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FSJ im Ausland

Meine neue Familie

"Das ist Doña Emerita", sagte Luis lächelnd. "Sie wird deine nicaraguanische Mutter sein". Nachdem die drei sich verabschiedet und ich das Gepäck in meinem neuen Zimmer verstaut hatte, begann Emerita mir ein bisschen über ihre (und nun auch meine) Familie zu erzählen.

So erfuhr ich, dass sie mit siebzehn (!) geheiratet und kurz darauf auch gleich ihre erste Tochter, Lestty, bekommen hatte. (Das ist durchaus normal hier in Nicaragua, aber darüber werde ich ein anderes Mal mehr schreiben.) Juan, ihr Mann, arbeitet unter der Woche auf einer "Finca" - eine Kuhfarm, die etwa eine Stunde mit dem Boot flussabwärts liegt - und kommt nur am Wochenende nach Hause. Meine 28-jährige Gastschwester Lestty werde ich erst in einem Monat kennen lernen, wenn sie ihr Wirtschaftstudium in Managua abgeschlossen hat. Schließlich wurde mir noch von meinem 24-jährigen Gastbruder "kleiner Juan" erzählt, der ebenfalls bald sein Studium (Tiermedizin) beenden wird. Es ist hier nichts Außergewöhnliches, den Sohn nach dem Vater zu benennen, was jedoch ab und zu zu Verwechslungen führen kann.

"Ach ja", meinte meine Gastmutter zum Schluss noch und führte mich in den Hinterhof. "Fast hätte ich vergessen, dir unsere 15 Kampfhähne vorzustellen, die zwei Mal täglich vom kleinen Juan trainiert werden."

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 26, 2009
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 26, 2009

FSJ im Ausland

"Das grüne Haus mit den rosaroten Blumen im Vorgarten"

 Je weiter wir aus dem Zentrum des Städtchens hinausliefen, desto ärmer wurden die Häuser. Während es im Zentrum noch relativ viele stabil wirkende Steinhäuser gab, bekam ich nun zunehmend Holz- oder Blechhütten, die ab und zu mit zerrissenen Tüchern zusammengehalten wurden, zu Gesicht. Und nicht nur das: Nach etwa 15 Minuten waren die Straßen auch nicht mehr gepflastert, sondern bestanden mehr aus Schlaglöchern, Schlamm und Staub.

Weitere zehn Minuten bummelten wir dahin, bis wir vor einem wunderschönen grün gestrichenen Haus mit rosaroten Blumen im Vorgarten Halt machten. Luis bedeutete mir, dass dies nun mein neues Zuhause sein würde. Überrascht, dass ich in so einem Luxushaus (für nicaraguanische Verhältnisse) leben würde, trat ich ein. Zu allererst fiel mir der riesige Jesus auf, der über dem Fernseher prangte. Aber er war nicht allein. Weitere Jesusdarstellungen, Marienbilder und Kreuze schmückten die Wände. Geschockt und etwas ratlos (ich bin nicht besonders religiös) blickte ich mich um. Doch schon kam uns eine lächelnde kleine Frau entgegen, und der erste Eindruck von Strenge wich.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 19, 2009
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 19, 2009

FSJ im Ausland

Der erste Eindruck meines neuen Zuhauses

Da San Carlos am leichtesten über Costa Rica erreichbar ist, flog ich zuerst in die dortige Hauptstadt San José, um von dort aus einen Bus an die Grenzstadt Los Chiles zu nehmen. Von dort aus kann man dann in ein kleines Boot steigen (ein so genanntes "Panga"), das einen über den Río Frío schließlich bis nach San Carlos führt.

Als wir um die letzte Biegung fuhren, wurde die wunderschöne Sicht auf mein zukünftiges Zuhause frei, die mich schon auf den Fotos so fasziniert hatte. Empfangen wurde ich vom Partnerschaftsbeauftragten Luis sowie Ruth und Eddy, zwei jungen Sancarleños, wie die Einheimischen auf Spanisch heißen. Die beiden hatte die ich bereits in Deutschland über den Jugendaustausch kennen gelernt.

Während wir so durch das kleine Städtchen gingen (oder besser gesagt „schlenderten", denn die Nicas laufen seeeehr langsam), bestaunte ich die bunt angestrichenen Häuschen. Zum Teil waren diese in einem eleganten Kolonialstil gebaut, zum Teil waren es nur heruntergekommene Holzhütten. Vor fast jedem Haus saßen Leute, meistens in Schaukelstühlen, die sich unterhielten, Bohnen putzten oder Orangen schälten und diese anschließend verkauften. Alles schien irgendwie langsamer zu laufen. Jeder hatte Zeit, um ein Pläuschchen mit vorüberspazierenden Bekannten zu halten. Und wenn jemand gefragt wurde "Wie geht's dir?", antworten fast alle "Tranquilo", was soviel wie "Gechillt" bedeutet.

Im Gegensatz zu dem gestressten Leben, das ich in Deutschland geführt hatte, kam mir dieses "verschlafene" Dorf gerade recht. Auf genau so ein Leben hatte ich, zumindest für ein Jahr, schon lange gewartet. Zufrieden lächelnd ging ich mit meinen drei Begleitern weiter in Richtung meines neuen Zuhauses.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Feb 12, 2009
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Feb 12, 2009