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Freiwilligendienst im Ausland

Marseille

Eines meiner letzten Wochenenden hier in Frankreich habe ich in der zweitgrößten und ältesten Stadt des Landes verbracht: Zusammen mit meiner Mitbewohnerin ging es nach Marseille.
Leider gestaltete sich die Anreise als ein kleines Abenteuer, denn wir verpassten trotz sechzig Minuten Umsteigezeit unseren Anschlusszug, weil wir nichts von der Sperrung einer Pariser Metrolinie wussten. Dank eines freundlich gestimmten Kontrolleurs durften wir aber zum Glück im nächsten Zug mitfahren und kamen so nicht viel später an.
Sobald sich bei unserer ankunft die Zugtüren öffneten, schlug uns die für den Süden Frankreichs typische Hitze entgegen. Und nicht nur das Klima, sondern auch Baustil und Landschaft unterscheiden sich deutlich von unserer gewohnten Umgebung in Troyes: Das Flair der Altstadt und den Hafen Marseilles kann man nur als typisch mediterran beschreiben. Auf einer Hügelkette über der Stadt thront außerdem eine Basilika, die vom alten Hafen aus gut sichtbar ist und bei unserer Ankunft wunderbar von der Abendsonne angestrahlt wurde.
Am Samstagmorgen fuhren wir in den Nationalpark Calanques, mit dem Ziel uns „gemütlich“ an den Strand zu legen. Was wir nicht wussten: Von der Bushaltestelle stand uns noch ca. eine Stunde Fußmarsch bis zum Meer bevor. Der Weg war dafür aber wunderschön, er führte auf eine Hügelkette hinauf, von der wir die kleine, türkisfarbene Bucht, die wir zum Baden auserkoren hatten, schon sehen konnten. Das Wasser war wunderbar klar und wir konnten unseren Ausflug in die Natur in vollen Zügen genießen.
Am nächsten Tag begaben wir uns auf die Spuren des Grafs von Monte Christo: Gleich morgens besuchten wir das Chateau d’If, die Gefängnisinsel vor Marseille, die Alexandre Dumas als Vorlage für seinen Roman diente – und auf der tatsächlich noch im ersten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene gefangen gehalten wurden.
In den zwei Tagen haben wir also viel unternommen – und waren richtig traurig, als wir am Montagmorgen wieder wegfahren mussten.

Freiwilligendienst im Ausland

Abschiedsgefühle

Die Uhr tickt: Nicht einmal fünf Wochen bleiben mir mehr in Troyes – und mit jedem Tag scheint die Zeit schneller zu verfliegen. Da hier die Sommerferien schon Anfang Juli beginnen, habe ich vergangene Woche zum letzten Mal meine Kunstkurse gehalten. Und auch in der Spielebibliothek ändert sich der Arbeitsplan mit Beginn der Ferienzeit. Wie alle Freiwilligen aus der Region haben wir außerdem schon an einem letzten Seminartag mit unserem Tutor teilgenommen.

Seit einiger Zeit bin ich wegen dieser ersten Abschiedsgefühle wehmütig gestimmt. Dass ich gerade alleine in der WG bin, weil meine Mitbewohnerin zurzeit in Spanien ist, macht das baldige Ende meines Freiwilligendienstes noch realer. Ich finde es schade, gerade jetzt Abschied nehmen zu müssen. Schließlich fühle ich mich nun endlich in der französischen Sprache zu Hause und habe mich gut in Troyes eingelebt. Außerdem wacht die Stadt gerade aus ihrem langen Winterschlaf aus, denn dank der vielen Touristen sind die Straßen deutlich belebter als zuvor. Besonders gerne schlendere ich abends durch die engen Gassen, vorbei an den vielen alten Fachwerkhäusern, Bars und Restaurants und genieße die besondere Atmosphäre. Andererseits freue ich mich natürlich auch ein bisschen auf meine Rückkehr nach Deutschland. Schließlich werde ich dann auch meine Familie und Freunde wiedersehen. Außerdem bin ich auch auf mein Studium gespannt. Denn ich habe endlich eine Entscheidung getroffen: Ab Oktober möchte ich in Bamberg Psychologie studieren! Die Bewerbung ist abgeschickt und auch die Suche nach einem passenden WG-Zimmer hat begonnen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Vor dem Ende meines Freiwilligendienstes habe ich noch einiges vor: Geplant sind u.a. ein mehrtägiger Aufenthalt in Paris mit den Jugendlichen aus dem Sozialzentrum, die Teilnahme an einem Seminar in Narbonne, sowie Reisen nach Marseille, Boulogne-sur-Mer und nach Lille. Meine letzten Wochen in Frankreich versuche ich also voll auszukosten.

Freiwilligendienst im Ausland

Französische Esskultur

Nicht umsonst heißt es „Leben wie Gott in Frankreich“. Nach acht Monaten hier kann ich bestätigen, dass die meisten Franzosen einen anderen Bezug zum Essen haben als der durchschnittliche Deutsche.
Ein Mittag- oder Abendessen unter Franzosen kann sich gut und gerne einmal über mehrere Stunden erstrecken. Das liegt vor allem an der Anzahl der Gänge: Eine „ordentliche“ Mahlzeit besteht schließlich aus Vorspeise, Hauptspeise, Fromage (Käse) und Dessert!
Sogar in französischen Jugendherbergen werden häufig alle vier Gänge serviert.
Und auch in der Mittagspause kommt es nicht selten vor, dass meine Kollegen einen Salat, anschließend eine warme Mahlzeit und als Nachtisch einen Joghurt verputzen.
Meine typisch deutsche Brotzeit – in der Regel ein Apfel und ein belegtes Baguette – wird nach wie vor misstrauisch beäugt – der Verzehr eines Sandwichs gilt schon fast als „Fast Food“.
Auch die Aufteilung der Mahlzeiten unterscheidet sich von deutschen Gewohnheiten: Nach dem Mittagessen folgt in Frankreich um 16 Uhr die beinahe obligatorische Zwischenmahlzeit, das „goûter“. Hier wird ausschließlich süß gegessen, die Kinder im Sozialzentrum bekommen zum Beispiel ein Schokobrötchen, ein Stück Baguette mit einer Rippe Schokolade darin, Kekse oder eine Apfeltasche. Über die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Schlemmerei sollte man besser nicht zu lange nachdenken. Fest steht: Wer hier in Troyes einen Bäcker betritt, wird von der Auswahl süßer Spezialitäten, verschiedenen Küchlein, Éclairs und kunstvoll verzierten Törtchen geradezu übermannt. Selbst nach über einem halben Jahr habe ich noch nicht alles probiert!
Das Klischee des „guten französischen Essens“ kann ich also vollends bestätigen – seit Oktober habe ich vor allem den guten Camembert hier zu schätzen gelernt, aber auch Galettes (Pfannkuchen aus Buchweizen) und Quiche möchte ich nicht mehr missen. Kürzlich habe ich im Restaurant sogar einmal Schnecken probiert. Diese waren zwar sehr lecker, aber wenn ein Menü 22 Euro kostet, kann einem schnell der Appetit vergehen…

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 24, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
Jun 24, 2019