen, bei der der Täter dem Opfer seine Pistole unter die Nase hielt, um es dazu zu zwingen, Geld abzuheben. Hier durfte ich bei der Vernehmung des Opfers dabei sein und sogar selbst Fragen stellen. Mir wurde dadurch vor Augen geführt, was für eine wichtige Rolle die Polizei einnimmt, indem sie die Belange des Geschädigten ernst nimmt, das Geschehen ausführlich untersucht und sich so effizient wie möglich auf Tätersuche begibt.
Die Polizisten haben eine 12-Stunden-Schicht, ich selbst bin frühmorgens mit vielen neuen Eindrücken nach Hause gegangen. Jetzt weiß ich, wie eine Strafakte zustande kommt, wie die unterschiedlichen Ermittlungsschritte laufen und wie Vernehmungen ablaufen. Und ich habe einen persönlichen Eindruck von der Polizei bekommen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  May 28, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
May 28, 2019

Die Juristen von morgen

Es geht um das Leben

Während ich in der Zivilstation das Gefühl hatte, mich teilweise mit eher unwichtigen beziehungsweise wenig existenziellen Fragen zu beschäftigen, ist es im Strafverfahren ganz anders. Natürlich kann es auch im Zivilrecht an die Substanz gehen, wenn es beispielsweise um die Kündigung einer Wohnung geht oder um eine Schadensersatzzahlung, die zu einer Insolvenz führen kann. Aber es kann auch um nur um einen Ast gehen, der vom nachbarschaftlichen Grundstück zu weit über einen Zaun ragt. Im Strafrecht geht es hingegen in den meisten Fällen ums Eingemachte: Geldstrafe, Führerscheinentzug, Haft. Es dreht sich um Menschen, die irgendwann auf ihrem Lebensweg falsch abgebogen sind oder einfach viel Pech hatten.
Um mich auf die Sitzungen vorzubereiten, in denen ich als Referendarin die Staatsanwaltschaft vertrete, habe ich mich in ein paar Verhandlungen gesetzt. Hier erlebt man die unterschiedlichsten Schicksale und die unterschiedlichsten Charaktere: Diebe, denen das ganze Verfahren überhaupt nichts auszumachen scheint. Verschüchterte Jugendliche, die zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Obdachlose, die sich über Polizeigewalt beschweren. Teilweise nehmen die Richter auch Anteil und wollen helfen; aber die Instrumente des Strafrechts sind begrenzt. Im Einzelfall mag eine Haftstrafe mal „helfen“, aber viel wichtiger wären in vielen Fällen Jobs, soziale Kontakte oder die Einweisung in eine Psychiatrie.
Inzwischen musste ich bereits mein erstes Verfahren leiten. Als Staatsanwältin habe ich hauptsächlich die Aufgabe, den Anklagesatz zu verlesen und dann das Plädoyer mit der beantragten Strafe zu halten. Und so saß ich vor meinen Akten und musste mir überlegen, was ich beantrage. Neun Monate Haft auf Bewährung? Oder besser zehn Monate? – Für mich ist das nur eine Zahl, aber für den Angeklagten sind das 30 Tage, die er länger in einer Gefängniszelle verbringt. Wenn ich den Entzug der Fahrerlaubnis beantrage, bedeutet dies, dass der Angeklagte für einen bestimmten Zeitraum unter Umständen extrem eingeschränkt ist, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit. Ganz schön wichtige Entscheidungen. Doch es fühlt sich gut an, denn man hat das Gefühl, zum Funktionieren der Gesellschaft beizutragen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  May 13, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
May 13, 2019

Die Juristen von morgen

Wie im Fernsehen

Die Strafstation hält bisher, was sie versprochen hat: Mein erster Arbeitstag begann in der Gerichtsmedizin. Zuerst haben wir einen zweistündigen Vortrag darüber gehört, welche Deformationen Leichen annehmen können, welche Untersuchungsmethoden Gerichtsmediziner anwenden und, dass ein Großteil aller Gewaltdelikte im nächsten Umfeld begangen wird. Nach der theoretischen Einführung kam der Teil, den wir mit Spannung erwartetet hatten: die Sektion.
Beim Betreten der Sektionsräume schlug uns ein furchtbarer Geruch entgegen, den die meisten nur mit einem vor die Nase gedrückten Tuch ertrugen. In einem der Räume lag eine halb verweste Leiche. Wir wurden zu einer weiteren Leiche geführt, bei dem Anblick wusste mein Gehirn erst gar nicht, wie es mit diesen Informationen umgehen soll. Auf dem Stahltisch lag ein menschlicher Körper, aber er sah eher aus wie eine Figur aus Madame Tussauds. Nur das erlaubte es mir wohl, während der Untersuchung die nötige Distanz zu bewahren, um die Untersuchung durchzustehen – und sogar interessant zu finden. Denn im Rahmen der medizinischen Untersuchung, wie sie in der Strafprozessordnung vorgegeben ist, ist ein gründliches Programm vorgegeben: Alle Organe müssen herausgenommen werden, selbst Haut und Gehirn werden untersucht. Was ich bisher nur aus dem Biologieunterricht kannte, sah ich jetzt in echt: Das Herz, die Leber, die Wirbelsäule.
Während der gesamten routinierten Untersuchung haben die anderen Referendare Fragen über Fragen gestellt: über die Funktionsweise des Körpers, welche Indizien am Körper auf eine Gewalttat hindeuten und wie eine Tötung überhaupt biologisch abläuft. Unser Dozent könnte bestimmt die Vorbereitung für einen perfekten Mord liefern. Nachdem ein zweiter Gerichtsmediziner den Befund unseres Dozenten bestätigt hat, wurde die Leiche wieder zugenäht und für die Bestattung vorbereitet. Der erste Arbeitstag war vorbei.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Apr 23, 2019
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Apr 23, 2019