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Mein Freiwilliges Jahr

Die Entscheidung für Nicaragua

Im Oktober meines letzten Schuljahres, also gut neun Monate bevor mein FSJ in San Carlos begann, wurde es konkret: Bei einem Vortrag in der Volkshochschule Erlangen lernte ich Luis Orozco kennen. Er war als Sportbeauftragter aus San Carlos gerade vor Ort und gehörte der Delegation an, die an diesem Abend in die vhs Erlangen eingeladen war. Und obwohl ich zu der Zeit nur relativ wenig Spanisch sprach, gelang es uns doch ganz gut, uns zu verständigen. Als er mich fragte, welche Arbeit ich mir denn vorstellen könnte, antwortete ich ihm, dass ich von dem Jugendzentrum „La Tertulia“ gehört hätte und dort gerne Englisch- und Tanzunterricht anbieten würde.

Es war ein richtig nettes Gespräch, und als wir uns verabschiedeten, versprach er mir, sich bei mir zu melden, sobald er wieder in San Carlos sei. Außerdem wollte er nach einer Gastfamilie für mich suchen und mit dem Jugendzentrum alles wegen meiner Arbeitszeiten klären. Um ehrlich zu sein, dachte ich an diesem Abend, dass ich wahrscheinlich nie wieder etwas von Luis Orozco hören würde. Doch bereits eine Woche später erhielt ich eine E-Mail von ihm, in der er mir schrieb, dass er alles arrangiert hatte und ich nun, wenn ich wollte, mein Flugticket kaufen könnte.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Aug 5, 2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Aug 5, 2011

Mein Freiwilliges Jahr

Privat ins FSJ

Als ich in der nächsten Woche das Klassenzimmer betrat, sahen die Jugendlichen schon wesentlich interessierter aus. Während der ersten Hälfte der Stunde sprachen wir wieder über das Leben in San Carlos und sie stellten die Fragen, für die letzte Woche keine Zeit mehr gewesen war. In der zweiten Hälfte bat mich dann die Lehrerin, den Schülern zu erklären, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen.

Ich nannte ihnen zuerst die einschlägigen Organisationen und dann erzählte ich, wie es bei mir gewesen war. Bereits Ende der zwölften Klasse hatte ich angefangen, mich über die unterschiedlichsten Projekte zu informieren. Über den Dritte-Welt-Laden erfuhr ich beispielsweise von der Einsatzstelle in einer Behindertenwerkstatt in Oaxaca, Mexiko. Eine weitere Möglichkeit mich zu engagieren wäre in einem Straßenkinderprojekt in Ecuador gewesen, von dem mir eine Bekannte berichtete. Allerdings meinte sie, dass ich auch einfach auf eigene Faust nach Lateinamerika reisen könne, ohne mich zuvor für eine konkrete Einsatzstelle beworben zu haben. „Dort wimmelt es nur so von gemeinnützigen Projekten. Und meiner Erfahrung nach ist jede helfende Hand willkommen“, sagte sie zu mir. Irgendwie hätte das auch seinen Reiz, dachte ich. Einfach loszuziehen ohne Organisation und sich dort vor Ort dann ganz spontan einem Projekt anzuschließen!

Als dies meine Mutter hörte, war sie jedoch nicht so begeistert. „Es muss ja keine Organisation sein, aber mir wäre es schon ganz recht, wenn es wenigstens einen Ansprechpartner gäbe, für den Fall, dass dir etwas passiert.“ Und so suchte ich weiter, bis ich schließlich von Erlangens Partnerstadt San Carlos in Nicaragua erfuhr. Tja, und da hat meine Geschichte als Freiwillige im Ausland damals angefangen.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Aug 2, 2011
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Aug 2, 2011

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Von der Vergangenheit eingeholt

Und plötzlich war die Bedrohung ganz real. Keine Bilder aus dem Fernsehen oder Zeitungen, ungefährlich in ihrer Wirkung. „Waldbrände in Russland: atomare Gefahr im Anmarsch?“ So oder ähnlich konnte man in den deutschen Zeitungen im Ausland lesen. Die Waldbrände waren bis ins Dreiländereck Weißrussland-Russland-Ukraine vorgedrungen und wirbelten in den atomar verseuchten Gebieten rund um Tschernobyl den Boden auf. Diese Partikel in der Luft konnten eine Gefahr darstellen oder auch nicht. Je nachdem, welchen Berichten man nun Glauben schenken durfte, war es in der Nähe dieser Gebiete gefährlich oder nicht.

Ungünstigerweise lag unsere zweite Station genau im kritischen Gebiet. Die Stadt Gomel, wo wir die letzten drei Tage des Austausches verbringen sollten, lag 30 Kilometer von der Tschernobyl-Sperrzone entfernt. Hier wurden wir nun also von der Vergangenheit eingeholt. Der Super-Gau von 1986 war plötzlich wieder präsent. Zumindest bei uns gut informierten Deutschen – in Weißrussland wurde darüber nicht berichtet. Warm würde es wohl werden in Gomel, so hieß es von weißrussischer Seite, aber der Wind stünde gut, die gefährlichen Partikel würden nicht zur Stadt geweht. Sicher, morgen könne das Ganze schon anders aussehen. Ah ja, vielen Dank für diese konkrete und beruhigende Aussage …

Trotz alledem fuhren wir ins vor Hitze kochende Gomel und verdrängten das unterschwellige Unwohlsein erfolgreich. Aber das alte, dieses Land bestimmende Thema, hatte es wieder geschafft, sich in die Köpfe der Menschen zu brennen.

Autor: Leon  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 6, 2010
Autor: Leon
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 6, 2010