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Freiwilligendienst im Ausland

Dorfleben - Teil 2

Das Leben hier in Kayanga ist natürlich ganz anders als in Deutschland. Zum Einkauf ging es nicht etwa in den Supermarkt – den gibt es hier gar nicht –, sondern auf den Markt, der aus zusammengezimmerten Buden bestand. Dort gab es alles, was das Umland so hergab: Kartoffeln, Mais, Kochbananen, Tomaten, Mango, Papaya, Passionsfrucht. Äpfel oder Gurken? Fehlanzeige. Hier wurde nur das verkauft, was regional und saisonal geerntet wurde.
Eine weitere Institution sind die Schneider. Als Souvenirs aus anderen tansanischen Städten brachten wir uns nicht selten Kitenge, traditionelle Stoffe, mit, um uns dann mal mehr oder weniger verrückte Kleidungsstücke schneidern zu lassen.
Auffällig waren die vielen Handyläden: An jeder Straßenecke konnte man sich neues Guthaben kaufen. Im ersten Moment mag es komisch klingen, dass ein so rückständiges Land wie Tansania in seiner Kommunikation so moderne Wege geht. Bei näherer Betrachtung leuchtet es aber ein, dass ein Land mit schwacher Infrastruktur und dünner Besiedlung auf die massenhafte Verbreitung von Mobiltelefonen setzt, mit denen man auch noch Geld überweisen kann.
Freizeitangebote sind in Kayanga rar gesät. Es gibt weder einen Park noch ein Kino noch ein Museum in der näheren Umgebung. Und so fanden wir uns dann abends oft in einer der Bars des Dorfes wieder, um Spiele der Premier League anzuschauen. Die englische Fußballliga erfreut sich in Tansania größerer Beliebtheit als die eigene Landesliga.

Freiwilligendienst im Ausland

Dorfleben - Teil 1

Abends erreichten wir das Ziel unserer Reise: Kayanga, ein kleiner Ort im Nordwesten Tansanias, der auf Google Maps nicht mal mit Straßen angezeigt wird. Für die nächsten zweieinhalb Monate sollte ich also hier wohnen. Wir konnten bei den Katabaros wohnen, den Schulgründern von Katempris. An ihrer Schule sollte ich nun als Freiwilliger arbeiten.
Zusammen mit vier Dänen, die auch gerade ihren Schulabschluss in der Tasche hatten, bezog ich einen Teil des Hauses, der speziell für die Freiwilligen eingerichtet ist. Dort hatten wir eine eigene kleine Küche mit Gasherd und Esstisch, jeder sein eigenes Zimmer sowie Badezimmer mit westlichen Keramiktoiletten und Duschen mit fließendem, warmem Wasser.
Um besser zu verstehen, was für einen Luxus das war, muss ich euch kurz ein normales tansanisches Haus beschreiben: Dieses ist einfach und klein gebaut. Es gibt einen Wohnraum, der gleichzeitig auch als Küche und Esszimmer dient. Gekocht wird zumeist auf Herden, die mit Holzkohle betrieben werden. Die Toiletten sind in den Boden eingelassen und somit zum Hocken. Auch fließendes Wasser ist durch die völlige Abwesenheit von entsprechender Infrastruktur keine Selbstverständlichkeit. Wasser aus dem Wasserhahn hat nur, wer das Regenwasser auffängt und in einen Mini-Wasserturm pumpt.
Wir hatten im Wohnbereich für uns Freiwillige also einiges, was nicht zum Standard gehörte. So war der Kulturschock auch nicht allzu groß – fürs Erste.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  May 16, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
May 16, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Oh, wie schön ist Afrika!

In Hamburg traf ich die pensionierte Lehrerin Anne. Sie ist seit der Gründung mit Katempris, der Schule in Tansania, vertraut und besucht diese jährlich, um akademische Beratung und Fortbildungen für die Lehrer anzubieten. Im Januar stand ihr nächster Aufenthalt an. Ich als Frischling nutzte die Gelegenheit und buchte mich im gleichen Flieger ein, damit ich meine ersten Schritte als Freiwilliger in Afrika nicht alleine bestreiten musste. (Sie ist übrigens nicht die Gründerin Anne, nur eine Namensvetterin.)
Gemeinsam flogen wir nach Entebbe. Leser, die in Geografie bewandert sind, werden jetzt aufmerken und sagen: „Hat er nicht von einem Freiwilligendienst in Tansania gesprochen? Warum fliegt er dann nach Uganda?“ Und ich muss dir, lieber Leser, natürlich Recht geben. Nun liegt aber Kayanga so weit nordwestlich in Tansania (man könnte auch sagen mitten in der Pampa), dass Entebbe der nächste Flughafen ist.
Für uns hieß das, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise angekommen waren. Den kompletten folgenden Tag verbrachten wir im Taxi und ich sammelte meine ersten Eindrücke von Afrika. Der Victoriasee zog an uns vorbei, wir überquerten den Nullmeridian, der die Erde in Nord- und Südhalbkugel trennt, fuhren über charakteristische rostrote Pisten, aber auch über frischgeteerte Highways.
Als der Taxifahrer uns fürs Mittagessen zum Restaurant seines Vaters führte, erfuhr ich soziologisch Interessantes. Ebenjener Vater erzählte uns freiheraus, dass er polygam leben würde und momentan drei Frauen habe – und fügte lakonisch hinzu, in seinem Alter müsse er eben langsamer machen. Anne und ich schauten uns nur kopfschüttelnd an: Drei Frauen hat man also, wenn man es langsam angeht … Nach der Anzahl seiner Kinder gefragt, konnte er gar keine genaue Antwort geben, schätzte aber „um die 35“.
Dass es so etwas wie Polygamie überhaupt noch gibt, war mir komplett neu und öffnete mir die Augen wie wahnsinnig anders die dortige Kultur doch ist.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 26, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Apr 26, 2018