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Gap Year

Darf es sonst noch etwas sein?

Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, in meinem Gap-Year würde ich eine Zeit lang als Verkäufer in einer Bäckerei arbeiten, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Doch jetzt stand ich in der Filiale einer Bäckerei und verkaufte alles, was das Brotregal hergab. Ich muss zugeben, ich hatte den finanziellen Aufwand eines Gap-Years unterschätzt und bin daher sehr froh über die Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen. Außerdem finde ich die Arbeitszeiten nicht schlecht. Da sich die Bäckerei zusammen mit einem Supermarkt in einem Gebäude befindet, haben wir bis 22 Uhr geöffnet. Die Spätschicht ist bei meinen ausschließlich weiblichen Kolleginnen nicht beliebt, da viele Kinder und einen Ehemann zu Hause haben. Mir kommt diese Schicht hingegen ganz gelegen.
Ich bin übrigens der allererste Mann, der dort als Verkäufer arbeitet. Das sorgt auch bei vielen Kunden erstmals für Verwunderung, anscheinend ist es immer noch für viele komisch von einem Mann sein Baguette zu bekommen, zumindest in meiner Heimatstadt mit 15.000 Einwohnern. Aber nicht nur mein Geschlecht sorgte bei dem einen oder anderen Kunden für Verwunderung. Da meine Mutter fast 30 Jahre lang einen Blumenladen bei uns im Ort hatte, erkennen mich viele Menschen. Sobald sie mich der richtigen Familie zugeordnet haben, gehen die Fragen los: Ob ich hier eine Ausbildung mache? Wie es meiner Mutter geht? Und ob mein Opa noch Auto fährt? Es sind meistens dieselben Fragen und Geschichten, die ich schon am zweiten Tag etwas nervig fand. Aber über so etwas sehe ich gerne hinweg und genieße zum ersten Mal in meinem Leben Dinge wie bezahlten Urlaub und feste Arbeitszeiten.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  Mar 18, 2019
Autor: Noah
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Mar 18, 2019

Gap Year

Wie gewonnen so zerronnen

Nachdem ich das Praktikum beim ZDF beendet hatte, sollte es eigentlich direkt zwei Tage später mit dem nächsten Job weitergehen. Da mein Praktikum unbezahlt war, brauchte ich eine Einnahmequelle, um wieder ein paar Reserven auf mein Bankkonto zu spülen, das unter den vielen Reisen und den wenigen Zahlungseingängen gelitten hatte. Durch eine Freundin kam ich dann an die Nummer des Chefs einer Nudelmanufaktur in der Nähe. Er klang ganz zuversichtlich und meinte, ich solle doch einfach am Montag nach meinem Praktikum vorbeischauen.
Zuversichtlich ging ich an jenem Montagmorgen zu der Nudelmanufaktur, die keine fünf Gehminuten von meinem Zuhause entfernt liegt. Dort angekommen, traf ich nicht auf den am Telefon so sympathischen Chef, sondern nur auf verdutze Gesichter. Keiner wusste, dass ich komme, denn der Chef lag seit zwei Wochen im Krankenhaus. Die Assistenz der Geschäftsleitung meinte dann noch – zwar freundlich aber bestimmt, – dass gerade kein Bedarf an neuen Mitarbeitern besteht. Mein Bewerbungsgespräch endete also, bevor es angefangen hatte. Auf dem Heimweg konnte ich mir ein paar Tränchen nicht verkneifen. Denn meine gesamte Planung und meine Hoffnung auf finanzielle Entlastung waren innerhalb weniger Minuten dahin. Mit gesenktem Kopf ging ich durch den Tag: Auch so kann ein Gap-Year aussehen, manchmal steht man in einer Sackgasse und muss erstmal einen Ausweg finden.
Den Ausweg fand ich einen Tag später bei meinem Stammbäcker, der verzweifelt Leute für die Abendschicht bis 22 Uhr suchte. Da ich nicht wählerisch sein durfte, schrieb ich noch am selben Abend meine Bewerbung. Schon eine Woche später erhielt ich einen Arbeitsvertrag und durfte dort als Verkäufer anfangen. Ich freute mich auf die neue Arbeit und die dadurch gewonnene Freiheit.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  Mar 1, 2019
Autor: Noah
Rubrik: orientieren
Mar 1, 2019

Gap Year

Ein Interview mit Boris Becker

Am vorletzten Tag meines Praktikums beim ZDF durfte ich mich als „Boulevard“-Journalist am roten Teppich versuchen. Davor hatte ich Respekt, denn bisher habe ich nur Interviews mit „normalen“, nicht prominenten Menschen geführt. Ein neues Musical in Stuttgart feierte Premiere und als Stargast war der ehemalige Tennisspieler Boris Becker angekündigt. Wie ich befürchtet hatte, sollte ich den dreifachen Wimbledonsieger zu seinem Privatleben befragen. Ich wurde schon vorgewarnt, dass Herr Becker auch pampig werden könne, wenn er einen schlechten Tag habe. Mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich zusammen mit einem Kameramann und seinem Assistenten zur Premiere. Dort empfing man uns mit kalten Getränken, kleinen Snacks und einer Liste mit Fotos der Prominenten, die erwartet wurden. Ich bin ehrlich, ich kannte neben Boris Becker kaum jemanden auf der vierseitigen Liste. Die Musicalleitung führte uns schließlich zum roten Teppich, wo jeder Sender seinen Platz hatte. Dann warteten wir. Nach mehr als einer Stunde kam Boris Becker und das Blitzlichtgewitter begann. Ich zeigte auf mein Mikrofon und er steuerte tatsächlich auf mich zu. Um ihn nicht gleich auf sein Privatleben anzusprechen, fragte ich alibiweise erst, ob er sich auf das Musical freuen würde, um dann mit der nächsten Frage auf seine aktuelle finanzielle Situation zu kommen. Sein Gesicht verdunkelte sich und er gab mir zu verstehen, dass es besser wäre, keine weiteren Fragen mehr zu stellen. Er ging zu einem Kollegen vom Privatfernsehen, der aber natürlich auch nur private Fragen an ihn hatte und sich nicht für das Musical interessierte. Ich war froh, als es vorbei war, denn der „Boulevardjournalismus“ liegt mir wohl nicht. Aber trotzdem bin ich dankbar für diese Erfahrung und ziehe nach sechs Wochen Praktikum eine sehr positive Bilanz aus meiner Zeit beim ZDF. Seit der fünften Klasse wollte ich Journalist werden, über die Jahre ist dieser Plan allerdings etwas in den Hintergrund gerückt. Doch das Praktikum hat mir gezeigt, dass der Journalismus vielleicht mehr als nur ein Plan B ist.

Autor: Noah   |  Rubrik: orientieren  |  Feb 18, 2019
Autor: Noah
Rubrik: orientieren
Feb 18, 2019