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FSJ in Nicaragua

Parasiten, Amöben, Nierenentzündung?

Am darauf folgenden Morgen erzählte ich Christians Eltern, was mir passiert war. Besorgt durchsuchten sie gleich die gesamte Hausapotheke nach Medikamenten und versicherten mir, dass ich bald wieder gesund sein würde.

Doch das war nicht der Fall. Von Tag zu Tag ging es mir schlechter. Die Magenkrämpfe und der Durchfall hielten an. „Vielleicht sind es Parasiten“, meinte Christians Vater. Das konnte ich eigentlich kaum glauben, da ich mich erst einen Tag vor meiner Abreise in San Carlos hatte entparasitieren lassen. Da das Leitungswasser dort so verschmutzt ist, muss man alle drei Monate Tabletten einnehmen, um die Parasiten loszuwerden. Das hatte mir damals meine Gastfamilie erklärt.

Als ich mich nach einer Woche immer noch nicht besser fühlte, brachte mich Christians Mutter zum Arzt. Dort wurden mir verschiedene Blut-, Urin-, und Stuhlproben entnommen und als wir das Ergebnis am nächsten Tag erhielten, waren wir alle erstaunt. Weder Parasiten noch Amöben hatten die Ärzte gefunden und auch meine Blutwerte schienen in Ordnung zu sein. Dafür aber verkündete mir der Doktor, dass ich eine so starke Nierenentzündung hätte, dass sie sich mittlerweile schon auf meinen Magen auswirke.

Dieser Diagnose standen wir am Anfang sehr skeptisch gegenüber, da mir weder meine Nieren noch das Wasserlassen wehtaten. Allerdings ging es mir schlagartig besser, als ich begann, das mir verschriebene Antibiotikum einzunehmen. Und so konnte ich sogar noch meine letzten Tage in Tegucigalpa und Santa Lucía genießen.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Apr 23, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Apr 23, 2010

FSJ in Nicaragua

Schweinegrippe?

Als ich am nächsten Morgen, oder besser gesagt Nachmittag, aufwachte und verschlafen in die Küche tappte, saß Christian bereits am Küchentisch und verspeiste genüsslich sein Omelette, das ihm Izmenia zubereitet hatte. Er erzählte mir, dass wir heute Abend unbedingt wieder ins „La Grotta“ gehen müssten, da „All you can drink“ sei. Gesagt, getan. Um 20 Uhr zog ich mich langsam an – dieses Mal noch eleganter als gestern – um mich etwas besser an den Stil der honduranischen Mädchen anzupassen.

Im Club angekommen, besorgte mir Christian gleich einen Tequila Sunrise, während ich mich mit seinen Freunden unterhielt. Da ich sie gestern schon kennen gelernt hatte, fiel mir die Konversation um einiges leichter als die Nacht zuvor.

Ganz plötzlich jedoch wurde mir unglaublich schwindlig. Als ich aufs Klo ging, um mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, bekam ich auf einmal schreckliche Bauchschmerzen. Ich krümmte mich zusammen und rannte in die Kabine. In meinem ganzen Leben war ich noch nie von so starkem Durchfall heimgesucht worden.

Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, war: Schweinegrippe. Alle in Nicaragua hatten mich davor gewarnt, doch ich hatte immer nur lachend abgewunken. Als ich schwach und zitternd zu Christian kam, konnte er mir schon von Weitem ansehen, dass ich krank war. Ohne lange zu zögern, fuhr er mich nach Hause.

Bevor ich ins Bett ging, beruhigte er mich lachend: „Du hast kein Fieber. Das kann nicht die Schweinegrippe sein! Du hast dir sicher nur irgendeinen Magen-Darm-Virus eingefangen.“ In der Hoffnung, dass er Recht hatte, schlief ich schließlich ein.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Apr 16, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Apr 16, 2010

FSJ in Nicaragua

100 Dollar pro Flasche?

Als wir in die Disko eintraten, blickte ich mit offenem Mund um mich. In der „Grotta“  gab es zwei verschieden Areas, in denen weiß-rote Ledersofas standen. Auf der Bühne bewegten sich drei Bauchtänzerinnen zu orientalischen Rhythmen, während mich honduranische Mädchen in Cocktailkleidern beäugten. Aus ihren Augen konnte ich lesen, dass ich eindeutig nicht elegant genug gekleidet war. Unsicher schaute ich an mir herunter. Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Für meinen Geschmack sah ich zu „tussig“ aus, aber hier war ich ganz klar „underdressed“. Egal, dachte ich mir. Das konnte ich jetzt auch nicht mehr ändern. Nun musste ich einfach das Beste aus der Situation machen.

Während Christian mir einen aufmunternden Blick zuwarf, führte er mich an einen Tisch in der VIP-Area, auf dem ein Schild mit seinem Namen stand. Nachdem er mich seinen Freunden vorgestellt hatte, lud er alle auf zwei Flaschen Whisky ein. Als ich den Preis sah, traute ich meinen Augen nicht. 100 Dollar pro Flasche??? In meinem Kopf drehte sich alles. Ich musste an meine Gastmutter denken, die noch nicht einmal 200 Dollar im Monat verdient, an meinen Freund, der oft keine 50 Cent hat, um ins Internetcafé zu gehen, und an meine beste Freundin, die kein Geld für ein Shampoo hatte. Und dann blickte ich um mich, sah den Reichtum, in dem Christian und ich uns befanden, und wusste nicht, was ich sagen oder denken sollte.

Als ich nachts in meinem Bett lag, ließ ich mir den Abend durch den Kopf gehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich viel Spaß mit Christian und seinen Freunden gehabt, die wirklich alle sehr nett zu mir gewesen waren. Ich hatte viel getanzt und mich vergnügt, aber irgendetwas hatte mich nicht in Ruhe gelassen: der Gedanke und die Trauer darüber, wie ungerecht diese Welt doch ist.

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Apr 12, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Apr 12, 2010