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FSJ in Tschechien

Auf und davon ?

Samstagmorgen, kurz nach sieben. Es ist noch dunkel. Draußen läuft der Motor unseres Škodas, der mich in wenigen Minuten quer durch Deutschland in meine neue Heimat bringen soll: Liberec, Liberecky kraj, Èeská republika.
Gut, dass die Zeit drängt, das verkürzt Sentimentalitäten. Eine kurze Runde durchs Haus, ein wehmütiger Blick auf mein Bett, eine feste Umarmung meiner Schwester – das war’s. Weihnachten bin ich ja wieder da. Bis dahin sind es „nur“ drei Monate.
Ich weiß noch nichts über meine Unterkunft und bin nicht mal wirklich nervös. Das ist ein schlechtes Zeichen. Irgendwo auf der Autobahn schlafe ich ein, meine Mutter fährt. Der Kofferraum ist mit zwei Koffern und einem Karton ziemlich voll, aber wozu gönnt man sich sonst den Luxus mit dem Auto „auszureisen“?
Ich hatte mit meiner Mentorin wieder nur einen Treffpunkt ausgemacht, letztes Mal hatte das so gut geklappt, dass wir den Versuch wagten, es bei „um halb sieben vor dem Supermarkt Albert“ zu belassen. Immerhin hatte ich dieses Mal ihre Handynummer, sodass mir ziemlich unbegründet der Schweiß auf der Stirn stand, als wir kurz vor Dresden mehr als zwei Stunden im Stau standen.
Wie durch ein Wunder kamen wir nach elfstündiger Reise (mit Pausen) rechtzeitig in Liberec an. Ich wurde in meine Unterkunft geführt und kaum, dass ich ein manierliches Bad und ein augenscheinlich überaus bequemes Bett sah, wurde ich sterbensmüde. Mit letzter Kraft räumte ich die Koffer aus, richtete alles halbwegs wohnlich her und gab Mutter alles Überflüssige wieder mit zurück. Auch die Bettwäsche. Letzteres war ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte…

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 29, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 29, 2010

FSJ in Tschechien

"Woher kommst du und wohin gehst du?"

„Woher kommst du und wohin gehst du?“  Verwirrt schaute ich meine Sitznachbarin an. Was für eine irrsinnige Frage. Treuherzig beantwortete ich sie: „Aus Westfalen nach Tschechien.“ Prompt kam die Retourkutsche: „ Aus Sachsen-Anhalt nach Costa Rica.“ Ich lachte. Meine Mitfreiwillige stimmte ein. Die Situation war aber auch mehr als komisch. Da treffen sich 250 junge Leute aus ganz Deutschland in einer Jugendbegegnungsstätte im Nirgendwo Brandenburgs und verschwinden nach zehn Tagen Vorbereitungsseminar in alle Ecken und Winkel der Erde.
Warum man uns mit einem Minimum an Kontakt zur Außenwelt hier zusammengepfercht hatte, war jedem von uns zunächst unklar. Und so liefen alle wie Hummeln im Marmeladenglas höchst verwirrt und planlos, aber dafür umso offener und kommunikativer, auf dem schier unendlichen Herbergsgelände herum. Erschwerend kam hinzu, dass man bei 250 Freiwilligen in den kompletten zehn Tagen kaum einmal jemanden, mit dem man schon geredet hatte, wieder traf. Selbst noch am letzten Tag stieg ich in den Bus und sah in lauter Fremde Gesichter. Hätte nicht jeder von ihnen ein gelbes Band mit Karte, auf der Land und Name verewigt waren, getragen, so hätte ich geglaubt, in den falschen Bus gestiegen zu sein.
Die Sache hatte aber auch etwas Positives: so viele Menschen- so viele Unterschiede. Die Tatsache, dass wir in über 60 Ländern der Erde die unterschiedlichsten Aufgaben erledigen und die unterschiedlichsten Erfahrungen machen würden, einte uns. Paradox, oder?
Und dennoch: Der Sinn des Seminars nahm Gestalt an, wir lernten vieles über Kultur, Pädagogik, Versicherungen, Toleranz, Konfliktverhalten und Sicherheit im Gastland. Aber das wichtigste war die Tatsache, alle Freiwilligen einmal zu sehen und nicht so zusammenhangslos in die Weltgeschichte zu verschwinden.

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 27, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 27, 2010

FSJ in Nicaragua

Zurück in Deutschland

Ich war nervös und aufgeregt, als das Flugzeug in Nürnberg landete. Nachdem ich mein Gepäck zusammengesucht hatte, ging ich kurz aufs Klo, um dort einen prüfenden Blick in den Spiegel zu werfen. Mein braungebranntes Gesicht starrte mich an. Müde sah es aus, etwas schmaler als sonst und (vielleicht bildete ich es mir auch nur ein) etwas älter. Eine alte Dame rempelte mich an. Eine Entschuldigung folgte nicht. Im Gegenteil. Ihr mürrischer Blick drückte aus, dass es noch meine Schuld gewesen war. Das schien mir typisch deutsch zu sein. Dieses Verhalten Älterer einer Jüngeren gegenüber. Doch ich erinnerte mich daran, positiv zu denken. Ich lächelte mir zu und lief durch die Absperrung.

Sofort sah ich meine Eltern, die mir wild zuwinkten. Meine Mutter rannte auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. Einerseits war es ganz komisch, sie plötzlich wieder zu sehen. Vor einigen Stunden war ich doch noch in einer ganz anderen Welt gewesen. Aber andererseits war alles so vertraut wie immer.

Meine Eltern hatten meine Rückkehr liebevoll vorbereitet. Das Haus war geputzt, der Frühstückstisch gedeckt und am Carport hing eine Girlande, auf der „Herzlich Willkommen“ stand. Ich wusste nicht, wie lange dieses Gefühl anhalten und was in den nächsten Wochen auf mich zukommen würde, doch in dem Moment, als ich das Haus betrat, freute ich mich, wieder in Deutschland zu sein.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 15, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 15, 2010