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Freiwilligendienst im Ausland

Die große Freiheit nach dem Abi?

Ein staubiger Raum, 118 aufgekratzte Schüler und überkochende Emotionen: Als ich mit klopfendem Herzen die Bestätigung über meine bestandene Hochschulreife in den Händen hielt, wurde mir klar: Ich habe mein Abitur geschafft! Nie wieder Hausaufgaben machen, Physik lernen oder vor Abfragen bibbern!
Aber halt, eine letzte Prüfung folgte noch: Mit meinem Abiturschnitt hatte ich mich für die sogenannte „Ministerialbeauftragten-Prüfung“ qualifiziert. Dahinter verbirgt sich das Auswahlverfahren für ein Studienstipendium.
Vor Ort wurde ich wie alle anderen Kandidaten innerhalb kurzer Zeit mit Denkaufgaben aus verschiedenen Fächern bombardiert und sollte versuchen, diese in der mündlichen Prüfungssituation möglichst spontan und kreativ zu lösen. Weil mich meine Mathekenntnisse ziemlich im Stich ließen, reichte es zwar nicht für das Stipendium, sondern nur für ein „bestanden“ – aber eine interessante Erfahrung war die Prüfung trotzdem!
Darauf folgte endlich die langersehnte Entspannung, fernab jeglicher Formelsammlungen, Vokabelabfragen und Geschichtsdaten: Zwei Wochen habe ich mit meinen Eltern auf Madeira verbracht. Der turbulente Flug hatte sich gelohnt, denn an vielfältiger Natur ist die portugiesische Insel kaum zu übertreffen: Vom tropisch anmutendem Regenwald über Sandstrände bis hin zu Klippen, die an die schottischen Highlands erinnern, findet man dort nahezu jede erdenkliche Landschaftsform. Bei wunderbaren 25 Grad ließ sich der Abistress zum Glück schnell vergessen.
Und wie geht es jetzt weiter? Im Oktober beginne ich meinen Freiwilligendienst in Frankreich. Ich werde in eine WG ziehen, mein Französisch verbessern, in einem Sozialzentrum arbeiten und hoffentlich auch die große Freiheit nach dem Abi genießen.

Freiwilligendienst im Ausland

Rundreise

„Bye bye, Teacher Hannes“, mit diesen gesungenen Worten wurde ich verabschiedet. Es war Freitag vor den Osterferien, die Schulkinder der tansanischen Grundschule hatten sich ein letztes Mal zur Versammlung aufgestellt und sangen für uns Freiwillige. Die drei Monate Freiwilligendienst waren fast vorbei, in zwei Wochen würde mein Flieger von Daressalaam zurück nach Stuttgart fliegen.
Ich verabschiedete mich persönlich von den Kindern und Lehrern, die ich besonders ins Herz geschlossen hatte, bevor ich nach Hause fuhr. Ich packte mein Leben der vergangenen drei Monate in zwei Reisetaschen – ein seltsames Gefühl.
Abends gingen wir Freiwillige noch ein letztes Mal in unser Lieblingsrestaurant in Kayanga. Auch sie werde ich für eine ganze Weile nicht mehr sehen, da sie alle noch in Tansania bleiben, um für längere Zeit zu reisen.
Am nächsten Tag brach ich in aller Herrgottsfrühe auf, um meinen Reisebus zu erwischen. Erste Etappe: Mwanza, direkt am Victoriasee gelegen und acht Stunden Fahrt entfernt. Dort gab es plötzlich wieder Supermärkte, modisch angezogene Menschen und sogar eine Shoppingmall! Ich war auf dem Weg zurück in die westlich geprägte Zivilisation. Über Dodoma, die Hauptstadt Tansanias, und Morogoro, erreichte ich eine Woche vor meinem Rückflug Daressalam am Indischen Ozean.
Die schiere Größe der Stadt überforderte mich. Ein Lehrer, den ich während meiner Zeit in Kayanga kennengelernt hatte, hielt sich zu dieser Zeit glücklicherweise auch in der Küstenstadt auf und zeigte mir die schönsten Ecken Dars, wie die Stadt abgekürzt genannt wird. Er zeigte mir den Fischmarkt und führte mich an paradiesische Strände. Nach einem lauen Abend in einer Bar stieg ich gegen zwei Uhr nachts in ein Flugzeug, das mich über Istanbul in eine andere Welt zurückbrachte. Es war meine Rückkehr nach Deutschland!

 

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Aug 15, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Das Paket

Ungeduldig fuhr ich mit dem Motorrad zum Post Office von Kayanga. Das Gebäude ist von außen schmucklos, die Fassade besteht fast ausschließlich aus Postfächern. Da nämlich kaum eine Straße hier offiziell ist und somit auch keinen Straßennamen hat, ist eine direkte Postzustellung unmöglich. Wenn man also den analogsten aller Kommunikationswege nutzen will, muss man sich ein kleines schwarzes Postfach mieten.
Doch darum ging es jetzt nicht: Ich war nicht für Briefsendungen gekommen, mich erwartete Größeres. Also trat ich ein. Der Raum mit drei Schaltern an der Stirnseite war gefüllt mit Menschen. Verständnislos schaute ich ihnen dabei zu, wie sie irgendwelche Formulare ausfüllten, dann wurde ein Schalter frei und ich widmete meine Aufmerksamkeit dem freundlich dreinschauenden Postbeamten.
„Ich habe ein Paket hierherschicken lassen“, sagte ich auf Englisch. „Katempris?“ fragte der Beamte nur. Seine Scharfsinnigkeit überrumpelte mich ein wenig. Ein Weißer in Kayanga wird wohl mittlerweile zwangsläufig mit der Grundschule Katempris in Verbindung gebracht, da sie immer wieder Freiwillige beschäftigt.
Widerwillig nickte ich, mochte nicht zu viel von mir preisgeben. Dennoch ist das Postfach auf die Schule gemeldet und somit musste ich dieses Zugeständnis machen, um an mein Päckchen zu kommen.
Der Beamte ging in ein Hinterzimmer und kam nach einigen Minuten mit einem recht zerschlissenen Paket zurück. Ich schaute auf den Absender: Tatsache, es war aus Deutschland, von daheim! Ohne Protest zahlte ich eine Empfangsgebühr – von der mir zuvor versichert worden war, dass ich sie nicht zu bezahlen hätte – stopfte den braunen Karton in meinen Rucksack und machte mich auf den Weg nach Hause, um meine neuen Schätze in Augenschein zu nehmen.
Dort angekommen offenbarte sich mir, was meine Mutter vor etwa vier Wochen in die Hände der Deutschen Post gegeben hatte: Zuckerrübensirup, Streichpasteten sowie kaputte und geschmolzene Schokolade – meine Food-Most-Wanted, die ich in Tansania sehr vermisst habe. Prompt schmierte ich mir ein Weißbrot mit Sirup, aß eine Tafel Schokolade und begann, die restlichen Tafeln zu zählen, um sie für meine restliche Zeit hier zu rationieren. Ich hielt ein Stück Heimat in Händen und fühlte mich glücklich.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 17, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Jul 17, 2018